Denk-Aufgabe 20-04 vom 30.3.2020

 

Einladung zur Corona-Debatte

Corona, Freiheit und die Tiere


Inhalt

Gehorsamer Bürger oder Trotz-Trutz-Freiheitsfreak?
Wo, woran und an wem orientieren wir uns?.
Wieviel Freiheit und wieviel Geld darf ein Menschenlebensjahr kosten?
Kriterien?
Wieviel Geld darf ein Lebensjahr kosten?
Wieviel Freiheit darf ein Lebensjahr kosten?.
Cui bono – wem nützen die Freiheitseinschränkungen?
Das Herz der Etatisten lacht
Verlängerung der Massnahmen
Verschärfung der Massnahmen
Durchsetzbarkeit und Widerspruch zum Ziel der Massnahmen
Probleme bei der Überwachung der bereits geltenden Massnahmen
Verbot, Pferde und Hunde zu bewegen
Wohnungen zumauern?
Ausgangssperre für Risikogruppen?
Immunitätstests
Ist der Mensch immer und in jeder Lage wichtiger als das Tier?

Gehorsamer Bürger oder Trotz-Trutz-Freiheitsfreak?

Ist der Mensch immer und in jeder Lage wichtiger als das Tier? Auf diese Frage gibt es wahrscheinlich so viele Antworten wie Antwortende. Versuchen wir, sie etwas zu gruppieren. Es gibt unzählige Möglichkeiten, Menschen aufgrund ihrer Fähigkeiten und Charaktereigenschaften zu unterscheiden. Wenn man die Menschheit nur gerade in eine Polarität von zwei Grundtypen einteilt, ist das eine grob vereinfachende Sache, die zu entsprechend undifferenzierten Resultaten führt. Ich bin mir dessen bewusst, halte es aber für den Einstieg in die hier anzustossende Debatte für vertretbar. Ich unterscheide also mal ganz grob zwischen gehorsamen Bürgern und Trotz-Trutz-Freiheitsfreaks. Man könnte die Polarität auch mit anderen Bildern illustrieren: Hinterherläufer und Selbstbestimmte, Herdenmenschen und Einzelgänger, Modesklaven und Unabhängige, Kindgebliebene und Erwachsene, Ideologiebebrillte und Nüchterne, Führungsbedürftige und Führungsunabhängige, Willfährige und Sperrige, Kollektivisten und Individualisten, Lemminge und Löwen, Unmündige und Mündige etc.
       Um uns selbst zu positionieren in der durch diese Extreme aufgespannten Palette, können wir uns an Kant erinnern, der empfahl, uns unserer Vernunft zu bedienen, um den Ausweg aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit zu finden. Die Gefahr liegt natürlich in der erkennbar einseitigen Wertung der aufgezählten Antonyme. Aus meiner Liste ist schon klar ersichtlich, welcher Typ mir näher liegt. Trotzdem will ich unbedingt auch die Nachteile und Schwierigkeiten aufzeigen, die eine Gesellschaft aus lauter ungehorsamen Trotz-Trutz-Freiheitsfreaks wie mir mit sich brächte, wenn es sie denn gäbe.
       Hier geht es nur einmal drum, denjenigen, die im aktuellen Corona-Theater gern brav und unhinterfragt das tun, was die Regierung gerade anordnet, anzuzeigen, dass sie durchaus weiterlesen und anschliessend mit debattieren dürfen, dass aber nur rationale, vernunftgestützte Argumente interessieren. Auf emotionales Gesülze, Entsetzensschreie, Shitstorms wegen grauslicher Pietätlosigkeit gehen wir gar nicht ein. Wer also eh schon völlig auf dem Gefühlstrip ist, klinkt sich am besten hier aus. Emotionalisiertheit ist die denkbar schlechteste Voraussetzung fürs Denken und Debattieren. Befindlichkeitsaustausch ist zwar Mode geworden und wahrscheinlich sogar die Hauptfunktion der Social Media, aber ich nehme mir die Freiheit heraus, zu bekunden, dass mich Befindlichkeiten eigentlich nur bei Tieren wirklich interessieren. Wer also gerade traumatisiert, entsetzt, entrüstet, panisch, hysterisch oder sonstwie in Weltuntergangsstimmung ist, darf das selbstverständlich sein und geniessen, sei aber vergewissert, dass er mir das nicht mitzuteilen braucht. Dafür gibt es eine exponentiell wachsende Therapeutenbranche, die euch vertrauensvoll und gegen Bezahlung in die tröstenden Arme nimmt.

Wo, woran und an wem orientieren wir uns?

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Wenn ein Lebewesen, sei es Mensch, Tier oder Pflanze, mit einem neuen Problem konfrontiert ist, für dessen Lösung es sich weder auf ähnliche Erfahrungen noch auf spezifische Kompetenzen bzw. zur Lösung erforderliches Wissen abstützen kann, sucht es nach Orientierungshilfen. Da kommen zuallererst die räumlich und zeitlich nahen Wesen gleicher Gattung in Frage, deren Verhalten es aufgrund vergleichbarer Ausstattung mit physischen und mentalen Möglichkeiten kopieren kann. Es macht wenig Sinn, sich als Mensch bei der Orientierung im Gelände an die Bienen zu halten, deren wegweisenden Tanz wir kaum decodieren können, oder mit unseren lächerlich bescheidenen Riechfähigkeiten zu versuchen, wie unsere Hunde einer Duftspur zu folgen.

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Also schauen wir in solchen Situationen, was die andern Menschen machen. Da aber nie alle dasselbe tun, suchen wir uns Menschen, von denen wir annehmen, dass sie ähnliche Vorurteile, ähnliche Werte, ähnliche Interessen haben. Dies birgt die Gefahr der Einschränkung des Kontaktumfeldes auf ideologisch Gleichgesinnte. Man ist sich mit der Zeit der Selektion der Menschen, an denen man sich orientiert, kaum mehr bewusst und glaubt, die eigene 'Orientierungsgruppe' sei die Welt – oder müsse es sein. Und man schliesst daraus gern, dass alle, die nicht zu dieser Gruppe gehören, minimal im Unrecht seien, maximal mit Zwang dazu zu bringen seien, die Vorurteile, Wertungen und Interessen unserer Gruppe zu teilen. Das simpelste Beispiel dafür sind die Religionen und Ideologien mit absolutem Wahrheitsanspruch, zurzeit am deutlichsten demonstriert von den Islamisten und der kommunistischen Partei Chinas. Aber wir finden das bestimmt in Ansätzen auch bei uns.
       Ich habe zum Beispiel bemerkt, dass weit über 90% meiner 1799 FB-Kontakte im weitesten Sinne 'Tierfreunde' sind, die meisten davon pferde- und/oder hundeaffin. Es macht zugegebenermassen Freude, sich gegenseitig zuzunicken, wenn man weiss: Die andern in der selbst aufgebauten 'FB-Gemeinde' lieben die Tiere auch. Aber in der grossen weiten Welt draussen gibt es eine Mehrheit, die nicht so denkt und fühlt wie wir Tierfreunde, also sollten wir uns mit ihnen auseinandersetzen, auch den Argumenten derer Gehör schenken, für die Tiere nur ökonomische Faktoren der Land- und Forstwirtschaft und allenfalls noch des Pferdesports und der Zirkus- und Zoobetriebe sind, soweit die einen Beitrag zum Bruttosozialprodukt leisten. Und wir dürfen auch die schlichteren Gemüter nicht ganz aussen vor lassen, die Tiere nur auf dem Teller kennen und schätzen. Denn – nochmals – sie sind in der Mehrheit.
       Nicht nur die Gegenüberstellung von Mensch und Tier mag viele befremden, sondern auch der Versuch der Bezifferung der verkraftbaren Kosten eines menschlichen Lebensjahres, das allenfalls durch die aktuellen oder noch weitergehende, auch die Tiere betreffende Freiheitsbeschränkungen 'gerettet' werden könnte. Doch auch hier interessiert mich das Geschwafel allfälliger Ethikexperten oder die verklärten Augen emotionalisierter Tussis nicht, die sich vor der Tatsache verschliessen, dass niemand, auch kein Kollektiv, ein unbeschränktes Budget hat, um Lebensverlängerung zu betreiben. Und gerade die sich gern so furchtbar lieb, nett, gewaltfrei und zartfühlend gebende Linke in der Schweiz, die die immer kleinere Armee mit Steinschleudern und Zahnstochern in den Krieg schicken oder noch lieber gleich jegliche Landesverteidigung aufgeben will, macht genau dasselbe, nur unsäglich viel seelenloser und kurzsichtiger: sie setzt sehr kleine Geldbeträge ein für das Leben ihrer Soldaten, hält diese jungen Existenzen für so wertlos, dass es sich offenbar weder lohnt, sie in genügender Zahl gut auszubilden, noch sie gut auszurüsten. Sie verschliessen auch die Augen vor der historischen Tatsache, dass ein Land ohne Armee einer Einladung an andere Armeen gleichkommt und sie damit auch das Leben der Bevölkerung, zu der sie ja auch gehören, für wertlos erklären. Dass die Bedrohungslage sehr rasch ändern kann, zeigen die blitzartige Schliessung vermeintlich offener EU-Grenzen und die lächerlichen Scharmützel, die wir uns mit unseren Nachbarnationen um zu Unrecht zurückgehaltene Gesichtsmasken lieferten. Wenn es noch ein Weilchen dauert und auch Energie, Lebensmittel und Medikamente knapp werden, könnten die Konflikte rasch etwas giftiger werden.

Wieviel Freiheit und wieviel Geld darf ein Menschenlebensjahr kosten?

Wer nur schon diese Frage an sich pietätlos, tabu, zynisch, entsetzlich findet, sollte sich hier ausklinken. Ich habe überhaupt kein Problem mit Menschen, die sich emotionalisiert in der moralischen Überlegenheit ihrer selbstdefinierten political correctness suhlen, solange sie dies fern von mir – am liebsten mit mehr als Corona-Abstand – tun. Aber ich höre gern auf mit rationalen Argumenten gestützte Antworten auf die gestellte Frage, so kontrovers sie auch sein mögen.
       M.E. sollten wir uns fragen, wieviel von welchen Freiheitsrechten wir für wie lange Zeit völlig unterbinden oder massiv einschränken wollen, um eine beschränkte Zahl von Lebensjahren älterer und kranker Menschen damit vielleicht zu retten. Darin eingeschlossen ist auch die Frage, wieviel ein solches Jahr das Kollektiv an Geld kosten darf, wenn es nicht bei der unbegrenzten Rettungstätigkeit in die Zahlungsunfähigkeit rutschen will. Wir können uns an der stündlich sich wandelnden Berichterstattung verschiedenster Herkunft über das Corona-Thema, an Statistiken, Experten, Erfahrungen früherer oder ständiger medizinischer Engpässe orientieren – und natürlich auch an unseren eigenen Vorurteilen und Wertungen, um zu unserer persönlichen Lösung dieses Problems zu kommen. Es gibt in allen Spitälern immer wieder die Situation, dass der schwierige Entscheid gefällt werden muss, welches Leben prioritär geschützt werden soll, wenn es an Equipment, Ersatzorganen, Starchirurgen oder schlicht und einfach an Geld fehlt, um lebenserhaltende oder lebensverlängernde Massnahmen für alle durchzuführen, die danach verlangen. Auch Verwandte stehen manchmal vor diesem Problem: Wann soll eine Maschine abgestellt werden, die einen Verunfallten im Wachkoma hält? Das Gelaber lebensferner Ethikexperten, die sich noch nie von der warmen Brust ihrer Alma Mater ins wirkliche Leben hinausgewagt haben, das emotionsschwangere Geheuchel luxusumbrandeter Tussis aus der jeunesse dorée und anderer, die noch nie in einer echten Notsituation oder gar einer Kriegslage gestanden haben, dass doch jedes Leben gleich viel wert sei, wirkt für wirklich in einem Entscheidungsprozess Stehende geradezu lächerlich. Denn auch diese sich moralisch überlegen fühlenden Möchtegernedelmenschen würden im Ernstfall durchaus Unterschiede machen und z.B. das Leben des eigenen Kindes klar höher und schützenswerter einstufen als dasjenige von Anders Breivik oder anderer überführter Serienmörder, Terroristen und Abschlachter ganzer Ethnien. Man muss nur Situationen konstruieren, in denen eben nur das eine von zwei oder mehreren Leben gerettet werden kann, und ein Nichtentscheid dazu führt, dass beide oder alle Leben ausgelöscht werden – und schon können sich auch die 'Alle-sind-gleichwertig'-Laferis nicht mehr vor der Entscheidung drücken.

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Massenmörder Breivik – gleichviel Wert wie Ihr Kind?

Kriterien?

Was sind nun nachvollziehbare, argumentativ stützbare Kriterien für die Unterscheidung? In Spitälern ist es bestimmt unter anderem das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand, also die geschätzte Lebenserwartung der Patienten. Hilfreich ist in solchen Situationen natürlich eine Patientenverfügung, die lebensverlängernde Massnahmen klar ablehnt. Ganz speziell die Risikogruppe der Alten könnte mit einer Patientenverfügung dem Spitalpersonal den Entscheid ungemein erleichtern. Aber wenn wir an die Organtransplantationen denken mit dem typischen Nachfrageüberhang, so ist meines Erachtens durchaus auch die sich im ökonomischen Gebaren offenbarende Werthaltung der Nachfragenden mitentscheidend, auch wenn meine Ansicht das Gekreische der Kämpfer gegen eine 'Zweiklassenmedizin' heraufbeschwört. Ich bin sogar für eine X-Klassenmedizin. Wenn ein eher ängstlicher Mensch mit wenig Vertrauen in die Richtigkeit dessen, was ihm geschieht, ein Leben lang Geld auf die hohe Kante legt, damit er sich dann bei Bedarf mit 90 noch ein drittes Kamelherz leisten kann, dann steht ihm das m.E. zu – und Leuten wie mir, die ein Leben lang keinen Heller für solche Ersatzteile gespart, ja, die überhaupt nie etwas gespart und immer jeden Rappen gleich in einen wiehernden Rappen verwandelt haben, steht eben nicht einmal eine erste Schweineniere zu, wenn andere sie brauchen. Ich halte dies für eine völlig richtige Konsequenz der Eigenverantwortung. Niemand hat mich gezwungen, Pferdlis zu kaufen statt auf die Ziegenmilz zu sparen.



       Nun zu den Kriterien für die konkreten Entscheidungssituationen, mit denen die Verantwortlichen in den Spitälern schon häufig konfrontiert waren und die sich nun – meines Erachtens unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich –, bei uns dank Corona vermehrt stellen könnten: Wer kriegt ein Beatmungsgerät und wer nicht, wenn die Nachfrage grösser ist als das Angebot? Doch wohl auch der Patient mit der grösseren Lebenserwartung. Das wird nicht zwingend, aber wohl in den meisten Fällen der jüngere Patient sein?

Wieviel Geld darf ein Lebensjahr kosten?

Nun kommen die provokativeren Teile des Problems: Wieviel darf, kann, soll ein gerettetes Lebensjahr eines Einwohners unseres Landes kosten? 100'000 CHF? Ich kann und will nicht in die monetären Details gehen, dazu fehlt die Relevanz im angeschnittenen Zusammenhang – und mir fehlen die Daten. Die hat wahrscheinlich nur der Finanzminister und auch der muss raten. Es gibt Zahlen aus früheren Krisen, es gibt Indizien bei den Zahlen von Versicherungen, wichtig ist hier nur, dass es durchaus diese für viele zynisch anmutende monetäre Bewertung eines Lebensjahres gibt, aus dem einfachen Grund, weil die finanziellen Möglichkeiten jedes Kollektivs beschränkt sind. Hiervon die Augen zu verschliessen, zeugt m. E. von Verantwortungsscheu und Unmündigkeit.

Wieviel Freiheit darf ein Lebensjahr kosten?

Und nun endlich zur für mich zentralen Frage, wieviel Freiheit es kosten darf, eine nicht bezifferbare Anzahl von Lebensjahren vermutlich zu retten. Sie sehen die crux: 'nicht bezifferbar' und 'vermutlich'. Solange wir nicht wissen, wie hoch die Amplitude der Sinuskurve bis zum Maximum der Ansteckungen ist, und auch nicht wissen, wie die Frequenz aussieht, also in welchem Zeitraum sich die Entwicklung zum Maximum und dann zu welcher Art von Minimum entwickelt, und ob es eine zweite Welle geben kann, ob ein Teil der Infizierten oder alle immun gegen das aktuelle Virus werden, wie rasch dieses mutiert und damit eine allfällig eingetretene Immunität unwirksam macht, bleiben auch die in Frage stehenden 'Lebensjahre' mit so vielen Unsicherheitsfaktoren behaftet, dass sie völlig unbezifferbar bleiben. Müssen wir deshalb vom Worst-Case-Scenario ausgehen, einer ewigen Spirale immer wieder mutierter Viren, die letztlich die ganze Menschheit dahinraffen? Also zuhause bleiben bis es soweit ist? – Oder könnten wir uns daran erinnern, dass Unsicherheit zwingend, ja genuin zum Leben gehört in dem Sinne, dass das Mass der Unsicherheit über die Zukunft sogar als Unterscheidungskriterium zwischen 'lebendig' und 'tot' taugt?
       Haben wir mit diesem Super-GAU- und Panik-Denken in letzter Zeit nicht schon einige fragwürdige, wenn nicht sogar dumme Entscheidungen getroffen? Das Waldsterben, all die bereits überstandenen Epidemien, die seit 1945 viele Tag und Nacht quälende Vorstellung eines Atomkriegs, die Panik vor der nicht gelösten Entsorgung radioaktiver Abfälle und der Gefahr von AKW-Unfällen, die zum wenig durchdachten Ausstieg aus der Atomenergie geführt hat, ohne die nun bereits wieder etwas realistischere Möglichkeit geschlossener Grenzen mit dem Erfordernis grösserer Selbständigkeit in der Bereitstellung von Energie zu bedenken; das hochgradig hysterische Getue in den letzten zwei Jahren rund um die Klimaerwärmung, um die es auffällig stiller, fast schon 'cooler' geworden ist? Ob der armen Greta nun nebst all den Bösen, die sich nicht von ihrer Klima-Panik anstecken liessen, jetzt auch noch das böse Viruslein die Kindheit stiehlt? Und ob sich das klitzekleine Sars-Covid2-Ding wohl beschämt zurückziehen wird, wenn sie ihm entgegenkrächzt: "How dare you!"?

Cui bono – wem nützen die Freiheitseinschränkungen?

Es gäbe bestimmt noch viel mehr Beispiele, die dazu einladen, jetzt auch bei Corona nicht in diese Worst-Case-Panik zu verfallen und nüchtern zu fragen, ob die aktuellen Freiheitseinschränkungen verhältnismässig sind, wer davon betroffen ist und wer davon profitiert. Beamte – und es werden täglich mehr – verlieren kaum mehr als den Gang in die Stammbeiz. Ihr Lohn ist bis zum definitiven Weltuntergang gesichert, und ob sie nun vom geheizten Büro oder von zuhause aus etwas tun – meist ist es ja im Vergleich zur Privatwirtschaft nicht allzuviel – ändert wenig. Und dass auch nur eine einzige Beamtenstelle aufgrund der Coronakrise gestrichen würde, ist naives Wunschdenken. Mit grösster Wahrscheinlichkeit ist das Gegenteil der Fall. Es werden wahrscheinlich in hochansteckender Geschwindigkeit neue Behörden erfunden, und die Arbeitslosen werden sich um diese Stellen reissen wie um himmlisches Manna. Brauchen wir nicht dringend eine Ausbildungsstätte für Corona-Therapeuten, aus denen wir eidg. diplomierte, ISO-zertifizierte Corona-Careteams zusammenstellen können, die sich dann unter Ausschluss aller nichtzertifizierten Verwandten all der Traumatisierten, Suizidalen, Klaustrophoben, der Opfer häuslicher Gewalt, deren Anzahl direkt parallel zur Dauer der 'Stay-Home-Periode' zunimmt, all der genervt Kinder-aus-dem-Fenster-Werfenden und der im Sinne von Mani Matters Zündhölzli-Song auf Bundesräte Schiessenden annehmen können? Ich sehe hier eine lukrative Branche heranwachsen, die andere, ähnlich unnötige Staatsinstitutionen wie die KESB, Amicus oder Agate wie Zwerge aussehen lassen wird.

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Aber auch die Überwachungsbranche sieht goldenen Zeiten entgegen. Man muss sie ja nicht mit so unsexy Bezeichnungen wie STASI oder GESTAPO unattraktiv machen. Wenn wir die herumschleichenden Petzer, denen wir anno dazumal auf dem Schulhausplatz ihr 'Täderle' noch ausgeprügelt haben, nur schon mit dem bei niederen Schichten durchaus positiv assoziierenden Begriff 'Whistleblower' oder 'Hilfspolizisten' adeln, werden sich Tausende Bildungsferner um diese todsicheren Staatsstellen reissen. Denn in unsicheren Zeiten flüchten sich die Windelträger aller Länder schutzsuchend unter die Fittiche des Staatsbrüters. Ein Staatsjob ist das einzig Stabile, Sichere, Risikofreie und von diskriminierender Leistungsbewertung völlig Befreite in einem immer kollektivistischeren Staat der Gleichen. Kommt dazu, dass einem Menschen mit Beamtenmentalität Freiheit gar nicht so wichtig ist wie dem Nichtbeamten – sonst wäre er gar nie Beamter geworden. Aber der kleiner werdende Rest der Nichtbeamten ist teilweise sehr schwer von den aktuellen Freiheitseinschränkungen betroffen. Weniger die Angestellten grosser Betriebe, die ja oft beamtenartige Einstellungen und Verhaltensweisen zeigen - aber auch die müssen allerschlimmstenfalls mit dem Jobverlust rechnen. Es sind die unternehmerisch Denkenden und Handelnden, die in Eigenverantwortung und mit Mut das Risiko auf sich genommen haben, auf eigene Rechnung etwas aufzuziehen, und die das auch weiter in Eigenregie machen möchten und bei denen der Gewinn einen glasklaren Leistungsbezug hat, die zurzeit in eine Staatsabhängigkeit gedrängt werden, die sie gar nicht wollen.
       Nun kommt der Einwand, die würden ja alle mit Krediten unterstützt. Aber ein unternehmerisch denkender Mensch nimmt nur einen Kredit auf, wenn er ihn in nützlicher Frist wieder zurückzahlen kann. Und das kann er nur, wenn er weiss, ob er überhaupt je wieder genügend Geld verdienen kann in seinem Geschäftsfeld. Und auch wenn er den Kredit nimmt und sich der Staat grosszügig zeigt mit dem Einfordern der Rückzahlung, bleibt er in einer Art und Weise vom Staat abhängig, die jedem Unternehmer zutiefst gegen den Strich geht. Die zwei Schritte vom grossen, nicht zurückgezahlten Kredit für ein rein privates Unternehmen über ein dem Staat teilweise gehörendes Unternehmen hin zu einem Staatsbetrieb sind schleichend und klein.

Das Herz der Etatisten lacht

Alle Etatisten, alle Zentralisten, alle in der Wolle gefärbten Sozialisten, Ultragrünen und verschworenen Abschaffer der bösen freien Marktwirtschaft wollen genau das. Nicht nur offensichtlich Schlichte im Geiste wie NR Wermuth. Auch Bundesrat Berset träumt seit seinem Amtsantritt von der Einheitskasse. Die vereinigte Linke träumt von einer Abschaffung des Steuerwettbewerbs, die vereinigten Grünen träumen von der Abschaffung des Privatverkehrs und der möglichst weitgehenden Abschaffung des privaten Grundeigentums – nur so können flächendeckend schweizweit Velowege durch die völkischen Wälder, entlang den völkischen Seen und Flüssen und quer durch alle völkischen Städte gebaut werden. Und die vereinigten Einheitspädagoginnen von Harmos bis Lehrplan 22 träumen von einer normierten helvetischen Bildungslandschaft, wo alle zur gleichen Zeit von ideologisch normierten Lehrkräften mit schweizweit standardisierten Lehrmitteln genau dasselbe lernen, mit den gleichen Äpfeln rechnen lernen –und nicht etwa die Walliser mit Aprikosen und die Innerschweizer mit Gummeli. Lauter Ziele, die sich mit den nun weitgehend ausgesetzten demokratischen Freiheitsrechten der Bürger bislang nicht durchsetzen liessen – aber jetzt? Wenn's noch ein klitzekleinwenig dauert? So bis im Herbst? Und dann eine zweite Corona-Welle? Spätestens nach einem Jahr sollten sich die Bürger doch an die Einschränkungen gewöhnt, ihre Freiheiten vergessen haben? Wenn ein Politaparatschik wie Martin Dumermuth vom BA für Justiz die Tessiner und die Urner zurückpfeift, weil sie gegen seinen Willen etwas aus ihrer Sicht Sinnvolles getan haben, so wird auch klar, dass die 'Notlage' munter missbraucht wird, um den eh schon schwindenden Föderalismus noch weiter auszuhöhlen. Auch Föderalismus ist nichts anderes als ein Betonen der Freiheit der unteren Kollektivstufen, also der Gemeinden und der Kantone zulasten des Bundes. Zentralistischer Machthunger und Freiheitsrechte vertragen sich schlecht. Und eine Krise ist immer eine Chance für die Machthungrigen, ihre Macht zu vergrössern und die Freiheit der Kantone, der Gemeinden und der Bürger einzuschränken. Und – eine Binsenwahrheit – eine Macht, die man einmal hat, gibt man nur unter grossem Druck wieder her, ganz bestimmt aber nicht freiwillig.

Ich will nicht so weit gehen, zu behaupten, irgendwelche machthungrigen Kräfte im fernen China, das sich bereits auf wirtschaftlichem Weg die westliche Welt einzuverleiben versucht, hätten die Krise bewusst initiiert, und sei es nur, indem sie sich ausgiebig Zeit liessen, die Welt über das Virus zu informieren, auch wenn durchaus solche Verschwörungstheorien zirkulieren, aber ich behaupte sehr wohl, dass die Machthungrigen aller Länder sich insgeheim an der Krise freuen und jede Chance nutzen, ihre Macht zu vergrössern und nicht mehr abzugeben.

Verlängerung der Massnahmen

Zurzeit – 30.3.2020 – ist das verlockende Lockerungsdatum 19.April von unserem wohl nur eher sekundär an individuellen Freiheitsrechten interessierten SP-Innenminister bereits mal auf – mutmasslich – Mitte Mai verschoben worden. Andere Stimmen sprechen von 'nach den Sommerferien' und ganz pessimistische Nostradamüsser prophezeien, dass es noch zwei Jahre dauern wird. Je länger wir auf Bewegungsfreiheit, Datenschutz, Privatsphäre und Nähe verzichten müssen, desto mehr gewöhnt sich die Masse daran, genauso wie wir uns an die allgegenwärtigen Überwachungskameras und all die Whistleblowers gewöhnt haben, die zivilen Hilfspolizisten, die jeden verzeigen, der irgendetwas tut, was in irgendeiner Notverordnung als illegal bezeichnet wurde. Die schleichende Erosion der Meinungsäusserungsfreiheit hat längst begonnen. Wer sich während der Klima-Hysterie der letzten zwei Jahre nicht völlig mainstreamkonform äusserte, wer es wagte, eine vom ideologisch festgesetzten Aktivismus abweichende Meinung zu äussern, wurde als Klima-Leugner verschrien und 'beshitstormt'. Grüne Bubi-Aktivisten konnten es sich erlauben, im Zürcher Kantonsrat vom Mainstream abweichende Parlamentarier zu belästigen und zu verhöhnen – unter Applaus der Vertreter der grün-linken Parlamentarier, die es sogar fertigbrachten, in der Stadt mit einer mehrfach prämierten Lebensqualität den 'Klimanotstand' auszurufen. Mit einem derart infantilen Parlament wird es wohl auch der nächste Hype, der Corona-Notstands-Hype, einfach haben, unnötig lange anzudauern.
       Auch die unselige Modeströmung der political correctness hat intensive und nachhaltige Vorarbeit geleistet bei der Abschaffung der Meinungsäusserungsfreiheit. Die feminisierten, emotionalisierten Befindlichkeitstussis in den Universitäten wollen nur noch das lesen, lernen und hören, was ihren windelumflorten Öhrlein frommt. Sie tragen nicht nur Mundschutz, sondern vor allem Gehirnschutz. Aber leider sind es nicht nur die Studenten. Die Generation Weichei und Daueropfer ist längst auf den Lehrstühlen, in den Lehrerzimmern und Behörden heimisch geworden. Auch in der Justiz, wie der wohl dümmste helvetische Richter aller Zeiten unter Beweis stellte, der den Einbruch jugendlicher Aktivisten in eine Bank als 'Notwehraktion' für legitim erklärte. Notwehr gegen den mangelnden Aktivismus der bösen Bank in Sachen Klimaschutz. Und niemand entlässt ihn. Er gehört für mich in eine Risikogruppe, die dringend unter Quarantäne gestellt werden sollte.

Fazit: Zurzeit ist es wahrscheinlich die Einschränkung der Bewegungsfreiheit und der Wirtschaftsfreiheit, die von der Mehrheit der Bevölkerung am stärksten wahrgenommen wird. Mittel- und langfristig sehe ich vor allem die Meinungsäusserungsfreiheit, das Recht auf Privatsphäre und den Datenschutz in Gefahr. Alles Rechte, die von den Machthungrigen aus nachvollziehbaren Gründen nur zu gerne dauerhaft eingeschränkt werden. Denn nichts ist einfacher, als eine Masse gläserner Insassen zu lenken, die nichts zu sagen haben und über die der Staat alles weiss.

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Verschärfung der Massnahmen

Was würde die Schweizer Bevölkerung an Verschärfungen der bereits geltenden Freiheitseinschränkungen noch akzeptieren? Eine landesweite Ausgangssperre? Hier ist an die eklatanten Unterschiede zwischen Stadt und Land zu erinnern. Corona ist ein Problem der verdichtet Lebenden, also der Städter, die normalerweise hochnäsig auf die doch so kulturferne thumbe Landbevölkerung herabschauen: Landkäffer, wo man weder 'Stoff' noch Zoff kriegt innert nützlicher Frist, wo nachts Grabesstille herrscht statt einer coolen Messerstecherei – Hinterwäldler! Nun, zurzeit zeigen sich eher die Nachteile des 'Verdichtet-Lebens'. Auf dem Land merkt man gar nicht viel von den Einschränkungen. Die Bauern lassen ihre Kühe raus, bewirtschaften ihre Felder und liefern ihre Milch ab. Frohgemute Rösseler und Hündeler streifen durch die Wälder. Die Gefahr besteht allerdings, dass die Regierenden, mehrheitlich scheuklappenbewehrte Städter, nur die Stadtproblematik sehen und Massnahmen anordnen, die für die Landbevölkerung völlig unangebracht, sinnlos wären und weder akzeptiert würden noch durchgesetzt werden könnten.

Durchsetzbarkeit und Widerspruch zum Ziel der Massnahmen

Bei jedem Gesetz und auch jeder Notmassnahme muss die erlassende Stelle überlegen, ob und inwieweit das Angeordnete kontrolliert und durchgesetzt werden kann und ob die geplanten Durchsetzungsmethoden nicht dem Ziel der Massnahme widersprechen. Wenn ein ziviles Polizeifahrzeug auf der Autobahn einen über dem Geschwindigkeitslimit fahrenden PW-Lenker verfolgt und jagt, kann sich genau dies abspielen: Der PW-Fahrer interpretiert es als Einladung eines anderen Schnellfahrers und gibt noch mehr Gas, oder er versucht, den Verfolger abzuhängen. In beiden Fällen kann es zu einem konkreten Unfall kommen, mitverursacht durch die Behörde, die vom Steuerzahler beauftragt ist, genau dies, konkrete Unfälle, vermeiden zu helfen. Der überwiegende Teil unseres Strassenverkehrsrechts ist ja rein fiktional und geht von der irrwitzigen Vorstellung aus, dass jeder, der irgendwo etwas zu schnell unterwegs ist, unabhängig von der Verkehrssituation, seinem Können, seinem Gesundheits- und Wachzustand, den Eigenschaften und dem Zustand seines Fahrzeugs etc. eine 'abstrakte Gefährdung' anderer darstelle, auch wenn weit und breit keine 'anderen' vorhanden sind. Aus dieser höchst unwahrscheinlichen, fiktionalen Annahme kann durch die polizeiliche Verfolgung eine konkrete Gefährdung werden.

Probleme bei der Überwachung der bereits geltenden Massnahmen

Genau dasselbe geschieht bereits jetzt, wenn die Polizei versucht, die Einhaltung der Abstandsvorschriften zu überwachen – und es würde noch viel extremer, surrealer und damit auch lächerlicher bei einer weiteren Verschärfung der Massnahmen. Schon jetzt kollidiert eine simple Ausweiskontrolle mit Befragung, wer warum wohin unterwegs sei, mit den Abstandsvorschriften und damit mit dem offiziell deklarierten Hauptziel aller Einschränkungen, weitere Ansteckungen zu vermeiden. Der junge Polizist, möglicherweise ein Infizierter ohne Symptome, hält ein Fahrzeug an, Scheibe runter, aus 2 Meter-Distanz stellt sich der Polizist vor und ruft dem Fahrer zu, er solle seine Ausweise zeigen. Wenn es nicht regnet oder stark windet, kann der Fahrer aussteigen, die Ausweise auf die Kühlerhaube legen, wieder wegtreten, der behandschuhte Polizist schnappt sich die Ausweise, kontrolliert sie in seinem Dienstfahrzeug, indem er die Daten in seinen Laptop eingibt und gibt sie – möglicherweise kontaminiert, da er niesen musste – auf gleiche Weise dem Fahrer zurück. Wenn es regnet oder windet, wird es schon schwieriger, auch wenn der Polizist wie ein Krankenpfleger in Vollmontur erscheint. Denn nur schon um sich auszuweisen als Polizist und um seine Fragen zu stellen, die der Angesprochene nicht versteht, wenn sie durch einen Mundschutz gebrabbelt werden, entsteht ein unnötiges Ansteckungsrisiko.

Auch die Kontrolle einer Gruppe von sechs Menschen, seien es Jugendliche oder Alte aus der Risikogruppe, die sich weigert, sich aufzulösen, stellt die Kontrollorgane vor dasselbe Problem. Um sich durchzusetzen, müssen sie die Abstandsvorschriften verletzen. Sogar wenn sie die Sünder im Cowboy-Stil mit dem Lasso einfangen und abschleppen würden, könnten sie mit dem kontaminierten Lasso eine Ansteckung der Gefangenen riskieren. Denn die Chance, dass Polizisten, die ständig draussen sind und Leute kontrollieren, infiziert sind und aufgrund ihrer Jugend, Gesundheit und Fitness keine Symptome zeigen, ist recht gross. Kommt dazu, dass wohl kaum ein eidgenössischer Polizist die Lassowurftechnik beherrscht. Aber vielleicht erfindet ja ein kreativer Privatunternehmer sowas wie Wurfhandschellen? Oder die Ordnungshüter jagen die Sünder wie Schmetterlinge mit überdimensionalen Feumern?

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Monty Python, Fellini und andere Stars aus der Filmbranche hätten bestimmt ihre Freude an diesen Bildern. Doch es kommt noch besser.

Verbot, Pferde und Hunde zu bewegen

Der Präsident der Schweizerischen Verbandes für Pferdesport, der sich zurzeit wie der Direktor eines Bundesamtes immer wieder päpstlich an seine Schäflein wendet, die allesamt Zwangsmitglieder dieses privatrechtlichen Monopol-Vereins sind, zumindest wenn sie Turniere bestreiten wollen, drohte am 28.3.2020 damit, dass es zu einem Totalverbot kommen könnte, unsere Pferde zu bewegen. Abgesehen davon, dass es seine Aufgabe wäre, den überforderten Behörden klar zu machen, dass dies dem Ziel der Vermeidung von Ansteckungen nicht dienen und massiv gegen das Tierschutzgesetz verstossen würde und nicht durchsetzbar wäre, dient es mir hier als geeignetes Beispiel, um zu versuchen, die Grenzen der Akzeptanz weiterer Verschärfungen der freiheitseinschränkenden Massnahmen auszuloten.

       Ich wage die These, dass der Graben zwischen Tierfreunden und Nichttierfreunden tiefer ist als der legendäre 'Röschtigraben' zwischen Deutschschweiz und Romandie, tiefer als jeder politische Graben zwischen den Parteien und Ideologien. Tierfreunde setzen sich für ihre Tiere ähnlich ein wie 'Normalos' vielleicht für ihre Kinder. Nicht alle sagen es so laut wie ich, aber viele denken und fühlen es ähnlich: Die halbe Menschheit kann uns den Buckel runterrutschen, wenn es nur unseren Tieren gut geht. Deshalb glaube ich nicht, dass die wirklich närrischen Tierfreunde, zu denen ich mich zähle, bereit wären, eine derartige Freiheitseinschränkung ihrer Tiere zu akzeptieren. Sie würden sich grossmehrheitlich einen Deut um eine solche Massnahme scheren und weiterhin mit Pferd und Hund durch die Wälder streifen. Und jetzt bitte nochmals die Lasso-Szene mit den armen Polizisten, die ziellos und in bewegungs- und atmungsbehindernder Vollschutzmontur durch die Wälder streifen – Hufspurenlesen à la Winnetou gehört ja nicht mehr zum Ausbildungsstoff uniformierter 'Gesprächstherapeuten' – und beim Anblick eines Reiters die Verfolgung aufnehmen – aber womit? Zu Fuss haben sie keine Chance gegen galoppierende Pferde, mit Fahrzeugen auch kaum, wenn die Reiter querwaldein abhauen. Die besten Chancen verspräche vielleicht ein geländetaugliches Motorrad, aber ich bezweifle, dass die Polizei solche Dinger im Fahrzeugbestand hat – und ich zweifle noch viel mehr daran, dass es genügend Polizisten gibt in der Schweiz, die damit umgehen können; man denke auch an die Versicherung und den – zumindest im Thurgau – höher als die Auftragserfüllung rangierenden Eigenschutz der zarten Beamten. Da würde eine Töffjagd hinter auskeilenden Pferden her nur schon nicht bewilligt, weil den wertvollen Knusperjungs etwas zustossen könnte dabei – nicht auszudenken! Die Jagd könnte höchstens klappen, wenn sich die helvetischen Ordnungshüter die von ihren Kollegen in Dubai getesteten 'fliegenden Motorräder' ausleihen könnten:

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Aber ob die sich im Unterholz bewähren würden, bleibt zumindest fraglich. Doch sollten die Landjäger wider Erwarten trotzdem einmal einen ungeschickten Reiter stellen, müssten sie ihn ja vom Pferd zerren, und schon hätten wir wieder das Lasso-Problem, um eine Ansteckung zu vermeiden. Bei der Reiterjagd käme dann noch dazu, dass die bemitleidenswerten Polizisten nicht nur den Reiter möglichst unkontaminiert in eine Zelle verfrachten müssten, sondern auch noch irgendwas mit den aufgeregten Equiden anstellen müssten. Dabei kämen mutmasslich nicht nur sie selbst zu Schaden, sie würden auch die Unversehrtheit millionenteurer Sportpferde riskieren, wenn sie dumermuthweise gerade Martin Fuchs und Steve Guerdat oder sonst einen Topreiter beim Ausreiten erwischt hätten. – Durchaus lustige Filmszenen, aber im real life wohl ziemlich realitätsfern.

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Fazit: In einem demokratischen Rechtsstaat müssen Anordnungen wenigstens einigermassen sinnvoll ein Ziel zu erreichen versuchen, das von einer Mehrheit mitgetragen wird, die die Anordnungen deshalb weitgehend freiwillig einhält. Auch Typen, die von ihrer aktuellen Machtfülle berauscht sind, sollten in luziden Momenten einsehen, dass sie auf Anordnungen besser verzichten sollten, die von den Betroffenen grossmehrheitlich nicht nur nicht akzeptiert, sondern aktiv bekämpft würden und sich nur mit unverhältnismässiger Gewalt – und nicht einmal dann mit Erfolgsgarantie – durchsetzen lassen würden.

Wohnungen zumauern?

Am 30.Januar geisterte ein Video durchs Netz, das zeigte, wie uniformierte Chinesen die Wohnung eines 'Wuhan-Rückkehrers' von aussen zusperrten (www.t-online.de/nachrichten/id_87232740/aus-angst-vor-coronavirus-chinesen-in-ihren-wohnungen-eingesperrt.html). Unabhängig davon, ob das tatsächlich vorgekommen ist, kann man ein paar Überlegungen daran anknüpfen: Wäre so etwas in der Schweiz möglich und durchsetzbar? Es gibt bestimmt einige extrem Verängstigte, die ihre Hamsterkäufe längst getätigt haben und bereits jetzt keinen Schritt mehr aus dem Haus machen, die dieser Massnahme, die ja nur die andern, die bösen Sünder treffen würde, begeistert und mit tiefer Schadenfreude zustimmen würden. Aber gesamthaft wäre – so hoffe ich zumindest – der Widerstand gewaltig und die Massnahme wäre nicht durchsetzbar. Technisch ist es ja sowieso nur bei Hochhäusern, und die gibt es fast nur in städtischem Umfeld, denkbar, und auch da erst ab dem dritten Stockwerk, wo das lange Seil aus der Garage oder die im Rapunzelstil zusammengeknüpften Laken nicht mehr bis in eine springbare Höhe hinunterreichen würden. Überall sonst wäre das gewaltsame Einsperren der Menschen in ihre Behausungen schlicht nicht machbar und noch viel weniger durchsetzbar. Solche Extremmassnahmen sind m.E. nur realisierbar in einer Diktatur wie China, einem Kasernenstaat wie Nordkorea, letztlich in allen Nicht-Rechtsstaaten, in denen jede noch so absurde Anordnung durchgesetzt werden kann, indem man dagegen Verstossende öffentlich sichtbar bzw. vor laufender Kamera hinrichtet. Soweit wird es in der Schweiz nicht kommen. Da würden wohl vorher die solche Massnahmen Erlassenden aufgeknüpft und es käme zu bürgerkriegsartigen Zuständen. Die Grenze der Akzeptanz durch eine tragende Mehrheit der Bevölkerung würde m.E. bei weitem überschritten.

Ausgangssperre für Risikogruppen?

Denkbar bleibt eine Ausgangssperre in den Städten, vornehmlich für die Risikogruppen. Die im Kanton Uri kurze Zeit geltende, jetzt aber wieder aufgehobene Ausgangssperre für über 65-jährige könnte schweizweit eingeführt werden bei steigenden Infektionszahlen. Selbstverständlich könnte auch diese Massnahme nur bei Nichttierhaltern durchgesetzt werden – und auch dort nur mit den erwähnten Schwierigkeiten. Über 65-jährige Bauern mit Tieren wird kein Polizist der Welt vom Melken abhalten können, wenn er nicht im harmlosesten Fall einen Melkstuhl über den Kopf gezogen kriegen, im übleren Fall in der Jauchegrube landen will. Aber dass in den Ballungszentren die Versorgung der Risikogruppen, z.B. der über 75-Jährigen und der bereits durch andere Krankheiten Geschwächten durch ihr Umfeld und öffentliche und private Hilfsorganisationen bewerkstelligt werden könnte, scheint mir realisierbar. Da könnte ja die KESB und die neu aus dem Boden schiessenden staatsbesoldeten Corona-Careteams mal etwas brauchbar Praktisches tun? – Alle fiten Oldys würden sich wahrscheinlich umgehend einen Hund zulegen, um die Massnahme zu umgehen.

Immunitätstests

Das wichtigste und dringendste scheint mir die landesweite Möglichkeit, sich auf Immunität gegen das Virus testen zu lassen. Alle Immunen könnten subito wieder zur Schule und an die Arbeit und den gigantischen Schaden nicht nur an der Wirtschaft, sondern auch an der nationalen Psyche der vom Staat in einer Zwangsjacke gehaltenen unternehmerisch tickenden Menschen in Grenzen halten, bevor die Mehrheit in eine kollektivistische Mentalität des Am-Staatstropf-Hängens absinken, wie sie bei der exponentiell wachsenden Beamtenschaft bereits courant-normal ist.

Und nun abschliessend zurück zur eingangs gestellten Frage:

Ist der Mensch immer und in jeder Lage wichtiger als das Tier?

Nein, behaupte ich, weder 'immer' noch 'in jeder Lage'. Es mag viele geben, für die der Mensch immer oder meistens wichtiger ist als das Tier. Aber es gibt auch Tiernarren wie mich, bei denen es sogar umgekehrt ist, dass das Tier – abgesehen von ganz wenigen Ausnahmen – wichtiger ist als der Mensch. Diese Wertung muss jeder für sich selbst vornehmen. Ich kenne kein einziges überzeugendes Argument, wieso der Mensch ganz generell wichtiger sein sollte als alle anderen Mitwesen dieses Planeten. Die Tatsache, dass er als einziger fähig ist, alles Leben auf diesem Planeten zumindest kurzfristig auszulöschen, macht ihn m.E. noch nicht zur 'Corona der Schöpfung'. Wenn nun das Kollektiv die Macht hat, Regeln aufzustellen, die dem Urteil des Individuums widersprechen, so kann es versuchen, sich dagegen zur Wehr zu setzen, wenn es das Glück hat, in einem demokratischen Rechtsstaat mit Meinungsäusserungsfreiheit zu leben. Dies tue ich unter anderem mit Texten wie diesem.
       Wenn alles nichts hilft, gibt es noch den zivilen Ungehorsam. Zu diesem Mittel würde ich greifen, wenn der Bundesrat mir verbieten würde, meine Tiere richtig zu versorgen und zu bewegen, weil er fände, dass damit das Leben eines 90-Jährigen möglicherweise um ein Jahr verlängert werden könnte. Erstens behaupte ich, dass es nicht stimmt, dass niemand aus den Risikogruppen weniger lang lebt, nur weil ich mit Pferd und Hund unterwegs bin. Und zweitens: Auch wenn wider Erwarten gezeigt werden könnte, dass die Wahrscheinlichkeit einer Infektion durch meine Rumreiterei um einen winzigen Bruchteil eines Prozents erhöht würde, wäre mir in der Güterabwägung das Wohl meiner Tiere wichtiger und ich würde es trotzdem tun – und mein Pferd schon mal vorsorglich ans Geknatter geiler Motocrosstöffs und an das Rumfliegen von Lassos gewöhnen.

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Ich freue mich riesig auf Kluges, Differenziertes, Erhellendes, Kritisches und Humorvolles. Und in Umkehrung der stereotypen, mir längst zum Hals raus hängenden Mainstream-Grüsse 'Blib gsund' und 'stay at home' sage ich euch zusammen mit dem von mir hochgeschätzten Wirtschaftsprofessor Reiner Eichenberger: 'Werdet immun!' – und 'Geht raus an die frische Luft, knutscht die Wildschweine, die haben es nicht!'


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