Denk-Aufgabe 803 vom 17.1.2008

 

Fundament A List

Auf ihrem Fundament
A List vergnüglich pennt
Bis sie mit Schreck erkennt:
'Frau Sau hat es durchschaut,
Dass ich auf Sand gebaut!'

Die List, sie denkt sich: 'Mist,
Wenn ihrs nun alle wisst!'
Sie schminkt sich und sie rennt
Hinweg vom Fundament.

Dies bleibt allein zurück
Ein klobig-festes Stück
Doch Fest-Sein ist nur Schein
Und Schein ist Trug und List!

Die List – in diesem Sinn
War also wieder drin
Wenn auch nicht mehr getragen
Viel mehr wie Schaum geschlagen
Durchmischt mit diesem Sockel
Auf dem zuvor als Gockel
Sie eitel-schlau gethront.
Davor sind wir verschont

Uns bleibt – ohne zu flennen –
Mit Schaudern zu erkennen
Dass so ein Fundament-
A-List bleibt unzertrennt

Wenn Fundament UND List
Ganz dicht beisammen ist
Sich ineinander frisst
Entsteht – wie frisch bepisst –
Der Fundament-A-List

Er hat ein fettes Ich
Und überlistet SICH
Und manchmal auch Kollegen
Die draussen stehn im Regen
Nicht wissend, was zu tun
Mit Hirnen, die stets ruhn.

Sie kann er leicht entflammen
X-etwas zu verdammen
Wenn möglich absolut
Das tut dem Simplen gut.

Statt lange zu beraten
Verlangt er sofort Taten
Verteilt die Handgranaten
Und etwas Sauerbraten

Es klöpft – ein feiner Duft
Und Rauch liegt in der Luft
Es fliegen ein paar Leichen
Von gegnerischen Scheichen
Doch stets auch – das ist nett
Der Täter eignes Fett.

Das ist noch nicht zum Lachen
Denn wie bei einem Drachen:
Für jeden Kopf, der ab is'
Gibt's sieben neue Lapis
Die scharf sind aufs Gebimmel
In ihrem siebten Himmel.

Natürlich ist das schaurig
Und für die Leichen traurig
Doch wirklich echt gefährlich
Sind nur wir selbst, die jährlich
Oft stündlich, ja minütlich
Meist eitel, selten gütlich
Mit wahrster Wahrheit protzen
Und Absolutes kotzen

Was innen war wird aussen
Und ähnlich wie bei Straussen
Steckt unser Kopf im Sand
Sieht selbst kreiertes Land
Tumult und Streit um Geld
Verwechselt es mit 'Welt'
Und sieht mit letzter Klarheit
Die 'absolute Wahrheit'
Des Sands, der ihn umgibt
Und den er hasst und liebt.

Die Post klingt doch versöhnlich:
'Die Wahrheit ist persönlich!'
Und brechen wir das Siegel
Ziehn wir heraus den Spiegel
Schaun rein - o Schreck, welch Mist-Tier! -
Ein Fundamentalist hier?

Unmöglich! Nur geklebt!
Doch nein, das Scheusal lebt!
Bewegt genau mit mir
Und wirkt wie ein Klistier

Wir lassen alles fahren
"'Hinweg mit Spiegelwaren!
Nach aussen mit dem Blick
Bekämpfet das Geschick
Da draussen ist das Böse
Von dem uns Krieg erlöse!"

Mit Lärm, und mit Gewissheit
Und nur a bisserl Schiss schreit
Der Fundi in uns allen
Schreits - und beginnt zu knallen
Mit Böhnlis und mit Torten
Mit Tönlis und mit Worten
Erfolglos: Welt bleibt Kacke
So sehr ich auf ihr hacke.

Im letzten Atemzuge
Ereilts mich wie im Fluge:

Die Welt, die ich hier meine
War immer nur die Meine...

Die Denk-Aufgabe? Nun, geben Sie das Denken diesmal nicht vorschnell auf. Das herrlich daueraktuelle Thema, wo denn dieser verzwackte Fundamentalismus herkomme, der - hier auf dieser Seite - sogar als 'differentia specifica' anstelle des 'sapiens' herhalten musste, wenn denn schon unbedingt zwischen Mensch und Tier unterschieden werden soll, verträgt durchaus eine gehörige Portion Denkarbeit. Vielleicht gelingt es distanzierter Rationalität sogar besser, kurzfristig Distanz zum Ego zu nehmen und dieses kritisch auf Fundi-Gene abzuklopfen. Denn gegen die uralte These 'Wie innen so aussen', die schon auf der Tabula Smaragdina steht, die dem ägyptischen Gott Thot bzw. dem legendenumwobenen Hermes Trismegistos zugeschrieben wird, wehrt sich das gesunde Ego mit allen Mitteln - verständlicherweise, denn es wird dabei in Frage gestellt, als Fiktion entlarvt. Da lassen sich meistens auch suprarationale Wahrnehmungsverarbeitungsmittel wie Intuition und Emotion in den Rettungskampf einspannen. Geben Sie also das rationale Denken erst auf, wenn Sie genügend Distanz erarbeitet haben, am besten eine schmunzelnde, sowohl zum Ego wie zum Fundamentalismus. Mir gelingt das am besten, wenn ich eine gereimte Form wähle, die mich leicht in Ringelsternsche Stimmungen versetzt.