Denk-Aufgabe 1904 vom 5.5.2019

 

Tipps für Kühlschränke, Frauen und Rest-Männer

Ich habe mir beim Gebiss meiner Urgrossmutter das heilige Versprechen abgerungen, in diesem Pamphlet nicht blass und bloss in luftigen philosophischen Höhen rumzuflattern, wo alles so schön unverbindlich, höflich und in Frageform für den Sommersonntagsbrunch des Rotary-Clubs aufbereitet ist, und wage mich deshalb hier in die hemdsärmeligen Niederungen der unverpackten, rauen Tipps, in die Welt der Rezepte und IKEA-Bastelanleitungen in Du-Form – immer im Bewusstsein, dass es mir selbst und damit auch jedem anderen selbsternannten Schläuling ein Leichtes wäre, gerade diese Direktheit simpler Handlungsanweisungen auf die Schippe zu nehmen oder in der Luft zu zerfetzen. Aber solange der kluge Rolf Dobelli in der NZZ seine einfachen Ratschläge publizieren darf, ohne deswegen von der Intellektuellengemeinde hingerichtet zu werden, solange Rüdiger Dahlke, der emsigste Esoteriker ever, weiterhin mit seinen recht simplen Weltverbesserungsrezepten seine riesige Fangemeinde beglückt, kann es wohl kaum so schlimm kommen mit den Reaktionen auf meine einfachen Tipps, oder nicht? Kommt dazu, dass ich ja einen unzeitgemässen Hang zu 'taking risk' habe. Na denn: los!

"Kühlschrank-Tipps"

Damit meine ich Tipps ohne Spezifikation der Adressaten, also Tipps 'für die ganze Familie'. Von wegen Kühlschrank: auch wenn's ein grosser ist, haben wahrscheinlich bestenfalls die fettgedruckten Tipp-Kurzformeln Platz.

Lernt denken und debattieren!

Das ist schwieriger, als es klingt. Ich verwende hier einen weiten Denk-Begriff, der über das rationale Analysieren hinausgeht . 'Weiter Denken' heisst in diesem Sinne, alles immer wieder zu hinterfragen, auch das Denken. Immer dann, wenn du glaubst, irgend etwas sei nun ganz sicher, absolut wahr und unumstösslich, schlägt die Stunde des Denkens. 'Vorurteile' umstossen klingt verführerisch, weil es suggeriert, dass nach dem Vorurteil dann das richtige, endgültige und definitive Urteil komme. Dem ist aber beim hier promovierten 'Denken' nicht so. Es gibt nur Vorurteile. Jede Wahrnehmungsinterpretation, ja nur schon die Fokussierung auf eine bestimmte unter vielen möglichen Wahrnehmungen ist ein Vorurteil und damit subjektiv, relativ, veränderbar. Das macht die Denkerei furchtbar anspruchsvoll – aber auch abenteuerlich, überraschend, spannend.

Ganz allein für dich kannst du denkend innere Debatten führen, dich immer wieder auf neue, noch nie eingenommene Standpunkte stellen, ungeahnte Sichtweisen durchdenken, ausformulieren. Wenn dann tatsächlich noch jemand hereinplatzt, kann er oder sie dich im besten Fall gar nicht mehr wirklich erstaunen und schon gar nicht aus den Socken hauen. Aus dem einfachen Grund, weil du seine, ihre Sicht auch schon durchdacht, ja sogar formuliert hast. Die Kunst besteht darin, die Sichtweisen, die am weitesten von deiner eigenen entfernt sind, mit allen dir zu Gebote stehenden denkerischen Mitteln argumentativ richtig stark zu machen, bevor du deine eigene Sichtweise mit Argumenten unterfütterst. Das hilft dir in jedem Fall. Entweder, weil du deine Argumente viel besser und ausgefeilter bringen kannst, wenn du die des Gegners kennst, oder, weil du zumindest einen Teil der gegnerischen Argumente, die du selbst innerlich so überzeugend formuliert hast, akzeptierst und zu einer neuen, ausgereifteren eigenen Sichtweise vordringst.

Die Chance, dass nach dem Training der inneren auch die äusseren Debatten erspriesslich und erkenntnisfördernd verlaufen, ist gross. Trainiere zuerst mit einfachen Themen, bei denen du locker beide oder mehrere Sichtweisen vertreten kannst. Wenn das gut gelingt, wage dich an immer heissere Themen, bis du schliesslich bei denen landest, die dir richtig nahe gehen, bei denen du deine Sichtweise leidenschaftlich vertrittst und Mühe hast, zuzulassen, dass man überhaupt anderer Ansicht sein kann als du. Mir ging das so bei 'linkem Denken', etwas, was ich immer für einen Widerspruch in sich selbst hielt. Bis zu dem Tag, als mir eine höchst attraktive, dem Kommunismus herzlich zugetane Mitstudentin der Philosophie (die am Schaltpult wussten wahrscheinlich, dass ich bei einer so angenehmen Verpackung aufmerksamer zuhöre) erläuterte, woher der Gleichheitstraum ihrer Ansicht nach komme und wohin er führen solle: back to paradise! Bereits leicht bezirzt von ihrer Schönheit gelang es mir gerade noch, kurz meine Gegenargumente zu platzieren, dass nämlich erstens gar nicht alle ins Paradies zurückwollten, und schon gar nicht gleichzeitig, dass zweitens und wichtigstens daraus folgend niemand dazu gezwungen, höchstens motiviert werden dürfe, auch wenn man selbst das Ziel für noch so schön und erstrebenswert erachte, was ihr doch einleuchten müsse beim Thema Erotik: Wenn sie freiwillig mit mir das Paradies der Sinnlichkeit betreten möchte, wäre das für beide ok, wenn ich sie hingegen dazu zwänge, wäre es übelste Vergewaltigung – und genau das würden die Linken doch mit dem Volke machen… Sie lächelte ein Zauberlächeln und schloss mir den Mund mit ihrem, was ich – da motiviert und einverstanden – nicht als Vergewaltigung einklagte.

Seid immer Täter

Verbietet euch kategorisch das Absinken in den Opferstatus, auch wenn es manchmal reizvoll und vor allem bequem wäre. Denkt an alle Helden der Geschichte und der Geschichten, auch an die mythischen und fiktionalen von Antigone über Orgetorix, Tell, Winkelried, Jeanne d'Arc bis zu James Bond und Wonder Woman Gal Gadot.

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Könnt ihr euch irgendeine dieser Gestalten in irgendeiner Situation als bejammernswertes Opfer vorstellen? Das heisst nicht, dass alle Helden sein müssen. Es geht bei der Aufforderung, immer Täter zu sein viel mehr um das Tun, die Aktivität, den Vorteil des Handelnden, Gestaltenden gegenüber dem passiven Opfer, das jammernd auf Unterstützung wartet. Seid euch bewusst, dass ihr als Täter immer die Verantwortung tragt, die untrennbar mit der Rolle des aktiven Gestalters verbunden ist. Verantwortung ist aber nicht, wie das von care-lastigen Etatisten immer wieder suggeriert wird, etwas Grausliches, Belastendes, das den armen Insassen möglichst vollständig abgenommen werden muss von der wachsenden, sich vom Staatstropf ernährenden Care-Branche. Verantwortung ist etwas Schönes, etwas, was uns mit Stolz erfüllt, wenn wir sie für uns erwerben oder übertragen erhalten. Noch nicht verweichlichte Menschen wissen das und gieren sogar nach Verantwortung. Als Täter hast du sie immer, als Opfer nie.

Trainiert Mut und Überwindung

Mit dem Mut ist es ähnlich wie mit der Angst: es ist eine erstaunlich individuelle Sache. Es gibt meines Wissens nichts, vor dem niemand Angst hat – aber auch nichts, wovor alle Angst haben. Genau so ist es mit dem Mut. Was für den einen ein Klacks, Routine, kaum der Rede wert ist, kostet den andern grösste Überwindung, bereitet ihm schlaflose Nächte und er muss allen Mut zusammennehmen, um es dann doch zu wagen. Wenn du neben der 'Badi' mit dem 10-Meter-Turm aufgewachsen bist und schon als Knirps kreischend von zuoberst runtergehüpft bist, braucht es weder Überwindung noch Mut für dich, dies immer wieder zu tun. Für den Bergler, der nicht einmal schwimmen kann, ist es eine Mutprobe par excellence. Nimmt er den Turmspringer dann aber mit ins Gebirge und lässt ihn auf dem Bianco-Grat am Piz Bernina links und rechts tausend Meter in die Tiefe schauen, könnte es dem Flachländer ein bisschen mulmig werden. Finde heraus, was dich Überwindung kostet, wo du wirklich Mut brauchst, um dich der Aufgabe zu stellen. Das muss überhaupt nicht eine äusserlich spektakuläre Mutprobe sein. Für Schüchterne kann es ans Eingemachte gehen, wenn sie vor Leuten reden oder etwas demonstrieren müssen. Von Mut sprechen wir eher, wenn es um eine einmalige Sache geht, um einen Schritt, ein Ja zum Fallschirmabsprung. Wenn wir es gewagt und überlebt haben, kommt sofort der Lohn in Form von Glücksmomenten oder wenigstens Zufriedenheit, es geschafft zu haben.

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Eine 93-jährige Russin wagt ihren ersten Absprung

Bei der Überwindung geht es meist länger, dafür ist das Resultat nachhaltiger. Es geht weniger um einmalige Schritte, als um grundsätzlichen Wandel. Wir können uns also auch fragen, was für uns die schlimmste Arbeit, der abgelehnteste Wohnort, die unerspriesslichste Gesellschaft wäre, um Überwindung zu trainieren. Für mich bräuchte es beispielsweise eine riesige Überwindung, in einem Alters- oder Pflegeheim zu arbeiten. Oder in einem Grossraumbüro mit Dauerlärm. Oder in einer Stadt zu wohnen. In einer JUSO-WG – das wäre dann das Tüpfelchen auf dem 'i'. – Findet heraus, was euch ein langfristiger Greuel wäre. Und plötzlich hüpft ihr mit grossem Vergnügen vom 10-Meter-Turm.

Wählt jederzeit bewusst eure JETZT passende Risk-Care-Balance!

Zumindest in der Trainingsphase solltest du dir bei jedem Entscheid, also auch bei dem reichlich banalen des Bananenjoghurt-aus-dem-Kühlschrank-Nehmens die Frage nach deiner jetzt gerade aktuellen Risk-Care-Balance stellen: Datum prüfen, wenn abgelaufen sofort entsorgen, wenn nicht abgelaufen, vorsichtig öffnen, optische (Schimmel?), olfaktorische (Duft?) und taktile (stichfest?) Qualitätskontrolle, bei Unsicherheit Kontrolle intensivieren, evtl. winzige Menge in Zungenkontakt bringen und bei positivem gustatorischem Befund behutsam einen halben Löffel verkosten und falls sich erst jetzt herausstellt, dass du eigentlich gar keine Lust auf ein Bananenjoghurt hast, unter Schürzen der Lippen und Kopfschütteln entsorgen und dich als Opfer des zuviel versprochen habenden Bildes auf dem Deckel des Joghurts fühlen – das wäre ganz und gar CARE. Oder einfach in den Kühlschrank reinlangen, das erstbeste Joghurt unbesehen öffnen und – da die zweite Hand ein Buch oder, wahrscheinlicher, das Handy umklammert – mit den Zähnen Deckel wegmachen und den Inhalt unbesehen einwerfen, erst dann feststellend, dass es sich um ein Erdbeerjogi handelt: ganz und gar RISK. Man sieht nur schon an diesem einfachen Beispiel des Joghurtverzehrs, dass die totale Einseitigkeit relativ zügig ins Elend oder gar zum Tod führen kann, was auch nicht weiter zu bejammern ist: Nur einseitig Care führt im Idealfall zum Tod durch Verhungern, nur einseitig Risk zum Tod durch Lebensmittelvergiftung oder Genickbruch infolge Treppensturzes wegen gleichzeitiger Joghurt-Schlürfung und Handybenutzung.

Äfft euch gegenseitig nach!

Um Spass zu haben braucht es weder riesiges Talent noch grosse schauspielerische Ausbildung. Und andere Nachäffen macht nun einfach Spass. Zum Entsetzen meiner armen Eltern taten wir dies als Kids mit besonderer Vorliebe bei Besuchern. Wir folgten ihnen von der Haustüre die Treppe ins Entrée hinab und imitierten ihren Gang, ihre Gesten wenige Meter hinter ihnen, sodass unsere Eltern, die die Besucher in Empfang nahmen, nicht wussten, was sie für ein Gesicht machen sollten: ein Willkommenslächeln für die Gäste, ein strafender Blick für uns Saugoofen oder ein für die Gäste unverständliches Grinsen über unseren üblen Scherz. Meist war alles gleichzeitig in ihren Gesichtern zu lesen. – Tut das auch, ganz speziell im Hinblick auf Care und Risk. Der fiese pädagogische Trick dabei ist, dass man sich beim Nachäffen wenigstens kurzfristig in die Schuhe des andern stellen muss. Wenn die Care-Schwester den Risk-Bruder nachäfft, wie er die Treppe runterstolpert, das Joghurt ausleert und das Handy verliert, hat sie wenigstens im Scherz kurz erlebt, wie sich Risk anfühlt – und umgekehrt.

Spielt 'Mani-Matter-Zündhölzlis'!

Eine überaus anregende Art der Unterhaltung ist das 'Horrorszenarien-Spiel'. Macht einen Wettbewerb, wer aus der kleinsten Mücke in einigermassen plausiblen logischen Schritten den grössten Elefanten hervorzaubern kann. Mani Matter schafft es ja immerhin in wenigen Zeilen vom Zündhölzli, das ihm beim Anzünden auf den Teppich spickt bis zum Weltkrieg mit Totalauslöschung unserer Spezies: "S het e Wäutchrieg gä u d Mönschheit wär itz nümme da!" – Eine reife Leistung.

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Erfindet ähnliche, zeitgemässe Beispiele. Nehmt als Ausgangspunkt auch kleine Ereignisse aus eurem persönlichen Alltag. Eine Mitstudentin machte aus einem kleinen Malheur eine richtig tolle Geschichte. Sie war an einem sonnigen Sommermorgen in einem luftig-dünnen Sommerkleidchen zu Fuss unterwegs zum juristischen Seminar, wo sie mündliche Prüfungen ablegen sollte. Ein Rentner, der seine Geranien auf dem Balkon wässerte, meinte es etwas zu gut und die bräunliche Brühe schwappte aus der Blumenkiste – just aufs Haupt und über das Sommerkleid der Studentin. Tja, selbstverständlich erlitt sie einen sofortigen Nervenzusammenbruch, konnte die Prüfung nicht ablegen, ja: sich nicht einmal mehr abmelden, wurde deswegen von der Uni gewiesen, holte sich zusätzlich eine Lungenentzündung wegen der kalten Dusche, wurde mit schweren Depressionen in die Psychiatrie eingewiesen und verstarb schliesslich bäldiglichst schwer traumatisiert. Der sich für das ganze Unglück verantwortlich fühlende Geranien-Giess-Rentner konnte mit dieser schweren Schuld nicht mehr leben und stürzte sich von seinem Balkon, begrub aber bei diesem Sturz ein Kleinkind unter sich, dessen Mutter dann… naja, macht doch übungshalber selbst weiter, Ziel ist immer der Weltuntergang! (In Wirklichkeit ging die Studentin lachend ins Seminar, da es nicht mehr reichte, nach Hause zu gehen, wusch und trocknete sich in der Toilette behelfsmässig und erzählte dem Professor von ihrem Malheur, der sie dann um so netter befragte, sodass sie mit Bestnote aus der Prüfung spazierte. Aber diese Version dürft ihr den Care-Fans natürlich nicht weitererzählen!). Der Effekt dieses Spiels ist im Idealfall, dass auch notorisch humorlos-pessimistische Care-Freaks irgendwann wenigstens für einen Bruchteil einer Sekunde nicht verhindern können, dass ein verstecktes Schmunzeln über ihr schwer geprüftes Antlitz huscht.

Erzählt euch die wildesten Abenteuergeschichten aus eurem Leben

Seid dabei wenigstens mit euch selbst ehrlich. Klar ist der Hecht in der Erzählung etwas grösser, als er in Wirklichkeit war. Aber wenn ihr noch nie einen Fisch gefangen habt, dann lasst euch was anderes einfallen. Ebenso klar ist, dass ein 10-Jähriger vielleicht noch nicht von so vielen grauslichen Abenteuern erzählen kann wie der weitgereiste, greise, nie verheiratete Grossonkel aus den USA mit seinen Kriegserlebnissen aus Kuwait, Afghanistan oder gar Vietnam. Aber auch die Geschichte vom in der Schule geklauten Schwarzpulver gibt was her, das wir als schmale Spur über die Strasse streuten und beim Herannahen eines Autos von beiden Seiten anzündeten, was die Fahrer zum Anhalten und einen sogar dazu brachte, das Auto stehen zu lassen und zu Fuss nach Hause zu gehen, sich immer wieder kopfschüttelnd über die Augen fahrend.

Bei diesem Tipp erleben die Care-Freaks, wie trist und langweilig es ist, wenn man keine Abenteuer erlebt hat, wenn man ein wohlbehütetes, brav-biederes, staatsgläubiges Leben führt, in dem nichts passiert und das man deshalb als Risk-Freak gar nicht als 'Leben' bezeichnen kann, eher als 'Dauertod mit Atmung'. Hier passt auch nochmals der Verweis auf die deutsche Slam-Poetin Julia Engelmann. Googelt sie, vielleicht erreicht sie euch und zaubert beim einen oder andern eine Träne ins Gesicht über das verpasste Leben.

"Halt dein Wort oder die Fresse!"

Ein guter, ultrakurzer und erst noch mit Sprachwitz angereicherter Tipp für alle, finde ich. Ausser natürlich du gehörst zu einer Branche, wo leere Versprechungen genuin zum Berufsprofil gehören wie Politiker, Diplomaten, Auto-Verkäufer – nein, eigentlich alle, die ihr Produkt, ihre Dienstleistung anpreisen, Vermieter, Werber, PR-Fritzen, Pfaffen und andere Grabredner. Du bist auch entschuldigt, wenn du schlicht noch nicht weisst, dass du mit deinem in vollem Ernst und mit Pathos abgelegten Geleier gerade ein Versprechen gemacht hast, das sich schneller entleert als jede Badewanne, bei der man den Stöpsel rauszieht, wie z.B. das Gestammel vor dem Zivilstandsbeamten oder dem Popen deiner Wahl, vor dem Papa, der dir Haue, der Mama, die dir mehrfachen Entzug deiner Leibspeise androht, der Freundin-Partnerin-Ehefrau, die dich fragt, ob du je an eine andere denkst, wenn ihr – na, du weisst schon. Aber sogar wenn du eine dieser Ausreden vorbringen könntest, gilt der Tipp immer noch für alle Lebenssituationen, in denen die Ausrede nicht zieht, also zum Beispiel wenn der Politiker seinem Enkel verspricht, mit ihm nächste Woche garantiert einen Minions-Film anzuschauen. Soviel zu 'Halt dein Wort!'. Der etwas grobe zweite Teil 'Halt die Fresse' – etwas anständiger ausgedrückt: 'Im Zweifelsfall Schweigen!' richtet sich vermehrt ans weibliche Geschlecht.

Gegensätze ziehen sich an – und aus

Versucht nicht, euch einander gleich zu machen, weder durch totale Anpassung noch durch Druck und Zwang. In vieler Hinsicht ist es doch faszinierend, ungleich zu sein, Mann, Frau, Kind, jung, alt zu sein, noch nichts oder schon zu viel von der Welt gesehen zu haben, noch grün hinter den Ohren oder ein ausgebuffter Profi zu sein. Auch ihr selbst durchlebt ja haufenweise verschiedenste Zustände und Rollen, seid durch den permanenten Wandel nicht einmal gleich mit euch selbst, mit dem Wesen von gestern oder vorgestern. Wenn das doch so abenteuerlich und spannend ist mit der ganzen Ungleichheit – bei mir kommt noch die ganze Tierwelt dazu, deren Facetten und Verschiedenheiten mich faszinieren – dann können wir doch auch die unvermeidliche andere Seite der Medaille annehmen: Verschiedenheit, Ungleichheit ist zwingend auch mit Uneinigkeit, Auseinandersetzung, mit Debatte und Konflikt verbunden. Nur über die Auseinandersetzung können wir lernen, Vorurteile korrigieren oder ganz loswerden, uns eindenken und einfühlen in andere Entitäten – und immer wieder an unsere Grenzen stossen, im wörtlichen und im übertragenen Sinne. Und diese Grenzen helfen uns, es nicht zu übertreiben mit der Verschiedenheit, das Mass zu finden für das, was wir zur Zeit an Unterschieden bewältigen können, die richtige Distanz zu allem und jedem, auch zu Gedanken, Gefühlen und Ideen – jaja, auch zu Kühlschrank-Tipps – zu finden.

Tipps für Frauen

Natürlich werden sich die Männer über diese Tipps hermachen, um dann den Frauen unter die Nase reiben zu können: "Hä, der verzapft ja das Gleiche, was ich schon immer sage!" – und umgekehrt. Recht so. Gehorsam ist generell eine der dümmsten Verhaltensweisen – jedenfalls aus Sicht eines eher risk-lastigen Typen – und speziell hier bei diesen Tipps. Aber Hauptadressat für die folgenden Zeilen bleibt das schöne Geschlecht, das schleckt keine Geiss weg.

Dont overdo it! – Übertreibt es nicht mit eurer Dominanz!

Imitiert nicht die Männer, die es Jahrtausende lang übertrieben haben mit der rohen Macht des physisch Stärkeren. Es ist nachvollziehbar, dass ihr es jetzt geniesst, wo sich das Blatt endlich gewendet hat. Und es ist auch verständlich, dass ihr dort noch weiterkämpft, wo ihr eure Ziele noch nicht erreicht habt, wie die völlig berechtigte Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit. Aber bei der einseitigen Promovierung von 'Care' gegenüber 'Risk' und der Heranzüchtung von unmännlichen Supersofties seid ihr zu weit gegangen und schadet euch selbst damit. Kurzfristig durch das Bewirken unerwünschter eruptiver Explosionen der unterdrückten Risk-Werte, mittelfristig durch das völlige Verschwinden zeugungs- und einsatzfähiger Männer und langfristig durch die unnötige Vergrösserung der Amplitude der Sinuskurve: je mehr ihr den Bogen eurer Dominanz nun dehnt, desto grösser wird der irgendwann folgende Gegenbogen männlicher Dominanz. Natürlich kennen wir weder Frequenz noch Amplitude der Risk-Care-Sinuskurve, aber es lässt sich schon jetzt erahnen, welche Art von Männern dann in die Dominanz gespült werden: diejenigen, die neben ihrer Kalaschnikow im Rucksack ein Frauenbild mitbringen, das euch keinesfalls gefallen kann. Und trotzdem empfangt ihr sie mit offenen Armen und spielt mit eurer Willkommenskultur die Zivilisations-Stars des dekadenten Abendlandes? – Also dreht das Rad lieber selbst etwas zurück, sucht freiwillig die Balance zwischen Risk und Care, bevor euch die gegenteilige Dysbalance aufgezwungen wird.

Ändert eure Machtstrategie!

Der kluge Kämpfer weiss, wann der Zeitpunkt für eine Strategieänderung gekommen ist und wartet nicht, bis ihn die Niederlage auf dem Schlachtfeld dazu zwingt. Die Strategie, die Männer mit vorgetäuschter Emotionalität zu verwirren, zu verführen, gefügig zu machen und zu gängeln, sie über Eheverträge festzunageln und dann zu lebenslangen Sklavenarbeitern zu machen, die für euren Unterhalt und euer Wohlleben, wenn irgendmöglich auch für euren Luxus zu sorgen hatten – diese Strategie hat etwa gleich lange und gleich gut funktioniert, wie umgekehrt die auf roher Körperkraft beruhende Unterdrückung der Frauen durch die Machomänner. – Beide Systeme haben ausgedient, sind weitgehend durchschaut und zumindest das Machomännertum ist in den westlichen Staaten Europas und in den USA ziemlich erfolgreich abgeschafft. Nicht so die weibliche Strategie der vorgetäuschten Emotionen und des Opferspiels. Eine Änderung ist aber schon aus eigenem Interesse angebracht, nur schon weil das mit den lebenslänglich gültigen Verträgen nicht mehr klappt, aber auch weil sonst der Widerspruch zwischen diesem Spiel des schwachen, verletzlichen, hochsensiblen Geschlechts mit der Behauptung, es gebe gar keinen Unterschied zwischen Frauen und Männern, ihr würdet genausogut sämtliche noch so harten Männerjobs übernehmen können, auch für den naivsten Mann augenfällig wird. Zumal es tatsächlich unheimlich toughe Frauen gibt, die den Männern punkto Härte, Kampfbereitschaft und Risikofreude in Nichts nachstehen. Und genau diese grosse Spannweite innerhalb der Frauenwelt führt zum nächsten Tipp:

Macht intern Ordnung: die richtige Frau an den richtigen Platz!

Steht zur Vielfalt von der supersoften Opferheulsuse bis zur knallharten Serienmörderin und bringt die richtigen Frauen an die richtigen Schaltstellen. Wenn auch nur ein kleiner Teil der mir bekannten supertollen Spitzensportlerinnen die Phalanx jener der ultralinken Gesellschaftsutopie verhafteten Pädagoginnen aufbrechen würde, wäre schon viel gewonnen. Natürlich könnte man sich auch mit ein paar echten Männern behelfen, aber es braucht sie gar nicht zwingend. Es gibt genug toughe Frauen, die Risk und Care in Balance haben – nur ist meines Wissens keine einzige von ihnen als Nanny, Hortnerin, Kindergärtnerin oder Primarlehrerin tätig. Sorgt selbst dafür, dass sich das ändert. Macht den Lehrerberuf wieder attraktiver, schafft die idiotische Sicherheitshysterie ab, die alle abschreckt, die nicht völlig einseitig care-lastig sind. Hört auf mit dem Opfergetue, der Fokussierung von sexual inharassment bei jedem Kompliment, mit dem Betroffenheitsgesülze und dem Aufwachsenlassen der Kids unter einer Käseglocke. Verbietet all den overprotective moms das Abholen ihrer Kinderleins mit Väterchens fettem SUV. Fördert Sportlichkeit, Mumm, Selbstsicherheit und Eigenverantwortung der Kids. – Stellt euch Nicola Spirig, Lea Sprunger oder Selina Büchel als Primarlehrerinnen vor – und Roger Federer als Sportlehrer im Gymi. Traumhaft, wie die Kids nach einem Jahr aussehen würden, wie sie Mumm hätten, sich was zutrauten, den Wettbewerb nicht scheuten, mit Niederlagen umgehen könnten… Aber eben, die vier denken wohl nicht einmal im Traum daran, einen solchen Job zu machen. Nur schon, weil sie ihre Risk-Care-Balance gar nicht leben dürften im heutigen Gestrüpp der Regeln und Sicherheitsvorkehrungen. Eigentlich ein Wunder, dass die Kids nicht schon Tag und Nacht mit Helm, Bodyprotector, GPS-Chip und Blinkweste rumlaufen. Stoppt diesen unsäglichen Blödsinn freiwillig und bringt Frauen an die pädagogischen Schaltstellen, die mit einem Schnitt im Finger weiterleben können. It's up to you, ladies!

Try to be a HERO – just for a minute!

Das Helden-Spiel mit grossem Pathos, Trompetengeschmetter, Federbüschen auf dem Helm und Schlachtgetümmel ist weniger euer Ding, ich weiss. Aber man kann auch auf ganz andere Art eine Heldin sein. Zum Beispiel indem man das Visier hochklappt und zur Abwechslung einmal offen kämpft. Zur Gegnerschaft stehen, den Gegner – oder häufiger: die Gegnerin – benennen und dann auch zur Bereitschaft stehen, dass ihr gewillt seid, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu kämpfen. Natürlich ist das für die meisten ungewohnt und es ist risikoreich, für einmal auf die über Jahrtausende erfolgreichen Hintenrum-Strategien und verdeckten Finten zu verzichten, die unter diplomatischer Tülle verborgenen Messer offen zu tragen. Der Held, die Heldin sind verletzlicher, für den Gegner in ihrer geradlinigen Offenheit berechenbarer – aber ein Sieg in fairem, offenem Kampf ist dafür ein neues Erlebnis und gibt eine völlig andere Befriedigung als der Schuss aus dem Hinterhalt, die mit heuchlerischem Lächeln überreichte Tasse mit dem vergifteten Getränk.

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Lernt, mit Männern zu kommunizieren

Jaja, dasselbe sage ich natürlich den Männern, ihr müsst gar nicht nach hinten blättern. Das lohnt sich insofern, als ihr dann besser verstehen könnt, warum sie so grundverschieden sind. Ihr müsst nicht Männer werden, um Gottes willen nicht, aber wenn ihr ein paar simple Kommunikationsregeln beachtet, haltet ihr sie besser aus.

Männerthemen - Frauenthemen

Erstens und wichtigstens: Wenn sich ein Mann für eure emotionale Befindlichkeit, für eure kilometerlange Krankengeschichte oder für eure Shopingträume zu interessieren vorgibt, so ist er entweder kein Hetero-Mann, er will euch etwas verkaufen oder er will euch vögeln. Andersrum gesagt: es interessiert ihn ohne diese Ausnahmen keinen Deut, einfach nicht im Geringsten, es langweilt ihn zu Tode, vertreibt ihn kurz-, mittel-, langfristig oder ganz. Es interessiert ihn etwa so brennend, wie euch sein Gelabber über Motoren, Jagderfolge oder Fussball. Also besprecht diese Dinge bitte mit euren Freundinnen. Und fragt ihn auch nie, wie er sich 'fühle'. Er hat in den meisten Fällen keine Ahnung, und wenn, dann hat er keine Lust darüber zu reden. Er findet es schlicht nicht interessant. Wenn ihr ihn schon unbedingt etwas fragen müsst, dann fragt ihn danach, was er unternehmen möchte, was er für Pläne und Ideen hat – aber seid nicht enttäuscht, wenn er euch nicht alles erzählt. Er plappert nun mal nicht so gern wie ihr.

Verschont ihn mit euren Ängsten

…ausser ihr wollt, dass er den Weltrekord in irgendeiner längeren Laufdistanz bricht – in Richtung weg von euch. Nichts ödet ihn mehr an als eure Ängste. Natürlich kennt er das auch, aber es ist für ihn etwas wie Scheisse: jeder produziert sie, aber man macht sie weg und spricht nicht drüber (jaja, ausser man ist Kinderarzt oder sowas). Sich darin zu suhlen, auszubreiten, sich stundenlang darin und damit aufzuhalten, zählt zu den Top-No-Goes, ausser er ist Seelenklempner und verdient an euch. Auch hier gilt: wozu habt ihr Freundinnen?

Wünsche mit dem Holzhammer deutlich machen

Kündet an, wenn ihr gar keine Lösungsvorschläge von ihm hören, sondern nur ein wenig jammern und in die Arme genommen werden wollt. Ja, es ist traurig, dass er das nicht selbst merkt, aber schluckt diese Pille oder werdet lesbisch. Er merkt es nicht, und auch nach Jahren springt er in solchen Momenten eher auf und ruft sämtliche Freunde und Bekannten an, um dir einen neuen Job zu verschaffen, wenn du über deine Arbeit jammerst, als dass er dich in den Arm nimmt und dich tröstet, bis du zufrieden schnurrst wie ein Kätzchen. Also sagt es ihm doch einfach – oder lasst das Jammern vor ihm bleiben, er findet es eh zum Kotzen und fühlt sich hilflos, wenn er nichts TUN darf. Denn er will etwas TUN, nicht nur plappern um des Plapperns willen.

Kommuniziert sparsam

Weniger ist mehr – das gilt in der Kommunikation mit Männern sowohl zeitlich, wie was die Anzahl Wörter betrifft. Ein Mann kann sich kaum vorstellen, wie man stundenlang telefonieren oder sonstwie rumschwatzen kann, wie die meisten Frauen das täglich tun miteinander. Wenn er doch einmal unfreiwillig Zeuge eines solchen Telefonats oder Zusammenseins wird und am Schluss herauszufinden versucht, was jetzt bei diesem Tratsch herausgekommen sein soll, ausser dass ihr euch gut gefühlt habt dabei, und er sonst nichts, absolut nichts Handfestes findet, so ist er ähnlich ratlos wie ihr, wenn er fröhlich vom gemeinsamen Fussball-Schauen mit seinen Kollegen zurückkehrt und ihr euch nicht vorstellen könnt, dass einzig das sensationelle Rückzieher-Tor von Neymar in der 88sten Minute ihn derart beglückt hat – so beglückt, und das ist es ja, was etwas weh tut, wie er in eurer Gesellschaft schon lange nicht mehr war.

Lieber schweigen als lügen.

In dieser Hinsicht lohnt es sich, wenn ihr euch den Männern etwas anpasst, zumindest in der Kommunikation mit ihnen. Unter Frauen könnt ihr weiterhin lügen, was das Zeug hält. Aber mit Männern funktioniert das Schweigen wunderbar. Nach einer gewissen Angewöhnungszeit werdet ihr bemerken, dass es viel weniger anstrengend ist, als sich dauernd Lügen auszudenken. Zugegeben, es ist auch langweiliger. Aber wer hat denn behauptet, dass Männer und Frauen zusammenpassen? In der Kommunikation jedenfalls bestimmt nicht. Und es war eine Frau, die US-amerikanische Schauspielerin Katharina Hepburn, die sagte: "Ich frage mich oft, ob Männer und Frauen wirklich zueinander passen. Vielleicht sollten sie nur nebeneinander wohnen und sich ab und zu besuchen." – Und wenn wir uns umschauen, nähern wir uns diesem Zustand ja immer mehr. Gut so, finde ich.
Das Schweigen hat aber – ganz unabhängig vom Lügen – eine völlig andere Funktion in der weiblichen und der männlichen Kommunikation. Es lohnt sich, sich dies bewusst zu machen. Sobald zwei oder mehr weibliche Wesen live oder mithilfe technischer Geräte miteinander sprechen können, tun sie es in aller Regel auch. Intensiv und ohne Unterbruch. Wenn einmal ein Sekundenbruchteil Stille herrschen sollte – was ähnlich häufig vorkommt wie die Schaltsekunde (im Mittel etwa alle 18 Monate weltweit einmal) – dann wird von den Beteiligten das Aufkommen einer Missstimmung, eines Zerwürfnisses befürchtet, das ultrakurze Schweigen als schlechtes Omen bewertet und sofort im Keime erstickt – durch weiteres unablässiges Geplapper. Dagegen ist nichts einzuwenden – solange die Männer über Ohrenstöpsel verfügen oder fliehen können. Aber ihr solltet euch wenigstens vorstellen können, dass es für Männer völlig anders ist. Wissen könnt ihr es nicht, da ihr nie dabei seid, wenn ihr nicht dabei seid – und sobald ihr dabei seid, ist es mit dem Schweigen und der Stille vorbei. Aber Männer ohne Frauen können zusammen irgendetwas arbeiten oder gemeinsam etwas verfolgen – und stundenlang schweigen, ohne dass das negativ empfunden würde. Im Gegenteil: schweigend etwas tun zusammen und sich dabei auf das Tun, das Erlebnis des Tuns zu konzentrieren, kann höchst beglückend sein – aber eben offenbar nur für Männer. Ich verstehe gut, wenn ihr daran zweifelt, denn ihr könntet es höchstens in einem Film beobachten. Denn auch eine einzige Frau unter Männern schafft es locker, stundenlang vor sich hinzuplappern und bemerkt gar nicht, dass sie ganz allein spricht. Und wenn sie es noch bemerken sollte, geniesst sie es sogar, nie unterbrochen zu werden.
Der erste Schritt wäre also, die Vorstellung zuzulassen, dass die meisten Männer im Unterschied zu euch überaus glücklich sind beim gemeinsamen Schweigen. Der zweite Schritt wäre, nicht plappernd in eine Männerrunde einzubrechen und zu glauben, damit irgendeine peinliche Situation zu überbrücken. Und der dritte, zugegebenermassen schwierigste Schritt wäre, es selbst einmal ein paar Sekunden mit Schweigen zu probieren, dem Glück der Männer sozusagen auf die Spur zu kommen. Die Welt wäre – so wage ich zu behaupten – nicht nur ein stillerer, sondern auch ein bedeutend glücklicherer Ort, wenn ihr euch alle ganz ein klitzeklein wenig einschränken würdet mit der Anzahl ausgestossener Silben pro Tag. Zum Beispiel von 500'000 auf 250'000 Silben pro sprechfähige Frau pro 24 Stunden. Das wäre schon gigantisch. Wenn dabei auch noch eine inhaltliche Steigerung des Gesprochenen dazukäme, weil ja nicht mehr so viele Schaltsekunden überbrückt werden müssten mit irgend etwas, das eben gar keinen Inhalt haben, sondern nur die peinliche Stille killen muss, dann würde dies, wer weiss, vielleicht sogar den nächsten Quantensprung in der Evolution einleiten (jaja, ich weiss, liebe Physiker, Quantensprünge sind winzig klein, aber das müsst ihr jetzt nicht an die grosse Glocke hängen…).

Krebs

Wagt euch mit mir auf einen kleinen Analogie-Exkurs zu der im sozialen Wohlfahrtsstaat so typischen Todesart Krebs. Meine These geht dahin, dass die einseitige Promovierung der Taking-Care-Werte ähnlich kurzsichtig und selbstmörderisch ist wie das Verhalten der Krebszellen. Diese unfreundlichen Dinger verbreiten sich ähnlich hastig und primitiv wie zurzeit die einseitig feminisierte Gestaltung der Gesellschaft. Und sie bewirken durch ihre Dominanzgier und Wachstumsgeilheit den Tod des Wirts – und damit auch ihren eigenen. Analoges passiert mit den sozialen Wohlfahrtsstaaten, wenn die bösen, testosterongesteuerten und risk-lastigen Männer durch ein feminisiertes, care-lastiges Kollektiv ausgerottet sind und nur ein paar impotente Supersoftys der Generation Weichei übrigbleiben. Das Kollektiv geht entweder mangels Nachwuchs unter, wird durch ein gesundes, ausbalanciertes Kollektiv übernommen oder – die meines Erachtens bei weitem wahrscheinlichste Variante: es kommt zu einem eruptiven Ausbruch des Unterdrückten und die Gesellschaft gerät nach dialektischem Muster zurück in die gegenteilige Dysbalance einer Dominanz der Risk-Werte. Der Tipp geht dahin, es freiwillig und aus Einsicht gar nicht dazu kommen zu lassen und von der doch etwas lächerlichen Verteufelung der bösen Machomänner und der angstvollen Sicherheitshysterie abzulassen. Und damit wären wir wieder bei Try to be a hero.

Eigenverantwortung statt Schuldprojektion

Ich weiss, es ist das beliebteste Spiel der Welt, beliebter als Fussball – und Millionen von Männern spielen es auch. Aber irgendwann hat man es satt, früher oder später – ich früher. Es ist unsäglich langweilig, wenn man bei jeder Begegnung mit einem Zweibeiner schon im Voraus weiss – jetzt kommt Geschwafel über 'Wer ist schuld'. Fast jeder Mensch gibt sofort und ungefragt Auskunft darüber, wer an seinem oder überhaupt dem ganzen weltweiten Elend die Schuld trägt. Wenn man wie ich der Weltanschauung frönt, dass das, was wir als 'Welt' wahrnehmen, nichts anderes ist als unser nach aussen gestülptes Inneres, und dass die 'Welt' auf der geistigen Ebene die Funktion des Spiegels übernimmt, den wir (zumindest die Männer) dazu benutzen, um das zu sehen, was wir direkt nicht erkennen können (Augenfarbe, Rücken – ausser du bist ein Schlangenmensch), dann entbehrt es meist nicht der Ironie, wenn die Leute ganz unverblümt mitteilen, was sie alles Grausliches sehen und wer schuld an der ganzen Misere trägt.
Etwas lange Einleitung, sorry, aber das war nötig, denn jetzt kommt ein Satz, der mir wahrscheinlich ein baldiges Ende beschert. Sei's drum, ich bin bekanntlich risk-lastig:

Gebt nicht den Männern – auch nicht den jüngeren Frauen, und auch nicht euch selbst – die Schuld, wenn ihr – wie wir Männer auch – irgendwann ziemlich alt und ziemlich hässlich werdet.

Es ist der Lauf der Welt, es ist die Sinuskurve – und es ist sinnvoll, denn es erleichtert dereinst das Abtreten, vor allem wenn zugleich die Funktionalität des alten, hässlich gewordenen Körperfahrzeugs rapide dahinschwindet. Zugegeben, ihr habt es insofern schwerer als die Männer, als die Fallhöhe – zumindest aus meiner Sicht – bei euch viel grösser ist als bei uns Männern. Männer sind gar nie so entsetzlich schön wie ihr – und damit fällt es auch nicht so auf, wenn sie alt und – noch etwas – hässlicher werden. Aber wir haben dasselbe Problem zu lösen, einfach bei anderen Stolpersteinen unseres Selbstbildes.

Es geht um zwei ganz grundlegende Dinge: Einerseits um die Selbstidentifikation – etwas geschwollener Ausdruck – also um die Dinge, von denen wir finden, dass sie uns ausmachen, dass sie ganz wesentlich und unverzichtbar zu uns gehören; die Dinge, aus denen wir unser Selbstbild basteln. Denn ein Gebastel ist es immer, wo sich doch unser Körper laufend erneuert und verändert, unser Charakter sich ständig entwickelt, unser Wissen und Können zu- und irgendwann wieder abnimmt. Woher wissen wir denn, dass wir wirklich dieselbe Person sind, die uns auf dem Babyfoto entgegen strahlt, wenn wir uns nicht ein Bild von uns machen, dessen Kern, dessen Substanz durch alle Veränderungen hindurch gleichbleibt und uns diese Gewissheit gibt: "Yeap, that's definitely ME!"

Der zweite Stolperstein ist – wieder zuerst etwas geschraubt – die Akzeptanz der Sinuskurve. Einfacher gesagt: Annehmen, dass nichts permanent so bleibt, wie es ist; dass alles dem Wandel unterworfen ist; dass wir den Verlust von allem hinnehmen müssen, was insbesondere dort wehtut, wo wir uns verzweifelt daran klammern. Bei allen andern sehen wir das glasklar – oft sogar mit Schmunzeln. Wenn ein Weltklasseboxer Parkinson kriegt, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten, den viele für den mächtigsten Mann der Welt halten, dement wird, wenn eine verführerische Schönheit wie Brigitte Bardot alt, faltig und gebrechlich wird und nichts mehr von ihrer erotischen Ausstrahlung übrig ist – dann seufzen wir, vielleicht sogar mit etwas Schadenfreude und finden, das sei völlig okay, vielleicht finden wir sogar 'Recht so, alle kommen irgendwann vom hohen Ross herunter'.Aber wenn es dann um uns selbst geht, dann ist es meist nicht mehr so weit her mit dem Einverstandensein. Ich nehme mich da keineswegs heraus. Mein 'Jugendwahn' zeigt sich am stärksten darin, dass ich als alter Sack immer noch mit Pferden über brockige Geländesprünge fetze, obwohl ich weiss, dass ein Sturz in diesem Tempo alleweil das Ende bedeuten kann. Ich tue mich so hanebüchen schwer damit, diese abenteuerliche Beschäftigung loszulassen, dass sich care-lastige Mitmenschinnen längst an den Kopf greifen und jederzeit damit rechnen, dass ich in hohem Bogen 'vom hohen Ross herunterkomme'. Sehr gut möglich, aber ich gebe niemandem die Schuld dafür. Und darum geht es bei diesem Tipp: Eigenverantwortung statt Schuldprojektion.

Die klugste Gegenmassnahme gegen die verbreitete Identifikation vieler Frauen mit ihrem Äusseren ist nicht, dies als böses, natürlich von den Männern initiiertes 'soziales Konstrukt' zu brandmarken, auch nicht, es völlig zu verdrängen oder negativ zu bewerten – nur breiter abzustützen, die Einseitigkeit zu relativieren, das Selbstbild möglichst vom Kleinkindalter an vielfältiger zu gestalten. Es fängt bei den stolzen Muttis an, die allen, die es hören wollen (und auch den andern) ständig und eifrig Bestätigung heischend mitteilen, wie hübsch ihre Tochter und wie kräftig oder geschickt ihr Junge sei. Das riecht doch schon mal sehr nach 'hausgemacht' und damit nach Eigenverantwortung, oder nicht? Wenn ein Mädchen zwischen zwei- und zwölfjährig gefühlte tausendmal gehört hat, wie hübsch es sei, dann ist es doch nicht verwunderlich, wenn es zur Ansicht kommt, dies sei das Herausragendste an ihm und es sein Äusseres zum wesentlichsten Teil seines Selbstbildes macht?

Wenn alle mit der Erziehung betrauten Personen von Anfang an eine breitere Palette von Selbstbild-Elementen vermitteln und auch nicht gleich eine Hierarchie machen im Stil von 'Sie ist leider nicht so hübsch, aber dafür sehr klug', dann stehen die Chancen gut, dass eine so heranwachsende Frau sich nicht einzig und allein mit ihrem Äusseren identifiziert. Es gibt ja auch richtig tolle Vorbilder wie die Filmschauspielerin Meryl Streep. Ihr Äusseres war in diesem Beruf immer auch wichtig, aber nicht allein. Sie ist bald 70 und nach wie vor eine der gefragtesten Schauspielerinnen Hollywoods – weil sie nicht nur attraktiv, sondern immer schon auch eine überragende Charakterdarstellerin war und ist. Wenn ihr es etwas näher haben möchtet: denkt an all die Spitzensportlerinnen wie Martina Hingis, Nicola Spirig, Simone Niggli-Luder, Lea, Ellen und Janika Sprunger und viele mehr – alles auch äusserlich attraktive Frauen, aber eben nicht nur. Auch in der Wissenschaft gibt es herausragende Beispiele von attraktiven Frauen, die sich ein vielfältiges Selbstbild erarbeitet hatten und dies auch nach aussen zeigten, wie Mary Heim-Vögtlin, die erste Schweizer Ärztin im 19. Jahrhundert, oder die erste Schweizer Juristin, Emilie Kempin-Spyri. Googelt sie: sie waren klug und attraktiv – und wahrscheinlich noch einiges mehr!
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Die Kunst besteht also darin, das Äussere durchaus als ein Element in euer Selbstbild einzubauen, aber im Bewusstsein der Kurzlebigkeit und Fragilität dieses Teils – und gleichzeitig andere Elemente aufzubauen und zu pflegen, die eine höhere Chance auf Nachhaltigkeit haben – all dies möglichst ohne Schuldprojektion, ohne hierarchische Bewertung der Elemente; im Idealfall aus einer Haltung des Einverstandenseins und der Dankbarkeit für all das, was ihr mitgekriegt habt, auch für all die Chancen, die ihr hattet und habt, euer Selbstbild zu erweitern, es den Umständen, den Verhältnissen und – ja, klar: eurem Alter anzupassen.

Und bevor ihr jetzt, den Dolch im Gewande, mit einem Heer gleichgesinnter Amazonen in Richtung Seerücken marschiert, um den miesen Verderber des schönen Schuldprojektions-Spiels den Wildschweinen (es hat viele hier! hoffe, die schrecken euch nicht?) zum Frass vorzuwerfen, geniesst noch den letzten Tipp:

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Lest ab und zu Wilhelm Busch.

Zum Beispiel das folgende Gedicht von der Begegnung von Fuchs und Igel, so als kleine Illustration von 'Try to be a hero':
Ganz unverhofft an einem Hügel
sind sich begegnet Fuchs und Igel.
Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht!
Kennst du des Königs Ordre nicht?
Ist nicht der Friede längst verkündigt
und weißt du nicht, dass jeder sündigt,
der immer noch gerüstet geht?
Im Namen seiner Majestät,
geh her und übergib dein Fell.
Der Igel sprach: Nur nicht so schnell.
Lass dir erst deine Zähne brechen,
dann wollen wir uns weiter sprechen!
Und allsogleich macht er sich rund,
schließt seinen dichten Stachelbund
und trotzt getrost der ganzen Welt,
bewaffnet, doch als Friedensheld.


Oder die Fabel vom Vogel und dem Kater – auch vom grossen Wilhelm Busch – die zeigt, was es ausser Pathos, Entrüstung, Schuldprojektion und Gejammer noch für Möglichkeiten gäbe, mit 'Schicksal' umzugehen.
Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
Er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
Die Krallen scharf, die Augen gluh.
Am Baum hinauf und immer höher
Kommt er dem armen Vogel näher.
Der Vogel denkt: Weil das so ist
Und weil mich doch der Kater frißt,
So will ich keine Zeit verlieren,
Will noch ein wenig quinquilieren
Und lustig pfeifen wie zuvor.
Der Vogel, scheint mir, hat Humor.

 

Tipps für Männer

Bucht einen 5-minute-Crash-Kurs in Biologie oder…

Ihr könnt auch schon mal diese paar Zeilen lesen, das könnte schon genügen. Seit der Vertreibung aus dem Paradies oder dem Auftauchen der ersten Hominiden sind die Weiblein sicherheitsbewusster und care-lastiger als die Männlein. Es ist meines Wissens auch bei den Säugetieren so. Das Weiblein ist in seiner Verteidigungsfähigkeit und Nahrungsbeschaffungsfähigkeit eingeschränkt während des Gebärens und der ersten Phase der Aufzucht. Also hat sie ein genuines Interesse daran, dass Mister Neandertaler ihr den Stein vor die Höhle schiebt, solange er auf der Jagd ist – und ihn wegschiebt, wenn sie mal raus muss. Und ein mindestens so grosses Interesse daran, dass er Mampimampfi nach Hause bringt – oder wenigstens den Rohstoff, den sie zu Mampfi verarbeiten kann. Je nach Umfeld ist auch der Unterhalt des Feuers ein sicherheitsrelevanter Faktor. Damit ist die grundsätzliche Rollenverteilung bei Care und Risk seit rund sieben Millionen Jahren oder auch etwas länger schon gegeben. Seit mit irgendwelchen Mitteln wie Grimassen und Rauchzeichen kommuniziert wird, ist auch die Debatte über Sicherheit mithin ein Thema zwischen den Geschlechtern und es ist unschwer nachvollziehbar, dass, wenn der frühe homo erectus mit seinen Abenteuern beim Erlegen des Grizzlybären prahlte, sie missbilligend den Kopf schüttelte und ihn zu mehr Vorsicht ermahnte, nicht unbedingt aus abgöttischer Liebe, aber aus Angst, den Stein-vor-die-Höhle-Schieber und Mampfi-nach-Hause-Bringer zu verlieren. Daran hat sich ja in all den Millionen Jahren nicht so viel geändert. Also zeig – oder heuchle wenigstens – ein klitzekleinwenig Verständnis für ihre Care-Lastigkeit und versuch', ihr mit vernünftigen Argumenten klar zu machen, dass
a) ihre Ängste aus archaischen Gründen zwar verständlich, im aktuellen Umfeld aber unnötig und sogar kontraproduktiv seien und
b) du dich sehr wohl um die Balance zwischen Sicherheit und Wagemut, zwischen Care und Risk bemühen würdest, dass aber die Mitte, das Gleichgewicht für dich an einem anderen Punkt liege als für sie.

Aber gib nicht einfach nach, nur um des lieben Friedens (oder Vögelns) willen. Lass dir deine Abenteuerlust nicht vermiesen, sonst wirst du ein grauslicher, eierloser Soziosoftschnuckiputzer, der als Opa dann eben nur so Geschichten zu erzählen weiss wie: "Mit 18 wäre ich beinahe mal nach Neuseeland ausgezogen." – "Mit 20 wollte ich in Hawai richtig surfen lernen. Hat dann nicht geklappt." – "Mit 25 wollte ein Studienkollege mit mir ein völlig schräges IT-Unternehmen gründen, sowas wie Facebook. Er hat es dann allein gemacht und wurde stinkreich damit…"

…in Kommunikation

Lernt Gesichter lesen, auf die Körpersprache der Frauen zu achten, darauf, wie die Stimme klingt, nicht nur darauf, was sie sagt. Wenn du es geschraubt willst: auf die paraverbalen und nonverbalen Kommunikationsaspekte achten. Sie ist meist nicht so direkt, wie Männer das gewohnt sind untereinander. Der Kumpel sagt: "Hast du ein Bier für mich?", wenn er Durst hat. So etwas Plumpes, Trampliges, Direktes würde eine Frau nie sagen. Du musst es erahnen, herausfinden, was sie WIRKLICH sagen will, was sie für Wünsche, Sorgen oder schlicht Plapperbedürfnisse hat. Sehr oft ist es sogar das Gegenteil dessen, was sie verbalsprachlich kommuniziert. Sie jammert über ihre Chefs, ihre Bude – und du Trottel (ich zähle mich auch dazu) – glaubst, sie wolle einen neuen Job und überlegst schon, wie du ihr Problem lösen könntest. Wenn sie dich nicht aktiv daran hindert, greifst du zum Telefon und rufst einen Bekannten an, der in der gleichen Branche arbeitet wie deine Angebetete und willst ihr so rasch wie möglich eine Lösung des Problems anbieten, genauso wie du es für einen Freund auch sofort tun würdest. – Alles hochgradig falsch! Sie will keine Lösung. Das Problem ist vielleicht nur erfunden oder hochgeschaukelt. Sie will, dass du sie ganz grossartig bemitleidest und bewunderst dafür, dass sie ihren leidvollen Alltag durchgestanden hat und immer wieder durchsteht (das ist zwar ungemein schwierig, weil du das bei Männern nie machen musst, aber man kann es lernen: gut zuhören, entsprechend entsetztes Gesicht machen, kurze Bestätigungslaute wie "Nein!", "Fies!", "Grauenhaft!", "Schuft!"; aufpassen mit Sprüchen wie "Das ist mir auch schon passiert!" in der Meinung, das würde Gemeinschaft schaffen; der Schuss kann hinten rausgehen, weil es an der Einmaligkeit, der Unerhörtheit, der Einzigartigkeit ihres Erlebens kratzen könnte). – Und dann nimm sie in die Arme – aber im richtigen Augenblick, verdammt nochmal! Wann der ist? Das wissen die Götter. Oder eben deine Angebetete. Was ja letztlich dasselbe ist, zumindest in ihrem Selbstverständnis. Ich kann dir nur sagen, wann definitiv der falsche Zeitpunkt ist:

Wenn du in deinem Dusel alles richtig gemacht hast, fragt sie dich nach der Umarmung vielleicht strahlend: "Und wie war dein Tag?" Also etwas, was dich kein Mann je fragen würde. Auch wenn du nichts Spektakuläres zu erzählen hast, tu's trotzdem. Nur kurz. Und gleite so rasch wie möglich ins Technische oder die Fachsprache deines Berufs und sag dann "Ich will dich mit dem Zeugs nicht langweilen; komm wir…." und dann mach einen reizvollen Vorschlag. Wenn du eher ein Langweiler bist, geht's Richtung Essen und Glotze, wenn du eher der Sportstyp bist, Richtung Stall, Bike-Tour, Waldlauf, See und wenn du übelstenfalls zu denen gehörst, die zur Zeit völlig out und untendurch sind, zu den testosterongesteuerten Macho-Schweinen, dann – naja, einfach jeder nach seinem Gusto.

Zusammengefasst: alles, nur keine Lösungen! Zuhören, Interesse bekunden, Mitleid heucheln, in den Arm nehmen – oder mit der Freundin telefonieren lassen, aber dann ist an diesem Abend wohl nix mehr mit was auch immer für welchen 'reizvollen Vorschlägen'. Denn Telefonate weiblicher Mitmenschen – wie du aus leidvoller Erfahrung bestimmt weisst – können sich problemlos bis in die frühen Morgenstunden hineinziehen.

Erhaltet euch Freiräume

Die müssen nicht einmal zwingend frauenlos sein. Für toughe Sportlerinnen oder wagemutige Unternehmerinnen kann es durchaus Platz haben in diesen Freiräumen. Es können Hobbys oder berufliche Tätigkeiten sein – wichtig ist es, sie ausserhalb jeglicher Sicherheitshysterie zu halten. Schotte dich auch gegen Vernunftargumente ab, denn Abenteuer und Vernunft gehen nicht auf Augenhöhe zusammen. Wenn du die Vernunft als Hilfsmittel zum Bestehen der Abenteuer verwendest, sozusagen als Tool, als Werkzeugkasten dabei hast, dann ist das wunderbar. Aber lass es nicht zu, dass dir jemand mit Vernunftargumenten das Abenteuer vermiesen oder ausreden will.

Prüfe kurz nach, ob irgendetwas, was du grossartig findest in der Geschichte der letzten paar tausend Jahre, auf purer Vernunft beruht. Wenn du dann mit bewunderungsschwangerer Stimme sagst: "Ja, Buchhaltung und Statistik!", dann ok, blättere weiter. Aber wenn du nichts findest und Freude an Grossartigem hast, ordne die Vernunft dort ein, wo sie hingehört: zu Hammer und Schraubenschlüssel. Wobei ich für diesen instrumentellen Charakter der Ratio lieber das Wort 'Klugheit' benutze. Klugheit ist das bedeutend angenehmere rationale Gegenstück zur emotionalen Angst. Wenn du bei minus 20 Grad aus dem Haus gehst und dich warm anziehst, dann kannst du das emotionsgeladen und furchtzitternd aus Angst vor dem Erfrieren tun – oder kühl, nüchtern, sachlich, gelassen, aus Klugheit. Die Angst möglichst überall durch Klugheit ersetzen ist das, was Care-Lastige nicht begreifen, nicht können oder nicht wollen – und was alle Risk-Lastigen ein Leben lang anstreben und trainieren.

Bringt euch ein beim Aufwachsen der Kids

Zum Beispiel mit der gerade besprochenen Vermittlung der Fähigkeit, Angst durch Klugheit zu ersetzen. Aber auch bei der Vermittlung der Freude an Autonomie, Eigenverantwortung, Abenteuer und dem Training der dazugehörenden Frustrationstoleranz, dem Einstecken von Niederlagen, dem Aushalten von Schmerz, Leid, Verlust. Überlass dieses Feld nicht den care-lastigen Weichflöten. Es ist zu spät, wenn du die Kids erstmals in deine Verantwortung kriegst, wenn sie bereits in der Pubertät sind, wenn sie bereits Lehrlinge, Nachwuchssportler, Soldaten sind. Wer die ersten 15 Jahre als Supersoftie mit ultralinken Gleichheitsvisionen geprägt wurde, wird nicht in wenigen Monaten zum knallharten Grenadier. Die Armee, früher 'Schule der Nation' genannt, kommt zu spät und erreicht heute nur noch einen winzigen, weitgehend freiwillig mitmachenden Bruchteil des Nachwuchses. Die auf Sozialkompetenz getrimmten Softies wählen eh Zivilschutz – und bei den Frauen sind es sowieso nur die toughen, die freiwillig dabei sind. Alle die, die es nötig hätten, die bei Care und Risk 'out of balance' sind, erreichen wir nicht. Aber auch bei allen früheren Gelegenheiten erreichen wir mit all den vorhandenen Angeboten wie Pfadi, J&S und den unzähligen Sportclubs wieder nur die, die sowieso schon etwas Mumm in den Knochen haben. Die Faulen, Fetten, die Weicheier, die immer am Handy oder an der Spielkonsole hängen, wenn sie nicht schlafen, saufen oder drögelen, erreichen wir nicht.

Genauso gehen uns die Migrantenkids durch die Latten, die wir mit richtig hartem Sport und toughen Abenteuern auf Kurs bringen könnten. Bubis, denen zuhause von irgendeinem fanatischen Idiotenpapa aus einer Steinzeitkultur beigebracht wird, Frauen nicht zu respektieren als Autoritätspersonen, würden Zunge-bei-Fuss zutiefst respektvoll aufschauen, wenn sie mit Nicola Spirig mal zumindest eine Halbmarathondistanz gelaufen wären. Und wenn sie beim ersten Austicken oder Mädchen-Verhauen gleich wieder loslaufen müssten, wäre das eine hocheffiziente Willkommenskultur nach meinem Gusto, die sie auf ganz physischem Weg mit dem hierzulande geltenden Frauenbild und weiteren Werten bekannt machen würde. Aber ich höre schon unsere grünrot-weltoffenen Parlamentarierinnen, die Zetermordio schreien und das als Sklaventreiberei und Folter hinstellen würden.

Trotzdem: macht das, liebe Männer! Werdet Lehrer, Schulleiter, geht in die Schulpflege, sorgt dafür, dass der Literaturkanon nicht care-lastig bleibt, dass nicht nur Eichendorff und Novalis, sondern auch Homer, Shakespeare und Churchill gelesen und klug besprochen werden, macht Radau, haut auf den Putz, damit wir dereinst wieder mehr toughe Männer und Frauen haben in unseren Flugzeugen, Panzern, hinter unseren Gewehren; Leute, die sich nicht gleich in die Hose machen, wenn es mit dem Weltfrieden doch nicht gleich nachhaltig klappen sollte und es gilt, fremde Vögte und Richter aus- oder gleich ganz abzuschaffen.

Ändert das Männerbild in unserer Gesellschaft!

Noch nie war das Bild des Mannes und der für ihn typischen Risk-Werte so schlecht wie heute in der feminisierten Gesellschaft der sozialistischen Talfahrtsstaaten. Wem die Schweiz (noch) nicht plakativ genug ist diesbezüglich, wende sich vertrauensvoll nach Norden und studiere zum Beispiel die lieben Schweden, wo von den kernigen Wikingern nicht mehr viel übrig ist und sich die verbliebenen Drohnen-Männlein unwohl in ihrer Haut fühlen und reihenweise anstehen zur Geschlechtsumwandlung. Jeder extraterrestrische Besucher würde sich wohl futsch lachen über das Männerbild, das die Generation Heimleitung gezimmert hat und als Generation Weichei erfolgreich heranzüchtet. Die verbliebenen Rest-Männer sind unter Generalverdacht. Für viele Feministinnen und Genderfanatikerinnen sind Männer nichts anderes als wandelnde Vergewaltiger und Kindsmissbraucher. Die einzige Motivation, die sie Männern zugestehen, ist Vögeln und Töten. Mit dem Marsch durch die Institutionen und der neu gewonnenen Macht in öffentlichen Ämtern und den Medien, wo es neben Feministinnen natürlich auch von pimmeltragenden Alt-68ern und selbsternannten Umweltrettern wimmelt, haben sie es fertiggebracht, dass dieses verquere Männerbild sich tief und fast unhinterfragt im öffentlichen Bewusstsein abgelagert hat und nahezu unwidersprochen zum Mainstream wurde.

Natürlich fand ein ähnlicher Prozess der Diskursinfiltrierung und schliesslich Diskursbeherrschung auch schon umgekehrt statt. Man denke an die idiotische, jahrhundertelang sich haltende Behauptung, Frauen seien generell weniger intelligent oder weniger sportlich als Männer. Aber heute geht es darum, das Männerbild zu korrigieren. Man muss Väterchen Freud, von dem ich ja eh nicht viel halte, nicht zuhilfe nehmen, um zu zeigen, was für tiefe Früste und unbefriedigte Lüste hinter dieser Reduktion der Männer auf den Sexualtrieb stecken. Man muss auch nicht gleich so bösartig sein wie Oskar Lafontaine, dem der Spruch zugeschrieben wird: "Womit verhüten Emanzen? – Mit dem Gesicht." Zumindest kann man feststellen, dass der Fokus jeglicher Kritik oft mehr über den Kritiker als über das Kritisierte verrät. Ich verstehe jeden echten Risk-Mann, der sich darum foutiert, sich auf seine Tätigkeiten konzentriert und sein abenteuerliches Leben an diesem Mainstream-Gesabber vorbei lebt. Aber die Einschränkungen nehmen täglich zu, da die Generation Weichei längst auch bei der Regelproduktion sehr laut mitredet und in allen grossen Städten das Sagen hat.

Alarmzeichen ist unter anderem die Aushebelung des Verhältnismässigkeitsprinzips in der Justiz. So hat der Richter beispielsweise bei der 'Rasernorm' keinen Ermessensspielraum mehr, um ein Urteil zu fällen, das den Verhältnissen Rechnung trägt. Generell lässt sich die Dominanz der Care-Freaks im Strafrecht besonders gut zeigen, wo es in den seltensten Fällen mehr um die Ahndung von echten Straftaten geht, sondern in den allermeisten Fällen um reine Regelverstösse, ohne dass irgendjemand zu Schaden kam. Dabei zeigt sich auch die Absurdität des Gleichheitswahns: die Annahme einer nicht weiter konkretisierbaren 'Gefährdung' anderer durch Strassenverkehrsverhalten wird gleich hoch eingestuft, ob es sich beim Regelverletzer nun um einen erfahrenen Berufsfahrer oder einen 90-Jährigen Fast-Blinden, Fast-Tauben, Fast-Dementen handelt.

Tja, liebe verbliebene Risk-Männer, es bleibt nichts anderes übrig, als sich doch ein wenig in die Schlacht zu stürzen und die Dominanz der männerverachtenden Hysterikerinnen und der zu Weicheiern mutierten Pimmelträger zu brechen. Gründet Verlage, leitet Medien, werdet Parlamentarier, lasst euch in wichtige Ämter wählen – auch wenn das etwas weniger Abenteuer verheisst als im Himalaja rumzuklettern, in einer militärischen Sondereinheit zu dienen oder über die anspruchsvollsten Geländestrecken der Welt zu galoppieren. Aber es ist ähnlich wie mit meinem Versuch, meine Panzergrenadiere jeweils für den WK zu motivieren: "Die Freiheitseinschränkungen im Militärdienst sind Scheisse, ich weiss. Aber wir nehmen diese drei Wochen eingeschränkte Freiheit in Kauf, um damit die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass wir die restlichen 49 Wochen weiterhin in grösserer Freiheit leben können." – Darum geht es auch hier. Ich gebe zu, es stinkt mir auch gewaltig, mich mit Armeeabschaffern, regulierungswütigen Gleichheitsfanatikerinnen und anderen Vertretern der ultralinken Gesellschaftsutopie herumschlagen zu müssen, aber zur Zeit sehe ich keinen Weg, der daran vorbeiführt, ausser natürlich dem Staatsbankrott, einem Krieg, der zur Schliessung der Grenze führte oder einer richtig grossen Naturkatastrophe – alles Aussichten, die zwar zur ziemlich blitzartigen Ausbalancierung von Care und Risk führen würden, aber zu einem doch recht hohen Preis.

Fazit: Helft mit, dass der urhelvetische Trutz und seine Helden nicht aussterben.

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