ACHTSAM MANAGEN?

 

Macht der Kabarettist ein zynisches Witzchen? Contradictio in adiecto schon im Titel? Nach all den nunmehr plattgewalzten Abzockermanager-Geschichten kann man die geschundene, neudeutsche Vokabel managen wohl kaum mit dem wunderbar frisch duftenden achtsam zusammenpappen? - Erst recht, finden wir und setzen munter noch eins drauf:

Achtsame Unternehmensführung ist das Erfolgsrezept der Zukunft.

Die Herausforderung liegt jetzt bei uns, zu zeigen, was es denn mit dem Zauberwörtchen achtsam für eine Bewandtnis hat. - Übrigens, wenn ich wir sage, ist das nicht ein Möchtegern-Pluralis maiestatis, sondern ein Hinweis darauf, dass ich den Begriff der Achtsamkeit weder erfunden habe noch ihn spontan-intuitiv oder gar 'channelnd' mit magie-schwangerer Bedeutung vollpfropfe. Grössere Geister haben vor Jahrhunderten schon eine Kultur der Achtsamkeit gepredigt. Und ich bin als Schreiber dieser Zeilen auch nicht ganz auf mich allein gestellt, wenn ich jetzt ein paar Schritte in die gleiche Richtung mache. Es ist nur nicht - noch nicht - in-hip-trendy, aber vielleicht hilft mir ja Lifestyle-Guru Tyler Brûlé, wenn's ihm langweilig wird mit Klamotten und Design-Ramsch. Zumindest die Wellness-Welle hat uns doch längst erreicht. Da gibt es doch schon einige Zeitgenossen, die ihrem 'Body' durchaus achtsame Zuwendung angedeihen lassen. Ist es da so abwegig, nebst dem Körper auch noch die meist weniger beachteten 'Innereien' wie Seele und Geist mit achtsamer Wellness zu überspülen?

Heute ist es vor allem der buddhistische Mönch Thich Nhat Hanh, der Schritte der Achtsamkeit macht und lehrt. Nur begegnen sie sich kaum, oder die Lücke bleibt zu gross zwischen dem Barfussprediger und dem CEO, als dass der Funken spränge. Viele klinken schon aus bei der Aufforderung, achtsam zu atmen, wo sie doch das vermaledeite Quartalsergebnis einfahren sollten, das angesichts der elenden Flaute so hoch angesetzt ist, dass der Atem verständlicherweise eher stockt als frei fliesst. Achtsam die seit Ewigkeiten dahindümpelnden Aktienkurse verfolgen, das schon. Und achtsam auf das Wackeln des eigenen Sessels achten, das auch. - Wobei in den letzten zwei Sätzen das Wort achtsam unseres Erachtens fehl am Platz ist. Denn beides tut der gestresste Manager mit Angstperlen auf der Stirn. Er tut es vielleicht umsichtig, vorsichtig, akribisch - einverstanden, aber nicht achtsam. Der Unterschied liegt im Motiv, in der Befindlichkeit dessen, der vorsichtig oder eben achtsam ist. Vorsicht impliziert Angst, ist eine Gegenmassnahme gegen die Angst, Achtsamkeit impliziert den Gegenpol von Angst, also Liebe - und falls einem coolen Turnarounder dieses Wort zu kitschig oder privat ist, sagen wir halt Offenheit und Zuwendung. Auch das sind brauchbare Antipoden zur Angst, die ans lateinische angustus = eng gemahnt, abwehrend und sich (vom Angstauslöser) abkehrend assoziiert.

Wir möchten Lust auf Achtsamkeit wecken und zeigen, dass sie sich leicht und Erfolg versprechend in den Manager-Alltag einbauen lässt - auf die Dauer sogar höchst rentabel. Achtsamkeit hört nämlich nicht auf, wenn es um ganz konkrete, materielle Dinge geht wie Geld und Arbeitsplatz. Wir möchten zeigen, dass da ein Hinterbau ist, der eine Wirkung hat wie der berühmte Stein, den wir ins ruhige Wasser plumpsen lassen: Konzentrische Kreise wandern nach aussen, strahlen immer weiter - in der Mitte bleibt der achtsame Unternehmensführer.

Allerdings sind wir nicht so überheblich zu glauben, wir könnten hier mit ein paar Worten vermitteln, was Achtsamkeit meint. Es geht sowieso - wie bei allen wirklich bedeutenden Dingen - nicht allein über die Sprache und die Ratio, die in der rechten Gehirnhälfte beheimatet ist. Wir müssen schon das ganze Hirn, Körper und Seele dazunehmen, wenn wir Achtsamkeit ausloten wollen. Aber wir können hier zumindest versuchen, eine Brücke zu bauen zu einem bereits vertrauten Begriff in der Wirtschaftswelt, zur Nachhaltigkeit, die wir für Formelfreudige sogar in eine nicht ganz ernst gemeinte Formel packen:


achtsam = nachhaltig x Pi

Es muss nicht der Faktor 3,14159 sein. Aber die Formel soll zeigen, dass in der hier vermittelten Begriffshierarchie Achtsamkeit ein viel umfassenderer Begriff ist als Nachhaltigkeit. Letztere ist salopp gesagt das ökologisch verantwortungsbewusste Handeln eines Unternehmens erweitert um das sozial verantwortungsbewusste Handeln. Achtsamkeit implementiert aber noch einige Dimensionen mehr:

Achtsam sein heisst bewusst, wach, offen, verantwortlich und doch ganz präsent im Augenblick, konzentriert und doch ganzheitlich wahrnehmend, sich liebe- und respektvoll einem Wesen oder einer Sache zuwenden, die ganze Aufmerksamkeit schenken aus einem Gefühl der Kraft, der Freiheit und der angstfreien Gebe-Bereitschaft heraus.

Was zuerst widersprüchlich klingt, nämlich gleichzeitig sich verantwortlich zu fühlen, was nur möglich scheint, wenn wir die Zeit- und die Raumdimension, Vergangenheit und Zukunft, Subjekt und Objekt einschliessen, aber auch ganz präsent im Hier und Jetzt zu sein, was Zeit und Raum gerade ausschliesst; dazu im gleichen Atemzug fokussiert und ganzheitlich wahrzunehmen - dieses scheinbare Paradox erschliesst sich mit den ersten Achtsamkeitsübungen.

Achtsamkeit gehört wie Liebe (die spirituell-bedürfnislose, nicht die körperlich-bedürftige) zu den ganz seltenen Produkten, die sich durch Einsatz, Verwendung bzw. Absatz nicht verringern, sondern erneuern, ja oft sogar exponentiell vervielfachen. Allein schon diese Tatsache sollte jedes Unternehmerherz höher schlagen lassen. Das Bild trifft sogar sehr genau in die Mitte, ins Herz. Es braucht zum Verstand auch noch das Herz, um diese beiden Produkte und ihr Potenzial überhaupt zu entdecken. Wer dann noch erkennt, dass beide beliebig erneuerbar, in unendlichen Mengen vorhanden und von jedem Mitarbeiter bei sich selbst abrufbar sind, sollte auch als kaltrechnender Ökonom freudige Wärme spüren.

Die ersten Übungen macht man am besten mit sich selbst, und man wird erstaunt feststellen, wie wenig achtsam die meisten von uns nur schon mit dem eigenen Körper umgehen, von Geist und Seele ganz zu schweigen. Haben wir aber einmal gelernt, achtsam mit uns selbst zu sein, fällt der achtsame Umgang mit dem Aussen, anderen Menschen, Tieren, der Natur, der ganzen Umwelt, vergleichsweise leicht.

Wir sind zusammen mit ausgewiesenen Fachleuten am Aufbau von Lehrgängen zur Achtsamkeit, von Achtsam Atmen über Achtsamkeit in Beziehungen bis zu Achtsame Unternehmensführung.

Schreiben Sie uns doch ein achtsames Mail zum Thema - ja, ganz vergessen: Achtsam kommunizieren ist natürlich auch ein Lehrgang!