Denk-Aufgabe 1902 vom 8.3.2019

 

Bist du kultursensibel?

Eine sensible Hommage an den Zeitgeist aus Anlass des Frauentags

An die Eltern von Kindergartenkindern in Hamburg ging vor dem traditionellen Fasching das dringende Ersuchen, bei der Wahl der Verkleidung der Kinder "kultursensibel, diskriminierungsfrei und vorurteilsbewusst' vorzugehen, berichtete die seriöse NZZ, also halten wir das mal vorläufig nicht für einen Aprilscherz und freuen uns daran. Denn kaum je war der Zeitgeist genialer in drei Begriffen zusammengefasst. Lass dir deshalb diese drei Vokabeln auf der Zunge zergehen und speichere sie schnell und nachhaltig in deinem aktiven Wortschatz ab. Sie transportieren mehr noch als das #me-too-Geschwurbel den Kern des gerade aktuellen Zeitparadigmas. Und der universumsweite Frauentag eignet sich doch bestens dazu, diesen Zeitgeist, nein diese Zeitgeistin zu feiern. Wenn du irgendwo auch nur die erste niederste Sprosse eines noch so bedeutungslosen Karriereleiterchens erklimmen möchtest, dann verinnerliche diese Wörter und hänge sie als Leitlinien deines Denkens und Handelns über dein Himmelbett, deine Kloschüssel und deinen Arbeitsplatz:

Bildergebnis für Himmelbett

Nun ist die Verbalsprache ja bekanntlich die Kommunikationsform mit der höchsten Missverständnisquote und jedes einzelne Wort kann auf vielfältigste Weise interpretiert und verstanden werden. Lasst mich deshalb versuchen, euch zu erklären, welche Art von 'Kultur' gemeint ist, wer denn keinesfalls diskriminiert werden darf und welche Vorurteile du durchaus behalten darfst, wenn du zeitgemäss vorurteilsfrei sein willst:

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Erstes Vorurteil, das du nicht nur behalten, sondern sogar zu einem nicht weiter zu hinterfragenden, letztinstanzlichen und absoluten Urteil adeln solltest, ist die unumstössliche Tatsache: Männer sind grundsätzlich schlechtere, wertlosere Menschen als Frauen. Sie sind triebgesteuerte Machos, üble Patriarchen, machtgeile Unterdrücker, gewaltbereite Killer und rücksichtslose Vergewaltiger. Solltest du das Pech haben, mit einem Pimmelchen statt einem Schlitzlein auf die Welt gekommen zu sein: hau es ab, lass dich umbauen oder wähle wenigstens irgendeine der gut 60 Alternativen zur widerwärtigsten aller Geschlechtsvarianten: dem Hetero-Mann. Diesen darfst du diskriminieren, verbal und mit allen Machtmitteln niedermachen, mobben, ausschliessen, wo du kannst und solange du willst, du bleibst dabei im zeitgeistigen Sinne trotzdem 'diskriminierungsfrei' und 'vorurteilsbewusst'. Auch mit der Kultursensibilität gibt es keine Probleme, da es so etwas wie eine 'männliche Kultur' gar nicht gibt. Im geltenden Zeitparadigma ist dies ein Widerspruch in sich selbst, eine contradictio in adiecto, wie der stumme Schrei auf dem Gemälde Van Goghs oder die schwarze Milch in Paul Celans Todesfuge – gute Beispiele aus zeitgeistiger Sicht, denn das Verbinden von 'Mann' und 'Kultur' entlockt einer wahrhaft kultursensiblen Leitpersonin unserer Tage einen stummen oder lauten Schrei und den Gedanken an den fugierten Tod, den sie den Heteromännern wünscht, egal, ob die nun vorher noch schwarze oder rote Milch schlucken.


Bildergebnis für schwarze milch

Zweites Vorurteil, das du auch zum absoluten Credo erheben musst, ist die Absage an den Humor. Humor ist immer böse, dreckig, diskriminierend. Wann immer gelacht wird, wird ÜBER jemanden oder etwas gelacht, und diese Jemandin oder dieses Etwas wird durch dieses Gelächter verhöhnt und zutiefst diskriminiert. Jede Form von Humor zementiert Vorurteile – dieses Vorurteil über den Humor, der immer und überall Vorurteile zementiert, darfst, nein musst du gegen alle Einwände verteidigen! Die Lacherei ist ja ganz generell eine unsensible Tätigkeit, die andere Tätigkeiten, die Ausfluss einer fremden Kultur sind, in den Dreck zieht. Wenn dich eine timbuktorianische Waldfrau zur Begrüssung mit Dreck bewirft, darfst du den weder aus den Augen wischen noch darüber lachen, sondern musst dies mit sensiblem Ernst als Ausdruck einer fremdländischen Minoritätenkultur schätzen lernen. Auch das aggressive Verhalten gegenüber islamistischen Terroristen und die ganzen Witze darüber zeugen von mangelnder Kultursensibilität, sind Ausdruck massiver Diskriminierung und beruhen auf Vorurteilen. Das Zünden eines Sprengstoffgürtels in einem Kindergarten ist nichts als der Ausdruck einer anderen Kultur, auf die wir einfühlsam reagieren sollten, zumindest solange wir noch können.

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Hier ein gnadenloser Zwischentest: wenn du über das Verbotsschild mit dem Popen, der hinter den Kids herjagt, gelacht hast, bist du noch längst nicht soweit, in die hochwohllöbliche Zeitgeistgemeinschaft aufgenommen zu werden. Das Schild ist eine todernste Warnung vor einer todernsten Sache, über die nur unsensible Menschen lachen können. Zurück auf Feld 1! Auch das Bild mit dem Kindergartenkind ist nicht zum Lachen, sondern zeigt, wie es sein sollte: eine kultursensible, diskriminierungsfreie und vorurteilsbewusste Mami tröstet ihr Kind, das sich in Bälde für eine grössere Sache opfern wird. Versucht, diesem Vorbild nachzueifern!

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Jetzt wird es anspruchsvoller bei diesem Schlussbild aus dem Monty Python-Film 'The Life of Bryan', einem ganz üblen Machwerk voller Vorurteile, Diskriminierungen und fern jeglicher Kultursensibilität. Aber bei näherem Hinsehen (unter diesem Link sogar samt dem eklig fröhlichen, von wenig Einsicht in das Elend des Hineingeworfenseins in eine unwirtliche Welt zeugenden Song 'Always look on the bright side of life' www.youtube.com/watch?v=SJUhlRoBL8M) entpuppen sich die Gekreuzigten samt und sonders als Hetero-Männer. Und – Gipfel der Unsensibilität! – die toten Soldaten am Boden wippen im Takt des Songs mit ihren Füssen! Darf sich hier die kultursensible Frau vielleicht ein kurzes, letztes, verhärmtes Lächeln über die Unbedarftheit und Überflüssigkeit dieser (bald ganz Aus-)Sterbenden gönnen?

Um euch doch noch das Erfolgserlebnis eines unfehlbaren Urteils auf eurem dornenvollen Weg zur professionellen Zeitgeist-Ikonin zu geben, hier noch ein einfaches Bild zu unserem dritten Vorurteil, bei dem ihr die Vorsilbe 'Vor' vorsichtig entfernen könnt und es zu einem ehernen Urteil machen dürft: Frauen sind immer Opfer. Immer! Sollten sie je auf den ersten Blick Täterinnen sein, so wurden sie dazu gezwungen und erlangen damit sofort wieder Opferstatus. Genauso entstand bestimmt auch dieses schmutzige, diskriminierende Bild, das plakativ Vorurteil eins beweist, dass Männer nämlich… (siehe oben). Bestimmt hat einer dieser triebgesteuerten, patriarchalischen Macho-Deppen dieses frauenverachtende T-Shirt entworfen – und ein anderer der gleichen, vom Antlitz der Erde zu tilgenden Spezies hat das arme Opfer gezwungen, sich das Unding überzuziehen und sich damit selbst blosszustellen. Wenn es euch gelingt, angesichts dieses Bildes zu weinen, dann seid ihr auf gutem Weg, in den Hain der Guten, entschuldigt: der Gutinnen aufgenommen zu werden.

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Tja, liebe Zeitgeistinnen, die Welt ist ein
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hier steht es schwarz auf gelb! Und ihr könnt einen wichtigen Beitrag leisten dazu, dass es auch so bleibt! Hört auf, Büblein zu gebären! Und macht aus den wenigen, die es trotz aller Vorsicht auf die Welt schaffen, ganz unzimperlich und notfalls mit Gewalt wenigstens Eunüchlein. Wo dies nicht gelingt, werft sie ins Meer, nein, das wäre unsensible Gewässerverschmutzung, setzt sie aus, irgendwo im Weltall, da hat's sowieso schon viel Schrott von diesen Trotteln. Tja, harte Zeiten erfordern harte Massnahmen. Und säubert auch die Reihen eurer Geschlechtsgenossinnen. Wer lacht, unterschreibt damit sein eigenes Todesurteil. Stellt euch vor, wie friedlich es wird auf der Welt: keine Männer, kein Gelächter, nur noch ernste, kultursensible, diskriminierungsfreie und vorurteilsbewusste Opfer – das Paradies!

Bildergebnis für Paradies

aufgezeichnet von Christophine, bevor er (sie? es?)trotz versuchter Geschlechtsumwandlung im Weltraum verschrottet wurde (ganz hinten oben rechts aus dem Bild geweht)

Bildergebnis für weltraumschrott bilder