Annex vom 5.11.2019 zu Denk-Aufgabe 1910

 

Tipps für Trutzige

Ein lieber Freund, der meine Schreib- und Redefreude auch schon mal despektierlich als 'orale Diarrhoe' bezeichnete, bat mich seufzend, dieser unzumutbar ausufernden 10. Denkaufgabe des Jahrgangs zu Putin und Greta einen kurzen,knackigen, bilderreichen Annex anzuhängen, angereichert mit praktischen Tipps und Rezepten, die man gleich in die Tat umsetzen könne

Herausgekommen sind aber eher Verhaltens- oder Handlungsanweisungen an mich selbst, die sich aus den aufgeführten Argumenten für mich ergeben, aber ohne den Anspruch, dass sie auch für andere gelten sollen. Denn der erste Tipp lautet:

1) Glaube niemandem nichts, was du nicht gekostet, probiert, getestet, analysiert, durchleuchtet - und für gut befunden hast.

 

2) Misstraue auch und besonders deinen eigenen 'Wahrheiten'. Schau genau hin, wem du sie nachplapperst, wer sie dir mit der Muttermilch eingeflösst oder irgendwo auf deinem Weg eingeimpft hat.

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3) Misstraue allen, die auf dem Geld-Macht-Ruhm-Trip sind, auch dir selbst, wenn du diese Gier in dir entdeckst.

 

4) Bewerte weder dich noch andere aufgrund des äusseren Erfolgs. Respektiere niemanden nur aufgrund seines Vermögens, seiner Machtposition oder seiner Bekanntheit. Respektiere Einsatz, Leistung, die ohne Anerkennungsgeilheit erbracht wird, Commitment, Verlässlichkeit, Freundschaft.

 

5) Hör nicht auf die, die dir zujubeln, hör auf die, die dich mit nüchternen Argumenten kritisieren. Misstraue geeinten Gruppen, Parteien, Menschenmassen, die alle dasselbe verkünden, dasselbe tun, dasselbe essen, dasselbe konsumieren und dieselben Ansichten äussern. Lerne, den Geruch von Gehirnwäsche, politischer Ideologie, religiösem Wahn so frühzeitig zu erschnuppern wie ein Sprengstoffhund seine Beute.

 

6) Misstraue allen in Sprache verpackten Emotionen, auch deinen eigenen. Prüfe sie auf Heuchelei, Berechnung, Verführung. Nimm nur Emotionen ernst, die sich in Taten zeigen.

 

7) Gehorche nie. Wenn du eine Aufforderung befolgst, weil du sie für sinnvoll hältst, ist es nicht Gehorsam, sondern selbstbestimmtes Handeln, das auf berechtigtem Vertrauen in die Kompetenz des dich Auffordernden beruht. Verlange umgekehrt auch von niemandem Gehorsam.

 

8) Lass dich zu nichts zwingen, von niemandem vereinnahmen. Wenn jemand es gegen deinen Willen trotzdem versucht, wehre dich mit allen Mitteln, auch mit Gewalt.

 

9) Verlache alle, die dich mit Pathos, Entrüstung und hysterischem Getue in Angst und Panik versetzen wollen. Wenn sie lästig werden, nimm Abstand. Wenn das nicht gelingt, klag sie ein. Hilft auch das nicht, hau ihnen eins in die Fesse, das ist dann Notwehr.

 

10) Stell dich deinen Ängsten, tu nicht so, als wärst du schon völlig angstfrei, wenn du es noch nicht bist, aber bleib auch nie in einer Angst stecken. Konfrontiere sie, nimm sie als Herausforderung an, als Challenge, als Abenteuer, nimm sie wie Federer ein Spiel gegen Nadal und freu dich drauf, auch und gerade, weil der Ausgang ungewiss ist.

 

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