Arbeit

Arbeit ist Gnade. Kampf um sinnstiftende Arbeit. Ansprache - Antwort - Verantwortung. Dialog von Inhalt und Form. Inhalt in Form kleiden = Information. Arbeit bis ans Lebensende. Vom Tun zum Sein.


1. Müssen oder Dürfen?

Arbeit eine Glücksroute? Ist denn Arbeit nicht gerade das Gegenteil von Glück? Je weniger wir arbeiten müssen, desto glücklicher sind wir? Kämpfen nicht Gewerkschaften aller Länder seit Jahrzehnten um immer kürzere Arbeitszeiten? Ist nicht der Grundgedanke aller westlichen Sozialstaaten gerade der, die Arbeit, diese Mühsal, zu reduzieren? Die Kämpfe ums Rentenalter: Geht es nicht immer darum, weniger lang arbeiten zu müssen, das Rentenalter nach untern zu verschieben? Oder gibt es Gruppierungen, die dafür kämpfen, länger arbeiten zu dürfen? Nicht einfach mit dem Erreichen eines bestimmten Alters unabhängig von Arbeitsfreude und -fähigkeit aus dem Arbeitsprozess zwangsentfernt zu werden?

Und wie ist es mit dem vielgepriesenen technischen Fortschritt der letzten rund 200 Jahre? Ging es nicht immer um Wegrationalisierung der Arbeit? Jede Maschine machte sinnvolle Arbeit für viele unnötig und schuf dafür sinnentleerte Arbeit für wenige. Und immer noch träumen Technologen von Erfindungen, die uns dereinst jegliche Arbeit abnehmen werden, sodass wir in paradiesischer Freiheit… ja was eigentlich? - uns den Freizeitaktivitäten widmen können, die sehr oft viel schweisstreibender und stressreicher sind als die meisten Arbeiten? Die oft keinen Sinn stiften, sondern einfach unserer Beschäftigung und Lustbefriedigung dienen. Könnte es vielleicht sein, dass ein gewisses Mass an Schweiss und Stress durchaus bekömmlich, ja notwendig ist für uns Menschen, damit wir uns gut fühlen? Und wie steht es mit dem Sinn?

Zugegeben, in den letzten Jahren mit zunehmender Arbeitslosigkeit auch in den reichen Industrieländern, ist da und dort ein leises, zartes Erwachen festzustellen. Wer einmal längere Zeit ohne Arbeit war, stellt in aller Regel fest, dass da noch etwas anderes dran sein muss als Mühsal und Plage. Aber das Riesengeschrei um Arbeitsplätze bedeutet noch lange nicht, dass der Wert der Arbeit an sich erkannt wurde. Da geht es nur um das, was die Arbeit materiell einbringt: Geld zum Leben. Meine These geht aber viel weiter, als dass Arbeit wichtig sei für das materielle Überleben. Ich behaupte, sinnstiftende Arbeit sei von höchster Wichtigkeit für das emotional-geistige Leben und sei Vorbedingung für jegliche Spiritualität.


2. Was ist Arbeit?

2.1. Versuch einer Definition
Ich halte es besonders bei Allerweltsbegriffen wie Glück, Liebe oder Arbeit für besonders wichtig, klarzulegen, was ich darunter verstehe, um Missverständnisse in Grenzen zu halten. Auch wenn es kaum gelingt, eine allgemein akzeptierte Definition vorzulegen, so ist doch immerhin für das begrenzte Umfeld dieses Textes eine Referenz geschaffen, auf die wir uns beziehen können:

Arbeit ist ein Tun, das auf ein anderes Ziel als den reinen Zeitvertreib gerichtet ist.

Oberbegriff ist also Tun, Gegenpol innerhalb des Tuns wären die Zeitvertreibs-Aktivitäten, differentia specifica die Ausrichtung auf andere Ziele. Damit die Definition aber plastisch wird und etwas Farbe bekommt, müssen wir diese 'anderen, nicht auf reinen Zeitvertreib ausgerichteten Ziele' mit etwas Inhalt füllen:

2.2. Ziele der Arbeit?
Vordergründigstes Ziel der Arbeit ist in den meisten Fällen Materielles wie Geld oder geldwerte Güter. Aber das ist längst nicht alles. Der angestrebte Return kann immaterieller Natur sein. So kann es darum gehen, ein emotionales oder geistiges Bedürfnis - ein eigenes oder dasjenige eines andern oder einer Gemeinschaft - zu befriedigen durch Arbeit. So kann man sich eine Kompetenz erarbeiten wie das Beherrschen einer Sprache, eines Instrumentes, einer Maschine. Ob bei der Erarbeitung dieser Kompetenzen bereits an eine spätere Umsetzung in bare Münze gedacht wird und ob sich diese Absicht je realisiert, ist nicht relevant für meinen Arbeitsbegriff. Auch die meist vom simplen Wirtschaftsleben 'Leistung gegen Geld' abgekoppelten Aktivitäten wie das Führen eines Haushalts, das Aufziehen von Kindern und alle sogenannten ehrenamtlichen Tätigkeiten für eine kleinere oder grössere Gemeinschaft fallen unter meinen Arbeitsbegriff. Auch wenn das Ziel in den meisten Fällen eine äusserlich sichtbare Form von Anerkennung beinhaltet wie Geld, Güter, Dank, Applaus, Zufriedenheit oder gar Glück anderer Menschen, Tiere, das Aufblühen von Pflanzen, so ist diese äussere Sichtbarkeit des Returns doch nicht zwingend. Gerade beim erwähnten Beispiel des Erarbeitens von theoretischen oder praktischen Kompetenzen kann es zumindest Jahre dauern, bis sich das Ziel der Arbeit auch äusserlich manifestiert und damit das Umfeld überhaupt Gelegenheit erhält, der Arbeit in irgendeiner Weise Anerkennung zu zollen. Wer solche Arbeit leistet, muss die nötige Kraft haben, sich zumindest während der langen Zeit der 'Arbeit im Stillen' den Return innerlich selbst zu geben oder er muss das Glück haben, ein Umfeld zu haben, das die geleistete Arbeit auch anerkennt und lobt, bevor sie sich äusserlich niederschlägt. Umgekehrt ist die Einsicht in diesen Zusammenhang eine Aufforderung an uns alle, nach solcher still geleisteter Arbeit in unserem Umfeld zu fahnden und den sie Leistenden motivierende Anerkennung zu geben.

Zusammengefasst kann Ziel der Arbeit die Befriedigung materieller (z.B. Geld), emotionaler (z.B. Anerkennung) und geistiger Bedürfnisse (z.B. Kompetenzen) des Einzelnen, einer kleineren oder grösseren Gemeinschaft sein. Ich postuliere nun darüber hinaus ein weiteres Ziel der Arbeit: Arbeit dient der Befriedigung spiritueller Bedürfnisse. Je nach Entwicklungsstand des Arbeitenden ist ihm dies mehr oder weniger bewusst. Aber Arbeit ist meines Erachtens der für die meisten Menschen naheliegendste Weg, Gemeinschaft zu erfahren, die Verbundenheit mit anderen Wesen und Dingen, auch mit den sogenannten 'Produktionsmitteln' und letztlich die Vernetzung mit allem, was ist, zu erleben. Natürlich ist das ein langsamer Prozess und je nach Art der Arbeit erfahren wir mehr oder weniger intensiv zuerst einmal die Abgrenzung zwischen uns und den andern z.B in der Konkurrenzsituation innerhalb und ausserhalb unseres Arbeitsumfeldes. Aber wer nicht innerlich zubetoniert durch's Arbeitsleben geht, erlebt immer wieder auch die Kraft der Gemeinschaft, die Energiefelder, die entstehen, wenn mehrere Wesen miteinander schwingen, 'am gleichen Strick ziehen', ihre Anstrengungen bündeln und auf gemeinsame Ziele fokussieren. Das Bewusstmachen dieser hier als 'spirituell' bezeichneten Komponente der Arbeit ist der Grund, warum ich Arbeit als höchst geeignete Glücksroute betrachte.

2.3. Abgrenzung zum Zeitvertreib
Arbeit kann durchaus auch Zeitvertreibs-Charakter haben, aber dies darf nicht das einzige und nicht das Hauptziel sein. Wenn ein paar Menschen zusammen spielen, und neben dem Zeitvertreib auch noch 'die Kameradschaft pflegen', so ist das keine Arbeit im definierten Sinne. Sobald aus dem Spiel aber eine intensive zielgerichtete Tätigkeit wird wie z.B. bei einem Fussballteam mit Berufsspielern, so wird es Arbeit. Wer beglückende und sinnstiftende Arbeit macht, wird sie immer wieder auch als 'guten Zeitvertreib' erleben, aber nicht ausschliesslich und immer. So taugt das Lustprinzip durchaus als psychologisches Unterscheidungskriterium: Arbeit ist dasjenige Tun, von dessen Notwendigkeit wir im Grundsatz überzeugt sind, dem wir uns aber auch stellen, wenn es uns einmal nicht drum ist. Arbeit ist also von uns als notwendig erachtetes Tun, das zumindest mittelfristig über die reine aktuelle Lustbefriedigung hinausgeht.

2.4. Abgrenzung zu 'Arbeit als Resultat eines Tuns'
Ich meine mit Arbeit nur das Arbeiten, das Tun, die Aktivität und nicht etwa das Resultat dieses Tuns, wie wir es in sprachlichen Wendungen vorfinden wie "Das ist eine gute Arbeit". Resultat- und insbesondere geldwertorientierte Betrachtung der Arbeit subsumiert hingegen auch aus Nichts-Tun entstandene Resultate unter den Arbeitsbegriff. Für mich muss Arbeit aber ein TUN sein. Dasitzen und warten, wie die Zinsen einer Investition hereinfliessen, fällt für mich nicht unter den Arbeitsbegriff, obwohl mit dem geldwerten 'Return' für viele die wesentliche Komponente gegeben ist. Arbeit ist aber für mich nicht alles, was einer Person zu Geld oder geldwerten Gütern verhilft. Geldanlage kann durchaus Arbeit sein, aber nur, wenn sie Tun, Aktivität erfordert.

2.5. Abgrenzung zum 'Job'
Arbeit meint das Tun, 'Job' meint ein arbeitsvertragliches Verhältnis, in der Regel eine Anstellung, einen Auftrag oder Werkvertrag. Ein Job kann mit Funktionstiteln dekoriert sein, und je anerkannter und/oder lukrativer der Job ist, desto grösser ist die Gefahr der Über-Identifikation. Sie kennen alle die Menschen, die bei jeder passenden und vor allem auch bei jeder unpassenden Gelegenheit alle, die es gar nicht wissen wollen, wissen lassen, bei welcher renommierten Bude sie in welcher eminent wichtigen Funktion tätig seien. Und wehe, Sie zeigen sich nicht tief beeindruckt. Eigentlich ein verständliches Buhlen um Anerkennung, um Zuwendung, ein kindlicher Schrei nach der Bestätigung: 'Gell, ich bin wichtig und liebenswert?' Dieser Schrei nimmt - je öfter er überhört wird - auch unübersehbare Formen an wie Autos, Häuser, Schmuck, Yachten und vieles mehr. Traumatisch wird für solche Menschen logischerweise der Moment, wo sie diesen Job verlieren, mit dem sie sich so sehr identifizierten. Die Identifikation bezog sich ja nicht auf die Arbeit an sich, sondern auf deren gesellschaftliche und meist auch monetäre Bedeutung. In einer Zeit mit einem derart einfachen Paradigma wie der unsrigen, in der sich der Wert eines Menschen und damit auch der Wert einer Arbeit primär an der Anhäufungskapazität materieller Güter misst, kann ein solcher Job-Verlust eine grosse Krise - eben eine Identitätskrise auslösen. Wenn ich in der Folge dem Kampf für sinnstiftende Arbeit das Wort rede, so meine ich nicht die Jobs und das verzweifelte Festklammern an ihnen.


3. Arbeitskampf?

Wenn es sich für irgendetwas zu kämpfen lohnt, dann für sinnstiftende Arbeit. Natürlich meine ich damit nun nicht plötzlich einen Kampf im Aussen, Demonstrationen auf der Strasse, nachdem ich auf vielen Seiten darzulegen versuchte, dass die Welt ein Spiegelbild unseres Innern ist. Wenn es in unserem Inneren Sinn und sinnvolle Arbeit gibt, dann finden wir sie auch im Aussen. Aber ich meine sehr wohl, dass es sich lohnt, im Innen dafür zu kämpfen und nicht ins sozialistische Fahrwasser der Arbeitsvermeidung, der Arbeitsverunglimpfung zu geraten, wo Arbeit oft nur gerade als notwendiges Übel, als bejammerte, aber leider noch nötige Voraussetzung für materielles Fortkommen angeschaut wird.

Es lohnt sich aber insbesondere, für Sinnstiftung zu kämpfen. Es liegen Welten dazwischen, ob wir uns einen Beruf, eine Arbeit auswählen unter dem Gesichtspunkt des materiellen Verdienstes und vielleicht des Ansehens, das die Tätigkeit in der Gesellschaft hat oder ob wir den Aspekt der Sinnstiftung in den Vordergrund rücken. Können wir auch mit Herz und Geist hinter diesem Beruf, hinter dieser Arbeit stehen? Oder verachten wir uns innerlich dafür, tun es aber, weil es uns soviel materiellen Wohlstand bringt?


4. Sinnstiftende Arbeit?

Was heisst 'sinnstiftend'? Wer einen Sinn stiften will in seiner Arbeit, muss ja zuerst einen Sinn finden im Leben? Wer sich als ein Zufallsprodukt der Evolution ansieht, das sinn- und zwecklos in die Welt geworfen wurde und sich hier irgendwie von der Wiege bis zur Bahre durchschlagen muss, wird wohl auch keinen Sinn in der Arbeit finden, der über die reine Überlebenssicherung hinausgeht. Er misst dann verständlicherweise die Arbeitsqualität an der Überlebenssicherungsqualität und da gilt klar die Arbeit desjenigen mehr, der mit weniger Aufwand sausbrausiger überlebt. Und am meisten gilt logischerweise der, der überhaupt nichts mehr tun muss, weil er über soviel überlebenssichernde Güter verfügt, dass er bei allen Börsen- und sonstigen Sprüngen kaum alles verschleudern kann bis zum Tod.
Wer also den einzigen Sinn in Leben und Arbeit im Anhäufen von überlebenssichernden materiellen Werten sieht, bleibt in seinem ganzen Denken und Handeln auf der materiellen Ebene stecken. Sein Fokus ist die Form. Und der Sinn, den ich mit dem Begriff Sinnstiftung anpeile, gehört in den Bereich der Inhalte. Der Zugang zu den Inhalten führt über die Form. Wer Sinn sucht und Sinn stiften will, flieht nicht in irgendwelche abgehobene Sphären. Er setzt sich mit der Form auseinander und versucht, den dahinter liegenden Inhalt, die Bedeutung der Form, ihren Sinn zu finden. Er betrachtet die physische Form und sucht dahinter den meta -physischen Inhalt, den Sinngehalt der Form.


5. Dialog zwischen Inhalt und Form

So harmlos der Unterschied vielleicht klingt zwischen der reinen Form-Orientierung, also dem Fokus auf ein möglichst unbehelligt-angenehmes Überleben, und der Inhalts-Orientierung, also dem Fokus auf das hinter der Physis liegende Metaphysische, so gross sind doch die Konsequenzen. Denn der Inhalts-Orientierte findet letztlich in allen äusseren Manifestationen, also auch in allem, was ihm das Schicksal bringt oder 'in den Weg legt', einen Sinn. Er ist zutiefst einverstanden mit sich und der Welt, ist beständig auf Sinnsuche und versucht, selbst Sinn zu stiften, wo er ihn nicht schon vorfindet. So entsteht ein Dialog zwischen Inhalt und Form. Er sucht den Inhalt in der Form. Hat er den Inhalt, den Sinn erkannt, setzt er ihn nach den ihm zu Gebote stehenden Möglichkeiten wieder in Form um. Die von ihm erzeugte physische Form, das In-Form-Bringen oder die In-Formatio, die Information dient ihm und andern wieder zum besseren Begreifen, Erfassen des metaphysischen Inhalts. Diesen dialogen Prozess meine ich mit sinnstiftender Arbeit. In einem andern Bild: Der Sinnstifter fühlt sich von der Welt der Formen angesprochen und versucht, durch seine Decodierung der Form, der Erkenntnis des Inhalts und der Umsetzung in eine neue Form, eben der Information, auf diese Ansprache zu antworten. Indem er mit seiner sinnstiftenden, vom gefundenen Inhalt befruchteten und somit inhalts-reichen Arbeit antwortet, nimmt er Ver-Antwortung wahr. Diese Scharnierfunktion der Information ist das gemeinschaftsbildende Element, denn die Arbeit des Inhalts-Orientierten dient nicht nur seinem eigenen besseren Verständnis der Form, sondern ist immer auch ein Angebot an alle andern, sich zu in-formieren, sich ins Bild zu setzen, sich über die Neu-Einkleidung einen Zugang zum von ihm entdeckten Inhalt zu verschaffen.

Haben wir nicht alle das Bedürfnis, unsere Entdeckungen weiterzugeben, mitzuteilen, andere darüber zu informieren? Das Bedürfnis wird ab und zu von Angst oder von Geldgier zugedeckt, nämlich dann, wenn wir befürchten, dass andere Profit aus unserer Entdeckung schlagen könnten. Aber grundsätzlich ist die Lust zu teilen, mitzuteilen tief in uns drin. Musik, Tanz, bildende Kunst,aber auch Literatur sind wundervolle Beispiele für diese unmittelbare Lust, anderen Entdecktes weiterzugeben, ihnen Zugang zu vom Künstler erfahrenen Inhalten zu verschaffen.

So wird vielleicht klar, dass es bei dieser sinnstiftenden Arbeit für den Inhalts-Orientierten um viel mehr geht als um materiellen Wohlstand und körperliche Überlebenssicherung. Es geht um das sinnvolle Tun an sich, das in der ersten Lebenshälfte unser Erwachsenwerden initiiert und in der zweiten Lebenhälfte den Boden bereitet für die Ausbalancierung von Tun und Sein und damit für die spirituelle Entwicklung.


6. Sinnvolle Arbeit

Aber auch wer vordergründig und prioritär diesseitiges Glück anstrebt ist gut beraten, wenn er Sinn in seiner Arbeit sucht. Wir können den Begriff ja von spiritueller Überhöhung befreien und ganz einfach von sinnvoller Arbeit sprechen. Arbeit, hinter der wir stehen können, mit der wir irgendetwas unterstützen, was uns sinnvoll scheint, von der Ernährung über die Bekleidung bis zu allen möglichen Dienstleistungen für andere Menschen, Tiere oder die Natur. Wir fühlen uns einfach besser, wenn wir sinnvolle Arbeit leisten können, für die wir auch Anerkennung erhalten. Hand auf's Herz: Sicher ist gute Bezahlung für gute Arbeit auch eine angenehme Art der Anerkennung, aber wann hat Ihnen Ihre Arbeit am meisten Freude gemacht? War es nicht immer dann, wenn Sie andere glücklich machen konnten damit, wenn andere strahlten und ihrer Freude vielleicht auch mit einem Dank Ausdruck verliehen? - Und war es nicht jedesmal so, dass Ihnen dieses Strahlen, diese beglückende Wirkung Ihrer Arbeit Flügel verlieh? Dass Sie neue Energie tankten daraus und mit noch grösserem Elan an die nächste Arbeit gingen?


7. Arbeit bis ans Lebensende

Wenn Sie je irgend so etwas erlebt haben, können sie doch nicht weiterhin den Kampf gegen die Arbeit unterstützen? Dann wird doch unser Sozialstaat überall dort, wo er über reine Nothilfe hinausgeht, zur Farce, zum Boomerang? - Ich für mich bin in der glücklichen Lage, dass mich mit 65 niemand auf den Schrotthaufen wirft, niemand mir sagen kann, ich sei jetzt ausgeschlossen von dem wunderschönen Zyklus arbeiten - Inhalte erkennen - sie neu in Form umsetzen - informieren bzw. Arbeit zur Verfügung stellen - Anerkennung für die Arbeit erhalten und geben - andere beglücken und beglückt sein - weiterarbeiten. Aber wer irgendwo in einer Angestelltenposition ist, dem blüht dieser Tag. Dann braucht es Kraft zu neuer Sinnstiftung. Dann muss man sich selbst eine neue, sinnvolle oder eben sinnstiftende Arbeit suchen und diesen Zyklus mit anderen Beteiligten neu erschaffen. Alle alten Menschen, die ich als glücklich erlebe, leisten weit über ihre 'Pensionierung' sinnvolle, sinnstiftende Arbeit und bleiben angeschlossen an den Zyklus. Sicher kann und soll sich die Gewichtung von Tun und Sein ändern: Richtung Balance. Sicher kann und soll sich das Mass von Schweiss und Stress altersgemäss anpassen: Der äusserliche Schweiss mutiert zu verstärkt inneren Anstrengungen, der jugendliche Stress weicht zunehmender Gelassenheit und Ausbalanciertheit. Aber ich kenne keinen einzigen Menschen auf der Welt, egal welchen Alters, der glücklich ist ohne die geringste sinnvolle Arbeit. Wenn ein Erleuchteter ganz zum Schluss seines Lebens ins reine Sein abtaucht, dann hat er sich tatsächlich über das Tun hinausentwickelt. Aber dieser Entwicklungsstand ist gleichbedeutend mit dem Ausstieg nicht nur aus dem Erdenleben, sondern auch aus dem 'Rad der Wiedergeburten', aus dem repetitiven Wechsel der Seins-Modi 'Im-Diesseits-Sein' - 'Im-Jenseits-Sein'. Diese Stufe ist ganz wenigen Gottessöhnen und Erleuchteten vorbehalten, die wir hier im Zusammenhang mit unseren Überlegungen zur Arbeit als Ausnahmen ausklammern dürfen. Wir merken's dann schon, wenn wir irgendwann in den nächsten paar tausend Jahren dorthin gelangen. Dann können wir tatsächlich nebst allem anderen auch die sinnstiftende Arbeit verabschieden.

Und wer jetzt noch Lust auf Arbeit hat, die mehr ist als Lesen, die aber doch auf dem Gelesenen aufbaut, ist herzlich eingeladen, sich an den drei Übungen zu schaffen zu machen. Zeitbedarf? - Übung 1 und 2 je ein paar Stündchen, für Übung 3 sollten Sie ein paar hundert Jährchen budgetieren...

Übung 1: Macht meine Arbeit Sinn?

Übung 2: Wo kann ich Sinn stiften in meiner Arbeit?

Übung 3: Sich gegenseitig informieren