Denk-Aufgabe 1102 vom 3.4.2010

 

Demokratie und Mündigkeit

Eine kritische Betrachtung am Beispiel der Struktur- und Führungsmängel im Schweizerischen Verband für Pferdesport

Inhaltsverzeichnis
Grundsätzliche Betrachtungen zu Demokratie und Mündigkeit
Demokratie?
So wenig Regeln wie möglich
Hohe Anforderungen an Eigenverantwortung und Mündigkeit
So wenig Machtballung wie möglich
Die Gefahr geliehener Macht
Milizsystem und Ehrenamt
Meinungsäusserungsfreiheit
Ist Demokratie nur eine Staatsform?
Demokratie ist kein absoluter Wert
Gibt es Tabus in der Demokratie?

Demokratie im Schweizerischen Verband für Pferdesport
Wie demokratisch ist der SVPS?
Militärische Strukturen
Der nicht ganz geglückte Übergang zur zivilen Reiterei
Kompetenz-Querelen und Blockaden
Spitzensport – nur für die Begüterten?
Basis und Spitze
Regionalverbandsverantwortlichen-Konferenz
Konzentration der DL auf den internationalen Sport
Gescheiterte Gewaltentrennung
Vorschläge für mehr Demokratie im SVPS
Föderalisierung
Mehr Wettbewerb
Mehr Eigenverantwortung, weniger Regeldichte
Entschlackung des SVPS
Änderung der Mitgliederstruktur des SVPS
Direkte Wahlen und Abstimmungen
Veränderung der Kommunikation des und mit dem SVPS
Einladung zur Debatte

 

Grundsätzliche Betrachtungen zu Demokratie und Mündigkeit

 

Demokratie?

Man darf mit Fug darüber streiten, was unter dieser im alten Athen entwickelten Form der Selbstverwaltung eines Kollektivs zu verstehen sei. Darüber sind schon ganze Bibliotheken gefüllt worden und ich möchte nur skizzieren, worauf ich in diesem Text den Hauptfokus legen möchte: Demokratie ist aus meiner Sicht diejenige Organisationsform eines Kollektiv, in der die Betroffenen bei allem sie Betreffenden mitbestimmen können. Dahinter steckt die Annahme, dass das einzelne Mitglied eines Kollektivs besser mit dem Beschlossenen zurecht komme, wenn es sich selbst in die Beschlussfassung einbringen konnte. Da es aber logischerweise zu dieser Organisationsform gehört, dass der Einzelne mit seinem Anliegen immer wieder auch nicht durchdringt, sondern von der Mehrheit überstimmt wird und sich mit jeder verlorenen Abstimmung seine Unzufriedenheit verstärkt, sind der Demokratie folgende Tendenzen inhärent:

 

So wenig Regeln wie möglich

Eine gesunde Demokratie zeichnet sich aus durch eine Tendenz zu geringer Regeldichte: was nicht unbedingt geregelt werden muss, soll der Eigenverantwortung des Einzelnen überlassen bleiben. Damit ist die Demokratie an eine liberale Grundhaltung geknüpft. Staatsgläubigkeit, Regeldichte, Wohlfahrtsstaat, Umverteilung – alle sozialistischen Stossrichtungen laufen so gesehen der Grundidee der Demokratie zuwider.

 

Hohe Anforderungen an Eigenverantwortung und Mündigkeit

In Athen durften nur Bürger im Vollbesitz ihrer bürgerlichen Rechte an den demokratischen Prozessen teilnehmen. Man musste reif und mündig sein für die Demokratie. Die heute oft als 'demokratisch' missverstandene Tendenz, alle und jeden unabhängig von seiner geistigen Reife mitbestimmen zu lassen, geht meines Erachtens genau so in die falsche Richtung wie die reine Anknüpfung der politischen Mündigkeit an das Erreichen eines bestimmten physischen Alters. Eines der ersten Erfordernisse für das Erlangen geistiger Mündigkeit ist das Umgehenkönnen mit Meinungspluralismus oder, anders gesagt, das völlige Freisein von absoluten Wahrheitsansprüchen. Damit fallen aber bereits riesige Teile der heutzutage in unseren (Schein-)Demokratien Abstimmenden aus dem Kreis mündiger Bürger heraus. Absolute Wahrheitsansprüche – also die Überzeugung, die einzig richtige Lösung eines Problems, die einzig richtige Sicht auf etwas zu haben – stellen nicht nur religiöse, rassistische oder politische Fundamentalisten, sondern auch die Grosszahl der Wissenschaftsgläubigen. Auch und gerade im Bereich der Wissenschaft zeigt sich die Gauss'sche Kurve sehr deutlich: oben der schmale Bereich der Nobelpreisträger und echten Top-Leute, die meist auch ihren eigenen Leistungen hochkritisch gegenüberstehen und deren Gültigkeitsanspruch relativieren, und darunter die breite Masse der Anhänger und Anwender, die das Angelernte und Übernommene – meist mit Statistiken und Studien verbrämt – zur absoluten Wahrheit verklären. So viel hat sich meines Erachtens seit dem Mittelalter nicht geändert. Der absolute Wahrheitsanspruch ging einfach von der Kirche auf die Wissenschaft über. Dies obwohl kluge Wissenschaftsphilosophen wie Karl Popper postulierten, die Falsifizierbarkeit einer Aussage sogar zum eigentlichen Merkmal wissenschaftlicher Aussagen zu machen.

 

So wenig Machtballung wie möglich

Das tiefe Misstrauen gegenüber jeder Form von Machtkonzentration gehört genuin zur Demokratie. Wenn überhaupt Macht delegiert werden soll an Einzelne oder an Teile des Kollektivs, dann nur eine möglichst eng umschriebene und kontrollierte. Auch diese Machtkontrolle erfordert aber eigenverantwortliche und mündige Bürger, die bereit sind, sich soviel Wissen, Können und Unabhängigkeit anzueignen, dass sie auch fähig sind und bleiben, die delegierte Macht zu kontrollieren. Klassisches Beispiel ist die in der Schweiz institutionalisierte Gewaltentrennung in eine regierende Exekutive, die von der Legislative beauftragt und kontrolliert wird, und daneben eine Judikative, die unabhängig von den beiden anderen Gewalten das Tun aller kontrolliert. Als sogenannte 'vierte Gewalt' gelten die Medien, soweit sie denn wirklich frei und unabhängig sind. Das Mass der Delegation von Befugnissen an Einzelne oder Teilkollektive ist ein guter Gradmesser für den Zustand einer Demokratie: je weniger Delegation, je mehr Befugnis beim Einzelnen bleibt, desto näher sind wir der ursprünglichen Idee der Demokratie, die sich am stärksten und längsten in der Landsgemeinde zeigt. Auch der Gedanke des Föderalismus – nur so viel Kompetenz wie unbedingt nötig an die grösseren Kollektive zu delegieren, gehört zu dieser Tendenz, Machtballung zu vermeiden. Der Trend der letzten Jahrzehnte in der Schweiz, immer mehr Kompetenzen von den Gemeinden an den Kanton und von den Kantonen an den Bund zu delegieren, steht deshalb symptomatisch für die Erodierung der Demokratie.

 

Die Gefahr geliehener Macht

Wer sich mit eigener geistiger und physischer Kraft, mit erworbenem Wissen und Können Machtbefugnisse aneignet, sei es als Handwerker, Künstler, Unternehmer, Wissenschaftler, ist weniger gefährdet, diese Macht zu missbrauchen, als wer sie als Politiker oder Beamter vom Kollektiv geliehen bekommt. Natürlich braucht es für gewisse Ämter auch einen Leistungsausweis, aber sehr oft reicht das reine Wollen, das Sich-zur-Verfügung-stellen aus, um in die in der Regel finanziell wenig lukrativen Ämter gehievt zu werden. Die Chance, dass die Motivation zumindest eine grosse Portion Machtgier enthält, ist entsprechend grösser bei denen, die sich als Funktionäre, Beamte, Politiker um solche Ämter bewerben, die ihnen eine Machtfülle in Aussicht stellen, die sie aus eigener Kraft nie erwerben könnten. Am stärksten ins Gewicht fällt dieses Missverhältnis zwischen Kompetenz und Machtfülle der Amtsinhaber bei den Aufgaben, die fast oder gar nicht bezahlt werden, also bei den sogenannten ehrenamtlichen Funktionen. Aber nicht nur der Missbrauch, auch der redlich gemeinte Gebrauch der Machtfülle ist eine Gefahr für die Demokratie. Denn die Qualität eines demokratisch organisierten Kollektivs bemisst sich nicht am Bruttosozialprodukt oder am Ansehen unter den Angehörigen anderer Kollektive, sondern an der grösstmöglichen Beteiligung und Eigenverantwortung der Mitglieder des Kollektivs. Eine gesunde Demokratie versucht deshalb stets, das Mass der Delegation von Macht so klein wie möglich, so gross wie nur gerade unbedingt nötig zu halten und diejenigen, die über geliehene Macht verfügen, mit grossem Misstrauen zu kontrollieren. In Athen sorgte auch ein ausgeklügeltes Zufalls-Wahlsystem dafür, dass keiner zu lange über Machtfülle verfügte und sich allzu madig darin fettfressen konnte. Zu dieser Gefahr für die Lebendigkeit und Funktionalität der Demokratie durch die 'classe politique', des Beamtenstaates und überhaupt des starken, ausgebauten Staates kommt die Eigendynamik hinzu, die der eifrige Politiker oder Beamte entwickelt, um sich gegenüber seinen Wählern bzw. Vorgesetzten zu legitimieren. Ein fleissiger Parlamentarier will sein Mandat rechtfertigen, indem er neue Regeln vorschlägt, von denen er glaubt, dass sie seiner Wählerschaft nützen. Der emsige Beamte entfaltet bürokratischen Eifer und hilft in wohlmeinender Absicht, den Verwaltungsapparat aufzublähen. Das Resultat ist aber in aller Regel kontraproduktiv: Hohe Regeldichte und wuchernde Bürokratie sind zutiefst demokratiefeindlich, schmälern die Freiheit und Eigenverantwortung des Einzelnen. Aber wie anders soll sich ein Inhaber von delegierter Machtbefugnis legitimieren, wenn nicht mit Fleiss und Eifer? Die naheliegende Lösung, den Staatsapparat mit Beamten und Politikern zu verkleinern, wird kaum je realisiert, da die Gewählten verständlicherweise an ihren Pfründen kleben. Denn es handelt sich meistens um Menschen, die sich in der freien Wirtschaft ja gerade nicht oder nur mit Mühe durchsetzen könnten. Ihre Angst vor dem Machtverlust ist also durchaus nachvollziehbar. Die langfristige Lösung könnte darin liegen, die Inhaber delegierter Macht derart rasch zu wechseln, dass es kein Lebenskonzept mehr darstellt, Politiker bzw. Beamter zu werden bzw. zu sein. Oder umgekehrt gesagt: alle sind auch Politiker und helfen, die absolut notwendigen Verwaltungsfunktionen zu erfüllen.

Dieser Lösungsansatz ist uns im Bereich der Armee in Form des Milizprinzips bestens bekannt. Zumindest in der Zeit vor der exponentiellen Schwindsucht des Armeebestandes war jeder einigermassen gesunde Schweizer Bürger auch Soldat. Damit war die Gefahr einer wuchernden Macht im Staat, einer eigenen 'classe militaire' weitgehend gebannt, ein Militärputsch kaum denkbar. Genauso könnten wir versuchen, die 'classe politique' und die Beamtenschaft elegant abzuschaffen oder zumindest auf ein Minimum zu reduzieren. Der einzige Politiker, der dies je forderte und in seiner kurzen Zeit als Exekutivmitglied auch realisierte, war Christoph Blocher, ein hocherfolgreicher Unternehmer, den die Ängste der andern vor dem Verlust staatlicher Pfründen nicht umtrieb. Doch das Misstrauen gegenüber der 'classe politique' würde ein Bekenntnis zum liberalen Staat erfordern, wie es heute nicht einmal mehr die Parteien zu geben wagen, die die Bezeichnung 'liberal' im Parteinamen tragen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass wir in unserem sozialistischen 'Wohlfahrtsstaat' längst die gegenteilige Tendenz beobachten können: immer mehr Beamte, immer mehr unternehmerfeindliche Bürokratie, immer mehr Halb- bis Ganzprofi-Politiker, die gar nichts mehr anderes tun, als ihre geliehene Macht zu zelebrieren, immer hysterischere, unmündigere Bürger, die bei jedem Thema nach möglichst flächendeckenden Regeln schreien, eine galoppierende Verschiebung der Kompetenzen von den Gemeinden zu den Kantonen und von diesen zum Bund, überall wettbewerbsbehindernde Massnahmen zur Gleichschaltung aller Kollektive. Die lebendige, starke, gesunde, föderalistische Demokratie mündiger, eigenverantwortlicher Bürger ist auch hierzulande akut vom Aussterben bedroht.

 

Milizsystem und Ehrenamt

Aus all den erwähnten positiven Merkmalen der ursprünglichen Demokratie im Sinne des alten Athens ergibt sich die hohe geistige und moralische Anforderung an das einzelne Mitglied eines demokratischen Kollektivs. Mündigkeit und Eigenverantwortung, die Kompetenz, mit Meinungspluralismus umzugehen, die Bereitschaft, sich für die Kontrolle der Macht einzusetzen, führen nachvollziehbar auch zu einer Kultur des freiwilligen Einsatzes für das Kollektiv. Es ist eine völlig unpathetische, unfanatische, auch nicht nationalistisch-rassistische Art von Einsatz, die ich hier meine: ein Engagement nicht aus missionarischem oder ideologischem Drang, sondern aus der Einsicht, dass das Kollektiv nur funktioniert, wenn man seine Kompetenzen auch dafür einsetzt. So gehört der Milizgedanke ebenfalls genuin zu einer Demokratie. Das Milizsystem ist nicht nur in unserem Land ein zentraler Stützpfeiler für die Prosperität der Gesellschaft. Es nährte sich aus einer eigenverantwortlichen und dem Kollektiv für das Erhaltene dankbaren Grundhaltung des Einzelnen, der dort, wo er eine ihm gemässe Möglichkeit sah, dem Kollektiv seine Dienste anbot und dabei nicht seinen eigenen Vorteil, sondern den Nutzen für das Kollektiv in den Vordergrund stellte. Milizdienst wird aber bis heute auch mit mehr oder minder unentrinnbarem Druck erzwungen. In der Schweiz ist es vor allem der für diensttaugliche Männer nach wie vor obligatorische Wehrdienst, der an die ursprüngliche Idee des Kollektivs erinnert, das – und nur das – erzwungenermassen gemeinsam zu tun, was der Einzelne nicht im Alleingang bewältigen konnte – und was man nicht marktwirtschaftlicher Konkurrenz anvertrauen wollte: bei der Armee zum Beispiel das Bemühen um genau so viel Sicherheit, dass der Einzelne seine Freiheit optimal leben konnte.

Die Entwicklung – oder sollte man besser sagen: die Verwicklung – der letzten Jahrhunderte von diesem sogenannten 'Nachwächterstaat' weg zum modernen sozialen Wohlfahrtsstaat erodierte vor allem die Eigenverantwortung und mit ihr den Willen zu Freiheit und Selbstbestimmung. Die Grundhaltung der Mehrheit der Einwohner der westlichen 'Nannystates' ist die der offenen Hand, des kindlichen Anspruchs, dass Mami oder Papi Staat es richten soll, helfen, retten, pflegen und vor allem zahlen soll für all den Unfug, den das Einzelbaby im Laufe eines Lebens so anstellt.

Mit dieser etwas kantig skizzierten Entwicklung vom eigenverantwortlichen Bürger zum unmündigen, verweichlichten, verwöhnten Anspruchs-Kindskopf veränderte sich selbstredend auch die Haltung gegenüber Milizsystem und Ehrenamt. War die heute ältere Generation der Schweizer Männer noch geprägt von den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts und leistete entsprechend freiwillig und einsatzfreudig ihren Militärdienst, muss die Armee heute mit Vorteilen für den Einzelnen werben, um wenigstens die kleine Zahl noch gebrauchter Armeeangehöriger anzulocken. Ähnlich ist es in der Politik und im Vereinswesen. Es ist nur noch selten diese nüchterne Art des verantwortungsbewussten Bürgers, das ihm Gemässe für das Kollektiv zu tun, sondern immer häufiger nur die Gier nach wenigstens einem kleinen bisschen Macht, das dem Versagertypen in den übrigen Lebensbereichen verwehrt blieb, das entsprechend wenig kompetente Figuren sich zur Verfügung stellen lässt für politische Posten und Ehrenämter.

 

Meinungsäusserungsfreiheit

Aus dem Bewusstsein heraus, dass das demokratisch organisierte Kollektiv nichts anderes ist als der mit viel Kritik, Auseinandersetzung, Debatte und Wahlkampf ständig sich wandelnde minimalste Konsens der Beteiligten, ergibt sich die hohe Gewichtung der Meinungsäusserungsfreiheit. Voltaire spitzte den Gedanken zu, indem er zu einem politischen Gegner sinngemäss sagte: "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür geben, dass du es sagen darfst." Und zu den Feinden der Meinungsäusserungsfreiheit meinte er: "Es ist klar, dass jeder, der einen Menschen, seinen Bruder, wegen dessen abweichender Meinung verfolgt, eine erbärmliche Kreatur ist." – Aus dieser Sicht wimmelt es von erbärmlichen Kreaturen, auch hierzulande, auch in den Verbänden und Vereinen, wenn man das Verb 'verfolgen' genügend weit fasst und nicht mit Inhaftierung gleichsetzt. Denn wer es wagt, eigene Ansichten zu haben – und sie gar noch öffentlich zu äussern! – Meinungen, die den Tonangebenden in welchem Kollektiv auch immer nicht passen, muss mit üblen Folgen rechnen. Er wird gemobbt, marginalisiert, ignoriert, bekämpft, kalt gestellt, ausgetrickst, verfemt, gemieden, mit allen Mitteln zur 'persona non grata' degradiert. Je mehr die grossen, staatlichen Kollektive von Gleichschaltung und behördlich erzwungenem Konsens geprägt sind, desto stärker zeigt sich diese Tendenz auch in den subsidiären Kollektiven bis hinab zur Familie.

Ein paar Beispiele: Gab es je eine Zeit, die verkrampfter, hysterischer und verlogener umging mit Erotik als die unsere? Und können Sie sich irgendein mittelalterliches Kollektiv vorstellen, das bestimmte Hunderassen verbietet, Millionen von Tieren umbringen lässt, nur weil irgendein einzelnes dieser Tiere einen Menschen schädigte oder eine als gefährlich eingestufte Krankheit hatte? Und kann mir jemand eine Zeit nennen, in der man Misswirtschaft und Liederlichkeit derart belohnte wie wir es heute mit Grossbanken und selbstverschuldet verschuldeten Staaten machen? Machen Sie die Probe auf's Exempel und äussern Sie lautstark die Ansicht, man hätte die UBS Konkurs gehen lassen sollen, die nächste Seuche komme dann, wenn die Chemiebranche wieder Impfstoffe verkaufen wolle und man müsse nicht die Hunde, sondern die Menschen ausbilden und selektionieren, die Hunde halten dürfen – und die Städter ausbilden, wie man mit Tieren umgeht. Oder sagen Sie, man solle die Sozialwerke völlig abschaffen und wieder zur Armengenössigkeit zurück gehen, die wunderbar funktionierte bis in die 50-er Jahre des letzten Jahrhunderts. Die Liste von Ansichten, die man heute nicht äussern darf, wenn man nicht als Aussätziger von der Gesellschaft ausgeschlossen werden will, lässt sich beliebig verlängern. All dies zeigt, wie weit wir uns auch in der Schweiz entfernt haben von der genuin zu einer gesunden Demokratie gehörenden Meinungsäusserungsfreiheit und dem gelassenen Umgang mit Kritik, mit dem Hinterfragen von allem und jedem.

 

Ist Demokratie nur eine Staatsform?

Aus meiner Sicht Nein: Demokratie ist eine Organisationsform, die sich mehr oder weniger gut für jedes Kollektiv eignet. Wir haben es vor kurzem in verschiedenen Kantonen wieder hautnah erlebt, was für Blüten Wahlen in einem staatlichen Kollektiv so treiben. "Wählen Sie mich! Ich stehe für Sie 24 Stunden täglich am Wald- und Feldrand, in Hunderten von Gärten. Ich stehe unerschütterlich für Sie an Hausmauern, auf Holzpfählen und trotze Wind und Wetter…" – ausser der Klebstoff sollte doch nicht das halten, was er versprach, nämlich mich, oder zumindest mein Konterfei aufrecht, faltenfrei und farbecht auf hartem Hintergrund zu halten. Auch böse Buben oder politische Gegner könnten mein zwar flaches, aber trotzdem bedeutsames Antlitz verunstalten oder gar herunterreissen – gottlob habe ich unzählige Gesichter und wenn nur mal eines weg ist, was soll's…"

Ja, die uns jeweils landauf, landab aus Gärten und Feldern anlächelnden und um unsere Bürgerstimme buhlenden Damen und Herren haben irgendwie etwas Rührendes – vielleicht auch etwas ganz leicht Peinliches, wenn nicht gar Prostitutives, wenn sie sich uns so anbieten, uns einladen, sie 'hautnah' zu erleben.

Wir können lachen darüber, wie sich all die Kandidatinnen und Möchtegern-Räte anbieten, aber dass sie sich um Stimmen beim Wahlvolk bemühen müssen, darüber könnten wir uns durchaus freuen. Denn es ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass wir in einem demokratischen Staat leben, in dem die von der Tätigkeit der Machthaber Betroffenen etwas zu sagen haben, nicht nur zu Sachgeschäften, sondern auch zu den Personen, die behaupten, sie würden uns vertreten. Unter jungen Leuten ist hierzulande die Teilnahme an demokratischen Prozessen wenig 'in'. Vielleicht ist es zu selbstverständlich, dass man dürfte, vielleicht reicht auch die erreichte Reife noch nicht aus, um über die ganz unmittelbar und tagesaktuell das so zentral wichtige Ich betreffenden Bedürfnisse hinaus zu blinzeln. Die Protestbewegungen in all den Staaten, die den Betroffenen wenig oder gar keine Beteiligungsmöglichkeiten bieten und bestenfalls über scheindemokratische Strukturen verfügen, könnten allerdings helfen, das Selbstverständliche ein ganz klein wenig zu schätzen zu beginnen. Vielleicht hilft es aber auch, wenn wir uns etwas umschauen in anderen Kollektiven, in die wir involviert sind: Wie steht es denn mit demokratischen Strukturen in meiner Familie, Sippe, Wohngemeinschaft, im Mehrfamilienhaus, in der Nachbarschaft, im Quartier, an meinem Arbeitsplatz, im Verein, Club, in der Partei, in der religiösen Gemeinschaft – wo auch immer wir auf minimale kollektive Strukturen stossen, können wir mal mit der 'Demokratie-Suchnase' herumschnüffeln und dann mit dem Gefundenen eine kleine Auslegeordnung machen.

 

Demokratie ist kein absoluter Wert

In der Feuerwehr, in der Armee, bei der Polizei, bei Rettungskorps, aber auch in vielen straff geführten Unternehmungen suchen wir meist vergeblich nach demokratischen Strukturen. Überall dort, wo es pressiert, wo unter Zeitdruck hochrelevante Entscheidungen getroffen werden müssen, versagen die meist sehr zeitraubenden demokratischen Prozesse. Bis alle Feuerwehrsoldaten darüber abgestimmt hätten, von welcher Seite das brennende Gebäude angegangen werden solle, wäre der vielleicht sehr differenzierte Entscheid obsolet, nicht mehr relevant, da das Brandobjekt längst in Schutt und Asche läge. Oft ist es aber auch die fehlende Fachkompetenz, die gar nicht von allen Betroffenen innert nützlicher Frist erworben werden kann, die zu repräsentativen Strukturen führt, bei denen die Grundidee der Demokratie aber mehr und mehr ausgehöhlt wird. Am Anfang ist es nur eine Aufteilung der Tätigkeiten, aber die Gefahr ist immer latent vorhanden, dass sich der Einzelne dann gar nicht mehr um Fachkompetenz bemüht, auch nicht um die, die er benötigte, um die Tätigkeit der Vertreter zu beurteilen und sie bei nächster Gelegenheit entweder wiederzuwählen oder abzusetzen. In Ländern mit Berufsparlamenten lässt sich dies gut beobachten: Der betroffene Bürger foutiert sich völlig um die komplexen Sachthemen und zeigt damit, dass er die Eigenverantwortung und Mündigkeit des athenischen Stadtbürgers verloren – oder gar nie besessen hat. Bei dieser Delegation aus Faulheit, Bequemlichkeit, Überforderung oder schlicht Dummheit beginnt der Prozess der Erosion der Demokratie.

Aber auch in vielen Unternehmen und anderen Kollektiven zeigt sich dieses völlige Abschieben der Verantwortung auf den bzw. die, die mit einer bestimmten Machtfülle ausgestattet wurden. Zur Demokratie gehört aber ganz genuin die Kontrolle und Begrenzung jeglicher Macht, wie ich einleitend zu zeigen versuchte.

 

Gibt es Tabus in der Demokratie?

Die alte Streitfrage ist, ob die Demokratie sich selbst abschaffen darf, wenn eine Mehrheit des davon betroffenen Kollektivs dies will. Im Sinne Voltaires sollte es keine Tabus geben, keine Ansichten, die nicht geäussert werden dürften bzw. über die nicht abgestimmt werden könnte. Von dieser Idealform der Demokratie sind die realen, sich demokratisch wähnenden Kollektive allerdings mehr oder weniger weit entfernt. So gehört in den meisten Demokratien ihre Abschaffung zu diesen Tabus. Aber die Entweder-Oder-Frage ist – wie alle auf Binarität reduzierten Fragen – zu simpel, zu dumm, zu undifferenziert. In Wirklichkeit schaffen sich Demokratien schleichend ab – genau das ist der Prozess, den wir in den sozialen Wohlfahrtsstaaten in den letzten Jahrzehnten verfolgen konnten, indem alle oben erwähnten Ingredienzien der Demokratie langsam, aber sicher erodieren. Oft verstecken sich mehr oder weniger autokratische oder sogar diktatorische Machtstrukturen auch hinter vordergründig demokratisch scheinenden Organisationsformen. Ein gutes Beispiel dafür ist Russland, wo scheinbar Parteienvielfalt vorhanden ist und Abstimmungen organisiert werden – in Tat und Wahrheit hat aber der einzelne Bürger nicht die geringste Mitbestimmungs-möglichkeit. Auch die Gewaltentrennung ist nur eine scheinbare, wie der jeglicher Rechtsstaatlichkeit spottende Prozess gegen den Unternehmer Chodorkowski zeigte. Näher gelegenes Beispiel ist das Italien Berlusconis, das doch grosse Ähnlichkeit mit einer Despotie aufweist – aber immer noch unter dem Deckmäntelchen einer Demokratie auftritt.

Am Pferdesport im allgemeinen und am SVPS im speziellen nicht Interessierte können hier zum Apéro wechseln und dabei ein bisschen in den eigenen Kollektiven nach Demokratie-Überbleibseln - und der eigenen Rolle darin - schnüffeln, was dann auch gleich der intendierten Denk-Aufgabe entspräche.

Meine These geht nun dahin, dass beim Schweizerischen Verband für Pferdesport SVPS durchaus vergleichbare Demokratie-Defizite auszumachen sind wie in den erwähnten Scheindemokratien – und dies ohne die Ausrede, es gehe wie in der Feuerwehr, der Armee oder in gewissen Unternehmensspitzen um Entscheide, die so drängten oder so komplex seien, dass sie eben nicht auf demokratischem Weg gelöst werden könnten. Ich behaupte weiter, dass sich die Demokratie-Defizite im SVPS insofern erschwerend auswirken, als die delegierte Macht im Milizsystem oft von wenig dafür geeigneten Personen innegehalten und von anderen Personen im Ehrenamt kontrolliert wird, denen wiederum die Fähigkeit zu effizienter Kontrolle mangelt.

Zum Beleg dieser These möchte ich die einleitenden Gedanken zu Demokratie und Mündigkeit nun versuchsweise auf den SVPS anwenden.

Demokratie im Schweizerischen Verband für Pferdesport

 

Wie demokratisch ist der SVPS?

Auf den ersten Blick scheint die Struktur des SVPS doch einige demokratische Elemente zu enthalten: in den Vereinen stimmen die Mitglieder über die Sachgeschäfte ab und können ihre PräsidentInnen bzw. ihre Delegierten auch beauftragen, ihre Anliegen im Regionalverband zu vertreten, wo dann tatsächlich oft auch demokratisch um einen Konsens gerungen wird. Die Regionalverbands-präsidentInnen tragen die gebündelten Anliegen in die Mitgliederversammlung des SVPS, deren Entscheide dann vom Vorstand SVPS umgesetzt werden. – Klingt doch alles recht nett, oder nicht? Die konkrete Wirklichkeit sieht allerdings etwas anders aus, dies aufgrund historisch gewachsener, wenig demokratiefreundlicher Strukturen und eklatanter Führungsmängel, die durch die Mischung von Milizsystem und Machtballung entstehen.

 

Militärische Strukturen

Die Struktur der Regionalverbände (RV) mitsamt der Grosszahl ihrer Vereine stammt aus der Zeit der Kavallerie, was sich bis heute sowohl in der Bezeichnung der beiden grössten Regionalverbände, dem OKV (Verband ostschweizerischer Kavallerie- und Reitvereine) und dem ZKV (Zentralschweizerischer Kavallerie- und Pferdesportverband), wie auch in der Bezeichnung vieler Reitvereine zeigt, die die Kavallerievergangenheit bis heute im Namen tragen. Bis zur Abschaffung der Kavallerie 1973 dienten diese Kavallerievereine und damit natürlich auch die übergeordneten Regionalverbände der ausserdienstlichen Ertüchtigung der Kavalleristen und ihrer Eidgenossen. In aller Regel wurden die Vereine von Offizieren geführt, die Regionalverbände meist von höheren Offizieren. Zu dieser 'Ertüchtigung' gehörten mehr und mehr auch sportliche Wettkämpfe, die der Motivation der Kavalleristen dienten, ihre Bundespferde im Schuss zu halten. Der seit 1900 bestehende Verband der schweizerischen Renngesellschaften firmierte sich 1933 um zum 'Schweizerischen Verband für Pferdesport', der sich 1938 in eine Abteilung Rennen und eine Abteilung Concours aufspaltete. Bis zur Abschaffung der Kavallerie 1973 bestanden die militärischen und zivilen Organisationen nebeneinander.

 

Der nicht ganz geglückte Übergang zur zivilen Reiterei

Der Versuch, nach 1973 die militärischen und zivilen Strukturen des Reitsports in der Schweiz harmonisch zu koordinieren, sind – so meine ich – bis heute nicht vollumfänglich gelungen. Die Regionalverbände betonen – deutschen Freistaaten wie Bayern vergleichbar – immer wieder ihre Unabhängigkeit und ihre Präsidenten neigen oft dazu, sich wie Grossfürsten gegen die Gängelung durch den 'König', sprich den Präsidenten des SVPS, zur Wehr zu setzen. Umgekehrt versucht der SVPS – genauso wie die Zentralherrscher in politisch zersplitterten Reichen – möglichst überall seine eigene Sicht der Dinge durchzusetzen. Dieses durchaus natürliche Spannungsfeld wurde dadurch etwas gemildert, dass die regionalen Grossmogule, sprich: die RV-PräsidentInnen bis Ende 2010 automatisch in den Vorstand des SVPS integriert wurden. Verschärft wurden die Spannung aber dadurch, dass der SVPS es verpasste, die Zuständigkeitsbereiche klar abzugrenzen und die 'Dienstwege' schlank, geradlinig und klar zu halten.

 

Kompetenz-Querelen und Blockaden

Dies zeigt sich am deutlichsten bei den völlig unabhängig von den Führungspersonen seit Jahrzehnten herrschenden Querelen zwischen Basis und Spitze. Wenn ein Disziplinleiter seine Funktion nach Buchstaben ernst nimmt, die ihm vom SVPS-Vorstand übertragen wird, so fühlt er sich bemüssigt, auch den ganzen Basissport unter seine Fittiche zu nehmen. Da die Disziplinverantwortlichen der RV aber primär ihrem Regionalverbandspräsidenten gegenüber Rechenschaft schuldig sind, ist der Konflikt angelegt. Was nun, wenn der Disziplinleiter SVPS andere Weisungen erteilt als der RV-Präsident? Soll der RV-Disziplinverantwortliche sich einfach sagen: "Wer zahlt, befiehlt?" – Was aber, wenn er sowohl vom RV wie vom SVPS finanziell und mit Dienstleistungen unterstützt wird? Das Dilemma ist systemimmanent und sorgt wie gesagt seit Jahrzehnten für Missstimmung. Umgekehrt fühlen sich auch die Regionalverbände bemüssigt, als zahlenmässig und damit auch finanziell bedeutendste Mitglieder des SVPS in den Spitzensport dreinzureden, in aller Regel natürlich in dem Sinne, dass sie möglichst grosse Teile des Budgets der Basis und nicht der Spitze zukommen lassen wollen. Den seit ewigen Zeiten unveränderten Slogan des grössten RV, "Der Basisreiterei verpflichtet", kann man auch als trotziges "Nein zum Spitzensport" lesen. Trotz intensiver institutioneller Bemühungen klappt es nach wie vor nur sehr mässig mit dem Transfer von in den RV entdeckten und geförderten Talenten an die Disziplinleitungen, die die Newcomers dann sorgfältig in den Spitzensport begleiten sollten. Dies ist nicht nur eine Frage der finanziellen Mittel, sondern auch der Einstellung auf beiden Seiten: Basisverantwortliche, die mehr oder weniger unverhohlen ihre Ablehnung des Spitzensports deutlich machen und die Talente im RV halten wollen – und auf der anderen Seite Spitzensportverantwortliche, die mit süffisanter Überheblichkeit auf die 'Kleinen' aus den RV hinunter kucken. Dabei hätte doch beides wunderbar Platz nebeneinander und könnte sich gegenseitig befruchten – aber, dies meine These – viel besser, wenn die Kompetenzen besser getrennt wären und nicht alle allen dreinredeten, die Prozesse verlangsamten oder gar blockierten.

 

Spitzensport – nur für die Begüterten?

Mit der Übermacht der RV wird der Spitzensport aber – ebenfalls seit Jahrzehnten – massiv zurückgebunden. Im Vergleich zu den Zeiten, als begabte Reiter (allerdings ungerechterweise nur Männer) über eine Festanstellung in der EMPFA Bern oder der Regie Thun auch ohne eigene finanzielle Mittel Spitzensport betreiben konnten und regelmässig auch an internationalen Championaten Medaillen holten, ist es heute – zumindest in den klassischen Disziplinen Dressur, Springen, Vielseitigkeit und Fahren – nur noch von Haus aus begüterten jungen Leuten möglich, ihr Talent soweit zu entfalten, dass sie im Spitzensport Anschluss finden können. Die marginalen Mittel, die der SVPS dem Nachwuchs im Sinne einer Förderung in Richtung Spitze zukommen lässt, sind auch im Vergleich zu unseren Nachbarnationen höchst bescheiden. Eine kleine Nation wie die Schweiz, die zudem kein typisches Pferdeland ist und in der der Sport im Vergleich zu den meisten anderen Nationen generell kein hohes Ansehen geniesst, wäre es meines Erachtens unabdingbar, talentierte Nachwuchsreiter ausbildungsmässig zu fördern und im besten Fall auch beritten zu machen. Ein Schritt in diese Richtung wäre es bereits, wenn der Verband eine Drehscheibenfunktion wahrnähme, um Züchter, Besitzer und talentierte Nachwuchsreiter zusammen zu bringen.

 

Basis und Spitze

Ein Lösungsansatz könnte in der föderalen Kompetenzzuweisung an Basis und Spitze bestehen, die zu einer weitgehenden Autonomisierung beider Bereiche führte. Konsequenterweise würde die Autonomie auf beide Seiten wirken: nicht nur hätten in der zukünftigen Struktur die Regionalverbände keine Mitsprache bei Belangen des Spitzensports, sondern auch umgekehrt hätte die Disziplinleitung (DL) keine Befugnis mehr, den Regionalverbänden in Basisfragen drein zu reden oder gar Weisungen zu erteilen. Konkretes Beispiel: alle Fragen rund um CC-Lizenz, Stilcup, alle Regelungen rund um Basisprüfungen wäre nur noch alleinige Sache der Disziplinverantwortlichen der Regionalverbände. Ob die RV dafür institutionell in einem 'Basis-Dachverband' zusammengeschlossen sein sollten, wie es dem amtierenden OKV-Präsidenten vorschwebt, oder ob eine lockerere und administrativ weniger aufwendige Struktur ausreichen würde, wie ich sie nachfolgend vorschlage, bleibt zu debattieren.

 

Regionalverbandsverantwortlichen-Konferenz

Sinnvoll wäre es meines Erachtens, ein Strukturelement zu schaffen wie eine Regionalverbandsverantwortlichen-Konferenz analog z.B. der Erziehungs- oder Polizeidirektorenkonferenz der Kantone, d.h. alle RV-Verantwortlichen einer Disziplin tauschten sich regelmässig aus und beschlössen innerhalb ihrer Kompetenzen alles, was den Basissport ihrer Disziplin betrifft. So würden wahrscheinlich fast automatisch weniger 'Extrazügli' gefahren, die Ideen würden gemeinsam optimiert und dann schweizweit realisiert. Eine derartige Neustrukturierung käme also auch den RV zugute. Bei der Wahl dieser RV-Verantwortlichen sollten die Basisreiter der entsprechenden Disziplin ein Mitspracherecht haben.

 

Konzentration der DL auf den internationalen Sport

Auf der anderen Seite würde sich die DL nur noch um den internationalen Sport kümmern, d.h. um FEI-Prüfungen im In- und Ausland. Angesichts der kleinen Anzahl von Reitern, die internationale CC frequentieren, könnte z.B. die DL CC massiv verkleinert werden. Damit würden Entscheidungswege kürzer, einfacher und es könnte viel Geld und Zeit eingespart werden. Wir haben zurzeit höchstens ein bis zwei Ponypaare, die man mit einigermassen gutem Gewissen an eine internationale Prüfung schicken kann, wir haben ein paar ganz wenige Junioren, eine kleine Schar von Jungen Reitern und ca. 50 erwachsene Paare, die FEI-Prüfungen bestreiten, wobei der Hauptharst nur gerade 1* geht, also internationale L-Prüfungen! Für diese im Vergleich zum Springsport winzige Zahl von Reitern braucht es m.E. keine vollbestückte DL mit einem riesigen Sportteam. Es heisst ja jetzt schon, dass sich die DL selbst konstituieren kann, das wäre also kein Problem. Anzupassen wäre m.E. auch hier das Wahlprozedere: nicht der Vorstand SVPS und auch nicht die RV, sondern die internationalen Reiter schlagen die DL-Mitglieder vor, die vom Vorstand SVPS nur mit guten und transparent kommunizierten Gründen (z.B. übergeordneten zentralen Verbandsinteressen) abgelehnt werden können.

 

Gescheiterte Gewaltentrennung

Zu den weiteren Demokratie-Defiziten im SVPS zähle ich den gescheiterten Versuch, im Sinne der Gewaltentrennung eine eigene Gerichtsbarkeit zu etablieren. So nett die Idee war – und so sehr es vor rund 20 Jahren im Trend war bei grösseren nichtstaatlichen Gebilden, selbst für 'law and order' zu sorgen, um die staatliche Gerichtsbarkeit möglichst fernzuhalten – so schwach war die konkrete Umsetzung im SVPS. Geschaffen wurde eine Sanktionskommission, die mit der Gnadenlosigkeit eines Zahnbohrers kleinste Löchlein wie das Angeben einer falschen Gewinnsumme zu grandiosen Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufplusterte – und bei den richtig dicken Verstössen gegen Ethik und Tierschutz mehrere Blindenbrillen aufsetzte um nicht hingucken zu müssen. Darüber thront mit der Eigenmächtigkeit, Intransparenz und Aufgeblähtheit eines mittelalterlichen Inquisitionstribunals das Verbandsgericht, das sich über Jahre vor allem durch das regelmässige und kostenintensive Verlieren von Dopingprozessen auszeichnete. In beiden Institutionen zeigte sich auch die obenerwähnte Crux der Ehrenamtlichkeit: nicht nur bei der fachlichen, sondern auch bei der ethischen Kompetenz waren immer wieder gröbere Lücken auszumachen. Irgendwie war es ja verständlich, dass ein Amtsinhaber seinen mies bezahlten Ehrenjob wenigstens indirekt zu Geld machen wollte, indem er je nachdem, woher der Wind ihm gerade Klientel zuwehte, sein spezielles Pferde-Know-how zwielichtigen Gestalten als Rechtsvertreter zur Verfügung stellte. Dass er dabei das Gegenteil dessen tat und vertrat, was er als juristisches Gewissen des Pferdesportverbands landauf, landab predigte, wurde mit der Freiheit der Berufsausübung erklärt. Dass der Anwaltsberuf offenbar eine prostitutive Note hat, zeigte sich auch daran, dass ein Berufskumpan, der jahrelang seine pferdefreundlichen Weisheiten in helvetischen Pferdesportzeitschriften zum Besten gab und vor kurzem ins Präsidium eines zwar gottlob heute bedeutungslosen Berufsreiterverbandes gewählt wurde, nicht davor zurückschreckte, ähnlich üblen Gestalten wie sie der Verbandsgerichtspräsident vertrat, mit allen Tricks der Advokatenzunft zu helfen, ihren Kopf immer wieder aus der Schlinge zu ziehen.

Der Mangel an Demokratie besteht nun meines Erachtens darin, dass die von diesen beiden fragwürdigen Institutionen Betroffenen, also die Gesamtheit der dem SVPS über Vereine und Verbände angeschlossenen ReiterInnen, nichts dazu zu sagen haben, weder etwas zur personellen Besetzung noch etwas dazu, ob sie diese Institutionen überhaupt gutheissen und weiterhin berappen wollen. Der Umweg über die komplexen Repräsentationsstrukturen (Verein, RV, SVPS-Mitgliederversammlung, Vorstand SVPS) verwässert die Demokratie dermassen, dass die letztlich gefällten Entscheide nur noch sehr entfernt den effektiven Mehrheitswillen der Verbandsbasis repräsentieren. Oft sind es Machtkämpfe zwischen RV-FürstInnen oder zwischen den RV und dem SVPS-Vorstand, die matchentscheidend sind. So war beispielsweise vor der Debatte über den Antrag auf Abschaffung des Verbandsgericht schon klar, dass der eine grosse RV den Antrag nur schon ablehnen wird, weil er vom andern grossen RV kam, mit dem man sich gerade in Fehde und Konkurrenz befand. Mit der Sache hatte das wohl kaum etwas zu tun. Diese Machtkämpfe sind uns aus dem täglichen Polittheater bestens bekannt, die Frage ist nur, ob wir das in unserem Reitsportverband auch so zelebrieren wollen.

 

Vorschläge für mehr Demokratie im SVPS

Es wäre ein Leichtes, die demokratischen Strukturen des SVPS so zu ändern, dass diese RV-Grossfürstenkämpfe nur noch am Stammtisch stattfänden. Aber keiner der Machthaber ist bereit, auch nur einen Zipfel der geliehenen Macht aus der Hand zu geben (eben weil sie geliehen und nicht erarbeitet ist und er ausserhalb der Verbandsstruktur nie zu ähnlicher Machtfülle käme). Dieses Festklammern ist verständlich, denn sein Stuhl würde höchstwahrscheinlich wackeln, wenn er mithälfe, mehr Demokratie einzuführen. So bleibt die zentralistische und undemokratische Verbandsstruktur zementiert und jeglicher Wandel blockiert – zumindest so lange, bis die Basis derart verärgert ist über die ständig wachsenden Abgaben und die ständig sinkende Qualität des 'Returns on investment', dass sie 'auf die Strasse geht' und sich Widerstand von unten formiert, wie das kürzlich bei den Springreitern der Fall war, die sich gegen die neuen, von oben aufoktroyierten Reglementierungen erfolgreich zur Wehr setzten.

Strukturell sind mehrere Ansätze denkbar, die zu mehr Demokratie führen könnten – immer mit dem Ziel, dass die Betroffenen mitbestimmen können in all den Belangen, die sie betreffen.

 

Föderalisierung

Möglichst wenig Regelung von oben, möglichst viel Kompetenz und Freiheit für den einzelnen Pferdehalter, Reiter, Fahrer, den einzelnen Verein. Das jeweils grössere Kollektiv setzt nur Rahmenbedingungen, deren Einhaltung stichprobenweise kontrolliert wird. Das lächerliche Spiessrutenlaufen, das heute neue aufnahmewillige Vereine in den RV über sich ergehen lassen müssen, würde abgeschafft. Alle, die irgendwie mit Pferden zu tun haben, sollten die Möglichkeit haben, im grösseren Kollektiv mitzuwirken, wenn sie das möchten.

 

Mehr Wettbewerb

Der Wettbewerb unter den ReiterInnen, aber auch unter den Vereinen spielt zurzeit vor allem auf der Stufe des Sports. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber es reicht meines Erachtens nicht aus. Der Fokus des Wettbewerbs sollte vermehrt auf Ethik, Horsemanship, aber auch auf Kreativität ausgerichtet sein: Kreativität im Bereich von Haltung, Umgang, innovativen Pferdesport- und Pferdespass-Formen, neuartigen Veranstaltungen (dies würde natürlich voraussetzen, dass man die engstirnige Definition dessen, was im SVPS als 'Veranstaltung' bzw. 'Pferdesportdisziplin' durchgeht, aufgibt und nur Rahmenbedingungen setzt!).

 

Mehr Eigenverantwortung, weniger Regeldichte

Wider den politischen Mainstream könnte versucht werden, mit weniger Regeln die Eigenverantwortung der weitgehend bereits entmündigten Bürger wenigstens im Pferdebereich wieder zu wecken. Das jeweils grössere Kollektiv (Verein, RV, SVPS) versteht sich als von den Mitgliedern getragener und gestalteter Dienstleistungsanbieter und nicht als abstrakte Macht, die willkürliche Entscheide fällt, Gebühren erhebt, Gelder verschleudert, Sanktionen ausspricht und Selektionen vornimmt, wie das heute der Fall ist. Die Drehscheibenfunktion würde vermehrt wahrgenommen (wie dies in einigen tollen Vereinen bereits der Fall ist, wo Pferdebesitzer und pferdesuchende Reitfreudige geschickt zusammen-gebracht werden).

 

Entschlackung des SVPS

Dies bräuchte Mut der Machthaber zur Selbstkritik. Wer ist schon bereit, darüber nachzudenken, ob es seine Funktion wirklich braucht, und wenn ja, ob in dieser Form, in diesem Umfang? Es bräuchte die Debatte, ob es überhaupt mehr brauche als ein winziges Sekretariat, das als beidseitiger Briefkasten für die Kommunikation zwischen FEI und den Einzelmitgliedern fungieren würde. Dazu vielleicht noch die Institutionalisierung einer Kommunikationsplattform, auf der die DL-Chefs bzw. die RV-Verantwortlichen miteinander reden und allfällig notwendige Entscheidungen treffen würden? Vielleicht ergäbe sich noch eine Mehrheit, die das Onlinenennsystem und den Resultatservice, überhaupt das ganze Datenangebot der Verbandswebsite weiterhin erhalten möchten. Aber all dies liesse sich mit einem Bruchteil der heute aufgewendeten personellen und finanziellen Ressourcen bewältigen. Dafür könnten höhere Ansprüche an die Kompetenz und die permanente Weiterbildung der Amtsinhaber gestellt werden.

Finanzen
Bleibt die Frage nach dem lieben Geld: Verbandsfunktionäre waren und sind insofern noch relevant, als sie über ein Budget des Verbandes verfügen. Damit konnte und kann Druck ausgeübt werden, der sich vielleicht ab und an auf die Leistungsbereitschaft der Reiter auswirkte. Das an die Kinderzeit erinnernde Motto: "Wenn ihr gut seid, kriegt ihr was!", kann bei weniger begüterten Teilnehmern durchaus bewirken, dass sie etwas todesmutiger zu Werke gehen als ohne diesen Anreiz. Nun, die Frage ist, ob es für die Verteilung von Batzelis Funktionäre braucht? Ich wage zu behaupten, dass da ein anfangs Saison wiederum demokratisch von den internationalen Reitern bestimmter Verteilungsschlüssel reichen würde.

Schlank ist 'in'!
Ich wage zu behaupten, dass diese schlanke Lösung – eine demokratisch strukturierte Versammlung der internationalen Reiter, die die wenigen als notwendig erachteten Personen demokratisch wählt, anstelle einer vom fernen SVPS-Vorstand gewählten, aus 'Offiziellen' bestehenden Disziplinleitung - durchaus heilbringend sein könnte, dass man sie probieren sollte.

Gerade ist es dem SVPS-Vorstand gelungen, sich massiv zu verkleinern. Endlich gehören die Regionalverbandsfürsten nicht mehr automatisch dazu, die während Jahrzehnten bei allem und jedem mitentschieden, insbesondere auch beim internationalen Sport, von dem sie nichts verstanden, auch nichts verstehen mussten als explizit für den Basissport zuständige Funktionäre. Da könnte man den Elan doch nutzen und auch gleich die Disziplinleitungen verkleinern, zumindest in so marginal-winzigen Disziplinen wie dem Concours Complet.

 

Änderung der Mitgliederstruktur des SVPS

Eine einfache Möglichkeit wäre eine personelle, statt einer institutionellen Mitgliedschaft, d.h. jede Einzelperson wäre direkt Mitglied des SVPS – nicht nur über den Umweg der Mitgliedschaft in einem Verein, der wiederum Mitglied in einem Regionalverband ist, welcher dann Mitglied des SVPS ist. Jeder Reiter, Fahrer, Rösseler verfügte dann auch über Mitgliedschaftsrechte wie das passive und aktive Wahlrecht. Die Chance wäre gross, dass weniger Vetternwirtschaft betrieben werden könnte, dass auch den Machthabern unbequeme Mitglieder in irgendeine Funktion gewählt würden – und vor allem: dass schwache Figuren rechtzeitig wieder abgewählt würden. Heute braucht es den Druck der aufgebrachten Öffentlichkeit, bis ein notorisch das Verbandsleitbild im doppelten Sinne mit Füssen tretender Funktionär 'einvernehmlich' verabschiedet wird. Man kann lügen, tricksen und betrügen im Pferdehandel – und bleibt in seinen offiziellen Funktionen, sei es, dass die Verantwortlichen wegschauen, sei es, dass sie um ihren eigenen Job fürchten, sei es, dass sie vom Grundnaturell Weicheier und Feiglinge sind. Ich behaupte, dass die Chance auf eine Abwahl von Leitbild-fernen Gestalten, aber auch der feigen Leisetreter, die nicht auf die Verletzung von Ethik und Horsemanship reagieren, bedeutend grösser wäre, wenn die grosse Gemeinde der Rösseler jährlich ihre Funktionäre und Offiziellen wählen, bestätigen oder rauswerfen könnte.

 

Direkte Wahlen und Abstimmungen

Die Möglichkeit direkter Einflussnahme durch die Rösseler würde die oben skizzierte Strukturänderung voraussetzen.

 

Veränderung der Kommunikation des und mit dem SVPS

Die Kommunikation innerhalb eines Kollektivs ist ein guter Gradmesser für Qualität und Zustand der Demokratie. Je weniger Demokratie, desto mehr Zensur, Einschränkung der Inhalte, Kontrolle der Mittel und Inhalte. Unter diesem Aspekt ähnelt der SVPS aktuell mehr einer Despotie oder Diktatur als einer Demokratie. Auch in einem autokratisch geführten Kollektiv gibt es Daten, Informationen. Es handelt sich aber regelmässig um sogenannte 'einseitige Übermittlung' wie bei der Feuerwehr und im Militär. Als Mittel dienen den Machthabern die Verbandswebsite und das Bulletin, beides keine wirklich nach journalistischen Grundsätzen redigierte Medien, sondern einseitige Verbandskanäle, mithilfe derer primär Daten, Regeln, Informationen und ab und zu die Meinung des Chefs verbreitet werden – selbstverständlich ohne die Möglichkeit für die Rezipienten, sich selbst einzubringen. Dass ein solches autokratisches Verbandsblatt wie das Bulletin nicht gerade zu den Reissern zählt und sich dagegen Widerstand formierte, ist nachvollziehbar. Dass es nicht gelang, den Bulletin-Zwang innerhalb der bestehenden Strukturen abzuschaffen, ist ein schlagendes Beispiel dafür, dass die Demokratie im SVPS nicht funktioniert. Ich bin überzeugt, dass das gewaltige Summen unnötiger Gebühren generierende, von kaum jemandem unter 90 nur schon ausgepackte, geschweige denn studierte Verbandsorgan bei einer Abstimmung unter den wirklich zahlenden Einzelrösselern mit gewaltiger Mehrheit abgeschafft würde.

Die Einsetzung eines Verbandskommunikationsverantwortlichen
Gesucht wird zurzeit ein neuer 'Chefredaktor' für ebendieses Bulletin, der daneben auch noch als 'Sprecher des Verbands' fungieren soll. Das ist ein löbliches Ansinnen und könnte – falls die Wahl auf eine kompetente Persönlichkeit fällt, die häufigen Pannen in der Verbandskommunikation etwas minimieren helfen. Aber inhaltlich ist damit für eine Demokratisierung der Kommunikation noch nichts gewonnen. Wahrscheinlich wird der oder die Neue vor allem am Auftritt herumbasteln und eine neue Corporate Identity schaffen: das verschlingt viel Zeit und Geld und tut niemandem weh. Vielleicht kommt man auf eine neue Hintergrundfarbe beim Logo, wie das schon der Fall war, als die blaue Credit Suisse als Sponsorin den vormalig schwarzen Logo-Hintergrund verdrängte und alle international Startenden neu verzierte Vestons kriegten. Dann wird der neue Chefredakteur bzw. die neue Kommunikationsverantwortliche vielleicht versuchen, den Vorstandsmitgliedern dabei behilflich zu sein, nicht mehr in jedes bereitstehende Fettnäpfchen zu treten. Aber gelebte Meinungsäusserungsfreiheit, journalistische Aufbereitung der Themen und die Möglichkeit zur Debatte ist damit nicht gegeben. Und dort erst würden sich Demokratie-Ansätze im Kommunikationsbereich erst zeigen. Die Gefahr besteht also, dass nur ein neuer Ausgabenposten geschaffen wird.

Wie hast du's mit dem Dialog?
Zurzeit kommunizieren Präsident und Vorstand des SVPS bekanntlich nicht oder schlecht. Ab und zu ein hilfloser Aufruf im Bulletin, das sowieso kaum gelesen wird, und wenn an Versammlungen kommuniziert wird, dann höchst ungeschickt wie bei der letzten MV des SVPS, als der Präsident den Medien die kritische Berichterstattung verbieten wollte. Typisch für den desolaten Zustand der Verbandskommunikation ist auch die Tatsache, dass höfliche, sachliche Anfragen zu recht grundsätzlichen und wichtigen Themen über Monate oder sogar Jahre nicht beantwortet werden. Hier drei Beispiele von Fragen, die vor fast einem Jahr in korrekter Weise den Verantwortlichen gestellt und bis heute nicht beantwortet wurden:

  1. Wieso werden Urteile von SAKO und Verbandsgericht nur publiziert, wenn sie zu einer Verurteilung bzw. Strafmassnahme geführt haben? Wie können die effektiv oder potenziell Betroffenen so die Korrektheit der Amtsausübung dieser Verbandsgewalten kontrollieren

2. Gilt der im FEI-Generalreglement statuierte Grundsatz, dass Missbrauch von Pferden überall und jederzeit – also auch ausserhalb von FEI-Veranstaltungen – geahndet werden kann, auch für alle nationalen Federationen, da er ja sonst sinnlos wäre (es gibt ja kein FEI-Land, in dem er dann gälte, sondern nur FN's, die der FEI angeschlossen sind)? Wenn ja, in welcher Form wird diesem Grundsatz im SVPS Nachachtung verschafft?

3. Worin bestehen nun die Kompetenzen eines Disziplinleiters im SVPS angesichts des Widerspruchs zwischen dem ersten und dem zweiten Absatz im GR SVPS Art. 6.2.1? Werden alle Mitglieder des Leitungsteams autoritär vom Vorstand SVPS bestimmt und eingesetzt? Wenn ja, worin besteht dann die im zweiten Absatz behauptete Kompetenz der Disziplinleitung, sich selbst zu konstituieren?

 

Optimierung der Verbandskommunikation.
Das modernste wäre analog FEI-TV oder anderen Privat-TV-Stationen ein Tele-SVPS. Ich bin überzeugt, dass man einen Grossteil der Kosten mit Werbeeinnahmen abdecken könnte. Eine Annäherung wäre eine wirklich moderne Website – bzw. ein Anhängsel an die bestehende FN-Seite - , die von Profis geführt würde, die nicht nur über technische, sondern auch über journalistische Kompetenz verfügten. Diese Website müsste einerseits interaktiv sein mit einem gut gemachten Forum, andererseits mit aktuellen Videos von Schweizer Spitzensportlern attraktiv gemacht werden. So könnten hohe Besucherzahlen erreicht, die Information und die interaktive Kommunikation verbessert und gleichzeitig Werbetreibende zur Mitfinanzierung angezogen werden. Das Printprodukt 'Bulletin' könnte noch in einer Übergangsphase von vielleicht 5 Jahren und losgelöst von den Züchtern weitergeführt werden. Die nicht Internet-fähige Generation ist am Aussterben und der SVPS zeigt ja bei den Nennungen und Nenngeldzahlungen bereits, dass man gewillt ist, sukzessive von den Papier- und Postlösungen wegzukommen.

 

Einladung zur Debatte

Zugegeben, es ist etwas viel Lesestoff mit haufenweise Ideen und Vorschlägen. Wenn man bedenkt, dass es lange Zeit auf jedem Briefformular behördlicher Amtsstellen hiess, man solle nur ein Thema pro Brief behandeln – wahrscheinlich weil der Empfänger sonst geistig überfordert gewesen wäre oder das Schriftstück nicht ohne mehrfaches Kopieren am richtigen Ort hätte ablegen können – dann ist dieser Artikel nicht nur für bildungsferne Schichten schon von der Quantität her eine Zumutung. Er ist es aber auch – und will es durchaus sein – inhaltlich. Die Einladung geht also an die wenigen, die bis zu dieser grauslichen Einsicht vorgedrungen sind, sich an der Debatte über die angeschnittenen Themen zu beteiligen. Gerne publiziere ich auf Wunsch die eingehenden Meinungsäusserungen auch auf dieser Online-Plattform.