Denk-Aufgabe 202

 

Der Herzöffner - Schlüssel zum Du

Der Schlüssel zum andern, zur Welt ist der Herzöffner - ein simpel zu handhabendes Werkzeug, das wir eigentlich immer im Gepäck dabei haben. - Herzöffner? - ja, ja, denken Sie nur an den vertrauten Büchsenöffner, das Bild ist gar nicht so schief: Sie sitzen nach dem berüchtigten Schiffsuntergang allein mit einem Haufen Büchsen auf der ebenso klischeehaften einsamen Insel - ohne Büchsenöffner.... So verschieden ist es doch gar nicht, wenn wir uns vorfinden auf dieser feindseligen Welt voll Mord und Totschlag, unverständlich agierenden und krakeelenden Menschen, wilden Tieren etc. - und wir all das, was wir als Aussen und damit bedrohlich empfinden, nicht entschlüsseln, deuten, aufmachen können. Wenn wir an der Oberfläche, an der äusseren Form hängenbleiben und nicht zum Inhalt vorstossen...Aha, und da kommt jetzt der selbsternannte Kommunikations-Guru und verkauft (gratis! noch verdächtiger, Achtung: ein Sektierer?) ein simples Instrument namens Herzöffner, das dann gleich alle Probleme in einem Aufwasch löst? Klingt nach 'Schlank-ohne-Anstrengung-Werbung'. - Na ja, vielleicht nicht alle Probleme, aber viele Wesentliche, wagen wir zu behaupten. Und das Ganze hat - wie alles einfach Klingende - einen Haken. Die Handhabung dieses Schlüssels namens Herzöffner ist nämlich an zwei anspruchsvolle Voraussetzungen geknüpft:
1. Während der Anwendung des Herzöffners müssen sämtliche Vorurteile, was richtig, wertvoll, moralisch korrekt, gut sei, wie 'man' lebt, sich verhält, denkt und fühlt, beiseite gelegt, ja innerlich zum Verstummen gebracht werden - und das, wo wir doch so saustolz sind auf all die tausend mühsam und teuer erworbenen Erkenntnisse, was garantiert richtig und - noch sicherer - was garantiert falsch sei.

2. Der Benutzer des Instruments muss für den Vorgang des Herzöffnens 'reinen Herzens' sein. Was das heisst, ist in einer Zeit, wo der höchste Wert der shareholder-value ist, recht schwierig zu erklären. Es ist der Zustand der absichtslosen Zuwendung, den von omnipräsenter Profitsucht Geprägte eigentlich nie erleben - und auch gar nicht anstreben.

Wir Kinder der globalen Marktwirtschaft schaffen es kaum mehr, überhaupt irgendetwas zu tun, ohne gleich das profitable Argument, das "um zu" mitzuliefern. Die Fokussierung auf den - in der Regel materiellen - Kundennutzen rechtfertigt erst unser Tun! Die häufigst gestellte Frage zu unserem Tun ist doch "Was bringt's?" Wer in der Antwort etwas Immaterielles, nicht gleich umrechenbar Geldwertes erwähnt, erntet Kopfschütteln, Misstrauen und wird im Wiederholungsfalle als 'psychisch auffällig' eingeliefert. Doch als Motivations-Krücke mag der beargwöhnte 'Kundennutzen' auch hier dienen: Er liegt für den Herzöffner-Anwender in der Erhöhung seines Glücksempfindens dank Wegfall von (letztlich immer eigenen!) Widerständen. Das Ziel ist ja Erkenntnis dessen, was den andern im Herzen bewegt. Hat man dies aber wahrgenommen, kann man sich leichter auf den Stand-Punkt des andern stellen, die Welt aus dem Blickwinkel des andern Herzens erkennen und so den Geöffneten ver-stehen. Wer dies tut, um das geöffnete Herz des andern zu beeinflussen, zu einer Kaufsentscheidung zum Beispiel oder generell zur Machtausübung, der ist bereits in die Um-Zu-Falle getreten, ist nicht mehr absichtslos in seiner Zuwendung und wird erleben, wie blitzartig sich das geöffnete Herz wieder schliesst - oft definitiv oder zumindest fester als zuvor: 'Man merkt die Absicht und man ist verstimmt'. Also los denn! Vorurteile weg + 1 Esslöffel absichtslose Zuwendung = ? Sie werden staunen, was da abgeht, sogar - insbesondere! - bei vermeintlichen Gegnern, Todfeinden oder sonstwie Abgelehnten. Aber Achtung: Herzöffner sind sehr individuell, und es braucht eine gehörige Portion Offenheit, das Entdeckte - den Büchseninhalt! - auch zu genehmigen...