Denk-Aufgabe 802 vom 5.1.2008

 

Weltenretter Rilf

 

Gottlob haben wir den Rilf!
Die Welt stünd ohne ihn im Schilf!
Falsch! Auch Schilf gäbs keines mehr
und nirgendwo ein reines Meer.

Auch die Luft gibts nur dank Hilf'
von dem lieben, guten Rilf,
der bekämpfet einsatzfroh
weltenweit das Ce-O-Zwo!

Fährt mit seinem grossen Wagen
auch bei vagen Wetterlagen
zu den Menschen; es zu sagen,
was ein jeder beizutragen:
Einzuschränken Maul und Magen,
sich nicht mehr so vollzuschlagen,
mit Karossen rum zu jagen
in chemisch reinen Hemdenkragen -
statt das Tun zu hinterfragen,
über Artenschwund zu klagen,
aufzuhörn mit feigem Zagen
und mit ihm den Aufstand wagen.

"Nur – noch nicht gleich jetzt und heute!
Denn, ihr lieben Gfolgschaftsleute,
vorerst braucht es ein Konzept,
sonst stehen wir dann ganz bedeppt
wie die Toren vor den Toren
der Gewalt, mit kalten Ohren.
Nein, zuerst die Strategie!
Ich erklär' euch was und wie:
Wir marschieren ohne schonen
quer durch Institutionen.
Ich bring ein Opfer, wähl die Bank,
nehme auf mich den Gestank
des Geldes, werde vielleicht krank.
Doch es ist mir eine Ehre:
Ein wahrer Führer tut das Schwere!"

Tosend brandet der Applaus!
Ja, es wackelt gar das Haus,
so begeistert sind die Seinen,
die es ihm gelang zu einen.
Und kein Ende nimmt das Schallen
bis die Mauern alle fallen
Und den Rilf samt seinen Knaben
Alle unter sich begraben.

Doch wer will die Mauern schelten
dass sie unserm grossen Welten-
Retter sich als Mörder-Steine
in den Weg – nein auf die Beine
legten und die Weltenkarten
drum auch fürderhin drauf warten
müssen neu gemalt zu werden:
Vom Amazonas bis zum Stilfs-
erjoch trüg all's die Farben Rilfs –
'Trüge' oder 'trög' der Schein? –

Gott sei Dank muss das nicht sein.
Ruhig geht die Welt zugrunde
Ohne Rilf und seine Kunde
Denn in der vorletzten Runde
Hörte man vom Artenschwunde
Dass den Rilfen schlug die Stunde.

Verdächtig kurz die Abschiedstrauer
Ja man dankte gar der Mauer:
Welch ein Leben! Donnerwetter!
Ohne Rilfsche Weltenretter!

Lasst uns feiern, lasst uns lachen
Und verbot'ne Dinge machen
Neu gestalten, nicht nur erben
Und im Abenteuer sterben

Wir leben und wir sterben prima
Ohne griesgram-rilfsches Klima.
Lasst uns, wie der Wind im Schilfe
fröhlich pfeifen auf die Rilfe!

Was gibts denn da zu denken? Die verantwortungslosen Gesellen in diesem politisch höchst unkorrekten, klimatisch völlig untrendig, bestenfalls antizyklisch daherkommenden Gassen-Poem haben ja bereits mit Denken aufgehört, oder nicht? Aber wirken sie nicht ekelhaft glücklich? - Nun gut, es könnte ja eventuell rein theoretisch ganz hypothetisch ja sein, dass pures Denken gar nicht glücklich macht. Vielleicht müsste man auch als tiefernst von seiner Mission erfüllter Faktengläubiger ab und zu über das Spüren nachdenken oder dem Denken nachspüren? Lassen Sie es mich spüren, falls beim Denken übers Spüren spürbar Denkwürdiges herauskommt. Übrigens: Kennen Sie auch Rilfe? Also - sie müssen ja nicht zwingend Rilf heissen, das ist ja mehr des Reimes wegen. Oder finden Sie das Poem gar ekelhaft, weil Sie selbst Rilfisches in sich spüren und gar nicht über dieses Spiegelgespür nachdenken wollen? - Und das im Januarloch! Aber vielleicht werden Sie KönigIn morgen, sind es, waren es, spüren, wie es war, ist, sein könnte, und wie es die Januarlöchrigkeit etwas vergessen macht...