Denk-Aufgabe 815 vom 20.11.2008

 

Housi Moser: JAGE

S'git Lüt, die jage:
Wildsöi u Gämschi, Bäre u Leue
Si streife dür Wälder u Steppe
dür d'Wüeschti u ds ewigen Iisch.
Sie loufe, chlättere, pirsche, sie fahre u fliege,
si gäng am Bewege, sigs usse, sigs inne,
es ziet se gäng witer, sie blybe nu stoh
zum d'Chugle zum Louf use z'jage.

U we se de ds Gjagte gschtellt u erleit hei
o denn gits ke Rue, keis Abschpanne, Gniesse.
S'geit nid ume Bsitz, um Trophäe, um ds Fleisch,
s'geit einzig um ds Jage, die fiebrigi Gier
vom Verfolge, vom Hetze, i d'Ängi tribe,
dr Angschtschweiss schmöcke,
d'Verzwiflig in Ouge vom Gjagte gseh blitze
u d Freiheit ihm näh won es hett ohni Jeger;

nid nu d Freiheit vom Fliege, vom Schweife u Renne,
o d'Freiheit vom Eis-Sii mit allem, wo isch.
Dië niidet dr Jeger em Gjagte,
will är hett se nid,
är isch trennt
u einzig
ëlei.

Är isch aazoge zwar vom angere Wäse, vom Du
doch juscht vor em Gschpräch
vor dr ächte Begägnig,
wo zu Nächi chönnt füere,
zur Gränze-Uflösig
zu Liebi, zu Kommunion u Verschmelzig
- ziet dr Jeger d' Hand zrügg,
chrümmt dr Finger a Druckpunkt
u löst de die Spannig, schickt d Chugle is Ziel –
e vercheerte Orgasmus:
statt Eis-Sii nu Tod u Dischtanz.

Doch chuum isch's vernichtet
da ziet ne scho ds'nächschte
weichwarme Wäse, wo läbt, i si Bann,
un är schiebt gedankeverlore
e neui Chugle i Louf.

Doch ds Gheimnis vom Läbe blibt Jeger verborge.

Dr brächendi Blick vome waidwunde Tier
chönt e churze Momänt, e winzige Spalt si
zum Riich vor Begägnig
vor töife Verbindig vo Mönsche u Tier,
vo Pflanze u Stei,
vo Usse u Inne,
vo Geschter u Morn;
es unäntlechs Netz us Farbe u Fäde,
us Forme, Figure
pulsierend im ewige Jtze.

Dr Jeger blibt duss.
Dr Schuss riisst ne zrügg
i di grau Fiktion vor pouselos loufende Zit
wo s'Nid-Gliiche sich gliich wiederholt.

So fescht er si eigetlech jagt
di zitlosi Zit:
es verschliesse sech d'Feischter vom Jtze
däm, wo nu jagt,
die Uusblick i d'Mitti:
dr ruumlosi Punkt
dr zitlos Momänt
das luschtvolle Ahne we's wär, z'Paradies
es liechtblitzigs Gschpüre
was ds Stammle vo Göttinne,
Himu, Nirwana u Tao chönnt meine...

Dr Jeger blibt duss.
Imne ewige Chreislouf vo Hetze u Tööde
vo Nächi sueche ir Pirsch
u Nächi verwehre im Schuss;
är erschiesst mit em Du de gäng o sich sälber
u läbt als Tote i Mangel u Gier.

Drum, Manne u Froue
we tir weit läbe
so jagit dr Jeger in euch –
doch erschiessed ne nid,
suechit si rue-lose Blick
u leered ne liebe u liebend umfasse.

So wirt er e Teil, wo cha heile,
cha ganzne – u eis chunt dr Tag
wo homerischs Gelächter ds Planetli erfüllt
wo's üs Jeger wie Schuppe von Ouge de fallt:
mir si eis mit dr Flinte, dr Chugle, em Louf
mir si eis mit dr Luft, mit dr Kurve,em Ziel
all di Wildsöi u Bäre,
die Elche u Hirsch:
mir sis sälber, mir Chälber!
Dasch z Änd vo dr Pirsch.

Über Kläger-Jäger, z.B. des intergalaktischen Scharfschützenverbands, des würzigen Schürzenjägerclubs und der Freunde der Fuchsschwanz-, Bauchtanz- und Firlefanzjagd, aber auch über das Wehklagen der Flintenproduzenten, der Schnugel-Chugel-Rugeler der 'Vereinigung Waidmanns Dank' , der christlichen Gruppe "Nach seinem Bilde schuf er nur uns" (der Beweis, dass es vor dem ersten Menschen bereits Paparazzi gab, die Gott ablichteten!) sowie natürlich ebensosehr über den Dank anderer in ihrer Jagd-Euphorie auch ohne Bluttrank krank Schwankender freut sich: info@marpa.ch