Denk-Aufgabe 1506 vom 16.10.2015

 

Glaube nichts!

 Empfehlungen wider den Zeitgeist

1. Glaube nichts und niemandem!
- ausser du verstehst 'glauben' als 'für wahrscheinlich halten', wie es im nicht-religiösen Sprachgebrauch auch gemeint ist, aber 'glauben' im Sinne von 'unhinterfragt und unhinterfragbar für absolut wahr halten' solltest du nichts,
- glaube insbesondere auch keinem, der sein 'für wahrscheinlich halten' mit dem Etikett 'Wissen' oder 'Fakten', 'Tatsachen' beklebt und damit deine Zweifel wegwischen will,
- lass alle glauben, was sie wollen, solange sie nicht von dir erwarten, dass du dasselbe glaubst, ihnen hinterher trippelst oder ihren Schmarrn gar weiterverbreitest,
- glaube auch mir nichts – hinterfrag kritisch-lächelnd, was hier steht!

2. Nimm nichts ernst!
- auch und vor allem dich selbst und deine Weltsicht nicht,
- schon gar nicht religiöse oder wissenschaftliche Eiferer,
- auch die 'Werte-Propheten' nicht,
- niemanden, der dir irgendetwas für 'absolut wahr' verklickern will,
- auch diese Empfehlungen nicht, sie sind so relativ und subjektiv wie alles, was je aus einem menschlichen Hirn quoll,
- auch den Tod nicht, weder deinen eigenen noch den anderer,
- aber lass alle andern alles andere ernst nehmen, solange sie dies wollen; lache sie an, nicht aus,
- lache aus vollem Herzen zusammen mit andern, die auch nichts ernst nehmen – oder allein.

3. Fühle dich überall wie auf einem arabischen Markt!
- lächle, denn es gehört zum Spiel, dass auf dem Markt dramatisiert, übertrieben, gelogen wird, was das Zeug hält,
- lächle, denn alles ist inszeniert und jeder preist seine Ware an, ob es nun Gurken oder Gedanken, Staffeleien oder Statistiken sind,
- wehre dich, wenn die Händler übergriffig werden, aber versuch dich auch dabei nicht zu ernst zu nehmen: keep smiling, sogar wenn du einem eins auf die Rübe hauen musst, um ihn loszuwerden.

4. Bewahr dir deine Freiheit!
- der grösste Totengräber der Freiheit bist du selbst mit deiner Bequemlichkeit, deiner Routine, deinen Vorurteilen, der Betonierung deiner vermeintlichen Erkenntnisse, dem Reinfallen auf faule Versprechungen wie 'Sicherheit', 'Wohlfahrt', 'Fürsorge',
- hinterfrage dich und deine Weltsicht lächelnd, mit Fokus auf deine ganz persönliche Balance zwischen taking risk und taking care
- lach dich aus, wenn sie sich mit zunehmendem Alter in Richtung 'taking care' bewegt,
- versuche immer wieder neu herauszufinden, was genau deine Freiheit ist, die du brauchst, und entdecke, wie sich deine Freiheitsansprüche im Laufe deiner Entwicklung mit grosser Wahrscheinlichkeit sukzessive von aussen nach innen verlagern.

5. Gehorche nie!
- hinterfrage jeden Befehl, jede Anweisung, jede Behauptung, jede Regel, jedes Gesetz - gut möglich, dass du dann trotzdem das Empfohlene tust, aber du tust es freiwillig und damit ist es nicht mehr 'gehorchen',
- lach über dich, wenn du aus Feig- oder Faulheit doch irgendwann irgendwem gehorchst und versuche, dich über deine Feig- oder Faulheit hinaus zu entwickeln, es macht Spass,
- verlange von niemandem Gehorsam, auch nicht von Tieren; versuch's mit Motivation, auch wenn das meist etwas anstrengender, aufwändiger, zeitraubender ist.

6. Missioniere nicht!
- du kannst deine Weltsicht vorleben, davon erzählen, darüber schreiben, sie zu Kunst werden lassen, aber dräng sie niemandem auf,
- du kannst in einer Diskussionsrunde, an der alle freiwillig teilnehmen, lächelnd für deine Weltsicht werben; solange du keinen absoluten Wahrheitsanspruch stellst, bleibt es ein lustiges und lustvolles Spiel, das dir und den andern zu neuen, noch nie durchdachten Sichtweisen verhelfen kann,
- sag denen, die missionieren, nicht, wie dumm und lächerlich du sie findest, schmunzle innerlich, nimm sie nicht ernst, klick sie weg und geh ihnen aus dem Weg.

7. Suche Sinn in allem!
- nicht, weil es absolut wahr wäre, dass überall Sinn drin steckt, sondern weil es Spass macht, intellektuell und emotional anregend ist,
- beginn mit der Sinn-Sucherei bei den Wesen, die du etwas weniger magst – der legendäre Lippenkrebs der bösmäuligen Stiefmutter hilft dir, das Rezept lustig und – sic! – sinnreich zu finden,
- geh von der Prämisse aus, dass alles, was du wahrnimmst, alles, was dir geschieht, was dich beschäftigt, was sich dir in den Weg stellt, ganz speziell für dich da ist, alles nur deiner Entwicklung dient – du wirst dich ab und zu masslos ärgern, über das, was geschieht, über dich, über mich und meine blöden Tipps – aber jenseits dieses Ärgers, manchmal erst Jahrzehnte später, warten Einsichten, die dich schmunzeln lassen – behaupte ich mal frohgemut, aber auch das musst du nicht glauben,
- versuche, die von dir wahrgenommene Welt als die für dich aktuell bestmögliche anzuschauen, dir Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorzustellen,
- nutze deine Gestaltungskraft nicht um die Welt, sondern um dich selbst und deine Wahrnehmungsinterpretationen, deine Urteile zu ändern – und du wirst feststellen: die Welt ändert sich mit,
- behalte das mit der Sinn-Suche für dich, ausser du wirst danach gefragt; es ist derart wider den Zeitgeist, der sich immer noch in der existenzialistischen Sinnlosigkeit suhlt (wo ist da der Spass?), dass du vielleicht wie ein aussätziger, bemitleidenswerter Volldepp behandelt wirst (wobei es - shit! - auch da gälte, einen Sinn darin zu suchen!).

8. Jammere nicht!
- ausser die, die sich das unsägliche Gesabber anhören müssen, sind dafür bezahlt (Ärzte, Therapeuten, Care-Teams, Buchhalter etc.)
- gestatte dir munter alle Gefühle – ausser Selbstmitleid; und wenn du es doch einmal brauchst, höchstens einmal im Jahr – und lach dich, wenn's geht, auch dann noch aus dafür,
- lenk Jammerlappen ab – und wenn das nicht gelingt, geh ihnen aus dem Weg, sie verderben dir nur die gute Laune und den Tag (ausser du gehörst zu den oben erwähnten Typen, die fürs Zuhören bezahlt sind).

9. Übernimm Verantwortung für deine Welt!
- das ist die härteste Knacknuss, da sie dir eines der beliebtesten, wenn nicht das beliebteste Spiel der Menschen verdirbt: anderen und anderem die Schuld dafür in die Schuhe zu schieben, dass die Welt so ist, wie wir sie wahrnehmen,
- in dem abgelutschten Wort 'Verantwortung' steckt 'antworten', und das tun wir normalerweise, wenn wir angesprochen werden. Na, dann lass dich doch mal von deiner Welt ansprechen, offenbar hat sie Botschaften, Fragen an dich? – und antworte mit deinem Denken, Fühlen und Handeln der von dir wahrgenommenen Welt; das wäre dann 'Verantwortung übernehmen', wie ich das hier verstehe,
- hast du mal den ersten Schock überwunden, finde Spass an der 'Welt als Spiegel', denn sie spiegelt ja nicht nur Elend, Krieg und Scheisse, sondern auch Liebe, Schönheit und Glück, für das in diesem Konzept nun auch ganz allein du verantwortlich sein sollst – hmm, dann kann's ja gar nicht so übel um dich stehen, oder nicht?

10. Lache, lache, lache!
- Erleuchtung zeigt sich – will man den vielen fernöstlichen Legenden glauben – nicht in schmallippig-verhärmt-genussferner, pharisäischer Überheblichkeit, auch nicht in selbstquälerisch-folterartigem jahrelangem Dasitzen auf Nagelbrettern, sondern in homerischem Gelächter, in das derjenige ausbricht, der aufwacht aus dem (Alb-)Traum, den Schleier der Maya lüftet und entdeckt, dass alles nur ein Spiel, ein Witz, Fiktion, ein Traum war, ist, sein wird,
- nicht jeder, der lacht, ist erleuchtet – aber wenn der Erleuchtete lacht, können wir ja schon mal mit Lachen anfangen,
- lachen braucht einen Anlass, einen Grund – und wenn wir den Schleier der Maya noch nicht gelüftet, ja, weder ihn noch die schöne Biene Maya überhaupt entdeckt haben, brauchen wir eine Alternative. Ich schlage vor: Lache über dich! Niemand gibt dir mehr und häufiger Anlass dazu. Du bist immer dabei, wenn du Mist baust, stolperst, dich verhedderst, in Fettnäpfchen trittst, in Fallen fällst – und wenn du ja in deiner Welt lebst, die dich spiegelt und für die du verantwortlich bist, so lachst du ja letztlich, wenn du über die Welt lachst, indirekt auch wieder nur über dich, über dein nach aussen gestülptes Inneres, das du 'Welt' nennst. Es geht kein Tag vorbei, an dem du dir nicht einen Anlass gibst, über dich zu lachen – behaupte ich mal wieder fröhlich. Zumindest bei mir stimmt's.

Entsetzen, Entrüstung, Begeisterung, Bannstrahl - auf alles freut sich, zurzeit noch lachend: info@marpa.ch