Denk-Aufgabe 1605 vom 24.12.2016

 

Das HIN und ZURÜCK der 'Globalisierung'
eine lustige Sinuskurve

Begriffsklärung
Bei Begriffen, die mit stark auseinanderklaffenden Wertungen belegt sind, hilft es mitunter, wenn man sich die extremsten Wertungen näher ansieht, bevor man versucht, eine einigermassen neutrale Definition zu formulieren. Schauen wir uns also die Sicht der angefressensten Befürworter und der erbittertsten Gegner der Globalisierung kurz an:

Globalisierung – der Weg ins Paradies
Die Befürworter sind der Ansicht, Globalisierung meine die Abschaffung aller Grenzen für Waren, Personen und Ideen - und damit auch die Aufhebung des Konzepts der Nationen, der Ethnien, Rassen, Sprachgemeinschaften, der religiös oder kulturell verbundenen Kollektive zugunsten eines Weltbürgertums mit einer maximalen äusseren und inneren Freiheit des Einzelnen. Jede und jeder könne dann überall hin, jede und jeder habe gleichermassen Zugang zu allen Arbeitsplätzen, Waren und Dienstleistungen rund um den Erdball. Die Globalisierung der Kulturen führe, so postulieren sie, zu einer alle und alles umspannenden Hyperkulturalität und einem befruchtenden Nebeneinander verschiedenster Traditionen, Rituale und Kulturen. Gerade dank der Durchmischung erhöhe sich das Bewusstsein in den verschiedenen Regionen der Welt für die eigenen Werte. Bei extrem inkompatiblen Wertvorstellungen sei eine Korrektur gerade dank der Globalisierung viel wahrscheinlicher als bei völliger Abschottung. Ziel sei das 'globale Dorf', in dem – dank grösstmöglicher innerer und äusserer Gleichheit aller – Toleranz und ewiger Friede herrsche und Kriege nicht mehr denkbar seien: das Paradies.

Globalisierung – der Weg in die Hölle
Mit der unselektierten Abschaffung aller Schranken und Grenzen entstehe nur Chaos, Hölle auf Erden und Tod. Das zeige uns schon unser Körper mit seinem Immunsystem: AIDS sei auf der Körperebene das, was Globalisierung auf der Ebene des Planeten bedeute. Genauso wie jedes Einzelwesen schon aus reinem Überlebenstrieb bestimmen dürfe und solle, was es - physisch, mental und seelisch - 'zu sich nehme', 'in sich hineinlasse', 'aufzunehmen fähig, bereit und willens' sei, so sollten auch jegliche Kollektive bis hin zu Nationen und Bündnissen von Nationen frei wählen können, wo und in welchem Masse sie Nähe und Vermischung zulassen wollten und könnten. Nur mithilfe von Unterschieden, von Abständen, von Verschiedenheiten sei überhaupt die Vielfalt unserer Kulturen wahrnehm- und lebbar. Die grenzenlose Mixerei führe über mit viel Zwang verbundene Gleichmacherei zu einem Einheitsbrei. Und - last but not least - diesen Zwang könne nur eine 'Weltregierung' ausüben. Solange wir es nicht einmal schafften, minimale Standards wie die Menschenrechte durchzusetzen, sei die Vorstellung vom 'globalen Dorf' eine lächerlich naive Illusion. Komme dazu, dass auf diesem Weg in die Hölle eine riesige Anzahl von Menschen ihre Wurzeln, ihre Arbeit, ihre Kultur, ihre Stabilität in ihrem Umfeld, ihr Integriertsein in ihre lokalen, regionalen und nationalen Gemeinschaften verlören.

Versuch einer neutralen Begriffsbestimmung
Der in den 60-er Jahren entstandene Begriff der Globalisierung steht für den Prozess der starken Zunahme der internationalen Verflechtungen in zentralen Bereichen wie Wirtschaft, Politik, Sicherheit, Kultur, Umwelt, Kommunikation zwischen Individuen und Kollektiven. Diese Verflechtungen können in freiwilligem Austausch, mehr oder weniger freiwilliger Kooperation und bewusster oder unbewusster Einflussnahme bestehen.

Vorschau
Ich versuche nun im Folgenden zu beschreiben, wie dieser als 'Globalisierung' etikettierte Prozess aus meiner Sicht politisch möglich wurde – dies unter dem Titel 'HIN' – und warum sich zurzeit vermehrt die andere Hälfte der Sinuskurve zeigt – unter der Überschrift 'ZURÜCK'. Unter der bereits etwas tendenziösen Schlagzeile 'WAS BLEIBT AUF DER STRECKE' versuche ich zu zeigen, weshalb ich unsere einzigartige föderale Demokratie und den helvetischen Rechtsstaat in Gefahr sehe. Ich möchte es aber nicht bei der kritischen Analyse bewenden lassen. Ich will mich auf die Äste hinaus wagen mit ein paar Anregungen, was wir unternehmen könnten, um die verloren gegangene Balance wieder zu gewinnen – dies unter dem simplen Head 'WAS TUN?'


HIN

Wie wurde das, was wir heute 'Globalisierung' nennen, politisch möglich? Die Krämer, die naturgemäss – und meist aus rein pragmatischen Gründen – politisch eher rechts der Mitte liegen, wollten schlicht und einfach auf der ganzen Welt möglichst ohne Hindernisse Handel treiben. Und Grenzen, vor allem Zollgrenzen, waren Hindernisse. Also gaben sie alles, um diese Schranken niederzureissen.
Die Gleichheitsträumer, charakterlich und politisch in der Regel weitestmöglich entfernt von den Krämern, die zarten Ansätze von Vernunft meist durch naive Paradiesträume überlagert, aus ideologischen Gründen politisch eher links der Mitte angesiedelt, wollten ebenfalls alle Grenzen einreissen, alle mit allen durchmischen, verbinden, verschmelzen. Die dazu passenden Seuchen AIDS und Terrorismus gesellten sich zur Illustration des grenzenlosen unselektierten Hereinlassens von allem und jedem flugs dazu.

Bei dieser gar nicht geplanten Einigkeit wurde die 'Globalisierung' möglich, wie wir sie heute kennen, mit all ihren Sonnen- und Schattenseiten. Die Krämer glucksen vor Glück, weil sie tatsächlich fast weltweit am billigsten Platz einkaufen, am günstigsten Ort produzieren und im teuersten Land verkaufen können. – Und die lieben Linken geraten in einen Taumel von Verzückung, wenn sie die Weltverbrüderung in jeder Stadt erleben, wo Menschen aus aller Herren Länder ihre Kultur zeigen und hochleben lassen – ok, manchmal dabei auch ein paar Umstehende 'hochgehen lassen'.

Fremdsein, sich irgendwo fremd fühlen und den markanten Gegensatz der Kulturen zu erleben, verliert an Bedeutung und gerät immer mehr in die Negativwertung. Krämer wollen nicht fremdsein, um möglichst gute Konditionen beim Handel herauszuschlagen, Linke wollen nicht fremdsein, weil sie ja die Verschmelzung von allen mit allen anstreben. Damit geht ein Haufen individueller und kollektiver Identität bachab. Für die Krämer werden Menschen unterschiedslos zu 'Human Ressources', zu austauschbaren Spielsteinen auf dem Brett des internationalen Handels, die einfach über die geforderten Kompetenzen verfügen müssen. Was die 'Spielsteine' für einen kulturellen Hintergrund haben, ist ihnen piepegal, ja viele Krämer können das Wort 'Kultur' kaum buchstabieren, ausser man verbinde es mit 'Management' und könne damit Geld verdienen.

Diejenigen unter den lieben Linken, bei denen hinter dem schweren ideologischen Deckmantel noch ein klitzekleines Bisschen Verstand hervorlugt, merken, dass das mit der Verschmelzung irgendwie noch nicht so recht zu klappen scheint. Es kommen auch Nicht-so-Liebe aus aller Herren und Frauen Länder, die nicht bereit sind, ihre 'Liebt euch alle ohn' Unterschied'-Ideologie zu übernehmen. Die ganze, so unsäglich gut gemeinte Bereitschaft, sich allen Kulturen zu öffnen, scheiterte und scheitert immer wieder daran, dass Kulturen überall dort inkompatibel sind, wo sie sich markant unterscheiden – was eigentlich logisch ist, sonst gäbe es gar keine unterschiedlichen Kulturen. Der Unterschied macht sie ja erst zu fass- und beschreibbaren Kulturen, wie der Unterschied zwischen den Einzelnen diese auch erst zu fass- und beschreibbaren Individuen macht. Als Beispiele sei nur das Frauenbild, die religiöse Toleranz und die Einstellung zur Legitimation von Gewaltanwendung in den verschiedenen Kulturen genannt. Das Witzchen mit den Burkas ist harmlos:

Bildergebnis für Cartoon Sonnenschirm Burka

Bei der Zuwendung zur 'Kultur' der Islamisten ist es etwas weniger harmlos. Es ist – leiderleider – weder für Krämer noch für Paradiesträumer zielführend, den kulturellen Hintergrund eines Terroristen verstehen zu wollen, während dieser gerade beiden aus tiefer Überzeugung die Kehle durchschneidet. Tja, seine Kultur gebietet das nun mal. Gerade, als man ihn verstehen wollte, fiel der Kopf in den Sand.

 

ZURÜCK

Ganz ganz langsam wird das auf beiden Seiten bemerkt, nicht zuletzt auch weil in allen 'globalisierten' Ländern politische Strömungen am Wachsen sind, die die Grenzen wieder aufrichten, starke Nationalstaaten bilden wollen und die sowohl von den Krämern wie von den Verschmelzungsideologen fordern, ihre Ansprüche einzuschränken. Möglich wird dies, weil wieder sehr viele aus unterschiedlichsten Gründen das gleiche Ziel anstreben: einen starken Staat. Wenn schon nicht internationale Gleichheit, dann wenigstens nationale, sagen sich die Linken. Und Gleichheit verordnen und über permanente Umverteilung dessen, was umverteilt werden kann, durchsetzen, kann nur der allmächtige Staat. Am andern Ende des politischen Spektrums wird der starke Staat angestrebt, weil nur dieser Sicherheit garantieren und die rigorose Selektion der Einwohner durchsetzen kann. Die Krämer nehmen – murrend zwar – die Einschränkungen der Handelsfreiheit in Kauf, wenn sie dafür nicht ständig in Angst und Schrecken ihrem fröhlichen Monopoly nachgehen müssen.

 

WAS BLEIBT AUF DER STRECKE?

Die Demokratie zum Beispiel. Sie setzt mündige Bürger voraus, die über den eigenen Tellerrand hinausblicken können. Davon gibt es – nicht zuletzt dank der grenzenlosen Zuwanderung, aber auch wegen Mängeln im Schulsystem – immer weniger. Sogar wenn die Demokratie intakt ist, ist sie eine Staatsform, die zähflüssig, anstrengend, oft nur in langwierigen Prozessen funktioniert. Auch die Schweizer wussten, dass man mit demokratischen Institutionen zum Beispiel keinen Krieg führen kann, und bestimmten, dass in Zeiten grosser Gefahr ein General gewählt und mit grossen Vollmachten ausgestattet wird. Und die Stimmung ist – nicht zuletzt dank den globalisierten Terroristen – heute ähnlich wie in Kriegszeiten. Wir sind im Krieg, aber er hat ein völlig anderes Gesicht und wir haben noch nicht die richtigen Antworten auf die neue Art der Bedrohung gefunden. Die Chance, dass in immer mehr heute noch 'demokratischen' Staaten die Tendenz zum von vielen Seiten gewünschten Etatismus letztlich ein zentralisiertes und autoritäres Regime an die Macht spült, ist gross.

WAS TUN?

Ich mag die Kritiker nicht, die nur den Teufel an die Wand malen, aber keine Ideen liefern, wie man ihn vertreiben könnte. Ich mag aber auch die blasierten Propheten und Superexperten nicht, die hochgejubelten 'Weisenräte' und von fetten Unternehmen gefütterten Thinktanks, die sich so auf dem Meinungsmarkt gebärden, als hätten sie tatsächlich die Weisheit mit Löffeln gefressen. – Also versuche ich mich aus diesem Dilemma zu ziehen, indem ich die nun folgenden Ideen ganz klar als subjektive, relative Vorschläge bezeichne und sie vorerst mal einigermassen bescheiden auf Helvetien beschränke. Ich bin mir bewusst, dass politische Pragmatiker mich ebenfalls zu den von mir oben belächelten naiven Träumern gesellen werden, wenn auch nicht zu den linken Gleichheitsfanatikern, so doch zu denen, die von 'politisch nicht Realisierbarem' träumen. Die drei folgenden Unterkapitel 'Umgang mit Terror', 'Umgang mit Masseneinwanderung' und 'Rettung der Demokratie' sind natürlich vielfältig vernetzt miteinander.

Umgang mit Terror

Mein Vorschlag lautet, ab sofort jegliche Form von Terror, der unser Land in irgendeiner Form betrifft, als Kriegshandlung zu bezeichnen und diese neue Haltung auch laut und weltweit zu kommunizieren. Dies erlaubt uns, auch mit den Mitteln der Krieges auf Terrorattacken zu reagieren. Parallel dazu ist es den Medien verboten, über Terrorattacken irgendwo auf der Welt zu berichten. Die Medien sind heute – bestimmt grossenteils ungewollt und unbewusst – die besten Erfüllungsgehilfen der Terroristen. Eine vollständige Ignoranz terroristischer Tätigkeit nähme den Medien zwar einiges an ihrer Lust am Spektakel weg, aber das könnte auch zu einer Qualitätssteigerung im Medienbereich und damit automatisch zu einer Selektion der Anbieter führen. Ich gebe zu, dass dieser Eingriff in die Medienfreiheit einen starken Staat braucht, der das durchsetzt. Ich gebe auch zu, dass sich der Interessierte heute problemlos über ausländische Kanäle ins Bild setzen kann. Aber es braucht dazu eine grössere Anstrengung des Medienkonsumenten als heute, wo er kein Medium nutzen kann, OHNE mit Terrorberichterstattung belästigt zu werden. Ich bin überzeugt, dass sich die befohlene Ignoranz mit Geheimhaltungsvorschriften aus dem Militärrecht begründen liesse – und dass sie vielleicht bei andern Nationen Schule machen würde.
Es ist ja bereits jetzt schon so, dass in der Medienszene intensiv darüber diskutiert wird, wo die Grenzen liegen, z.B. bei Live-Aufnahmen von Morden. Qualitätsmedien wie die NZZ haben bereits heute selbstauferlegte Beschränkungen in dem, was sie zeigen und wie sie es beschreiben. Mit etwas Zwang von oben könnten auch Boulevardmedien dazu gezwungen werden, ihre Sensationsgeschichten wieder vermehrt anderswo zu holen.

Umgang mit Masseneinwanderung

Mass halten
Anstatt der polarisierten Gegenüberstellung von schwarz und weiss, von 'alle rein' und 'alle raus' schlage ich vor, zu dem – zugegebenermassen nicht sehr spektakulären – Grundsatz der Verhältnismässigkeit zurückkehren. Es ist m.E. nur eine Frage des Masses, das wir überschritten haben. Wenn mein Neffe, der eine Zeitlang im Zürcher Kreis 4 zur Schule ging, nicht nur der einzige Schweizer in der Klasse, sondern der einzige im Schulhaus war, dann stimmt etwas nicht. Wenn mehr als die Hälfte der Professoren an der Uni Zürich in bestimmten Fächern Deutsche sind, dann stimmt etwas nicht. Wenn ich in keiner Heimatstadt im Ausgang mehr Schweizerdeutsch bestellen kann, dann stimmt etwas nicht. Wenn sich viele SchweizerInnen, die keiner Fremdsprache mächtig sind, nicht mehr wohl fühlen, sich fremd im eigenen Land fühlen, weil ihr Wohnblock, die Strassen, die Schulen, die Amtsstuben, die Geschäfte voll sind von aus ihrer Sicht 'Fremden', dann stimmt etwas nicht. Es gilt, die Krämer mitsamt ihrer Krämerpartei, der FDP, zur Räson zu rufen. Die Personenfreizügigkeit wird in Gross-Europa eh nicht überleben, also suchen wir doch ganz ruhig und vernünftig jetzt schon nach Lösungen jenseits dieses bilateralen Vertrages. Die Schweiz wird darob nicht untergehen, auch wenn ein paar Krämer mit einer ein klitzeklein wenig kleineren Kelle anrühren müssen.

Unabdingbare Voraussetzung für den Einlass: Ja zu unserem Rechtsstaat
Ich schlage weiter vor, die Einwanderungsanforderungen viel schärfer und klarer zu formulieren. Allererste und unabdingbare Voraussetzung für den Einlass in unser Land ist das Ja zu unserem Rechtsstaat und zu den demokratischen Mitteln, mit denen man ihn gestalten kann – mitsamt der Gestaltungseinschränkung, dass er nicht per Abstimmung abgeschafft werden kann. Damit verbunden ist die Akzeptanz unserer Kultur, die in der Rechtsordnung zum Ausdruck kommt. So hat sowohl das hierzulande gesellschaftlich akzeptierte Frauenbild, ihre Gleichberechtigung, ihre Rolle, ihre Würde im Gesetz ihren Niederschlag gefunden. Genau so ist es mit der Kultur rund um das Thema Gewalt, die sich in unserem Strafrecht zeigt. Es reicht nicht, eine der Sprachen unseres Landes zu beherrschen oder zu wissen, wer Wilhelm Tell war. Genau wie jeder von uns, der in einem muslimischen Land leben will, das dort geltende Recht und die dort gelebte Kultur akzeptieren muss, verlangen wir das ohne Abstriche von jedem, der bei uns Eintritt verlangt. Wer dieses JA nicht leistet, wird umschweiflos ausgewiesen. Das sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Ist es aber nicht, weil wir einen verklemmten Umgang mit rechtlichen und kulturellen Normen haben, sobald sie religös eingepackt sind.

Nachholbedarf: Umgang mit religiöser Verpackung
Beim Umgang mit religiös verbrämten Verstössen gegen unseren Rechtsstaat besteht m.E. akuter Nachholbedarf. Ich verstand nie, warum man vor einem hanebüchenen Unsinn, der gegen unsere Gesetze verstösst, sofort den Kopf einzieht, wenn er religös ummäntelt wird. Man wird den Eindruck nicht los, die Aufklärung habe gewisse Hirne auch in unserem Land noch nicht erreicht. Wir leben in einem säkularen Staat und da sollten rechtswidrige Aktivitäten geahndet werden, völlig unabhängig davon, wie sie begründet sind. Die Lächerlichkeit religiöser Begründungen erleben wir zurzeit hautnah dank fanatischen Islamisten. Mich interessiert nicht, mit welcher Religion oder Tradition etwas begründet wird, sondern nur, ob die Aktivität gegen Normen unseres Rechtsstaates verstösst. Damit ist klar, dass auch fanatische Christen, die wie vor ein paar hundert Jahren als Kreuzritter mit ihren Schwertern herumfurzen nach dem Motto "Christus oder Kopf ab", genau so wenig zu suchen haben bei uns wie islamistische Fanatiker. Aber auch Klitorisbeschneidung oder die Beschneidung von Knaben und die Schächtung von Tieren gehören nicht zu unserer Kultur und nicht zu unserem Rechtssystem. Das hat mit Antisemitismus gar nichts, mit konsequenter Anwendung unserer Normen hingegen viel zu tun.

Wer die Scharia oder sonst eine Praktik seiner Religion höher wertet als die Not, die ihn bzw. sie zur Flucht verleitete, der darf das selbstverständlich, aber er darf sich nicht wundern, wenn er ohne weiteres Verfahren abgewiesen wird. Die Sprache allein ist hingegen nicht im Geringsten ein Hinweis dafür, dass diese Voraussetzung der Akzeptanz unserer Rechtsordnung erfüllt ist. Wie wir gesehen haben, gibt es durchaus Aufwiegler und Terroristen, die unsere Sprache bestens beherrschen. Natürlich wird es nicht leicht sein, clevere Tests auszuarbeiten, mit denen die Einstellung der Antragsteller getestet werden kann. Und es wird bestimmt ab und zu ein Superschlauer durch die Maschen gehen. Aber der wird spätestens beim Strassenbau im Val Müstair entlarvt, da bin ich zuversichtlich (siehe nächster Vorschlag).

30 Minuten nach dem Grenzübergang einen Pickel in der Hand
Und jetzt kommt noch ein vielleicht etwas naiver, aber hocheffizienter Vorschlag zur automatischen Frühselektion der Einwanderungswilligen: Einwanderung ist - so meine Vorstellung - nur noch an wenigen Grenzstellen möglich, wo sich gleich hinter dem Zoll eine grosse Baustelle oder ein Industriegelände befinden. Von den Warteräumen bei den Zollstellen aus sollten diese Arbeitsplätze idealerweise eingesehen werden können. Falls das nicht möglich ist, kann mit Monitoren in den Warteräumen nachgeholfen werden. Zusätzlich wird das, was abläuft, in allen Sprachen mithilfe von Videos erklärt. Im Idealfall sieht der Wartende seine Kollegen, die etwas weiter vorne standen in der Schlange, spätestens eine halbe Stunde nach dem Grenzübertritt bereits mit gelbem Helm und Pickel hantieren, sofern sie arbeitsfähig sind. Aber die Arbeitsfähigkeit kann so auch gleich getestet werden. Also nicht zuerst Handy schenken, Gratiskleidereinkauf und Wohnungsbezug, sondern ARBEIT. Dies wird alle die zur Umkehr bringen, die gar nicht aus Not einwandern wollen, sondern weil sie vom 'Hotel Schweiz' gehört haben. Anschliessend können die Eingewanderten für Arbeiten eingesetzt werden, die für Einheimische wenig attraktiv sind, wie Strassenbau in entlegenen Bergtälern, Tobelreinigung etc.
Diese Selektionsmassnahme bringt wahrscheinlich alle Willkommenskultur-Ideologen und 'Ihr sollt euch wie zuhause fühlen'-Promotoren zum Schreien und Wehklagen; sie ist aber hocheffizient, da sich so einmal grob die Spreu vom Weizen trennt ohne die geringsten bürokratischen Umstände. Dazu kommt, dass alle potenziellen Terroristen arbeitsfähig sind. Und wenn einmal einer trotz allem die erste Selektionshürde der Befragung betreffend das Ja zu unserem Rechtsstaat genommen hat, wird er mit grosser Wahrscheinlichkeit in der Folge bei der anstrengenden Arbeit entlarvt. Noch grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass Migranten mit terroristischen Absichten kehrt machen, wenn sie sehen oder hören, was ihnen jenseits der Grenze wartet. Ein nicht zu unterschätzender Aufwand entsteht durch die Notwendigkeit, alle diese arbeitsfähigen Einwanderer in den ersten Monaten rund um die Uhr zu überwachen und zu führen. M.E. ein ideales Übungfeld für Profis und Milizler aus Armee, Zivilschutz und AZUBIS der Polizei. Und wenn es noch ein paar weitere Stellen braucht, so sind diese paar Arbeitsplätze wirtschaftlich zu verkraften, wenn wir bedenken, wieviel uns all die Tausenden von nichtarbeitenden Eingewanderten kosten. Und wer aus Not kommt, wird das Angebot von bezahlter Arbeit mit Kost und Logis gerne annehmen.

Der administrative Aufwand würde damit ebenfalls bedeutend geringer, wobei hier zu beachten ist, dass im Asylwesen Tausende von 'Maden im Speck' sitzen, die sich ihren Job nicht kampflos entreissen lassen. Hier stellt sich natürlich die Frage, ob der eher auf 'männlichen' Werten beruhende Lösungsvorschlag im Asylwesen, dem vielleicht am stärksten 'feminisierten' Bereich unserer Gesellschaft überhaupt eine Chance hätte. Dazu kommt, dass es wohl nirgends so viele Personen mit Migrationshintergrund gibt wie im Asylwesen, die jegliche Veränderung und vor allem eine Verkleinerung des Bereichs solidarisch und vehement bekämpfen würden.

Aufbauhilfe in den Herkunftsstaaten
Es ist eine Binsenwahrheit, dass die meisten Einwanderungswilligen genau diejenigen sind, die zum Aufbau des Landes, aus dem sie geflohen sind, fähig wären und deshalb dringend dort gebraucht würden. Überall dort, wo es von der Sicherheit zumutbar ist, sollten diese Einwanderungswilligen zurückgeschickt werden, wenn irgendmöglich mit Unterstützung aus unserem Land in Form von Know-how-Transfer, Coaching und finanziellen Mitteln. Banal verkürzt: Hilfe zur Selbsthilfe. Denn mittel- und langfristig werden - so meine Überzeugung - die westlichen Staaten sowieso völlig überfordert sein mit den anflutenden Massen von Einwanderungswilligen. Wir könnten mit dieser Aufbauhilfe in den Herkunftsstaaten einen nachhaltigeren Beitrag zur Lösung der noch kommenden viel grösseren Migrationsprobleme leisten als mit einer gut gemeinten, aber naiven 'Willkommenskultur'.

Rettung der Demokratie?

Föderalismus Ahoi!
Der Vorschlag ist simpel: Föderalismus fördern bzw. reinstallieren auf allen Stufen. Dummerweise ist genau das Gegenteil Mode, was die Umsetzung meines Vorschlags schwierig macht ("naiv! unmöglich!" hör' ich die Polit-Pragmatiker schon 'bäfzgen'). Überall wird zentralisiert, harmonisiert, vereinheitlicht, werden Kompetenzen von unten nach oben verschoben, meist mit faulen Begründungen, die auch hinter jeder Fusion von Unternehmen stecken und meist reine Illusion bleiben: es sollen 'Synergien' geschaffen werden. Das abgelutschte Modewort hat allerdings bereits beträchtlich an Glanz verloren, zumindest in der Privatwirtschaft, die immer etwas schneller ist als die Verwaltung. Dank Fusionierung und Zentralisierung werde man sparen, 'Rechtsgleichheit' und 'Chancengleichheit' herstellen. Dahinter steckt derselbe Verschmelzungstraum wie bei den weltweiten Globalisierungsphantasten, die von einer Weltregierung träumen, die dann alle Kriege und Konflikte überwinden würde. So schön der Traum ist, er funktioniert nicht, hat zumindest noch nie funktioniert.

Heraklit brauchte nicht einmal 140 Zeichen, um das Problem der Schöpfung auf den Punkt zu bringen: "Polemos panton pater - Der Krieg ist der Vater aller Dinge." Und er fährt fort: "Und aller Dinge König." Das klingt in pazifistisch-feminisierten Ohren grauslich und unannehmbar. Wenn man den Begriff 'Krieg' aber nicht so eng fasst, wie er heute meist verwendet wird, sondern mit 'Auseinandersetzung' oder gar mit 'Wettstreit der Verschiedenen' übersetzt, sollten sogar 'Friedenskämpfer' etwas mit dem Satz anfangen können. Sie kämpfen ja – ein Ausdruck aus der Kriegsterminologie – dafür, dass weniger oder am besten gar nie mehr gekämpft wird. Nur schon die Tatsache, dass sie keinen friedlicheren Weg finden als den Kampf, um den angestrebten Frieden herzustellen und dass sie sich in die Arena des Wettstreits der Ideen begeben, müsste Heraklit, dem 'Dunkeln', ein Lächeln abtrotzen.

Das Gegenteil des Zentralisierungswahns hingegen funktioniert allüberall, wo es installiert ist. Grösstmögliche Kompetenz möglichst weit unten: in der Familie, im Wohnblock, im Quartier, im Weiler, in der Gemeinde, im Kanton – und dann ganz zuletzt das, was unbedingt nötig ist, im Bund. – Jetzt kommt natürlich der öde Einwand, die heutigen Familien, zumal die Migrantenfamilien, seien überfordert mit diesen Kompetenzen, der Staat müsse hier helfend eingreifen und ihnen diese Kompetenzen wegnehmen. Eine viel bessere Hilfe, als jemandem das Messer wegzunehmen, ist, ihm beizubringen, damit umzugehen. Wie wär's denn, wenn wir die 'Überforderten' zwängen, sich diese Kompetenzen anzueignen, weil das zu unserer Kultur gehört, die sich im Familienrecht niederschlägt? Die Superbesserwisser von der KESB könnten ja Ausbildungskurse anbieten. Stattdessen machen sie auch all den Familien die Kompetenzen streitig, die ihre Verantwortung durchaus wahrzunehmen imstande sind.

Ich halte 'Harmos' für einen gigantischen Quatsch, weil es das Gegenteil anstrebt: alle sollen in allen Regionen der Schweiz mit demselben Schulmaterial dasselbe lernen. Die Lehrer könnten in diesem Fall in naher Zukunft durch Roboter ersetzt werden. Ein Walliser Lehrer soll doch andere Geschichten erzählen als eine Thurgauer Lehrerin, Geschichten mit Lokalkolorit. Und wenn der Walliser Junge mit Aprikosen rechnen lernt, lernt es das Thurgauer Mädel mit Äpfeln. Wettbewerb ist gesund, das gilt für die Bildung genau so wie für die Steuern und tausend andere Bereiche. Aber in unserer feminisierten Gesellschaft gilt 'Harmonie', die von 'Harmos' insinuiert wird, eben viel mehr als Wettbewerb.

Ein weiterer, viel gehörter Einwand: in unserer modernen, von vielen Ortswechseln geprägten Lebensweise müsse man den Schülern den Schulwechsel so einfach wie möglich machen. Das erreiche man, indem die Lehrmittel, die Lehrpläne, die Ausbildung der Lehrer etc. vereinheitlicht, gleichgeschaltet würden. Was für ein unglaublicher Blödsinn. Wie sollen Heranwachsende ein Gespür für unser mehrsprachiges Multikulti-Land kriegen – und damit einen Vorgeschmack auf die weltweiten Unterschiede in den Weltsichten und Wahrnehmungsinterpretationen, wenn das bereits im Grundschulalter verhindert wird, wenn die Illusion befördert wird, alle Kantone, alle Gemeinden, alle Lehrpersonen seien gleich und erzählten auf die gleiche Weise das Gleiche. Was für eine mutwillig herbeigeführte Verarmung.
Je früher wir damit konfrontiert werden, dass jede Wahrnehmung vom Standpunkt abhängig ist, von dem aus sie gemacht wird, dass jede Wahrnehmung somit 'Lokalkolorit' hat, desto besser für die Heranbildung eines gesunden Selbstbewusstseins, verbunden mit einer gesunden Toleranz. Der Zürcher soll doch stolz sein auf sein Sechseläuten und seine Tirggel – und amüsiert die Basler Schnitzelbänke und die Läckerli geniessen. Und umgekehrt mal 25. Aber müssen sie gleich gemacht werden? Wettbewerb ist in jeder Hinsicht förderlich – und einen Schulwechsel hinzukriegen ist eine Herausforderung, deren Bestehen den Heranwachsenden zu Recht stolz macht.

Promovierung männlicher Werte
Die Männer sollten lernen, vermehrt für die Beachtung und Förderung männlicher Werte zu kämpfen. Aber das würde bedeuten, dass wir auch wieder vermehrt 'Männer' heranziehen. Wenn die Jungs heute meist bei der Mutter ohne Vater aufwachsen und im Kindergarten und der Grundschule immer nur mit 'weiblichen' Werten wie Sicherheit, Schutz, Sozialkompetenz, Harmonie, 'Alle sind gleich und wenn nicht muss man das Ungleichgewicht ausbalancieren', Opfermentalität, Anspruch auf unablässige Umverteilung aller Güter und auf permanentes physisches und psychisches Wohlbefinden, hohe Relevanz der emotionalen Befindlichkeit etc. ausstaffiert werden, fallen die 'männlichen' Werte wie Wettbewerb, Konkurrenz, Freude an Wettstreit, Abenteuer und Risiko, Mut, Freiheitsdurst, 'Wenn wir irgendwo gleich sind, dann in unserer Einzigartigkeit' immer mehr unter den Tisch. Die galoppierende Zunahme der Anzahl körperlich eindeutig als 'männlich' identifizierbarer Wesen hierzulande, die sich wie viele Frauen durch ihren Opferstatus, ihre Krankengeschichte, ihre Allergien, ihre Traumata, ihre emotionale Befindlichkeit identifizieren anstatt durch das, was sie kraft ihrer Fähigkeiten erkennen, was sie bereits beherrschen und was sie erreichen wollen, zeigt die Dysbalance deutlich auf.

Es ist mit den Werten wie mit der Einwanderung: es ist nichts gegen eine massvolle Anzahl von Fremden im Lande einzuwenden, aber das Mass, die Balance muss hergestellt werden. Und genauso geht es darum, die Balance zwischen weiblichen und männlichen Werten wieder zu finden. Dies braucht eine grosse Anstrengung der verbliebenen Männer. Gelingt es nicht, ist die Dekadenz vermutlich kaum mehr aufzuhalten. Wobei auch das kein Weltuntergang, höchstens vielleicht ein leiser Untergang der Tellschen Eidgenossenschaft wäre.

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