Denk-Aufgabe 1706 vom 15.3.2017

 

13 Tipps für Männer

die den Frauen zugetan sind, sie aber meist nicht verstehen

Vorausberuhigung oder captatio benevolentiae
Du verstehst die Frauen nicht? Nie? Fast nie? – Sei getrost: du bist nicht allein. Im Gegenteil. Eigentlich geht es allen Männern so, die meisten geben es nur nicht zu. Die Tipps wollen nur helfen, mit etwas Glück nicht weiterhin in alle Fettnäpfchen zu tapsen, die in reicher Zahl im Weg stehen, wenn man dem schönen Geschlecht hinterherwuselt.

Vorausbeunruhigung oder Haftungsausschluss
Mit diesen lumpigen paar Tipps verstehst du vielleicht eine – deine? – in einer bestimmten Situation einmal besser. Aber Garantie, dass sie mehrmals oder gar bei mehreren, geschweige denn bei allen Frauen funktionieren, gebe weder ich noch irgendein Versicherungskonzern. Keine Prämie der Welt würde dieses Risiko decken.

Tipp 1: MÜNDLICHER AUSTAUSCH
Versuche nie, einer – deiner? – Frau das Telefonieren abzugewöhnen. Was die Frauen vor der Erfindung des Telefons getan haben, verliert sich im Dunkel der Geschichte. Sei dankbar, dass heute ein Teil des weiblichen verbalsprachlichen Austauschs schriftlich erfolgt per Whatsapp, SMS, FB-PN, Instagram, Twitter etc. und damit deine Zeugenschaft entlastet. Kaufe Ohrstöpsel, sei viel weg, engagiere dich sportlich, in Vereinen, in der Politik, triff dich mit Freunden oder, falls du bereits entsprechend feminisiert bist dank östrogenhaltigem Wasser und sozialkompetent weiblich betreutem Aufwachsen bei Mutti, Hortleiterin, Nanny, Kindergärtnerin, Grundschullehrerin etc.: telefoniere auch. Gleich laut und vor allem: gleich lang!

Tipp 2: DAS LEBENSNOTWENDIGE
Versuche nie, ihre Begeisterung für Shoping zu hinterfragen oder ihr gar diese Urlust, dieses archaischste aller weiblichen Glückserlebnisse auszureden oder durch unfrohes Gemotzmurmel mies zu machen. Schon gar nicht aus Eifersucht und persönlicher Kränkung, weil kein Höhepunkt, zumindest keiner, zu dem du etwas beigetragen zu haben glaubst, sie je so strahlen liess, lässt oder lassen wird wie die Louis Vuittons, die sie – selbstverständlich zum Schnäppchenpreis! – auf dem Luxus-Occasionsmarkt erstanden hat. Lerne Ihre Sprache verstehen und sprechen: Wenn sie sagt, sie habe keine Schuhe, dann HAT sie keine Schuhe! Zumindest keine passenden für das neue Outfit. Und dann ist es ein MUST, zu ebendiesem neuen Outfit auch neue Schuhe zu erwerben. Ich bin grundsätzlich sehr zurückhaltend im Gebrauch des Begriffs 'absolut', da ich der Auffassung bin, das menschliche Bewusstsein habe eigentlich keinen Zugang zum Absoluten. Aber bei diesem MUST mache ich aus reicher Erfahrung eine Ausnahme: dieses MUST IST ABSOLUT. Solange sie ihre eigenen Ersparnisse ins Absolute investiert, steht dir nicht einmal die leisest gekräuselte Stirnfalte zu. Sollte sie dein Erspartes so nutzbringend investieren in nachhaltig Wertvolles – denn was ist wertvoller als eine glückstrahlende Göttin in brandneuem Outfit mit passendem Schuhwerk? – so danke ihr, dass sie dich damit ja indirekt auch glücklich macht, 'mitglücklich'. Lächle, aber nicht gequält, auch wenn es dir tief im Innern weh tut und du dein nahe geglaubtes Ziel fast lautlos davonsirren siehst. Du weisst: von Null auf Hundert braucht sie weniger als die lächerlichen 2,7 Sekunden deines erträumten neuen Tesla Model S. Also gaffe-toi, sei ein wahrer Held der Frau(en) und halte minimal die Klappe, maximal strahlst du mit ihr um die Wette. Wenn du für lange Zeit keinen Sex haben willst (zumindest mit ihr), wenn du mit etwas Pech die Beziehung – vielleicht auch dein Leben? – auf schmerzvolle Weise beenden willst, dann wage es, mit vorwurfsvoller Mimik und Gestik ihren mit grosser Wahrscheinlichkeit begehbaren, riesigen Kleiderschrank zu betreten, wage es, auf die lächerlichen 173 Schuhpaare zu zeigen und ein fragendes Gesicht zu machen. Keine Eiszeit und keine Treibhausgase brachten und bringen je schneller und endgültiger einen vergleichbar gigantischen Klimawandel zustande wie solch suizidales Tun.

Tipp 3: ANBETEN
Du solltest nie länger mit derselben Frau zusammensein, als du sie haltlos bewundern, anbeten und kritiklos verehren kannst. Sobald sich die leisesten Zweifel an ihrem über alles erhabenen Göttinnenstatus melden, solltest du – ihr und dir zuliebe – den geordneten Rückzug antreten: fair, würdevoll, wenn es geht auch noch liebevoll. Aber lass es nie soweit kommen, dass du irgendeine noch so leise und sanft geäusserte winzigste Kritik, ja nur schon überhaupt eine Meinung aufkeimen spürst, die sich nicht zu 100% mit der gerade aktuellen ihrigen deckt. Das kann sehr schnell ändern und deine Flexibilität ist gefragt, denn gestern schimpfte sie noch wie ein Rohrspatz über ihre beste Freundin, heute ist sie ein Herz und eine Seele mit ihr.

Tipp 4: NICKEN
Lerne zuhören und das Gehörte mit interessierter Mimik aufnehmen – und dazu nicken, wenn sie ein Nicken will bzw. entsetzt den Kopf schütteln, wenn sie ihn schüttelt. Es geht nie um den Inhalt, der ist völlig zweitrangig. Aber es geht matchentschiedend um die Bestätigung ihrer Sicht, ihrer Meinung. Habe nie eine eigene Meinung dazu, bilde dir am besten schon gar keine, indem du den Inhalt gar nicht wirklich aufnimmst. Es reicht, verständnisvoll zuzuhören. Das allerletzte, was du tun darfst, ist, sie in eine Debatte zu verwickeln. Sie wird dich mit Verachtung strafen, dich stehen oder sitzenlassen und umgehend eine ihrer zahlreichen besten Freundinnen anrufen. Noch schlimmer ist es, wenn du ihr Lösungen anbietest, z.B. deine Mithilfe beim Suchen eines neuen Jobs, wenn sie über den aktuellen, den sie hat, jammert, lästert, schimpft und kein gutes Haar am Chef, den Mitarbeitern, dem Lohn, den Arbeitszeiten, den Kunden, der Büroeinrichtung und dem Ferienmanagement lässt. Nimm sie in den Arm und versuche ihr den Mund mit einem Kuss oder etwas Schokoladehaltigem zu schliessen, aber behalte deine idiotischen Lösungsangebote für dich. Sie will gar keinen neuen Job, sie will nur deine Anteilnahme, Stupid!

Tipp 5: SPIELE
Lerne ihre Spiele kennen – und spiele sie mit, wo du kannst, ohne dich allzusehr zu verleugnen. Eins der Lieblingsspiele vieler Vertreterinnen des schönen Geschlechts ist 'Vornerum-Hintenrum'. Aber auf eine so blöde Bezeichnung kann nur ein Mann kommen. Bei ihnen heisst das 'Höflichkeit', 'Diplomatie', 'Geschicklichkeit', 'Charme', bei ganz intellektuellen Damen vielleicht 'gewaltlose Machtstrategie'. Wie auch immer die Begriffs-Etikette lauten mag, die These dahinter ist: "Lieber gespielte Herzlichkeit als gar keine." Und das, liebe Mitmänner, ist vielleicht etwas, was sich all die Superdirekten, die Immer-geradeheraus-Typen, die lieber als Raubein denn als Heuchler Geltenden – mich eingeschlossen – hinter die Ohren schreiben sollten: Diese geheuchelte Herzlichkeit ist zwar immer irgendwie zum Kotzen, aber manchmal ist sie tatsächlich, na ja, situationsadäquater, verhindert – oder verschiebt zumindest – Konflikte, vermeidet vielleicht unnötige Schmerzen – und ganz bestimmt hilft sie Vorteile erringen. Die Annahme, die Frauen würden das Spiel der gespielten Herzlichkeit nur deshalb spielen, weil es ihnen Vorteile bringt, ist nicht fair. Man kann das im Einzelfall durchaus zu prüfen versuchen, darf aber nicht nur auf kurzfristige Vorteile testen. Es gibt kluge Frauen, die sich ein ganzes Leben – oder zumindest ein heutzutage doch meist viel kürzeres Eheleben lang – verstellen, Herzlichkeit vortäuschen können, wo keine Gefühle da sind, nie da waren, ausser man zählt Aktivitäten zur Sicherung des eigenen Wohlbefindens auch zu den Gefühlen. Hier geht es um langfristige Vorteile und wiederum um etwas, was den meisten Männern völlig abgeht. Was wir knapp einigermassen hinkriegen, ist so zu tun, als würden wir uns für das Golfspiel unseres Chefs interessieren, wenn wir etwas von ihm wollen. Aber wenn der Chef eine Frau ist, merkt sie, dass wir nur heucheln. Deshalb funktionieren ja auch Tipp 2 und 4 nur bei den wenigen hochbegabten Männern, die wenigstens soviel Spieltalent haben wie jedes dreijährige Mädchen. – Hier wird jetzt der Haftungsausschluss wichtig: Wenn Du jetzt misstrauischer wirst und plötzlich hinterfragst, ob Deine aktuelle Partnerin Dir vielleicht alles immer nur vorgespielt hat; wenn Du plötzlich findest, Eure Kinder hätten eigentlich viel mehr Ähnlichkeit mit irgendeinem Kursleiter als mit Dir, dann will ich nicht schuld an Trennung, Scheidung, Mord, Selbstmord, Amoklauf und Weltuntergang sein. Spiele also nicht den Elefanten im Prozellanladen, den selbsternannten Rächer und Aufklärer, sondern lerne am besten selbst ein wenig mitspielen im grossen, amüsanten, von den Frauen mit grosser Überlegenheit gespielten Spiel der Diplomatie. Fange auch an mit ein wenig Flunkerflirten, ein bisschen Beschönigen, ein wenig corriger-la-fortune, wie die Franzosen so schön augenzwinkernd sagen. Denn, Hand auf's Herz, 'vollschlank' oder 'leicht über BMI' klingt nun einfach viel freundlicher, netter, höflicher, diplomatischer als das plumpe, charmelose, direkte 'fett' – auch wenn es dasselbe meint und von Frauen – hintenrum – selbstverständlich mit Hochgenuss ausgesprochen wird.

Tipp 6: SEX
Erzähle nie, NIE, hast Du gehört NIE!!!! von Sex mit anderen Frauen, auch wenn es gefühlte Lichtjahre her ist. Nicht einmal von Küssen, Kuscheln oder sonstwas Erotischem. Auch und gerade, wenn sie fragt, wenn sie immer wieder bohrt und alles wissen will. Schweige wie ein Grab. Lass Dich nicht zu mehr hinreissen als zur Feststellung, dass du nicht viel Erfahrung habest und dass es garantiert noch nie so toll war wie mit ihr. Mehr braucht sie nicht zu wissen. Vor allem dann nicht, wenn es brandschwarz gelogen ist. Da musst Du durch. Es ist eine lebensnotwendige Lüge oder ‘Zurückhaltung’. Bau Dir eine Brücke mit dem klassischen Beispiel der Lüge, die einfach sein muss: Du hast einen Juden versteckt und die Gestapo klopft an deine Tür und fragt, ob du einen Juden versteckt habest. Wenn du dann nicht lügst, tötest du ihn und dich. Wenn du deine Angebetete nicht belügst in Sachen deines erotischen Vorlebens, tötest du minimal den Sex, maximal die Beziehung mit ihr. Das Thema verträgt auch keine Witze. Mach nicht auf ironisch und behaupte, du hättest selbstverständlich schon mit 793 Frauen geschlafen und alle seien toller gewesen. Wenn für einmal eine Aussage möglich ist, die für fast alle Frauen dieser Welt Gültigkeit beanspruchen darf, dann die Behauptung, dass alle das NICHT LUSTIG finden werden. Genau dafür gibt es gleichgeschlechtliche Freunde, die grölen alle. Und sie ist natürlich keinen Deut besser und lacht mit ihren Freundinnen mit Hochgenuss über tausend Details aus all ihren Sexerfahrungen. Aber eben: unter sich. Da herrscht nach wie vor strikteste Geschlechtertrennung.

Tipp 7: BEGEISTERUNG
Du darfst dich über alles Mögliche freuen. Aber begeistert darfst du nur von ihr sein. Der klassische Reinfall ist, dass du, um ihr zu Gefallen zu sein, Begeisterung zeigst, echt oder gespielt, bei Wesen oder Dingen, von denen SIE begeistert ist. Falsch!!! Du darfst ihr zustimmen, aber in abgemilderter, coolerer Form. Wenn sie von einer Sängerin, einer Schauspielerin, einem Model, einer Freundin, einer Unbekannten begeistert ist, dann darfst DU es nicht sein. Du darfst anerkennend nicken und die von ihr Angebetete okay finden, nicht schlecht, aber dann musst du irgendetwas anhängen, das deine Begeisterung, deine wahren, grossen Gefühle für SIE zeigt. Und glaube nicht, sie wache nur bei fremden Frauen über deine Begeisterung. Es gibt kaum etwas Dümmeres, als wenn du deine haltlose Begeisterung für eine Fussballmannschaft, irgendeinen Sport oder Sportler oder gar für ein Fahrzeug, ein Land, ein Buch, einen Job, eine Beschäftigung ungefiltert zeigst. Nichts, rein gar nichts, auch nicht ihr Hund oder ihr Pferd darf dich so begeistern, dass ihr auch nur ein einziges Swarovski-Steinchen aus der Krone fallen könnte. Sie hat ein untrügliches Gespür dafür, wenn auch nur das geringste Teilchen der aus ihrer Sicht ja sowieso bescheidenen Begeisterungsfähigkeit von uns Männern abwandern, davonfliessen, Unberechtigten zukommen könnte. Den meisten von uns geht diese hohe Sensibilität ab. Aber rechne mit ihr und gib Dich im Zweifelsfall cooler und schweigsamer als Du – in anderem Umfeld – eigentlich bist.

Tipp 8: ERNÄHRUNG
Halt dich da raus! Verstanden? Einfach Fresse halten und no comment. Tipp 2 (NICKEN) beachten. Stoisch, cool und ruhig bleiben, auch wenn sie mit der 981-sten Diät beginnt, diesmal der todsicheren, der anstrengungslosen, der schnellsten, günstigsten, effizientesten und beglückendsten. Auch hier gilt: das Thema erträgt keine Witze. Wenn, dann darf sie einen machen, wenn sie dich bittet, die Biotta-Packung oder die Riesenschachtel Diät-Riegel hochzuschleppen – aber sicher nicht Du. Und wenn Du ein Spargeltarzan bist, der fressen kann, was er will und soviel er will, dann spiel das nicht aus, im Gegenteil, spiel es runter als ungerecht, krankhaft, sag, dass Du Würmer habest, die Auszehrung, Krebs im Endstadium – alles, nur nicht plagieren damit, dass Du Dich lebenslänglich einen Scheiss um Ernährung gekümmert hast. Und unterschätze das Thema nicht. Es ist bei gefühlten 99,9% der Frauen hochzentraldominant. Und bei den aus deiner Sicht ewiglangen Telefonaten, die sie täglich führt, bei den Millionen von Kurzmeldungen, die mit Aufwärtspiepsen raus- und mit Abwärtspiepsen reinkommen neben jedweder anderen Tätigkeit, geht es mindestens so oft um Ernährung wie um Shoping oder Sex.

Tipp 9: SPÜREN
Was auch immer du fühlst, denkst, sagst oder tust, es kann heute falsch und morgen richtig sein. Oder umgekehrt. Und diesen Unterschied, diesen blitzschnellen Wandel der Stimmung, der Umstände, der Grosswetterlage musst Du SPÜREN. Sie sagt es dir nicht. Sie zeigt es dir auch nicht an. Zumindest nicht so, dass Du – wir unsäglich simplen Männer! – es verstehst. Wenn Dein Kumpel ein Bier will, dann sagt er das. Wenn er ein sehr guter Kumpel ist, holt er sich sogar selbst eins. Nicht so sie. Du musst ahnen, SPÜREN, wenn und wann sie Durst hat – und worauf sie Durst hat. Du musst auch alles andere SPÜREN. Wann du den sanften Schnuckeldaddy, den grosszügigen Spender, den begeisternden Motivator, den wilden Seeräuber, den harten Dominator, den geschickten ‘Handyman’, den Seelentröster, den gnadenlosen Beschützer und tausend andere Rollen mehr geben musst. Lerne ihre leisesten Signale zu lesen! Es kann innert Sekunden umschlagen und eine gegenteilige Rolle ist gefragt! Behalte deine Antennen ausgefahren und 7/24 auf Empfang. Auch und gerade im Schlaf. Denn ein Schnarchgeräusch zur Unzeit kann dich vieles, ALLES kosten! Und wehe, du spürst es zwar in 99 Fällen richtig, versagst aber beim hundertsten Mal. Du riskierst, zurück in den Teich der stumpfen, nichtsnutzigen, kaltblütigen Karpfen geworfen zu werden.

Tipp 10: NEVER FORGET!
Das Vergessen des Hochzeitstages ist so alt und abgelutscht wie die Ehe selbst. Aber es gibt Myriaden anderer Dinge, die man(n) vergessen kann. Meist kommen sie aus den USA und oft aus der Marktwirtschaft: Välentäin z.B. – unbedingt Englisch aussprechen wie Hälowiiin, das dir früh gealterte hässliche Kinder vor die Haustüre spuckt, die zucker- und glutenfreie, vegane Naschereien einfordern. Oder wie das Wort, das auf allen städtischen Fensterscheiben klebt und das ich naives Landei als schweizerdeutschen Gruss missdeutete: SALE! – Nun, auch wenn Välentäin eine Erfindung der amerikanischen Blumenindustrie ist – es gibt keinen Ausweg. Wir sind zwar nicht in der EU, aber längst eine zwar kleine, aber eben doch eine TRUMPfkarte im Land, wo Mickey (Mouse-Pence) und (Mc)Donald regieren. Also vergiss nicht, zu der Zeit, wo auf der nördlichen Halbkugel nirgends eine Blume wächst, sie in ein Blumenmeer sinken zu lassen – Schmuck ist auch ok. Aber VERGESSEN ist ein absolutes No-Go! Es reicht auch nicht, an ihren Geburtstag zu denken, irgendwas nach Hause zu bringen oder sie in die Pizzeria um die Ecke einzuladen. Du musst ihren Geburtstag inszenieren. Da musst Du dir echt was einfallen lassen. Am besten frühzeitig. Idealerweise beginnst Du die Organisation des kommenden Geburtstags spätestens einen Tag nach dem mit Grandezza durchgestylten, soeben erlebten. Und Du musst das richtige Mass finden. Geizig-schmürzelig kommt sowieso nicht in Frage. Aber wenn Du es in die andere Richtung übertreibst – und Du musst es übertreiben! – dann riskierst Du den Vorwurf, dass es Dein Budget sprenge und es deshalb womöglich nicht mehr für die Ferien reiche. Aber es MUSS Dein Budget sprengen! Natürlich will sie nicht wirklich, dass du eine Bank überfällst, um ihr das wahnsinnigste Geschenk aller Zeiten darreichen zu können. Aber sie würde dich dafür lieben und dich im Knast besuchen kommen. Eigentlich eine der letzten Möglichkeiten in unseren fundamentalistischen Gleichstellungszeiten, in ihren Augen ein Held zu sein. Wenigstens für kurze Zeit. Denn wie willst Du vom Knast aus ihren nächsten Geburtstag organisieren? Von Weihnachten, Ostern, Pfingsten, Ferien, Namenstag und all den Erinnerungstagen ganz zu schweigen. Denn wenn deine berauschende Zeit mit ihr überhaupt so lange dauert, dass man einen Jahrestag des ersten Dates, Kusses, Frühstücks, Streits-mit-Versöhnung etc. feiern kann, dann musst Du daran denken und am richtigen Ort zur richtigen Zeit mit dem untrüglichen Gespür für das Richtige – das Richtige tun, sagen, denken, fühlen! Und du musst lernen, hart zu werden im Nehmen. Den meisten von uns fällt es leichter, einen gut platzierten Faustschlag eines anderen Mannes einzustecken als die zelebrierte Enttäuschung einer Frau, weil wir an irgendeinem der vielen 'special days' irgendwas suboptimal gemacht haben. Schüttle dich, steh wieder auf und mach es einfach das nächste Mal BESSER – wenn es ein nächstes Mal gibt.

Tipp 11: LIEBE
Der Himmel voller Geigen? Bis dass der Tod euch scheidet? Wenn du das schaffst, bist du entweder noch nicht erwacht und träumst den schönsten Traum deines Lebens oder du bist ein Opfer frühzeitiger Demenz. Wenn nicht: forget it mit der Schnulzenromantik. Es ist Arbeit angesagt, allerhöchste Aufmerksamkeit. In Vietnam oder sonst einem Krieg überleben, eine Herzoperation durchführen, Google und Amazon zusammenführen – peanuts im Vergleich zu der Aufgabe, deiner Angebeteten zu jedem Zeitpunkt im richtigen Stil mit den richtigen Mitteln das richtige Mass an Aufmerksamkeit, Zuwendung – eben die ominöse, seit Jahrtausenden besungene Liebe zukommen zu lassen. Erschiess dich nicht gleich, nur weil es nie länger als eine Nanosekunde gelingt, weil es immer zu viel oder zu wenig ist – nein, es ist viel komplizierter: es ist in einer bestimmten Sekunde zu viel von dem, zu wenig vom anderen und vielleicht gerade genug vom dritten, in der nächsten Sekunde verschiebt sich das und es sind in Wirklichkeit nicht drei, sondern gefühlte tausend Ebenen. Du schaust ihr verträumt, verliebt, tief und lang in ihre grossen Kulleraugen. Ok, aber doch nicht so lange, du Depp! Denn dafür hält sie dich, wenn dieser Kitschblick zu lange dauert. Wie soll sie Vertrauen haben, dass du sie vor wilden Tieren beschützt und sie auch morgen wieder shopen gehen kann, wenn du wie ein Lackel-Dackel dumm kuckst, anstatt deine Muckis zu trainieren und den Kontostand zu erhöhen. Also wirklich. Gut, du gibst stattdessen den Kapitän auf hoher See bei Orkan, die Haare zerzaust, die Hände fest am Ruder, die Augen unverwandt in die Ferne gerichtet, Piraten und Haie gleichermassen früh erkennend. – Toll für vielleicht zwei Sekunden, wenn es gerade nichts zu tun gibt, das ihrem Wohlbefinden dienen könnte – aber das ist bereits ein Widerspruch in sich selbst. Es reicht, wenn du irgendwo ein Foto rumhängen hast, das dich als Held zeigt. Aber im Alltag ist Zuwendung und Arbeit gefragt. Also Kitschblick und Heldenpose bitte höchstens alle Schaltjahre, den Rest der Zeit sollst du tätig sein, TÄTIG! Frag jetzt bitte nicht, WAS du tun sollst. Natürlich Nützliches für SIE. Der grosse und ziemlich fromme Komponist Anton Bruckner überschrieb jedes seiner Werke mit 'Ad maiorem dei gloriam' – 'Zum grösseren Ruhme Gottes'. Er verstand ja bestimmt viel von Gott und Musik, aber offenbar ziemlich wenig von den Frauen. Du aber gehe hin und ersetze 'Gott' durch 'Frau'! Blasphemie? Im Gegenteil. Gott kann froh sein, dass er nicht schon längst durch 'Göttin' oder eben schlicht 'Frau' ersetzt worden ist. Wir tun es nur mal in diesem Satz: 'Ad maiorem feminae gloriam' – Und damit hast du deinen Tagesbefehl, Wochen-, Monats-, Jahres-, nein: Lebensbefehl: Du sollst tätig sein zum grösseren Ruhme der – deiner! – Frau!' Wenn du das ohne Fehl und Tadel hinkriegst bis zu deinem seligen Ende, dann war das vielleicht aus ihrer Sicht 'Liebe' – postfaktisch allerdings.

Tipp 12: FREUNDSCHAFT
Wenn du das schaffst – eine richtige Freundschaft mit einer Frau – dann bist Du wirklich der King of Swing. Denn für die Kategorie 'Freundschaft' hat sie Freundinnen, meist sogar mehrere 'beste'. Männer sind normalerweise für anderes da. Wenn sie richtig Glück haben, werden sie dazu auserkoren, Nachwuchs zu zeugen und für die so entstehende Familie zu sorgen. Um mit dieser Rolle betraut zu werden hilft es, wenn vor den Nullen auf dem Konto wenigstens eine einzige natürliche Zahl steht, die grösser ist als Null. Ein nicht allzu stark ausgeprägter Sexualtrieb wird auch gern gesehen. Genug zum Kindermachen, aber nicht soviel, dass er sich fälschlicherweise auf mehr als die einzige Berechtigte ausdehnen könnte. So etwas wie Treue aus Triebarmut und Faulheit. Eine weitere männliche Rolle ist die des streunenden Wolfes. Der hingegen darf platzen vor Sexappeal, Muckis, Raubeinigkeit. Er ist ja meist auch nur für ein paar Nächte gebucht, vielleicht auch mal für das Zeugen echt männlicher Nachkommenschaft. Etwas weniger Auserwählte können immer noch als dienstbare Geister, als Sponsoren, Kumpels, Wegbereiter dienen. Aber für richtig nahestehende männliche Freunde – so wie sie Freundinnen haben – ist in der Regel kein Bedarf im weiblichen Haushalt. Wozu denn auch? Wenn er weder Sexappeal noch Geld hat, keine handwerklichen Fähigkeiten, keine wichtigen Verbindungen, die ihr auf ihrem Weg weiterhelfen können – und man mit ihm ja doch nicht so offen über die zentralen Themen reden kann wie mit den Freundinnen, wozu soll er denn gut sein? Sei also stolz, wenn du das geschafft hast bei irgendeiner Dame der Schöpfung. Sie findet dich zwar nicht heiss und Du bist zu nichts nütze, aber das ist kein Grund zu Depressionen! Denn sie mag dich trotzdem richtig gern – als Freund eben. Und das ist wie ein Sechser im Lotto!

Tipp 13: EROBERUNG
Du träumst von einem betörenden Wesen, dem du dein Leben opfern willst? Und du bist deiner eigenen Einschätzung gemäss weder der kleine Bruder von George Clooney noch von Mark Zuckerberg? Tja, dann musst du dir echt was einfallen lassen. Deine Chancen erhöhen sich leicht, wenn du einsatzfreudig und handwerklich begabt – also nützlich bist. Aber das reicht vielleicht für ein Lächeln, das dich – aber eben nur dich – schmelzen lässt. Ein klitzeklein mehr Chancenwachstum kann es dir einbringen, wenn sich deine Hand-Werks-Begabung auch auf gekonntes Kneten des duftölbesprühten Traumbodys des schönen Geschlechts erstreckt, du also ein grandioser Masseur bist und dank verbriefter, im Praxisraum gut sichtbar an die Wand gepinnter Ausbildungszertifikate als seriös giltst oder zumindest als solcher zuhause verkauft werden kannst. Sorge für perfekte Hygiene, warmes Licht und ebensolche Frotté-Tücher, Meditationsmusik und wunderbare Düfte – und lass sie zu Beginn zwingend sich auf den Bauch legen, sodass sie in nüchternem Zustand nicht mit deinem nicht ganz Clooney-Face und nicht ganz Diesel-Body konfrontiert wird. Wenn du deine Arbeit an ihrem entzückenden Rücken und an den Hinterseiten der Beine richtig gut machst und dir auch ausgiebig Zeit für ihre Füsse nimmst, wird sie sich – wenn du Glück hast – freiwillig auf den Rücken drehen. Tut sie das, ist ihr sonst stets so gnadenlos analytisch Sinn und Zweck ihres Männer betreffenden Tuns abwägender Geist mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht mehr völlig nüchtern und die Chance, dass sie deinen Service als Masseur wieder und wieder beansprucht und sich eines Tages vielleicht dazu hinreissen lässt, sich die Ausgaben dafür zu sparen, indem sie dich deinen Service ausweiten lässt, steigen deutlich über Null.

Eigentlich ist es ganz einfach: Könne irgendetwas, was sie auch gern können möchte. Die Klassiker sind Skifahren, Tennisspielen, Reiten, bei Karrierefrauen vielleicht auch Golf. Auch Hundeflüsterer haben Chancen, Musiker, nichtschwule Tänzer, weltgewandte Vielreiser – aber eben: nur bei jenen Frauen, die genau dort eine Affinität haben. Wenn du dich in deiner grenzenlosen Naivität zuerst verliebst und erst dann checkst, wo ihre Affinität liegt – etwas, was einer Frau kaum je passieren würde – musst du vielleicht zuerst Crashkurse in den besagten Bereichen nehmen, um sie beeindrucken zu können. Bis du soweit bist, wird es allerdings mit grosser Wahrscheinlichkeit einer geschafft haben, der etwas mehr vorzuweisen hat als ein paar Wochendkürslis. Mit dem Haben ist es delikater als mit dem Können. Wenn du etwas hast, was sie auch gern hätte, klappt das meist nur bei Geld und Immobilien. Muckis schaut sie sich vielleicht gerne an bei Männlein oder nutzt sie rund um Haus und Auto, aber sie will in den seltensten Fällen selbst so aussehen wie Hulk Hogan. Und mit dem Erfolg ist es auch heikel. Solange genug Sonne auf sie fällt, mag es angehen, aber eigentlich will SIE im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen. Wenn sich dein Erfolg als Macht manifestiert, die ihre Möglichkeiten erweitert, kann das auch klappen, aber es bleibt eine latente Konkurrenzsituation.

Noch zweifelhafter wird es, wenn du akademische Titel hast oder sich dein Haben ganz allgemein im Bereich von Intelligenz und Wissen befindet. Auch die sämtliche Klischees erfüllende blonde Tussi will nicht dumm dastehen neben einem weltweit anerkannten Intelligenzbolzen. Sie will wenigstens die geheime Befriedigung haben, dass er ohne sie ja eigentlich völlig aufgeschmissen wäre. Auch wenn du also einen nachweisbaren IQ von über 150 hast, reibe ihr das nicht unter die Nase. Im Gegenteil. Stell dich in gewissen Bereichen sogar bewusst ungeschickt an, zum Beispiel beim Öffnen von Manschettenknöpfen oder BH-Verschlüssen. Das gibt ihr ein herrliches Gefühl von Überlegenheit, was gerade bei bildungsfernen Vertreterinnen des schönen Geschlechts hochmotivierende Wirkung zeitigen kann.

Eine weitere Steigerung ist denkbar, wenn du als spiritueller Kursleiter, umgarnt von einer hingebungsbereiten Schar von Jüngerinnen, durch die Lande ziehst. Wenn du mit eindringlichem Pathos von Liebe und Ekstase erzählst, von Charisma und Energieverbindungen, von Gott- und Naturverbundenheit, von Engeln und Erleuchtung und vom Weg, den du dorthin weisen kannst, weil du dich der göttlichen Eingebung oder höheren Intelligenzen von den Pleiaden geöffnet hast. Dann – und nur dann – kann es sein, dass sich auch die eine oder andere deiner Angebeteten, Herbeigewünschten öffnet und sich von dir begleiten lässt. Aber mach dir keine Illusionen: nur gerade so lange und so weit, bis sie am von dir in Aussicht gestellten Ziel angekommen ist – oder sie einen neuen Propheten findet, der ihr das nächste Wegstück erleuchtet. Es reicht also nicht, dafür zu sorgen, dass sie das Ziel nicht erreicht. Es ist mit den spirituellen Begleitern wie mit den Diäten: es findet sich immer wieder eine neue, noch mehr versprechende.

Irgendwann wirst du lernen, dich zu bescheiden und zufrieden zu sein, wenn du deine Göttin wenigstens ein kurzes Stück weit begleiten durftest. Und wenn du genügend oft und genügend lange diesen Escort-Service geleistet hast, wirst du dereinst vielleicht sogar froh sein darüber, dass es nicht für die Ewigkeit war, wirst dich lachend mit deinen Freunden austauschen über eure Abenteuer und vielleicht zur Einsicht gelangen, dass es wunderbar ist, auszuziehen – sich und andere – um Abenteuer zu erleben, dass es aber ebenso herrlich ist, wenn diese Abenteuer irgendwann zu Ende sind und am knisternden Lagerfeuer zu schaurigen Geschichten verwoben und den Jüngeren aufgetischt werden können, die sie noch nicht erlebt haben. Nicht um sie von eigenen Abenteuern abzuhalten – Gott bewahre! – nein, um sie schmunzelnd dafür zu motivieren und gleichzeitig froh zu sein, die Flugakrobatik hinter sich zu wissen und wieder festen Boden unter den Füssen zu haben. Na ja, zumindest bis zum nächsten Mal.

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