Zu den Denk-Aufgaben 101 - 1805

 

Denk-Aufgabe 1806 vom 14.9.2018

 

Gesellschaftsutopien

 

Ziel der Utopieskizzen

Hauptunterscheidungskriterium der drei ersten Utopien 'ultrarechts', 'ultralinks' und 'ultraliberal' ist das Wesen und die Rolle des Kollektivs, des Staates. Aus dieser Optik lässt sich erkennen, wie nahe sich die Extreme einer politisch ultralinken und einer politisch ultrarechten Gesellschaftsutopie im Resultat sind – les extrèmes se touchent – , und dass weder die ultraliberale noch die ausbalancierte Gesellschaftsutopie, in denen jeder Einzelne seine persönliche Balance von 'taking care' und 'taking risk' in grösstmöglicher Autonomie selbst bestimmen kann, mit einem der beiden Extreme 'ultrarechts' und 'ultralinks' auch nur das Geringste zu tun hat.
Es geht also nicht darum, eine umfassende Palette möglicher Kollektiv-Konzepte vorzustellen und zu vergleichen. Ich wählte bewusst diese wenigen Varianten, um einerseits für die These zu werben, dass weder das derzeit bei uns bereits nahezu vollständig realisierte ultralinke Konzept noch das weltweit häufig anzutreffende ultrarechte Konzept zielführend seien, dass das Heil aber auch nicht dort zu suchen sei, wo die helvetischen 'Mitteparteien' im Sinkflug rumwuseln und mal mehr nach links, mal mehr nach rechts trudeln ohne klares Ziel. Obwohl meine Sympathien auf den ersten Blick und auch von der Textmenge her unverkennbar dem ultraliberalen Konzept gelten, liegt es mir fern, es als das einzig richtige zu promovieren. Aus meiner Sicht ist auch die Absolutsetzung der Freiheit letztlich eine Fixierung, die eine weitere Entwicklung bremst. Irgendwann auf dem Weg zum Ziel gilt es meines Erachtens auch frei von der fixen Idee oder gar der Vergötterung der Freiheit zu werden.
Aber die ultraliberale Utopie zeigt vielleicht am deutlichsten, wo ich die Achillesferse des so wohlklingenden und von grosser Akzeptanz vieler Insassen getragenen 'sozialen Wohlfahrtsstaates' sehe: im gespaltenen Menschenbild mit der unsäglich arroganten Elite, die zu wissen glaubt, was für das Fussvolk richtig sei, was meines Erachtens zur Gleichschaltung und Entmündigung – zusammen mit den geadelten Ängsten und der darauf fussenden Sicherheitshysterie – zur 'Generation Weichei' geführt hat. Bereits die relativ ausführliche Skizze der ultraliberalen Utopie enthält meines Erachtens einige Lösungsansätze. Ich füge jedoch mit der Vision einer ausbalancierten Gesellschaft eine weitere Utopie an, die bedeutend weiter von der Realität entfernt ist als die ersten drei, um damit auf relativ abstraktem Niveau den geistigen Boden zu bereiten, auf denen ich dann wieder ganz handfest und konkret realistische, machbare Vorschläge vorlege.

 

Ultrarechte Gesellschaftsutopie

Alle Macht ist zentriert beim Staat mit dem hochdotierten Durchsetzungsmittel einer vor allem auch gegen Innen einsetzbaren und entsprechend ausgebildeten Armee und möglichst mehreren Geheimdiensten für die 'schmutzigen Jobs', damit alles so bleibt, wie es ist bzw. wie es nach dem Willen des 'Staatslenkers' und seiner Entourage sein soll. Nulltoleranz bei geringsten Vergehen, um maximale generalpräventive Wirkung zu erzielen. Da der Durchsetzungsapparat gross, effizient und gnadenlos ist, braucht es nicht so viele Regeln wie im ultralinken Staat. Es herrscht ein gespaltenes Menschenbild mit zwei klar getrennten Gruppen, der kleinen, die nur den Diktator und sein Umfeld, seine von ihm direkt abhängige Nomenklatura umfasst und deren Selbstverständnis über die reine Macht hinausgeht: sie kennen die anzustrebenden Ziele des Staates und den Weg dorthin; sie wissen auch, was die Untertanen brauchen (panem et circenses), damit sie eingesetzt werden können für die Promovierung der Ziele – und die grosse Gruppe der Untertanen, die nicht nur dumm und des Denkens unkundig sind, sondern dies auch bleiben sollen. Die Untertanen sollen möglichst uniform, uni-norm, 'gleich' sein. Deshalb wird jede Ungleichheit, jedes Abweichen von der Norm sofort nachhaltig geahndet. Denn Macht kann man viel leichter über Gleiche als über Ungleiche ausüben. Und – so die Überzeugung des Staatslenkers und seiner Entourage – die Masse ist dumm und bedarf der Führung. Zu ihrem eigenen Wohl. Er denkt und lenkt für sie. Dieses gespaltene Menschenbild und die Einsicht in die leichtere Führ- und Manipulierbarkeit dummer und möglichst gleicher Volksmassen teilen sie mit der ultralinken Gesellschaftsutopie.
Politisch kommt nur eine autoritäre Staatsform wie eine Diktatur oder eine Monarchie in Frage, die nach aussen oft als Scheindemokratie oder sonstwas weniger Unbeliebtes camoufliert wird wie heute China, Russland, die Türkei, Ungarn, Nordkorea, einige baltische und die meisten Staaten Afrikas und des arabischen Raums. Hier hat der einzelne Angehörige der Masse nicht den Hauch einer Chance für 'taking risk' – ausser den Wenigen, die es in der kurzen Zeit vor ihrer Inhaftierung oder Ermordung wagen, den Diktator, den König singend, schreibend, filmend oder sonstwie zu kritisieren. Wenn man den Begriff des 'Care' sehr weit fasst, wird für die Untertanen in einem gewissen Masse gesorgt: Es wird darauf geachtet, dass zumindest die, die nicht zur falschen Rasse oder Ethnie gehören, gerade so ernährt und ausgebildet werden und gesund bleiben, dass sie dem Kollektiv als Arbeiter und Soldat dienen können. Erweisen sie sich als nutzlos, müssen sie allerdings damit rechnen, entsorgt zu werden. Denn bei dieser Art von 'Care' geht es nicht um das Wohl des Einzelnen, sondern nur um das Gedeihen des Kollektivs, wobei auch dieser Begriff letztlich nicht ganz passt, denn unter dem Kollektiv stellt man sich immer noch die Menge der Einzelnen vor. Dem rechtsextremen Staat geht es aber um den Machterhalt bzw. den Ausbau der Macht. Wenn man das Wort 'Wohl' schon verwenden will, dann geht es um das 'Wohl des Staates'.
Die Cleveren unter den Chefs ultrarechter Kollektive sind sich aber bewusst, dass die Untertanen auch im mentalen Bereich motiviert und bei der Stange gehalten werden müssen. Sie bemühen sich deshalb um eine inhaltlich einfache, aber so attraktiv wie möglich präsentierte und verkaufte Ideologie. Für die Erreichung der Ziele ist eine möglichst starke Identifikation der Untertanen mit dem Staat und dem 'Führer' wichtig. Angestrebt wird die parareligiöse Hingabe des kadavergehorsamen Untertanen an das durch den 'Führer' repräsentierte Kollektiv. Diese zeitlich und finanziell aufwändigen Anstrengungen kann sich der 'Führer' parallel zum Fortschritt im Bereich der 'Künstlichen Intelligenz' und Robotik mehr und mehr sparen. Damit wird die Erfüllung des grossen Traums aller Diktatoren wahrscheinlicher: ein Volk aus steuerbaren Robotern, die als programmierte und stets kontrollierbare Arbeiter und Soldaten dem Machterhalt dienen. Dann ist das 'Wohl' des Staates und seiner Lenkerbrigade gesichert, ohne dass es noch 'Einzelne' braucht im Sinne von menschlichen Massewesen.
Man darf nicht unterschätzen, wie lustvoll und entlastend diese Hingabe an etwas 'Grösseres' im Tauschhandel gegen Sicherheit, Orientierung und vorgekauten Lebenssinn für viele schwache Menschen ist, die gar nicht gross dazu gezwungen werden müssen. Ich sehe darin einen Hauptgrund, warum sowohl ultrarechte wie ultralinke Kollektive überhaupt errichtet und zumindest eine gewisse Zeit am Leben erhalten werden können. Der diametral diesen etatistischen Wegen entgegenstehende liberale Weg ist nämlich überaus anstrengend und oft auch gefährlich:

Dafür warten auf diesem Weg der Eigenverantwortung ungeahnte Freiheiten, eine herrliche Autonomie – und massenhaft Abenteuer.

 

Ultralinke Gesellschaftsutopie

Alle Macht ist zentriert beim Staat mit einem gewaltigen administrativen Apparat, der die unzähligen Detailregeln durchsetzen muss. Die Regeln sind dazu da, jegliche Verschiedenheit im Keime zu ersticken und jedes Ausbüchsen aus der verordneten 'Gleichheit' zu verhindern. Denn oberstes Ziel ist die Gleichheit aller, vordergründig nicht um sie – wie in der rechtsextremen Gesellschaftsutopie – leichter beherrschen und benutzen zu können, sondern nur um über die lückenlose Gleichheit – so die Vorstellung der selbsternannten Vordenker – für Gerechtigkeit zu sorgen. Denn wenn alle gleich sind, ist auch permanentes physisches und psychisches Wohlbefinden garantiert – das die gut gemeinte, aber unsäglich weltfremde Theorie.

 

Etatismus

Auch für die Realisierung dieser Utopie kommt nur ein stark zentralisierter Machtapparat in Frage wie zum Beispiel der französische Zentralstaat oder die parastaatliche Machtzentrale der EU in Brüssel, idealerweise so etwas wie eine – zumindest vorübergehende und nicht so etikettierte – Diktatur oder Oligarchie einer kleinen Elite, die weiss, was gut ist für die thumbe Masse. Sie denken und lenken für die Insassen und sind – zumindest teilweise – in ihrem Tun erfüllt von ihrer Mission, für das Wohlergehen ihrer Schäflein zu sorgen: Bei einigen kann diese sonnige 'Taking-care'-Motivation durchaus echt sein. Die Insassen sollen keinen Risiken ausgesetzt werden. Ziel ist, dass niemandem etwas passiert. Dass nichts passiert (3.3.8.). Ziel ist somit die völlige Abwesenheit von 'Taking risk'. Das Eingehen von Risiken wird durch Regeln, Verbote, Gebote minimiert mit dem Ziel, es völlig zu verunmöglichen. Denn Risiken führen zwingend früher oder später zu Schäden, Mängeln, Unfällen, Verletzungen oder gar zum Tod – also zu alldem, was in der ultralinken Utopie sogenannte 'No-Gos' sind, zu Dingen, die auf jeden Fall zu vermeiden oder – im Falle des Todes – zumindest zu verdrängen und so weit wie möglich hinaus zu zögern sind. Zu den Überzeugungen ultralinker Utopisten gehört die Vorstellung, dass Glück sich für alle dann einstelle, wenn sie dank weiser Umsorgung durch den Staat über genug zu essen, zu trinken, warme Kleidung und eine Behausung verfügen, die sie vor der Unbill der Witterung schützt. Die Identifikation der Insassen mit dem Kollektiv ist auch bei dieser Utopie wichtig, aber vergleichbar der Art, wie sich der Säugling mit der Mutter identifiziert

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Back to Paradise

Auf der theoretischen Eben lässt sich der Gleichheitswahn auch spirituell-religiös deuten als Ausdruck der Sehnsucht, auf möglichst direkter Route zurück ins Paradies, in die 'Einheit', die sie sich als Ununterschiedenheit vorstellen, zurückzugelangen. Auf diesem Weg helfen bewusstseinserweiternde Drogen, die das Erlebnis dieses imaginierten und ersehnten Zustandes des 'Einsseins mit allem, was ist', anstrengungs- und entwicklungslos ermöglichen sollen. Diese virtuellen Erlebnisse fungieren als Abenteuer-Surrogate für die Protagonisten der Generation Weichei, denen echte, gelebte Liebe, die ebenfalls zu Momenten des Einsseins verhelfen kann, zu aufwändig, zu anstrengend, und echte, gelebte Abenteuer der Risikofreudigen zu unsicher, zu gefährlich sind. Ironischerweise sterben bedeutend mehr Weicheier an Drogen als Abenteurer bei gefährlichen Unternehmungen – und sie sterben meist kläglicher, würdeloser. Aber der Konnex zwischen ultralinkem Gleichheitswahn, Feigheit und Drogenkonsum scheint mir einleuchtend. In liberalen, risk-lastigen Kollektiven sind Drogen schlicht nicht nötig. Das abenteuerliche, eigenverantwortliche Leben enthält genügend Spannung.

 

Zerstörung des Gemeinsinns

Es entbehrt nicht der Ironie, dass die Anwendung von Zwang und Gewalt zur Institutionalisierung des Gemeinsinns, der Solidarität und der Empathie genau den gegenteiligen Effekt hat. Es handelt sich um Einstellungen, Gefühlslagen und Handlungsweisen, die zwingend an die Freiwilligkeit gekoppelt sind. Verordneter Gemeinschaftssinn ist keiner. Erzwungene Umverteilung erzeugt nicht Solidarität, sondern Spannung und Hass. Es ist ähnlich wie mit dem Versuch, All-Liebe, Einssein, Einheit, Verschmelzen aller Entitäten mit Zwang zu promovieren. Es funktioniert nicht. Schlimmer: es ist kontraproduktiv. Die vielen Regeln, die im ultralinken Kollektiv den Gemeinschaftssinn fördern sollten, zerstören ihn.

 

Promotion des Opferbewusstseins

Je besser es gelingt, das Volk auf seine Opferrolle zu fokussieren, desto leichter funktioniert die Delegation des Denkens und 'Vorsorgens' an die Heimleitung, die selbsternannte 'Elite'. Zum Opferstatus gehört regelmässig eine starke Selbstbezogenheit und Egozentrik, losgelöst von jeglicher Eigenverantwortung und der Motivation, sich selbst aus dem Opferstatus zu befreien. Diese Tendenz wird unterstützt durch die Bemühungen der Heimleitung, den Opferstatus jedes Volksangehörigen so angenehm wie möglich zu gestalten, ihm Windeln, Speis und Trank und Bett und Unterhaltung anzubieten. Der letzte entscheidende Schachzug besteht darin, allfällig verbleibende Schuldprojektionen der Opfer so weit wie möglich nach aussen über die Heimleitung hinaus auf unbeeinflussbare 'Fremde', 'Grossmächte', 'Terroristen' oder noch besser auf die 'Welt', das 'Schicksal' oder – immer eine elegante Lösung – auf den Zufall abzuschieben. Einer kompetenten Heimleitung gelingt es, die zutiefst trutzig-liberale Motivationsgeschichte von David und Goliath umzudrehen. Anstatt dem Kleineren, Schwächeren Mut zu machen, seine Schlauheit und sein Geschick im Umgang mit einer selbstgebastelten Waffe zu nutzen, um den Grossen, Starken zu übertölpeln und zu überwinden, ist das Ziel der Heimleitung, auch den Riesen Goliath als Opfer darzustellen, den vermeintlichen Missbrauch seiner Grösse und Stärke als soziales Elend darzustellen: der arme Goliath wurde von allen gehänselt auf dem Pausenplatz, weil er so gross, so ungelenk, so plum war und kaum im Schulbank Platz fand, zwei Stühle brauchte und überall den Kopf einziehen musste. Vor allem der kleine, freche David trieb ihn mit seinen Sprüchen zur Weissglut. Nur deshalb musste sich das arme Opfer Goliath zur Wehr setzen, um nicht völlig traumatisiert dahinzusiechen. – Wenn die Kinder frühzeitig mit solchen Geschichten gefüttert werden, braucht es nicht zu verwundern, dass keiner ein David werden will.

 

Gemeinsamkeiten von ultrarechts und ultralinks

Das gespaltene Menschenbild

Die Gemeinsamkeit der beiden Extreme – ich behaupte ja 'qu'ils se touchent' – liegt im gespaltenen Menschenbild. Es gibt die Vordenker – das müssen nicht die Machthaber sein, man denke an Figuren wie Marx, Rousseau, Nietzsche, Heidegger, aber auch Marcuse, Adorno, Horkheimer und viele andere, die Einfluss hatten, ohne an der Macht zu sein – die zusammen mit den Machern, den effektiv über physische Machtmittel Verfügenden die selbsternannte 'Elite' bilden und die sich anmassen, zu wissen, was für alle 'richtig leben' bedeutet, und es gibt die von ihnen Gelenkten, das einfache Volk, dem man nicht nur sagen muss, was richtig und falsch ist, sondern das man dazu zwingen muss, dies einzusehen und danach zu handeln. In dieser erstaunlichen Arroganz des Besserwissens sind sich die beiden Extreme sehr ähnlich. Ebenfalls einig sind sie sich darin, dass sie ihre Ziele nur mit einem – selbstverständlich von ihrer 'Elite' gelenkten – starken Staat erreichen können. Und ebenfalls gemeinsam ist ihnen die Überzeugung, dass das Volk dumm ist. Sollten sich irgendwelche Volksangehörige als nicht-dumm herausstellen und doch nicht bei der 'Elite' mitmachen wollen, sind sie ruhig zu stellen, zu marginalisieren, ins Abseits zu stellen oder schlicht zu entfernen, wie dies Diktatoren rechter oder linker Provenienz schon immer taten und weiterhin tun. Ultralinks und ultrarechts sind sich generell darüber einig, dass die Freiheit(en) der Massen so restriktiv wie möglich behandelt werden müssen, auch und gerade die Freiheit, sich selbst zu gefährden oder zu schädigen. Nur die Begründung ist eine andere: Ultrarechts hält die Freiheit tief und verbietet Selbstgefährdung aus Sorge um seine Kanonenhersteller und das beim nächsten Waffengang einzusetzende 'Kanonenfutter', ultralinks aus geheuchelter Sorge um das Wohlbefinden der Dummies, die ja letztlich doch das Staatsbudget, das Spielgeld und die Belohnung der Heimleitung für ihre aufopfernde Tätigkeit erwirtschaften müssen.

 

Umgang mit Hochwertwörtern

Auch wenn beide Extreme selbstverständlich bei jeder Gelegenheit mit Hochwertwörtern und Freiwild-Begriffen wie 'Freiheit', 'freier Wille', 'Menschenrechte', 'Demokratie', 'Republik', 'Rechtsstaat', 'Gewaltenteilung', 'liberale Ordnung', 'Gerechtigkeit' etc. um sich werfen, so gehört es zu den Gemeinsamkeiten, dass die Inhalte all dieser Begriffe nicht einmal im Ansatz vorkommen, jedenfalls nicht beim 'Volk'. Ein herrliches Beispiel war die DDR, eine mit deutscher Gründlichkeit und Konsequenz gelenkte Diktatur der übelsten Sorte, die die Chuzpe hatte, sich als 'demokratische Republik' zu bezeichnen. Aber auch sämtliche kommunistischen Diktaturen können hier toll mithalten, man denke nur an die chinesische 'Volksbefreiungsarmee', die seit ihrem Bestehen mit allen Mitteln für das Gegenteil dessen sorgt, was der Name sagt. Ziel des Kadavergehorsams dank totaler Kontrolle und straffer Regulierung, die auch mit allen Mitteln durchgesetzt werden, sind ebenfalls beiden Extremen gemein. Zum Etatismus der ultrarechten wie der ultralinken Utopie gehört ein riesiger, ständig wachsender und irgendwann die Mehrheit der Bevölkerung bildender Beamtenapparat, der früher oder später – welch Glück aus liberaler Sicht! – zum ökonomischen Kollaps führt.

 

Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit

Gemeinsam ist den etatistischen Extremen auch die Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit, mit der der mächtige Staatsapparat auf jedes vom Soll abweichende Phänomen reagiert. Das mag im ultralinken Staat auch die vielleicht als angenehm empfundene Tatsache sein, dass jede Störung des Wohlbefindens zu Forderungen berechtigt, die sich der Staat auf der einfachen Ebene des Ökonomischen zu erfüllen bemüht, solange er dies durch immer radikalere Umverteilung schafft. Die Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit betrifft aber auch die effiziente Korrektur aller anderen vom Soll abweichenden Verhaltensweisen, was zu einer beeindruckenden Ordnung und einer speziellen Art von 'Sicherheit' führte und führt. Auf die Gestapo und die Stasi war Verlass, genauso wie auf die Todesschützen an der Berliner Mauer. Sie töteten berechenbar und zuverlässig. Genauso funktioniert es auch heute in allen Diktaturen linker oder rechter Bauart. Im faschistischen Italien Mussolinis konnte man wirklich sein Fahrrad unabgeschlossen draussen stehen lassen – und es gab keine Abfallprobleme wie heute. Das lag nicht daran, dass die damaligen Italiener ordentlichere Menschen gewesen wären, sondern am gnadenlos durchgesetzten Strafrecht. Wenn ich auch noch an die Ordentlichkeit und Zuverlässigkeit der Nazis erinnere, die allen Mordopfern noch die Goldzähne zogen, dann geht es mir vor allem darum, die in der feminisierten Gesellschaft meist als Hochwertwörter benutzten Begriffe wie 'Ordnung', 'Sicherheit', 'Gründlichkeit' und 'Zuverlässigkeit' zu relativieren. Die Vorstellung, mit letzter Sicherheit und Zuverlässigkeit auf höchst ordentliche und gründliche Weise umgebracht zu werden, lässt die Begriffe in etwas anderem Licht erscheinen.

 

Umgang mit künstlicher Intelligenz

Ultrarechts und ultralinks freut man sich ungemein über alles, was man an Maschinen delegieren kann. Gerade das, was man hüben und drüben als 'schmutzige Arbeit' anschaut, was in früheren, ach so goldenen Zeiten die Sklaven und das Hauspersonal erledigte, kann man dank findigen Daniel Düsentriebs mehr und mehr an Roboter und Maschinen delegieren. Das rettet ultralinks vor dem Erklärungsnotstand, wenn es um die Frage nach der Gleichheit aller geht – und ultrarechts freut sich, wenn die leider notwendige 'Vergaserei aller Entarteten' keine Human Resources mehr braucht und sich die wie auch immer aussehenden Übermenschen und Repräsentanten der 'richtigen' Rasse ganz ihrer gottgleichen Erscheinung und der Parteiarbeit widmen können nach dem Motto 'Putland den Putländern'.

 

Summary

Kurz zusammengefasst könnte man die Gemeinsamkeit der beiden Extreme in die Formel packen:
"Alle Macht dem Staat, der irgendwann die ganze Welt umfassen sollte, damit wir diesen 'Weltstaat' mitsamt den Volksmassen zum Heil führen können."

 

Unterschiede zwischen ultrarechts und ultralinks

Dieses 'Heil' – sozusagen die 'Endlösung', sieht in beiden Fällen ähnlich aus, aber der Weg dorthin, die benutzten Methoden, der Stil und die Verpackung der Absichten divergieren stark bei Links- und Rechtsextremen. Man könnte die Unterschiede auch hier unter die Etiketten 'männlich' und 'weiblich' stellen, allerdings beide in ihrer negativ konnotierenden Form.

 

Direktheit

Ultrarechte zeichnen sich oft durch ihre unverblümte Direktheit aus, mit der sie auch schauerlichste Ziele und Methoden ansprechen, man denke an Neonazis und viele andere rechtsextreme Bewegungen in westlichen Ländern, die sich nicht scheuen, Eugenik und Rassismus ungeschminkt zu propagieren. Ultralinke bemühen sich minimal durch verschleiernde Sprache und verwirrliche Begriffsverdrehungen, maximal durch grossartige Lügengebäude, ihre wahren Ziele zu kaschieren. Die Verherrlichung von ordinärer Roheit und Gewalt auf ultrarechter Seite passt natürlich zu skizzierten Zielen wie dem, eine möglichst begeisterte Masse von Soldaten und Arbeitern zu generieren, die sich für Führer und Staat aufopfern – taking risk in seiner primitivsten Einseitigkeit. Genauso passt es zu Ultralinken, ihre Ziele hinter Fürsorglichkeit, sozialem Engagement und dem Einsatz für Sicherheit und Wohlbefinden ihrer Heiminsassen zu kaschieren – taking care in verlogenster Einseitigkeit.

 

Gewalt

Ultrarechts stolzieren die sich martialisch und gewaltgeil gebenden Pseudomänner wie Kampfhähne umher, ultralinks gibt man sich gern als Mutter Teresa-Verschnitt mit dem Jesus-Motto: 'Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid.' – "Wir stecken euch alle ins Heim, dort geht's euch gut", sagen sie natürlich nicht laut und öffentlich. Ultrarechte sehen sich als kriegerische Täter, die der Welt mitsamt ihrem Personal ihren Willen aufzwingen wollen, Ultralinke inszenieren sich gern als friedliebende Opfer, die mit Hingabe noch retten, helfen und heilen wollen, was in dieser 'schrecklichen Welt' noch zu retten ist.

 

Ziele

Das utopische Ziel der Ultrarechten ist die Weltherrschaft unter ihrem Führer, unter ihrer nationalen Flagge, das utopische Ziel der Ultralinken ist die total befriedete Welt, in der nichts mehr passiert – ausser dem, was sie inszenieren und kontrollieren, denn jemand muss ja auch im Paradies für die Einhaltung der Regeln und das Wohl der Insassen sorgen.

 

Zielpublikum und Solidarität

Ein markanter Unterschied besteht in der Frage nach dem Personenkreis und dem Mass an Solidarität, die dem gewählten Personenkreis zukommen soll. Ultrarechts herrschen meist klare, rassistische Vorstellungen, der Personenkreis ist entsprechend eng. Auch innerhalb der auserwählten Rasse oder Nation wird weiter selektioniert. Im altgriechischen Sparta wurden Neugeborene, die eine bestimmte Grösse nicht vorwiesen, sofort getötet. Im dritten Reich wurden alle, die als behindert, minderwertig oder 'entartet' qualifiziert wurden, ermordet. Diese Angst vor allem Andersartigen und der ihr entspringende Hass ist ein generelles Merkmal wenig entwickelter Individuen – was sich die ultrarechte Führungsschicht natürlich zunutze macht beim Rekrutieren ihrer Anhänger. Solidarität erlebt im besten Fall der nützliche (Partei-)Soldat, aber auch dies nur solange er aus der Sicht der Mächtigeren auch wirklich nützlich ist. Der Untergebene muss sich mit Gehorsam und Leistung die 'Solidarität'der Machthaber jeden Tag neu verdienen, eine Solidarität, die eigentlich nicht viel mehr umfasst, als dass er am Leben gelassen wird.
Im ultralinken Konzept hingegen umfasst der Personenkreis, der in den Genuss staatlicher Solidarität kommen soll, die ganze Weltbevölkerung ohne Unterschied. Weil es eine verordnete, den Insassen befohlene und auch gegen allfällig Aufmuckende durchgesetzte Solidarität ist, entschlüpft sie damit dem ursprünglichen Solidaritätsbegriff, der notwendig das Element der Freiwilligkeit enthält. Diese verordnete, aber weltumspannende 'Solidarität', die letztlich gar keine ist, sondern nur ein von vielen staatlichen Regeln erzwungene Verhaltensweise, kann ab und an zu Pannen führen, wenn die Heiminsassen noch nicht völlig gleichgeschaltet sind und sich gegenseitig umbringen. Aber auch dann reagiert der ultralinke Staat im Zweifelsfall mit erhobenem Zeigefinger, mit Kuschelstrafjustiz und nicht etwa mit Aussonderung oder gar Eliminierung der Missetäter, wie dies ultrarechts an der Tagesordnung ist, denn eine derartige Selektion würde die Vorstellung der unendlichen 'Solidarität' verletzen. Kein Schäfchen, auch nicht der übelste Massenmörder, soll verloren gehen auf dem Weg zum Weltfrieden. Der Insasse muss also rein gar nichts tun, ja er kann sogar massiv gegen andere Insassen oder gegen das ganze Kollektiv agieren, die 'Solidarität' bleibt ihm in jedem Fall erhalten, da die Idee von Gleichen unter Gleichen auf keinen Fall aufgegeben werden kann.

 

Identifikation mit dem Kollektiv

Nicht ganz deckungsgleich ist auch die Art der von den jeweiligen Machthabern angestrebten Identifikation mit dem Kollektiv. Im ultrarechten Konzept wird die Identifikation erreicht durch eine möglichst bedingungslose physische und geistige Hingabe des Untertanen an den vom gottgleich unhinterfragbaren 'Führer' gelenkten Staat – und wenn nötig erzwungen. Im ultralinken Konzept hingegen wird die Identifikation sublimer anvisiert durch die möglichst umfassende Entmündigung des Insassen.

 

Weg zur Weltherrschaft

Der ultrarechte Weg zur Weltherrschaft führt über die Züchtung, Ausbildung und Lenkung einer gewaltbereiten, gewaltfähigen, tötungs- und todeswilligen Herrenrasse; der ultralinke Weg führt über den sukzessiven Entzug jeglicher Verantwortung, jeglicher Lust zur Freiheit, über die immer enger alle Lebenslust einschnürende, jedes abenteuerliche Zelebrieren der Einzigartigkeit der Individuen erstickende Entmündigung des Einzelnen in die Willenlosigkeit und Demenz einer amorphen Masse tatsächlich sich immer mehr angleichender und damit auch leichter lenkbarer Insassen. Kurz zusammengefasst:
Ultrarechts bombt sich den mit Leichen gepflasterten Weg zur Weltherrschaft, ultralinks glitscht zum selben Ziel, vorbei an warmgehaltenen Entmündigten, die dement aus ihren Heimen glaren.
Der grösste Gegensatz zu diesen beiden Extremen – und nicht etwa irgendetwas zwischendrin, eine 'Mitte'zwischen den beiden sich so ähnlichen Extremen, sondern ein von Grund auf anderes Konzept ist die Utopie der ultraliberal Denkenden.

 

Ultraliberale Gesellschaftsutopie

'LIBERALIS'

'Liberal' ist ein fast so abgenutztes und missbrauchtes Wort wie 'Liebe', 'Gerechtigkeit' oder 'Demokratie'. Trotzdem komme ich nicht daran vorbei. Es stammt vom lateinischen Adjektiv 'liberalis', das je nach Zusammenhang auf Deutsch mit 'freiheitlich','die Freiheit betreffend', 'edel, vornehm', aber auch 'gütig', 'freigebig', 'reichlich' übersetzt werden kann. Dass sich auch Diktaturen und andere höchst unfreie Staatsformen wie der überregelte Wohl- oder besser 'Talfahrtsstaat' sich dieses Etikett gerne ans Revers heften, hält mich nicht davon ab, es hier in Gegensatz zu den skizzierten etatistischen Konzepten 'ultarechts' und 'ultralinks' zu stellen. Wenn schon echte Liberale vom Aussterben bedroht sind, so haben Ultraliberale einen Seltenheitswert wie weisse Hirsche. Der einzige lebende Schweizer, dem ich dieses als Kompliment gedachte Etikett ans Revers zu heften wage ist der Autor, Publizist und Jurist und langjährige Leiter des Liberalen Instituts in Zürich, Robert Nef.

 

Freiheit als höchster Wert

Bei dieser Utopie ist die Freiheit des Einzelnen der höchste Wert, dicht gefolgt von der Autonomie des Kollektivs, in dem er sich bewegt. Der Ultraliberale zieht in jedem Fall von Wertekonkurrenz die Freiheit vor; sie ist ihm wichtiger als Geld, Macht, Applaus, Anerkennung, Ruhm, Besitz, Herrschaft, aber auch wichtiger als Nähe, Hingabe an Autoritäten oder gar Auflösung im Kollektiv. Der Ultraliberale ist so gesehen kein idealer Teamplayer und generell weniger geeignet für grosse oder kleine Kollektive wie die Ehe und vergleichbare Bindungen, bei denen er grosse Teile seiner Selbsbestimmung aufgeben müsste. Als misstrauischer und überkritischer Autoritätsnehmer meidet er vertikale Strukturen mit hierarchischen Positionen, aber auch Massenaufläufe wie der Teufel das Weihwasser. Er gehorcht nie blind und verlangt auch von niemandem blinden Gehorsam. Wenn er etwas tut oder andere ersucht, etwas zu tun, muss er überzeugt sein bzw. überzeugen.
Interessant wäre eine Untersuchung der Frage, ob es unterschiedliches 'Talent' zu blindem Gehorsam gebe. Aufgrund der Geschichte könnte man zur These kommen, dass die Deutschen (die Germanen, die 'Arier'?) dafür mehr Begabung und Neigung zeigen als andere Ethnien. Zumindest ist die Vorstellung, der Trick des 'Hauptmanns von Köpenick' hätte auch in Appenzell Innerrhoden funktioniert, aus meiner Sicht reichlich absurd. Aber damit ist noch nicht geklärt, ob es sich beim Hang zum Gehorsam um eine genetische, 'mitgebrachte' Veranlagung oder um eine über Generationen anerzogene, 'umweltbedingte', kulturabhängige Verhaltensweise handelt.
Die antiautoritäre Haltung des Ultraliberalen und sein tiefes Misstrauen gegenüber jeder Form blinden Gehorsams kennt nur ganz wenige Ausnahmen bei den seltenen Projekten, bei denen sogar er einsieht, dass sie im Alleingang nicht zu stemmen sind und bei denen gleichzeitig die Zeit nicht reicht, um bis ins Detail zu überzeugen oder überzeugt zu werden, zum Beispiel bei Ernstfall-Einsätzen der Feuerwehr, des Militärs oder der Notfallmedizin. Er ist dabei unempfänglich für Pathos, Kitsch, vorgespielte oder echte Schwärmereien und gefühlsdussliges Gequatsche – und damit ist er das Schreckgespenst für alle Populisten, PR- und Werbefritzen, Ideologen, Missionare, (Ver-)Führer, Motivatoren, Lobbyisten und Verkäufer. Je intensiver die Bemühungen, ihn zu umwerben oder vor irgendeinen Karren zu spannen, desto sicherer seine Ablehnung.
Der Ultraliberale ist nahezu unkorrumpierbar, aber nicht aus Tugendhaftigkeit, sondern weil ihm die Autonomie in jeder Lebenslage wichtiger ist als alles, was ihm die ihn korrumpieren Wollenden versprechen. Damit ist auch klar, wo seine Achillesferse ist bezüglich Korruption: bei der Freiheit. Wer mit einem Ultraliberalen einen anrüchigen Deal machen will, muss ihm handfeste, echte, direkte Freiheit anbieten können, das einzige Gut, das er anzubeten bereit ist. Nicht die faule, indirekte über Geld oder Macht, sondern unmittelbar fassbare Freiheit, zum Beispiel die negative Freiheit vom Staat und seinen Schergen, von Beamten, PartnerInnen, Schwiegermüttern, Nachbarn, Medien und Immissionen aller Art, die seine Autarkie bedrohen. Dafür ist er möglicherweise bereit zu zahlen, zu schweigen, eine Grosstante zu verkaufen und was der Korruptionstatbestände mehr sind.
Noch viel anfälliger ist er für Deals, die ihm positive Freiheit verschaffen oder sie erhöhen: die Freiheit des Denkens, Sprechens, Schreibens und Handelns, die Freiheit, sein Leben unabhängig vom gerade herrschenden Zeitgeist, weitab von allem, was gerade 'in' und Mode ist, zu gestalten. Für diese Freiheit ist der Ultraliberale jederzeit auch zu Gewalttaten bereit, zum Beispiel zum Tyrannenmord.

 

Direktestmögliche Demokratie

Wenn die Freiheit des Einzelnen möglichst gross sein soll, wird der Einzelne nachvollziehbarerweise auch um eine grösstmögliche Freiheit des Kleinstkollektivs kämpfen und sich mit Händen und Füssen gegen jede Form von Zentralisierung, von Machttransfer zu den umfassenderen Kollektiven wehren. Was immer möglich ist, soll der Einzelne entscheiden. Was einen Konsens eines Teams braucht wie zum Beispiel der Wohnort einer Familie, soll die Familie entscheiden. Was die Sippe, den Weiler, das Quartier, die Gemeinde, den Kanton betrifft, soll auch das betreffende Kollektiv entscheiden, aber auch die Verantwortung dafür tragen- und das bedeutet unter anderem ganz banal: die Kosten, die durch die eigenen Entscheide entstehen, auch berappen. Der Ultraliberale ist bei diesem Kampf um die Freiheit nicht korrumpierbar, erliegt nicht der Versuchung, Kompetenzen, Macht und Entscheidungsfreiheit zu verkaufen gegen Manna vom grösseren Kollektiv. Alles Sozialstaatliche, alle Umverteilung oder eine Idee wie der erzwungene Finanzausgleich sind ihm zutiefst fremd. Sogar bei Bereichen, bei denen er knurrend einverstanden ist damit, dass sie zumindest vom grösseren Kollektiv koordiniert sind wie die Landesverteidigung, achtet er grimmig darauf, dass die kleineren Kollektive wenigstens auch in ihren Regionen eingesetzt werden. Bis vor nicht allzulanger Zeit gab es in der Schweiz kantonale Infanteriebataillone und auch bei der Zusammensetzung mechanisierter Streitkräfte wurde darauf geachtet, dass sie möglichst aus Männern bestanden, die aus der Region stammten, in der sie dann auch mit erster Priorität eingesetzt wurden. Ebenso klar setzt sich der Ultraliberale für direktestmögliche Demokratie ein. Die Gemeindeversammlung, die Landsgemeinde entscheiden – und zwar so, dass jeder jeden sehen kann, und nicht die realitätsfernen Berufsillusionisten in der entlegenen Zentrale, die keine Ahnung haben von dem, was die Einzelnen und die Kleinstkollektive umtreibt.

 

Gewaltlose Ablösbarkeit der Regierung

Ein notwendiges, aber nicht hinreichendes Kriterium eines ultraliberalen Kollektivs ist die Ablösbarkeit der Regierung – wenn immer möglich auf gewaltfreiem Weg, da das Umlegen von Diktatoren und vergleichbaren, unablösbaren Machthabern sich immer wieder als höchst schwierig erweist, wie die Geschichte zeigt. Denn erstens sind solche Machthaber in ihrer paranoiden Panik meist sehr gut geschützt, und zweitens ist auch der Alleinherrscher nie allein, sondern schart eine Nomenklatura von hörigen, von ihm profitierenden und damit abhängigen Widerlingen, von Apparatschiks um sich, die sich selbst als 'Elite' verstehen. Wenn er es geschickt anstellt, für Futter, Arbeit und nationale, ethnische, rassische oder religiöse Selbstbeweihräucherung sorgt und das Volk bereits dumm und entmündigt genug ist, bilden sogar die verblödeten Massen einen Schutzkordon um ihn, was es nahezu unmöglich macht, ihn innert nützlicher Frist umzubringen oder sonstwie nachhaltig loszuwerden. Das in früheren Zeiten gern benutzte Tool der Verbannung auf eine ferne, unbewohnte Insel ist vor allem mangels ferner, unbewohnter Inseln etwas aus dem Fokus geraten. Aber die Aussicht auf ferne, unbewohnte Plattformen im All kann diese elegante Möglichkeit vielleicht wieder ins Gespräch bringen.
Der Ultraliberale setzt deshalb alles daran, das Kollektiv von Beginn weg so zu organisieren, dass die Ablösbarkeit der Regierung institutionell vorgesehen und jederzeit gewaltfrei realisierbar ist. Verbale Etiketten interessieren ihn nicht, zumal sich der hinterletzte Schurkenstaat mit Bezeichnungen wie 'Demokratie', 'Republik', 'Rechtsstaat' schmückt und es längst Mode geworden ist, auch in mehr oder minder gut bemäntelten Diktaturen Scheinparlamente einzurichten und gefakete Wahlen durchzuführen. Die Anwendung des Kriteriums der gewaltfreien Ablösung der jeweiligen Machthaber entlarvt all diese Kollektive sofort als Diktaturen.

 

Das einzig Gleiche ist die Ungleichheit

Regeln, die die vom Ultraliberalen angebetete Freiheit einschränken, akzeptiert er nur, soweit sie die Freiheit schützen – seine eigene oder die anderer Freiheitsliebender. Der Anspruch an die Toleranz ist allerdings aktiv und passiv hoch, da jeder eine möglichst grosse Freiheit für sich beansprucht. Das Bedürfnis nach Freiheiten – sowohl negativen, z.B. Freiheit von Staatseingriffen als auch positiven, z.B. die Freiheit, sein eigenes Leben und seine Gesundheit zu gefährden – ist ungemein vielfältig und darf nicht von Machthabern eingeschränkt werden, die zu wissen vorgeben, was für alle gleichermassen richtig und wichtig sei. Das Einzige, was der Ultraliberale als 'gleich' und mithin allen gemeinsam anerkennt, ist die Ungleichheit, die Verschiedenheit, die Einzigartigkeit aller Entitäten.
Dies erklärt auch, warum das Lamento und aufgeregte Geschwätz der Gender-Ideologinnen dem Ultraliberalen bestenfalls ein amüsiertes Grunzen entlockt, so er es überhaupt wahrnimmt. Es ist ihm schlicht wurst, wenn sich irgendwelche Zweibeiner als Daueropfer zu inszenieren versuchen – im ultraliberalen Kollektiv überleben sie sowieso nicht lange. Der sektiererische Furor und gnadenlose Einsatz der selbsternannten 'Erlöser-Elite' für alle Opfer-Frauen lässt den Ultraliberalen auf eine Distanz gehen, die – wenn überhaupt –in Lichtjahren ausgedrückt werden muss.
Das Ja zur Einzigartigkeit und Ungleichheit bedeutet auch, dass es im liberalen Staat zwar Hilfe für echt Notleidende, aber keine Umverteilung gibt. Was die linke Ideologie hinter diesem eigentlich reichlich plump gewählten Euphemismus zu kaschieren versucht, ist aus ultraliberaler Sicht genau dasselbe, was jeder Dieb tut, der ja auch Eigentumswerte 'umverteilt' gegen den Willen der Eigentümer: es ist staatlich sanktionierter Diebstahl, bei dem die (Heim-)Leitung willkürlich festlegt, wer der Bestohlene und wer – neben den Heimleitern selbst – der Empfänger des Diebesguts sein soll.

 

Der Nachtwächterstaat

Diese Einzigartigkeit aller Ungleichen wird gefeiert und das Kollektiv darf die Einzigartigkeit des Einzelnen nur für Dinge einschränken, die allen einleuchten und die sie gemeinsam beschliessen – immer unter der Prämisse, dass es nur das Allernötigste sein darf, z.B. die Verteidigung des Weilers, des Dorfes, der Region oder sogar eines ganzen Landes gegen aussen, die Kommunikationsinfrastruktur, die Freiheit der Bewegung innerhalb des überblickbaren Raums, die Ernährungsautonomie und die Verkehrsinfrastruktur. Dazu können sie sich notfalls zusammenschliessen und z.B. die Nachtwache gemeinsam organisieren. Damit sind wie bei der Staatsform, die zur liberalen Utopie passt: Es ist das, was von Etatisten heutzutage höchstens noch mit zwischen Verachtung und Unverständnis changierender Grimasse in doppelten Anführungszeichen als prähistorische Reminiszenz erwähnte, lose Zweckbündnis ähnlich Autonomiebestrebter mit dem Etikett 'Nachwächterstaat'. Diese Gemeinschaft wird getragen von der Idee, dass das Kollektiv nicht mehr und nicht weniger ist, als das freiwillige Zusammengehen der Einzelnen. Die Vorstellung, der Staat sei – wie der alttestamentarische Gott der Juden, der islamische Allah, die Obrigkeit in der DDR und allen anderen Diktaturen und leider auch in den heutigen Wohlfahrtsstaaten – etwas Gegenüberstehendes, gar Absolutes, mit dem man sich arrangieren, an das man Forderungen stellen, dem man aber im Gegenzug gehorchen müsse, ist den sich stark und einzigartig fühlenden Bürgern des Nachtwächterstaates völlig fremd.
Wir Eidgenossen kannten das Gefühl am ehesten noch vor Jahrzehnten, als zumindest ein überwiegender Prozentsatz der männlichen Bevölkerung Militärdienst leistete und klar war, dass die Armee nicht ein separater oder gar potenziell gefährlicher Machtfaktor innerhalb des Staates sein konnte, weil die Armee – das waren wir, wir alle zusammen (wenigstens fast alle; leider wurde mein Vorschlag, die Kavallerie nicht abzuschaffen und im Gegenzug den Frauenmilitärdienst obligatorisch zu erklären, nicht gehört). Jeder Wehrfähige war in der Armee, also konnte sie sich gar nicht gegen den Bürger stellen oder für einen Putsch missbraucht werden, wie es z.B. in Südamerika, Afrika, aber auch in einigen europäischen Staaten an der Tagesordnung war.

 

Versicherungs-Analogie

In einer etwas weniger archaischen Version als diesem 'Nachtwächterstaat' könnte man sich die Organisation der ultraliberalen Gesellschaft auch im Stil einer obligatorischen Grundversicherung mit freiwilligen Zusatzversicherungen vorstellen, aber mit der klaren Einschränkung, dass das Versicherungsportfolio so klein wie möglich zu halten ist. Man wählt die Angebote, die man für sich selbst für unverzichtbar anschaut, zahlt dafür oder erbringt eine Gegenleistung. Zu den wenigen obligatorischen Grundelementen gehört für den Ultraliberalen die Verteidigung des Staatsgebietes, notfalls mit Waffengewalt. Man kann dies selbstverständlich ablehnen, aber dann muss man sich eine andere Gemeinschaft suchen, die diesen Verzicht auf Schutz der Selbstbestimmung im Angebot hat. Das mag es geben, aber die Parallele auf der Körperebene wäre der Verzicht oder das freiwillige Ausschaltendes Immunsystems. Wir kennen die Antwort unter dem Kürzel AIDS – nur ist mir niemand bekannt, der AIDS freiwillig in Kauf nimmt, nur weil er zu faul, zu feig, zu naiv oder zu friedfertig eingestellt wäre, um sich gegen krankmachende Viren oder Bakterien zur Wehr zu setzen. Man stelle sich die GSOA-Fritzen und andere Pazifisten auf der Körperebene vor. Es wären Typen, die ihre T-Killerzellen daran hinderten, ihren Job zu tun (hmm, wie wohl, doch nicht etwa mit Gewalt?) und stattdessen das Gespräch auf diplomatischer Ebene suchten mit den vorerst mal mit einem herzlichen Willkommensgruss unselektioniert eingelassenen Keimen aller Art. Der Erfolg wäre wahrscheinlich auf der Körperebene ähnlich wie auf der Ebene der Kollektive, die heute das nette Gespräch mit Terroristen suchen. Aber um im Vergleich zu bleiben: nicht alle Zellen müssen T-Killer-Zellen spielen, es gibt unzählige weitere Aufgaben, um unser Immunsystem im Schuss zu halten.

 

Ja zur 'Mehrklassenmedizin'

Wer Schnellstrassen für wichtig erachtet, bezahlt dafür und erwirbt damit das Anrecht, sie zu benutzen. Es gibt durchaus winzige Ansätze in unserer Gesellschaft, die dieses Verursacher- bzw. Nutzerprinzip anwenden. Wer jederzeit Anspruch auf Spitzenmedizin haben will, bezahlt entsprechend dafür. Natürlich kommt es so nicht nur zur Zweiklassenmedizin, sondern zu einer Mehrklassenmedizin mit einer vielschichtigen Abstufung zwischen dem, der nur gerade die Überlebensmassnahmen versichert und dem, der sich mit 99 auch noch das siebte Dromedarherz implantieren lassen will. Mehrklassenmedizin mag für den Gleichheitsfreak aus der ultralinken Utopie ein Schimpfwort, ein absolutes No-Go sein, für den Ultraliberalen ist sie Ausdruck der Freiheit des Einzelnen, das ihm gemässe Modell zu wählen.

 

Freiheit sich zu gefährden und zu schädigen

Hier wird der Gegensatz zu den beiden skizzierten Extremen richtig virulent. Ultrarechts schreibt seinen Untertanen vor, wie sie zu leben haben, um jederzeit über die benötigte Anzahl von Soldaten und Arbeitern zu verfügen. Ultralinks tut dasselbe aus der wahrscheinlich sogar oft gut gemeinten Überzeugung, zu wissen, was für jeden gleichermassen gut und richtig sei. Ultrarechts setzt sein Anliegen mit der Keule durch, ultralinks mit Regeln und möglichst lückenloser Überwachung. Beide sammeln soviele Daten über die Untertanen bzw. Schäflein wie möglich. Der Ultraliberale sammelt keine Daten, weder über sich noch über andere. Nicht, weil er als Tugendbolzen seine Neugier so edel im Zaume hielte, sondern weil es ihn schlicht nicht interessiert, was die andern alles Gerades oder Schräges tun. Sollen sie doch, solange er sein eigenes Ding weiterdrehen kann.
Der grosse Unterschied besteht darin, dass der Ultraliberale allen dasselbe Mass an Freiheit und Selbstbestimmung gönnt, das er für sich beansprucht. Ihm fehlt nicht nur die masslose Arroganz der andern beiden Utopien, sich einzubilden, man verfüge über das einzig richtige Rezept für die andern, ihm fehlt auch weitgehend das Interesse am Gewurstel der andern, und ihn reut die Zeit, die er bräuchte, um den andern nachzuspionieren, zu schauen, was sie den ganzen lieben langen Tag treiben. Er ist auch nicht derart am 'Verkäuferli-Spiel' interessiert, dass er all die Daten sammeln würde, um möglichst jedem das Produkt hinten rein zu schieben, das zu seinem bisherigen Konsumverhalten passt. Wer Hunger, aber keinen Backofen hat, kommt von selbst zum Bäcker, ohne dass der rumrennt und mit Bildern von seinen Brötchen rumwedelt oder in aufwändiger Spioniererei herausgefunden hat, wer das Laugen- dem Butterhörnchen vorzieht.
Der Ultraliberale findet ganz grundsätzlich, jeder dürfe seine Meinung äussern, auch wenn sie ihm noch so idiotisch erscheint – ihm gefällt die Idee des Hydepark Corners, wo die Freiheit des Redens augenfällig mit der Freiwilligkeit des Zuhörens verknüpft ist. Er findet auch, jeder dürfe seinen Zaster in ihm gemässer Form aus dem Fenster werfen, jeder dürfe seine Gesundheit auf die ihm passende Weise schützen oder gefährden, sei es im Sport, in seinem Konsumverhalten oder ganz generell durch seinen Lebensstil.
Aus linker Sicht ist dieses fehlende Interesse am Tun und Lassen der andern Menschen ein beklagenswerter Mangel an Empathie – und aus ihrer Sicht trifft das auch zu, denn der Ultraliberale zeigt wenig Bereitschaft, sich die langweiligen Krankheitsgeschichten und Jammereien anderer anzuhören und noch weniger Lust, selbst solch öde Geschichten zum besten zu geben. Im Gegenteil: Geschichten über Krankheit und Elend gehören zu den sichersten und schnellstwirkenden Vertreibungs- oder Einschlafhilfen im Verkehr mit Ultraliberalen. Wer ihn wachhalten will, lädt ihn zu irgendeinem wilden Abenteuer, einem verrückten Freiheitserlebnis ein oder erzählt zumindest am Kaminfeuer in allen Farben von lustvoll Selbsterlebtem.

 

Meinungsäusserungsfreiheit

Der Ultraliberale hält es mit Voltaire, der zu einem Kritiker in etwa gesagt haben soll: "Ich halte es für völligen Unsinn, was Sie sagen. Aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie es sagen dürfen." Er ist damit Lichtjahre von den 'political correctness'-Tussis, den UmschreiberInnen der gesamten Literatur und denen entfernt, die irgendwelche dummen Behauptungen unter Strafe stellen wollen. Ihm ist piepegal, ob jemand Schwarz für Weiss erklärt, nur gerade seinen 'Allahu' für 'akbar' hält, Jesus, Mohammed, Willhelm Tell und Winkelried für historische Figuren oder Legenden anschaut, die vielen Völkermorde mitsamt dem Holocaust als solche bezeichnet oder das Gegenteil behauptet. Von Betupftheit, Verletzung durch Äusserungen und all den Befindlichkeiten und Reaktionen Hypersensibler hält der Ultraliberale nichts. Im ultraliberalen Staat gibt es deshalb keine einzige Rechtsfolge, die an Befindlichkeiten, an Gefühle anknüpft. Nicht nur, weil die Echtheit behaupteter Befindlichkeiten und das von ihnen ausgelöste Leiden nie stringent nachgewiesen werden können, sondern nur schon, weil er das ganze Gefühlsgeplärre generell für Privatsache und all die modischen 'Coming-Outs' für lächerlich und überflüssig hält. Er ist also definitiv kein allzu feinfühlig-zarter Zeitgenosse. Kein Wunder, dass er in der Generation Weichei kaum mehr anzutreffen ist und es weltweit kein mir bekanntes grösseres Kollektiv gibt, das auch nur annähernd ultraliberal organisiert wäre.

 

Jeder ist tauglich

Jeder Bürger einer ultraliberalen Gesellschaft, der nicht bereits total dement oder vom nahenden Tod gezeichnet im Pflegeheim liegt, leistet irgendeinen Beitrag zum Aussenschutz des autonomen Kollektivs. Ausreden, um sich davor zu drücken, wie sie in unserem auch diesbezüglich bereits ziemlich dekadent-feminisierten Staat längst gang und gäbe sind, wie 'zu faul', 'keine Lust', 'mit dem Gewissen nicht vereinbar' oder, von Seiten des Staates aus beurteilt, 'aus Leistungs- oder Bildungaspekten untauglich', zählen nicht. Diese Integration möglichst aller in eine der ganz wenigen Aufgaben des Kollektivs im ultraliberalen Staat ist als Kompliment gedacht im Sinne von: "Auch dich können wir brauchen, auch du bist kurzfristig unverzichtbar für diese zwar nicht geliebte, aber notwendige Arbeit."

 

Ultraliberale Version von 'Taking Care'

Die Grundidee dahinter ist, dass es kaum etwas Wichtigeres gibt für das Selbstverständnis, den Stolz und die Lebensfreude jedes Wesens als die Bestätigung, nicht unnütz, nicht wertlos, nicht in-valid zu sein, was ja nichts anderes heisst als 'unwert', 'nicht(s) wert'. Wenn nur schon aus dem allernächsten Umfeld die Bestätigung kommt: "Wir brauchen dich! Weiter so! Danke für deinen Beitrag!", verschwinden Minderwertigkeitsgefühle und Depressionen in der Regel ziemlich rasch. Dass gerade der ultralinke, feminisierte Wohlfahrtsstaat diese Einsicht in die doch hochgradig plausible Art von 'Taking Care' konsequent verweigert, obwohl es wohl jeder sowohl aus der aktiven wie der passiven Rolle kennt, ist mir ein Rätsel. Stattdessen wird mit immer mehr Umverteilung und Bekämpfung der Arbeit als eines möglichst schnell hinter sich zu bringenden Übels das Ziel verfolgt, dass alle Heiminsassen rund um die Uhr zu essen, zu trinken und ein warmes Bett haben und nichts dafür tun sollen, also möglichst schrankenloser Konsum als Nutzlose. Obwohl die Suizidraten in den Wohlfahrtsstaaten ständig steigen und in archaischen Staaten nahezu unbekannte Phänomene des Unwohlbefindens in den einseitig 'taking-care'-lastigen Kollektiven wie Depressionen, Burn-Out, Traumatisierung etc. grassieren, fällt der Groschen offenkundig nicht, dass Lebensfreude vielleicht mehr mit der Möglichkeit, sich nützlich zu machen, mit durchaus auch anstrengender Arbeit zu tun haben könnte und weniger mit windelbepacktem 'Dauerfressensaufenrumhängensmartphönlen' auf Kosten anderer.

 

Ultraliberale Willkommenskultur

Grundsätzlich ist im ultraliberalen Kollektiv alles willkommen, was da kreucht und fleucht, Tiere und Menschen jeglicher Provenienz. Je nach Tierart passt vielleicht das Klima nicht ideal. Für Einwanderer, die nur kommen, um vom Sozialstaat zu profitieren, ist der ultraliberale Staat hingegen das wohl Unattraktivste, was sie finden können. Das kaum vorhandene Sozialsystem schreckt sie wahrscheinlich effizient ab. Aber auch bei denen, die kommen, weil sie die grosse Freiheit toll finden, die sich eigenverantwortlich nützlich machen wollen und für die echten Flüchtlinge, die aus Not kommen, ist je nach Grösse des Staatsgebiets irgendwann 'full house' und es braucht eine Selektion. Dazu kommt, dass der Ultraliberale nicht gerade gern 'verdichtet' wohnt, wie es in Helvetien gerade auf dem Programm steht. Dann braucht es eine weise Prioritätensetzung, bei der wohl die echten Flüchtlinge zuoberst stehen. Bei den integrationswilligen Menschen gelten einfach die folgenden, an den Willkommensapéro geknüpften Bedingungen:

In der ultraliberalen Utopie müssen also alle für sich sorgen, die nicht in vorübergehender allerhöchster Not sind oder auf dem Sterbebett liegen, schon aus dem schlichten Grund, weil es gar keine 'Kässelis' gibt, die derjenige anzapfen könnte, der sich vor der Arbeit drücken möchte oder dessen Befindlichkeit gerade so ist, dass er eine Gratis-Therapie für angezeigt hält.
Niemand soll alt und krank auf der Strasse sterben in der ultraliberalen Gesellschaft. Aber sobald es möglich ist, müssen der Alte, der nicht mehr so Kranke und der Flüchtling irgendetwas helfen, sich nützlich machen. Das klingt in den Ohren fanatischer Sozialstaatstussis wahrscheinlich furchtbar roh und seelenlos – merkwürdigerweise ist in praxi meist das Gegenteil der Fall. Jeder mit einem gesunden Gerechtigkeitsempfinden ist froh, wenn er denen, die ihm geholfen haben oder immer noch helfen, in irgendeiner Form seinen Dank abstatten kann, indem er sich nützlich macht. Ausnahmen gehören aus meiner Sicht bereits zur Generation Weichei, bei denen dieses Gerechtigkeitsempfinden und der Stolz darauf, sich nützlich machen zu können, bereits hinter der Rolle des windeltragenden Heiminsassen in Vergessenheit geraten ist.

 

Grundrechtskonkurrenz

Wenn Grundrechte in Konkurrenz geraten, zum Beispiel die vom degenerierten Freisinn längst zum höchsten Wert erkorene weltweite Wirtschaftsfreiheit oder die in unserer Verfassung garantierte Religionsfreiheit mit dem Recht auf Selbstbestimmung, so entscheidet sich der Ultraliberale sonnenklar und in jedem Fall für das Recht auf Selbstbestimmung. Genauso wenn die Meinungsäusserungsfreiheit mit irgendwelchen Befindlichkeiten und Unlustgefühlen zarter Seelen konkurriert. Er hält Weghören und sich eine etwas dickere Haut zulegen für zumutbar. Ihm ist es auch piepegal, was andere für Klamotten tragen oder nicht tragen. Aber die möglichst schrankenlose Freiheit des Outfits korreliert natürlich mit der Freiheit des Eigentümers eines Unternehmens oder eines der ganz ganz wenigen Staatsbetriebe, nach seinem Gusto Bekleidungsvorschriften zu machen. Wenn ein Luxusrestaurant Anzug mit Krawatte vorschreibt und der Nacktbadestrand nacktes Erscheinen, so findet der Ultraliberale dies völlig in Ordnung. Wichtig ist ihm – wie immer – die Freiwilligkeit. Es braucht ja niemand hinzugehen, weder in den Luxustempel noch an den 'Blüttlerstrand'. Wenn eine Frau aus freien Stücken Burka tragen will, ist das für ihn kein Problem, ja bei vielen Frauen fände er mehr Verhüllung sogar durchaus hilfreich, aber erzwungenes Burkatragen widerspricht seiner Vorstellung von Freiheit, die weder quantitative noch qualitative Unterschiede kennt zwischen den Geschlechtern.
Religiöse jedweder Couleur dürfen im ultraliberalen Staat durchaus auch hirnrissige Rituale durchführen von Halleluja-Singen über das gegenseitige Köpfe-Einschlagen bis zum kollektiven Selbstmord – all das grossenteils lächerliche Getue der Menschen, ob religiös, ideologisch oder sonstwie konnotiert, ist dem Ultraliberalen genau so lange egal, wie es weder ihn noch andere zum Mitmachen zwingt. Sein Motto ist 'Toleranz und Distanz'. Die einzige Grenze – allerdings eine messerscharfe – ist demzufolge die physische Beeinträchtigung der Selbstbestimmung von Menschen, die dem ganzen Humbug nicht zugestimmt haben. Hier kommt die untrennbar mit der Freiheitsutopie verknüpfte Verantwortung ins Spiel. Das beginnt bei der Taufe von Kleinkindern, die nichts dazu sagen konnten, über die Beschneidung minderjähriger Mädchen, die im ultraliberalen Kollektiv als schwere Körperverletzung gnadenlos strafrechtlich verfolgt wird, völlig unabhängig von allen Hinweisen auf Religion, Tradition, Kultur und was auch immer, bis zu der Sorte Terroristen, die all denen die Kehle aufschneiden, die ihren 'Allahu' nicht für den einzigen halten, der 'akbar' sein soll. Hier verlässt der Ultraliberale als rücksichtsloser Verfechter der Selbstbestimmung seine 'Toleranz-und-Distanz-Hütte' und schlägt zu. Im Unterschied zu den ultralinken Gesprächstherapeuten und Diplomaten nicht plappernd und feilschend, sondern eher wie die T-Killerzellen seines Körpers. Er hat nicht einmal den Hauch von Respekt vor Vorwänden wie 'Religionsfreiheit', 'Kultur', 'Tradition', 'Sitte', 'Ortsgebrauch', wenn es um die Verletzung der Selbstbestimmung nicht ausdrücklich Einverstandener geht – eine Haltung, die auch unmissverständlich im Strafrecht des ultraliberalen Staates zum Ausdruck kommt. All die erwähnten faulen Ausreden taugen auch nicht als strafmildernde Umstände.
Das Strafrecht der Ultraliberalen ist meilenweit von der Kuschelstrafjustiz der ultralinken Utopie entfernt, wo der Resozialisierungsgedanke alle anderen Strafgründe wie Schutz der Gesellschaft, Sühne, General- und Spezialprävention völlig in den Hintergrund gedrängt hat.
Eingriff in die Selbststimmung anderer, die sich noch nicht oder nicht mehr effizient zur Wehr setzen können, ist aus ultraliberaler Sicht Ausdruck der Nichtrespektierung der Freiheit anderer und mithin ein Zeichen höchster Intoleranz. Und der Intoleranz begegnet auch der liberalste Liberale nicht mit Toleranz, sondern mit dem einzigen, was der Intolerante kapiert: mit strafrechtlicher Verfolgung, Landesverweis oder – spätestens beim Terroristen – mit Waffengewalt. Ein guter Grund, weshalb jeder Ultraliberale auch an den Waffen ausgebildet sein sollte.
Wer einverstanden ist damit, äusserlich oder innerlich verletzt zu werden, kann sich hingegen im ultraliberalen Kollektiv piercen und tätowieren lassen von oben bis unten, sich vollfressen, zu Tode rauchen, trinken oder sich mit anderen Drogen das Hirn rauspusten, er kann auch solange grauslichen Schund lesen, hören oder schauen, bis er depressiv oder verblödet ist – das alles kümmert den Ultraliberalen wenig, solange die wenigen oben aufgeführten Bedingungen eingehalten werden. Im Unterschied zum ultrarechten und ultralinken Staat kümmert sich der Ultraliberale aber auch nicht gross um den, der sich bewusst selbst gefährdet oder schädigt – das ist die Kehrseite der Freiheits-Medaille. Sie trägt einen Namen, den Angehörige der Generation Weichei nicht einmal buchstabieren könnten: Eigenverantwortung.

 

Solidarität

Zentral an der ultraliberalen Utopie ist der untrennbare Konnex von Freiheit und Verantwortung und die Freiwilligkeit der Solidarität mit den Mitwesen, die entsprechend unterschiedlich ausfällt und am ehesten wieder mit der Analogie zu unserem Körper erklärt werden kann. Jeder nimmt freiwillig nur das zu sich, was ihm gut tut – oder wovon er zumindest annimmt, dass es ihm gut tut. Gegen Eindringlinge, von denen er glaubt, dass sie ihm schaden oder die sogar ihre Absicht kundtun, ihm zu schaden, setzt er sich zur Wehr. Für das bereits angesprochene Problem des Umgangs mit Notleidenden und echten Flüchtlingen bietet sich die Analogie zur innerfamiliären Solidarität an. Die meisten von uns würden verunfallte oder sonstwie in grosse Not geratene enge Verwandte in dem uns möglichen Mass unterstützen – aber nur solange, bis sie sich wieder selbst helfen und Eigenverantwortung übernehmen können. Wer nur die Füsse unter den Tisch streckt, unser Hab und Gut verprasst, während wir arbeiten, verliert sehr bald den Solidaritätsanspruch gegenüber dem Ultraliberalen. Er wird nötigenfalls mit einem Fusstritt daran erinnert, wieder in die Hände zu spucken. In diesem Sinn und Geist verfährt er auch auf der Makroebene des Staatswesens. Flüchtlinge, die dort, wo sie herkommen, um Leib und Leben fürchten müssen oder sonst in grosser Not sind, werden selbstverständlich aufgenommen. Aber sobald sie irgendetwas helfen und arbeiten können, zögert der Ultraliberale nicht, ihnen einen Pickel in die Hand zu drücken – mit dem Effekt, dass sich echte Flüchtlinge sofort besser fühlen, wenn sie ihrem Gastland in dieser Form etwas zurückgeben können.

 

Empathie

Ähnlich beschränkt wie die Solidarität ist das Mass an Empathie, das hierzulande dem bequemen, am Staatstropf hängenden oder kriminellen Insassen der Generation Weichei entgegenbrandet, der sich an die Segnungen eines ausgebauten sozialen Wohlfahrtsstaates gewöhnt ist. Aber da der Ultraliberale gar keine fixierte Vorstellung von 'richtig leben' hat, die über 'selbstbestimmt leben' hinausgehen, sieht er auch keinen Grund, ständig von Empathie und Besserwisserei getrieben ins Leben anderer einzugreifen. Solange keiner dem Tode nahe auf der Strasse um Hilfe fleht und niemand seine Autarkie gefährdet, können alle machen, was sie wollen. Wenn sie sich dabei äusserlich und innerlich ruinieren oder sich sogar ins Jenseits befördern wollen, ist das ihre Entscheidung.
Der Unterschied zu den besserwisserischen Taking-Care-Tussis in unserem feminisierten Wohlfahrtsstaat könnte gar nicht grösser sein. Diese glauben zu wissen, wie man richtig lebt, wie man richtig isst, trinkt, sich bewegt, wie man Kinder auf die Welt bringt und zu Weicheiern heranbildet, welche Hunde man halten darf und welche nicht und wie man sie richtig hält, welche Sportarten und Freizeitbeschäftigungen okay sind und welche nicht, was man wann, wo und warum an Klamotten tragen darf, soll, muss und ganz generell wann und wie man was denken, sagen, tun soll, und hunderttausend Dinge mehr, die dem Ultraliberalen alle schnorz sind, solange ihn niemand zwingt, irgendwelchen Quatsch mitzumachen oder – noch schlimmer – irgendwelchen Anordnungen Folge zu leisten. Wenn diese zwei Welten zusammenprallen, gibt es allerdings Zoff. Was mit Kindergärtnerinnen passiert, die das Znünitäschli eines Sprössling aus ultraliberalem Haus nicht nur kontrollieren, sondern den Inhalt womöglich konfiszieren und die Eltern unverblümt auffordern, aus Gründen der Gesundheit, der Gleichheit und der Solidarität mit den übergewichtigen 'Gspänlis' in Zukunft nur noch biodynamisch-vegan-gluten-fett-zuckerfreies Obstnussgemüse mitzugeben, kann man sich unschwer vorstellen.

 

Eigenverantwortung - vom Aussterben bedroht

Die Kehrseite der Medaille im ultraliberalen Konzept ist also die Eigenverantwortung des so einzigartigen, so ungleichen und so freien Einzelnen. Er wird weder gelenkt und geführt wie im rechtsextremen Kollektiv noch fürsorglich in die Windeln und dann schon bald in den Rollstuhl gedrückt, zwangsernährt und dauerbetreut wie im linksextremen Kollektiv. Weder die Stasi noch die Care-Teams umschwirren ihn. Wenn er auf die Schnauze fällt, muss er sich selbst wieder hochrappeln oder einen Nachbarn rufen, so er einen hat und noch rufen kann. Er ist weder zwangsversichert noch lässt der Nachwächterstaat jedem die Segnungen der allerneusten Spitzenmedizin angedeihen. Wenn er krank wird oder verunfallt, so reicht es eben nur gerade für die medizinische Versorgung, für die er sich entschieden hat. Die Chance, dass er mit dem dritten Schweineherzen und vielen anderen Gerätschaften im Leibe noch ein paar Jahrzehnte dement in Heimen vor sich hindämmert, ist vergleichsweise gering und es ist nicht nur möglich, sondern sogar sehr wahrscheinlich, dass er nicht ganz so alt wird wie der immer brav sich lenken bzw. bemuttern Lassende in den beiden andern Gesellschaftsformen. Wobei im ultrarechten Modell die vielen frühen Tode auf dem Schlachtfeld die Statistik wieder etwas zurecht rücken könnten. Und sobald man die Lebensqualität versuchsweise auszuloten beginnt, stiehlt – behaupte ich – das ultraliberale Modell den beiden andern wieder die Show.

 

Das abenteuerliche Leben eines Revoluzzers

Der Ultraliberale hat – wenn er denn noch dazu kommt und überhaupt welche hat – seinen Enkeln einiges an Geschichten zu erzählen. In seinem Leben ist vieles passiert. Er konnte viel gestalten, bewirken, Wege und Irrwege gehen, Höhenflüge unternehmen und abstürzen, natürlich auch unzählige Dummheiten anstellen, Niederlagen einstecken, Schmerzen und Verluste erleiden. Aber alles, was ihn nicht umbrachte, machte ihn stärker. Er lernte die Grenzen des Aushaltbaren immer weiter hinaus zu drängen, lernte sich an kleinen Schönheiten, an winzigem Gelingen zu freuen. In der ersten Lebenshälfte ist er rebellisch, wirft den Göttern und ihren vermeintlichen Stellvertretern auf Erden den Fehdehandschuh hin, wie Prometheus im gleichnamigen Gedicht von Goethe:


Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst,
Und übe, dem Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn;
Mußt mir meine Erde
Doch lassen stehn,
Und meine Hütte, die du nicht gebaut,
Und meinen Herd,
Um dessen Gluth
Du mich beneidest.
Ich kenne nichts Aermeres
Unter der Sonn’, als euch, Götter!
Ihr nähret kümmerlich
Von Opfersteuern
Und Gebetshauch
Eure Majestät,
Und darbtet, wären
Nicht Kinder und Bettler
Hoffnungsvolle Thoren.

Da ich ein Kind war,
Nicht wußte wo aus noch ein,
Kehrt’ ich mein verirrtes Auge
Zur Sonne, als wenn drüber wär’
Ein Ohr, zu hören meine Klage,
Ein Herz, wie mein’s,
Sich des Bedrängten zu erbarmen.
Wer half mir
Wider der Titanen Uebermuth?
Wer rettete vom Tode mich,
Von Sklaverey?
Hast du nicht alles selbst vollendet,
Heilig glühend Herz?
Und glühtest jung und gut,
Betrogen, Rettungsdank
Dem Schlafenden da droben?
Ich dich ehren? Wofür?
Hast du die Schmerzen gelindert
Je des Beladenen?
Hast du die Thränen gestillet
Je des Geängsteten?
Hat nicht mich zum Manne geschmiedet
Die allmächtige Zeit
Und das ewige Schicksal,
Meine Herrn und deine?
Wähntest du etwa,
Ich sollte das Leben hassen,
In Wüsten fliehen,
Weil nicht alle
Blüthenträume reiften?

Hier sitz’ ich, forme Menschen
Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sey,
Zu leiden, zu weinen,
Zu genießen und zu freuen sich,
Und dein nicht zu achten,
Wie ich!

In der zweiten Lebenshälfte erkennt er seine Hybris und begibt sich auf den Heimweg. Aber einen Heimweg kann nur antreten, wer wegging vom 'Vater', wer seinen eigenen Weg ging, auf eigene Faust seine Abenteuer erlebte. Eines der zentralsten Geheimnisse, das tausendfach erzählt wurde und wird, das auch seinen Niederschlag im Gleichnis vom verlorenen Sohn gefunden hat, wo der Sohn, der immer brav zuhause blieb, nicht versteht, dass der Vater ein Fest macht für den, der wegging, der eben nicht brav, nicht gehorsam war, der sich weder mit Gewalt noch mit Regeln und Fürsorge als Gleicher ins Räderwerk des Kollektivs einordnen liess. Und genau dieses Geheimnis haben die linken Promotoren des sozialen Wohlfahrtsstaats, die Generation Heimleitung, die fast identisch ist mit den Vertretern der ultralinken Utopie, noch nicht gelüftet. Letztlich ist es die offensichtlichste Grundstruktur, die sich auch in den Lebenshälften zeigt, die omnipräsente Sinuskurve, die alles Lebendige prägt und bei der der Ausschlag in die eine Richtung den Ausschlag in die andere Richtung erfordert, ja erzwingt.

 

Rudimentärstmöglicher Sozialstaat

Nicht nur, aber ganz besonders für die Untertanen im ultrarechten oder die Insassen im ultralinken Modell ist der Staat das ganz Andere, der grosse allmächtige Moloch mit fast unbeschränkter Macht, der Gottes-, Vater- oder Mutter-Ersatz – zumindest für die, die sich nicht die Wissenschaft dazu auserkoren haben. Und genau wie Gott oder die Wissenschaft muss doch auch der allmächtige Staat, das grosse Gegenüber, helfen, wenn man ein Bedürfnis hat. Man muss die hohle Hand machen können, man muss Leistungen, Sicherheit, Gewissheit, Orientierung und Begleitung einfordern dürfen.
All dies funktioniert nicht im ultraliberalen Staat, der – wie eingangs erwähnt – nicht mehr sein will, sein soll als der freiwillige Zusammenschluss derer, die ihn ausmachen. Für den Ultraliberalen ist der Staat eben gerade kein Gegenüber und schon gar nicht allmächtig – er ist nicht mehr und nicht weniger als das 'Wir' der paar ultraliberalen Bürger, deren Zusammenwirken nicht nur bei der Gründung, sondern bei jedem weiteren Schritt von der unhintergehbaren Freiwilligkeit geprägt ist. Und so wird nachvollziehbar, dass dieser Zusammenschluss nur das Allernotwendigste betrifft und nur einen winzigen Teil des Regelbaren regelt – ganz im Gegensatz zur ultralinken Utopie, die alles regeln will, auch das Unregelbare. Mit der Freiheit des Sozialhilfeempfängers, sich überall freimütig bedienen zu können, ist es deshalb nicht so weit her, wie vielleicht erhofft in Missdeutung des Terms liberal, die vielleicht mit dazu führte, dass sich in den USA die Linke mit diesem Etikett schmückt.
Den Sozialstaat westlicher Prägung gibt es in der ultraliberalen Utopie gar nicht – oder, etwas diplomatischer ausgedrückt: er ist sehr rudimentär ausgebaut. Im Unterschied zu den beiden beschriebenen etatistischen Gesellschaftsutopien weist das ultraliberale Kollektiv eine für nach staatlicher Unterstützung gierende Bevölkerung viel geringere Berechenbarkeit, Ordnung, Sicherheit und Verlässlichkeit auf. Schon aus dem einfachen Grund, weil der Staatsapparat so klein gehalten wird wie irgendmöglich und ihm seine Flügel ständig von den Mitgliedern gestutzt werden, die nichts, aber auch gar nichts an Staatsmacht akzeptieren, was sie nicht für unbedingt nötig erachten. Es gibt weder ein Gratis-Gesundheitssystem noch Sozialhilfe im heute in den Wohlfahrtsstaaten selbstverständlichen Ausmass. Geholfen wird nur denen, die tatsächlich in grosser Not sind. Damit ist zwar der heute übliche Missbrauch des Gesundheitswesens und der Sozialhilfe nicht möglich, aber es bedeutet auch für den Einzelnen, dass er sich vermehrt selbst aus dem Sumpf herausziehen muss, in den er sich manövriert hat. Wer arbeitslos wird, kann nicht sofort die hohle Hand machen. Er muss sich um irgendwelche Arbeit bemühen, solange er noch irgendetwas tun kann. Es gibt im ultraliberalen Staat deshalb weniger Faule, weniger Fettleibige, weniger wegen jedem 'Boboli' zum Arzt Huschende – und damit zumindest weniger 'Krankgemeldete'.
Aus Sicht des Ultraliberalen lässt sich die Dekadenz einer Gesellschaft quantitativ am Prozentsatz seiner 'Kranken', qualitativ am Geschwätz über Krankheit, an der Priorität, die diesem in nichtdekadenten Gesellschaften nahezu totgeschwiegenen Thema zugemessen wird.
Selbstverständlich haftet jeder mit Arbeitsteilung und Rollenverteilung verbundenen Kollektivbildung ein paternalistisches oder maternalistisches Element an. Das Kleinkollektiv der Familie liefert ja bereits die beiden Begriffe, die dort noch nicht metaphorisch gemeint sind. Vater und Mutter sorgen verhältnismässig, also dem Alter ihrer Sprösslinge angepasst, für Schutz, Nahrung, Bewegungsfreiheit und Bildung ihrer Kinder. Und zwar nicht länger und nicht umfangreicher, als für das einzelne, einzigartige Kind erforderlich, mithin nicht für alle gleich. Wenn wir diese simpelsten Aufgaben auf den ultraliberalen Staat übertragen, haben wir bereits Auftrag und Grenzen dieses rudimentären Sozialstaats umrissen.
Auch in jeder Sippe, jedem Verein, jedem Kleinunternehmen, jedem Gemeinwesen entstehen durch Arbeitsteilung und Rollenverteilung unterschiedliche Verantwortlichkeiten, Verflechtungen und Abhängigkeiten, die es aus ultraliberaler Sicht so klein, so gering – und jederzeit lösbar, ersetzbar auszugestalten gilt, Verantwortung immer nur so weit und so lange zu delegieren, wie unbedingt nötig, um damit die Entmündigung der andern in Schranken zu halten. Es geht also nicht um ein Entweder-Oder, um Null-Staat versus totalen Staat, sondern um Quantität und Qualität des Verantwortungstransfers vom Subjekt zum Kollektiv nach der Maxime, diesen so gering und rückgängig machbar wie möglich zu halten – das Gegenteil des exponentiell zunehmenden Expertenwahns und der Scheuklappen-Fachidiotie im dekadenten Wohlfahrtsstaat.

 

Wirtschaftsfreiheit

Im ultraliberalen Staat herrscht grösstmögliche Wirtschaftsfreiheit. Die klare Grenze ist – wie bereits unter 2.6.13 bei der Grundrechtskonkurrenz angesprochen – die Selbstbestimmung. Und da er die Autonomie bestenfalls im Innern des ultraliberalen Kollektivs überwachen kann, ist auch die Wirtschaftsfreiheit nur im Innern, im binnenstaatlichen Austausch grösser als in anderen Gesellschaften. Im Aussenbereich wacht der Ultaliberale wie Cerberus der Höllenhund darüber, dass weder seine individuelle noch die kollektive Autonomie angekratzt wird. Als Beispiel mag das ewige Geschrei um die Beziehungen der Schweiz zur EU herhalten. Die EU-philen stellen die supranationale Wirtschaftsfreiheit in den Vordergrund und beschreiben in grauslichen Szenarien, wie ein Fernbleiben von der EU, das Scheitern des bilateralen Wegs und nur schon der Verhandlungen um ein Rahmenabkommen uns ins Mittelalter und in tiefste Hungersnöte stürzen würde. Der Ultraliberale ist für solche Horrorgeschichten unempfänglich. Ihm ist Autonomie, Autarkie und Selbstbestimmung wichtiger als der Grad des 'Wohlstands'. Deshalb hält er imZweifelsfall Abstand von allen Deals, die seine Autonomie schmälern könnten.
Im innerstaatlichen  Bereich ist es der immer wieder neu debattierte ethische Grundkonsens, der sich um die Nachhaltigkeit der Freiheit rankt, der die Freiheit des Einzelnen und der Unternehmen in wirtschaftlicher Hinsicht begrenzt. Da der Ultraliberale sich im Unterschied zum ultralinken und ultrarechten nicht anmasst, zu wissen, wie der Einzelne 'richtig' zu leben habe und er seine Mitbürger auch nicht vor allem und jedem schützen zu müssen glaubt, lässt er auch im Wirtschaftsbereich eine viel grössere Freiheit zu. Werbeverbote für Genussmittel oder das Verbot von Büchern, Aussagen, Filmen oder religiöser Aquisitionstätigkeiten hält er für lächerlich. Der Umgang mit Vorurteilen generell und Werbung, Verführungstechniken, Ideologen und Missionaren jedweder Art speziell wird ab frühester Jugend thematisiert und trainiert – mit dem Effekt, dass sich entsprechend vorbereitete Kinder und Jugendliche futsch lachen über das Gesäusel all der Möchtegernverführer. Aus der Sicht aller Fundis, aller Ideologen, Popen und Wissenschaftsgläubigen, aber auch aus der Warte von Markenartikelanbietern und Modepäpsten, die ebenfalls von der Dummheit der blinden 'Hinterherhöseler' leben, sind dies im wahrsten Sinne des Wortes aufgeklärten jungen Bürger aber lästig und gewinnmindernd,weil diese Sorte Kids auf nichts mehr reinfällt, da sie in guter ultraliberaler Tradition alles hinterfragen, insbesondere das, was ihnen mit brachialen Methoden einzutrichtern versucht wird.
Aus seinem Autonomiebedürfnis und der Hochwertung der Eigenverantwortung heraus misstraut der Ultraliberale aller staatlichen Macht, die nicht zwingend und undelegierbar dem Schutz der Freiheit der Bürger dient. Aber sogar bei den Aufgaben der Polizei und der Armee delegiert er alles, was die Bürger nicht selbst tun können, weitestgehend an private Unternehmen, die von der Bürgergemeinschaft viel besser kontrolliert und zur Bestleistung angetrieben werden können als die genuin das Gesetz der Entropie bestätigenden staatlichen Institutionen. Denn über das Wundermittel der Konkurrenz, wie sie in der Privatwirtschaft herrscht, können im ultraliberalen Staat die Krebsübel des Beamtensystems wie Korruption, Ineffizienz, Faulheit, Arroganz, Machtmissbrauch und vieles mehr vermieden werden. Auch ein Gefängnis, eine Gemeindeverwaltung, ein forensisches Labor der Kripo, eine Polizeiakademie, ein Offiziersausbildunginstitut, eine Tierverkehrsdatenbank und vieles mehr können privat besser, effizienter geführt und auch besser von den Bürgern kontrolliert werden. Bei Schlechterfüllung oder nur schon, wenn das Verhältnis von Aufwand und Ertrag nicht stimmt, kriegt ein anderer Anbieter eine Chance. Dieser Druck, dass man gefeuert wird, wenn man seinen Job nicht gut macht, funktioniert seit tausenden von Jahren wunderbar. Aber er bedeutet, dass man sich anstrengen muss, sich in die Arbeit knien muss – und Arbeit widerstrebt linken Care-Freaks wie jede Form von Anstrengung.
Wer sich vom Unterschied zwischen der Arbeitsmentalität von Staatsbeamten und Privaten ein rasches Bild machen will, gehe an die nächste Zollstelle und bringe irgendein nicht alltägliches Anliegen vor, geniesse die Wartezeit, die gehässigen Fratzen, die Ungepflegtheit und Hässlichkeit der missmutig Herumsitzenden, den vorwurfsvoll-verächtlich geäusserten abschlägigen Kommentar zu seinem Anliegen – und dann sause er am besten gleich anschliessend zur Erholung in ein von Italienern geführtes Restaurant und bestelle eine ganz eigenwillig zusammengestellte Spezial-Pizza. Zuerst wird er freundlich, ja herzlich empfangen, und wenn er auch nur ein klitzeklein bisschen Glück hat, hat er Sekunden später ein vom Haus spendiertes Getränk auf dem Tisch und sein Wunsch wird nicht nur unkompliziert erfüllt, sondern mit dem Angebot weiterer Zusätze gekrönt. Spätestens beim ebenfalls aufs Haus gehenden Grappa vor dem Gehen wird ihm klar, warum wir niemals der EU beitreten dürfen: weil arbeitslose Zöllner nicht nur auf der Strasse stünden, sondern auf der Strasse blieben. Nur ein Typ wie Jesus würde sie einstellen – mit bekanntem Resultat für ihn und seinen Jünger-Club.
Es kann nicht verwundern, dass der Ultraliberale ganz besonders den Staatsbetrieben misstraut, die sich mit Staatsmacht und Staatsgeldern im Rücken in die Privatwirtschaft einmischen, wie das hierzulande üblich ist mit SRG, Post, Bahn, staatlich gestützten Kantonalbanken, Rüstungsbetrieben, SUVA etc. Da versuchen Beamte aus der geschützten Werkstatt heraus, sich in die abenteuerliche Welt der Privatwirtschaft zu begeben, müssen aber nie deren Risiken tragen. Versagen, Verluste, Niederlagen, Pleiten werden vertuscht, die Beamten ziehen den Schwanz ein und werfen sich wieder an die Brust des sie nährenden und versorgenden 'Nannystate'. Im ultraliberalen Staat gibt es keine solchen Betriebe, da wie oben skizziert alles privat geführt wird, was auch nur im geringsten unternehmerische Fähigkeiten erfordert, Talente, die keiner Spezies mehr fehlen als dem typischen Beamten.
Im weiteren kann – wie die Schweiz ansatzweise zeigt – ein Grossteil der öffentlichen Ämter ehrenamtlich besetzt werden. Im ultraliberalen Staat wären es noch viel mehr. Ich bin überzeugt, dass wir jederzeit sieben Bundesräte fänden, die den Job auch ohne Bezahlung machen würden. Und mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht schlechter als die gut bezahlten Amtsträger von heute. Aber der Aufschrei von links wäre bis zum Nordpol zu hören – obwohl dem Gebot der Gleichheit doch Genüge getan wäre, wenn alle gleich viel, nämlich nichts kriegten. Auf jeden Fall zielt der ultraliberale Staat klar auf eine Beamtenquote ganz nahe bei null Prozent.

 

Trutz

Die Bürger eines solchen Kollektivs sind schwierig lenkbar. Es sind anstrengende, kritische, aufmüpfische Zeitgenossen, die ihre Freiheit schützen wie ihren Augapfel. Wer im ultraliberalen Kollektiv Macht ausüben, ja nur schon die beschlossenen Regeln durchsetzen will, hat es weder mit kadavergehorsamen, dank Gestapo- und Stasi-ähnlichen Machtapparaten gefügigen Arbeitersoldaten, noch mit willfährig-dementen Heiminsassen zu tun, sondern mit trutzigen, freiheitsliebenden, allen gleichmacherischen Regeln schon aus Prinzip misstrauenden, ihre kleinen 'Freiheits-Reiche' mit allen Mitteln verteidigenden, unbequemen Figuren zu tun, die nicht einmal im Traum auf sich aufplusternde Möchtegern-Führerfiguren oder auf die Verlockungen der ultralinken Wohlfahrts-Missionare hereinfallen. Im Gegenteil: jede Regel mit Allgemeingültigkeitsanspruch wird als Angriff auf die Autarkie und Freiheit des Einzelnen angeschaut und entsprechend misstrauisch beäugt. Und da sie ja immer alle mitbestimmen, was im Kollektiv gelten soll, gibt es auch wenig, was durch all diese Filter durchkommt.
Der Ultraliberale hat wenig Sinn für vertikale Strukturen. Jede Form von Vermassung, Hingabe, Jüngerschaft, Hooliganismus ist ihm fremd. Aber auch jede Form von Pathos und Gehorsam. Deshalb fällt er weder auf Uniformen, noch auf Titel, Orden, Ämter oder andere Embleme von Macht und Bedeutung herein. Inkompetente und Hochstapler durchschaut er, bevor sie 'Piep' gesagt haben. Im Bild der Tell-Legende: Gessler wäre im ultraliberalen Staat schon gar nicht dazu gekommen, seine doofe Stange mit dem Hut aufzustellen. Der Pfeil aus der Armbrust hätte ihn schon vorherausgeschaltet. Typisch für den Ultraliberalen ist die völlige Abwesenheit von Respekt gegenüber irgendwelchen 'Obrigkeiten'. Wenn der Landammann ein guter Typ ist, der seine Sache recht macht, dann wird er akzeptiert wie der Bäcker, der gutes Brot bäckt. Er wird als kompetenter Mitbürger respektiert, nicht wegen seines Machtanspruchs als 'Obrigkeit'. Der Gegensatz zum typisch deutschen Menschen in seiner fast grenzenlosen Obrigkeitshörigkeit, seiner tief verinnerlichten Vorstellung einer völlig durchstrukturierten Vertikalität der Gesellschaft, in der es als Tugend gilt, alles daran zu setzen, um nach 'oben' zu kommen, könnte nicht grösser sein. Es gibt wohl keine grössere Herausforderung (um nicht den Filmtitel der 'Mission Impossible' zu benutzen), als in Deutschland ein ultraliberales Kollektiv einzurichten. Wenn der Ultraliberale jemanden für einen Trottel hält, dann kümmert es ihn keinen Dreck, ob der Kaiser von China oder Landstreicher ist. Und wenn er jemandem Anerkennung zollt, ist es genauso wurst, was der für einen 'Status' hat. Es kann auch ein politischer, wirtschaftlicher oder sportlicher Gegner sein. wenn er trutzig, autonom und kompetent ist, zollt der Ultraliberale ihm Respekt. Diese Haltung kann man vielleicht nachvollziehen, wenn man sich den Wortgebrauch der Schwinger näher anschaut: Ein 'Böser' ist ein besonders 'Guter'. Es ist ein Kompliment, wenn der Schwinger einen anderen als einen 'Bösen' bezeichnet. Darin schwingt Respekt mit vor dem Können des andern, aber auch vor seiner Gefährlichkeit als potenzieller Gegner im Ring.
Diese grundsätzliche Horizontalität der Sicht des Ultraliberalen auf das, was für den typischen Deutschen tausendfach abgestufte Vertikalität ist, müsste den ultralinken Gleichheits-Anbetern eigentlich gefallen. Aber bei näherem Hinsehen sind dem Ultraliberalen natürlich keineswegs alle gleich viel wert. Er verwendet nur einen anderen Bewertungsmassstab als der, der in vertikalen Hierarchiestrukturen denkt und sich von 'Obrigkeiten' beeindrucken lässt. Weitgehend pathosfrei, kritisch und nüchtern wertet der Ultraliberale nur Sein, nicht Schein. Und beim 'Sein' beeindruckt ihn wiederum nur selbst erworbene Kompetenz und Autonomie – und nicht geliehene oder angemasste Macht.
Die ultraliberale Gesellschaft ist regelarm und der ultraliberale Bürger kaum begeisterbar für ideologische Fürze, aber auch nicht für grosse Projekte. So ist es nicht verwunderlich, dass die Segnungen des technischen Fortschritts nicht so leicht eindringen, dass es etwas länger dauert, bis AKW's und Autobahnen gebaut werden. Wenn sich der Ultraliberale für technischen Fortschritt interessiert, dann am ehesten im Bereich Waffentechnologie, um im Notfall möglichst effizient und erfolgreich seine Freiheit verteidigen zu können. Aber auch auf der physischen und psychischen Ebene des Einzelnen ist der Ultraliberale an einem gut funktionierenden Immunsystem erkennbar. Ein eher hartes Pflaster für die Heilerbranche. Am ehesten gibt es ab und zu Arbeit für die Chirurgen, weil die Ultraliberalen dazu neigen, risk-lastig, also 'wild und gefährlich' zu leben.

 

Mühsal für die Politikerkaste

Die Schwierigkeiten, mit einer solchen Bande von in der Wolle gefärbten Autonomisten zurande zu kommen, mag deshalb all diejenigen Politiker frustrieren, die gern grosse Würfe realisieren würden, um in die Geschichtsbücher einzugehen. Dieser innige Wunsch, die eigene Bedeutung zu erhöhen, zeigt sich aktuell im Bedürfnis der helvetischen Exekutive, sich irgendwie doch noch in die EU zu schlängeln und sich so einen Platz im grösseren Orchester zu sichern. Dieser Menschenschlag des Berufspolitikers passt nicht in den ultraliberalen Staat. Jeder ist hier Politiker, aber nur in dem Masse, wie es unbedingt nötig ist, um das Eindringen des Staates in 'sein Reich' und seine Kompetenzen abzuwehren. Wenn der Ultraliberale auf die Barrikaden geht, dann meist, um den Moloch Staat klein und auf Distanz zu halten, abzuwehren, im Zweifel immer eher zu schwächen als zu stärken. Wenn er überhaupt je das 'Vater unser' betet und die Stelle murmelt 'Dein Reich komme', dann meint er mit dem 'Reich', das da kommen soll, das Gegenteil eines ihm von aussen aufs Auge gedrückten Reiches. Eigentlich meint er 'mein'Reich komme, nämlich das herrliche Reich der Freiheit, der Selbstbestimmung, der Autonomie und Autarkie – und entpuppt sich damit auch als wenig talentiertes Kirchenschaf.

 

Paradox: Freiheitseinschränkung zum Schutz der Freiheit

Bei aller Abwehr gegen jede Form der Freiheitseinschränkung ist der Ultraliberale noch am ehesten zu haben für eine starke Miliz-Armee, um all denen eins auf die Fresse geben zu können, die ihm die geliebte Freiheit nehmen könnten. Nicht mit der gewaltgeilen Kriegsbegeisterung der Ultrarechten, sondern mit Murren und Knurren leistet er Militärdienst und erträgt die Knechtschaft und das von der Sache her gerechtfertigte hierarchische System für die Ausbildungszeit und dann für die kurzen Zeiten seines jährlichen Dienstes. Er nimmt ein paar Wochen relativer Unfreiheit in Kauf, um einen Beitrag leisten zu können, wenn es je darum gehen sollte, die 'grosse Freiheit' des selbst gebastelten und im Zaume gehaltenen Staatswesens zu verteidigen. Wenn es aber dazu kommt, ist er ein gnadenloser Kämpfer, mindestens so gewaltbereit – oder eher noch gewaltbereiter – wie der herangezüchtete Soldat im ultrarechten Staat, aber weniger kadavergehorsam, mehr im Auftragsstil führend und geführt werden wollend – und ohne das nationalistische oder gar ethnisch-rassistische Pathos der Ultrarechten, das er lächerlich findet.
Der Ultraliberale ist ein nicht leicht zu führender Soldat, aber wenn er überzeugt ist und die Absicht seines Vorgesetzten kennt und bejaht, gibt es kaum einen besseren, da er sein Hirn weiterhin wach hält und benutzt. Er ist Lichtjahre entfernt vom Heiminsassen des ultralinken Staats, der faul, feige, fett und dement vor sich hinglart und die Abwehr allfälliger böser Buben – wie alles ausser schnaufen, saufen, fressen und scheissen (wobei auch da im Bedarfsfall die Fürsorge behilflich sein muss) – an den Staat delegiert, der das gefälligst mit sowas Grauslichem wie einer 'Berufsarmee' erledigen soll. Diese Berufsarmee darf sich bei den Ultralinken auch gern zur Gänze aus Söldnern anderer, weniger dekadenter Staaten zusammensetzen – damit hat der Heiminsasse sowenig Probleme wie beim Fussball, wo er ja seine schrankenlose Willkommenskultur vielleicht am deutlichsten zelebriert.

 

Schlechter Boden für Möchtegern-Führer

Führergestalten und Millionenschlächter vom Zuschnitt Hitlers, Stalins, Maos, Pol Pots und all ihrer Nachfolger im Reich der Mitte, der Putins, Erdogans, Orbans und all der Diktatörlis in Afrika, in den arabischen und fernöstlichen Staaten haben keine Chance im ultraliberalen Staat. Sie kämen nicht einmal bis in die RPK von Hundwil. Nicht nur, weil sie schon ganz am Anfang ihres Karriereversuchs als lächerliche Spinner links (oder besser: rechts) liegengelassen würden, sondern vor allem deshalb, weil überhaupt kein Bedarf nach ihnen besteht. Kein Liberaler hat auch nur den Hauch von Lust, irgendeinem Oberguru hinterher zu 'höselen'. Man stelle sich den krakeelenden Adolf 1933 an der Landsgemeinde Appenzell Innerrhoden vor. Er wäre wahrscheinlich ausgelacht und von der Bühne geholt worden, und ein paar tolerante Kollegen hätten ihm beim Bier erklärt, dass er ja mal bei der Laienspielgruppe Schlatt-Haslen anfragen könne, ob man aus seinem fürchterlichen Geplärr eine Komödie machen könne. Bei allfälliger Renitenz hätte man ihn zumindest über die Kantonsgrenze verfrachtet – den wenig geliebten Ausserrhödlern hätte man mit Vergnügen einen solchen 'Löli' unter die Weste gejubelt. Ein tief sitzendes Misstrauen allen Aufgeplusterten, allen Eingebildeten, allen sich für fürchterlich wichtig Haltenden gegenüber und ein genuiner Trutz, eine Abwehrhaltung gegen jede Form von Kniefälligkeit, Starenkult, Heldenverehrung oder Hooliganismus und gegen jegliches Machtgebaren, komme es in Form von Regeln und Gesetzen daher oder in Form von Landvögten und Vollzugsbeamten, prägt den Ultraliberalen und macht ihn zu einem sehr schwer für Pathos und Ideologisches zu begeisternden Zeitgenossen. Ein verblassender Schimmer von dieser Unlust am Hochjubeln irgendwelcher Wichtigkusse zeigt sich noch im Umgang der verbliebenen Eidgenossen mit den Bundesräten, die man ohne weiteres allein im Tram oder in einer Beiz antreffen kann, ohne das ganze Brimborium mit Bodyguards und gepanzerter Limousinen wie bei ausländischen Ministern und Staatschefs. Und sogar wenn die helvetischen Chefs mal mit 'Weibel' auftreten, kann man sich eines Lächelns kaum erwehren, da die rosawangigen, fasnächtlich gekleideten Figuren nicht so aussehen, als könnten sie ihre Schutzbefohlenen vor einer heranfliegenden faulen Tomate retten.

 

Respekt

Respekt hat der Liberale vor jedem, der Eigenverantwortung übernimmt und – wie er – für die Freiheit des Einzelnen sein Leben wagt; auch vor jedem, der irgendetwas aus seinem Talent macht – er ist überzeugt, dass jeder irgendeins hat. Er respektiert jeden, der irgendetwas gut kann und dies dann auch macht, völlig egal, was es ist, solange er mit seinem Tun nicht die Freiheit der andern einzuschränken versucht. Er macht dabei keinen Unterschied zwischen dem Strassenkehrer, der Putzfrau, dem Grossunternehmer und der Queen. Macht, Geld, Berühmtheit allein hingegen beeindruckt ihn nicht. Er hebt seinen Hintern nicht, wenn irgendein vermeintlich Wichtiger den Raum betritt – nur schon weil die Chance gross ist, dass er ihn oder sie gar nicht kennt. Jede Form von Starenkult, Heuchelei und Diplomatie ist ihm zutiefst fremd. Nicht den geringsten Respekt zeigt der Ultraliberale vor kriminellem Verhalten, das sich mit dem Hinweis auf Religion, Tradition oder irgendwelche Riten zu legitimieren versucht. Er sieht nicht ein, weshalb ein Verbrechen wie die Genitalverstümmelung von Mädchen oder die Steinigung von Frauen weniger verbrecherisch sein soll, nur weil es schon seit Jahrhunderten begangen wird, irgendein Gott es befohlen habe oder es in irgendeinem Buch stehen soll, das als 'heilig' verkauft wird. Die Anmassung der Katholischen Kirche, was ihr Oberpontifex ex cathedra erzähle, sei die absolute Wahrheit, entlockt ihm nicht mehr als ein müdes Lächeln. Wer das glauben will, soll es tun, aber es soll keiner von ihm erwarten, dass er es auch tut.
Auch all das Theater um Ernährung, Kleidung und religiöse oder ideologische Symbole interessiert ihn keinen Deut und er respektiert keine Sonderwünsche in vom Kollektiv organisierten Bereichen wie Schule, Armee oder Knast. Im Privatbereich können einverständliche Anhänger jedweden Quatschs ihre Fussballstars, Götter oder Diktatoren anbeten, sich mit dem Hitlergruss oder mit 'Allahu akbar' begrüssen, sie dürfen auf die ihnen gemässe Art ihr Vermögen verspielen, koscher oder vegan oder überhaupt nicht essen, alles oder nichts trinken oder sich auch gleich alle selbst ins Nirwana pusten – solange alle Beteiligten einverstanden sind damit und die Freiheit der nicht Dazugehörenden nicht beschränkt wird, kümmert das den Ultraliberalen nicht. Er lässt sie gewähren, schaut nicht einmal hin, aber er zollt ihnen keinen Respekt und weint den sich Wegpustenden auch keine Träne nach.

 

Identifikation mit dem Staat

Im Unterschied zum Untertanen im ultrarechten und zum Insassen im ultralinken Konzept ist der Staat für den ultraliberalen Bürger kein Gegenüber, das ihn lenkt und versorgt, sondern nur die Erweiterung des autonomen ICH zum autonomen WIR. Er sieht sich – in keiner Weise bescheiden – als zentralen, prägenden Bestandteil, wenn nicht Kern seines Staats. Natürlich sagt ihm die Vernunft, dass Kollektive nur funktionieren bei einer minimalen Kompromissbereitschaft, aber er betont dabei eindringlich das Adjektiv 'minimal'. Hingabe ans Kollektiv gibt es für ihn nur im Verteidigungsfall, dann sogar mit der Bereitschaft, sein Leben für den Erhalt der Freiheit hinzugeben. Wenn er sich sonst überhaupt je zu einer Identifikation mit dem Staat im Sinne eines 1. August-Gefühls hinreissen lässt, dann nur, weil er um die zeitliche, räumliche und inhaltliche Begrenztheit der Zulassung solcher Ausnahmen handelt. Der ultraliberale Eidgenosse kennt das Gründungsdokument seines Staates, den Bundesbrief von 1291, und er wacht darüber, dass das dort verankerte Bekenntnis zur Autonomie, zur Ablösung unfähiger Regenten und zur Ablehnung fremder Richter weiterhin gelebt wird. Weder die Aussicht auf glänzende Auftritte in multinationalen Organisationen noch die Verführung durch verlockende Geschäfte verleiten ihn dazu, von diesen Grundwerten abzuweichen.

 

Bescheidene Teamfähigkeit

Der Ultraliberale ist beschränkt teamfähig, weil er gar nicht so brennt darauf, seine Selbstbestimmung freiwillig einzuschränken, einfach nur ein Rädchen im Räderwerk zu spielen und dafür irgendein angeblich tolles Massengefühl zu erleben. Wenn es beim Nachbarn brennt, hilft er im Lösch-Team, und wenn irgendwelche 'Lölis' sein Land angreifen, dann schiesst er – durchaus koordiniert mit den Mitbürgern – diese Halunken über den Haufen. Aber nach getaner Arbeit zieht er sich gern wieder zurück und wohnt am liebsten so weit weg von seinem Nachbarn, dass er zwar sieht oder riecht, wenn es bei ihm brennt, aber nicht hört, wenn der mit seiner Frau streitet. Als Sektenbruder, Hooligan in der Fankurve, Demonstrant oder Rock-Konzertbesucher eignet er sich denkbar schlecht. Der Aufenthalt in einer Menschenmenge muss einen sehr triftigen Grund haben wie z.B. die Landsgemeinde – und muss zeitlich klar beschränkt sein. Deshalb ist ihm auch die Mentalität derer, die vom 'Bad in der Menge' träumen, völlig fremd. Applaus für einen Schwingerkönig ist in Ordnung, aber nicht zu lange – und es gefällt ihm, wenn die anderen 'Bösen', kaum hat der König seinen Muni vom Platz geführt, gleich wieder Pläne schmieden, wie sie den König entthronen und ins Sägemehl drücken wollen.

 

Latente Anthropophobie

Das Misstrauen des Ultraliberalen gegen jegliche Form erzwungener Nähe, geforderter Öffnung und aufgedrängter Vereinigung, wie sie von ultralinks und – wenn man zu der 'richtigen' Sorte Mensch gehört, auch von ultrarechts gefordert und promoviert werden, kann derart tief und die Hochwertung von Freiheit, Selbstbestimmung und Autarkie so absolut werden beim Ultraliberalen, dass die Gefahr besteht, dass er sich bei Verweigerung jeglicher Öffnung den Menschen gegenüber in die Isolation, in die Menschenfeindlichkeit und damit auch in eine Art von Lebensfeindlichkeit manövriert. Diese extreme Entwicklung findet dann statt, wenn 'Toleranz' zu 'Gleichgültigkeit' mutiert und er beginnt, die angestrebte 'Distanz' den Menschen gegenüber in Lichtjahren auszudrücken. Bis zu einem gewissen Grad ist diese Abwehrhaltung kompensierbar durch intensive Zuwendung zu Tieren, Pflanzen und zur gesamten Natur.
Bei dieser charakterlichen Ausprägung des Ultraliberalismus mutiert die anthropozentrische Form des 'Umweltschutzes', die sich darauf beschränkt, die Erhaltung des Lebensraumes für künftige Menschengenerationen zu fordern, zu einem viel umfassenderen 'Mitwelt-Respekt', der aus einem weit über die Menschheit hinaus denkenden Liberalismus allen wahrgenommenen Entitäten, also nicht nur Tieren und Pflanzen, sondern allem, was die Natur ausmacht und auch der Erde als Ganzem, Entitätsstatus und damit Anrecht auf Respektierung des ihnen Gemässen zuspricht und damit den Anspruch der Menschheit auf privilegierte Weiterausbreitung ihrer selbst und Weiterplünderung der Natur klar zurückweist. Für den Ultraliberalen ist sowohl die drastische Verkleinerung der menschlichen Präsenz auf Erden wie auch das völlige Verschwinden dieser etwas missratenen Species durchaus denkbar. Dies ist seine Art des taking care.
Aphoristisch kurz und damit natürlich auch etwas plakativ und unterkomplex, könnte man die ultraliberale Utopie zusammenfassen mit dem bereits erwähnten Schlagwort 'Toleranz und Distanz!', wenn man den Begriff 'Distanz' genügend weit fasst und den Rauswurf, die Einkerkerung derer, die seine Selbstbestimmung oder die anderer Nichteinverstandener beeinträchtigen und auch das Erschiessen von in flagranti erwischten Terroristen ebenfalls unter 'Distanznahme' subsumiert – einfach sowas wie 'Distanznahme mit Anlauf'.
Für viele mag diese ultraliberale Gesellschaftsutopie, von der wir zurzeit gefühlte Lichtjahre entfernt sind in den westlichen sozialen Wohlfahrtsstaaten, ein Beispiel für eine Überbetonung der Wertegruppe des 'Taking Risk' sein. Doch die möglichst grosse Freiheit des Einzelnen in dieser Utopie beinhaltet auch die Freiheit, dass jeder Einzelne seine eigene Balance von Risk und Care herstellt und sie im Laufe des Lebens immer wieder neu justiert. Genau dies ist aber – so behaupte ich – in unseren überregelten sozialen Wohlfahrtsstaaten, die sehr nahe beim oben skizzierten Modell der ultralinken Gesellschaftsutopie liegen, nicht mehr möglich. Abhilfe bringen könnten entweder eine oder mehrere grosse Katastrophen, etwas weniger spektakulär der Bankrott der Wohlfahrtsstaaten oder – die schönste, aber wohl naivste Variante – ein freiwilliges Ausbalancieren von 'Taking Care' und 'Taking Risk' auf demokratischem Weg.

 

Utopie eines Kollektivs der Wertebalance

Ich meine mit der Wertebalance primär das Gleichgewicht 'männlicher' und 'weiblicher' Werte. In der 'ausbalancierten Gesellschaft' sind sowohl die Einzelnen wie das Kollektiv ständig am Ringen um die ihnen gemässe und situationsadäquate Balance von 'taking care' und 'taking risk'. Die persönliche Gemässheit dieser Balance kann, darf, ja soll sich ändern im Laufe des Lebens einer Entität, und sie darf es durchaus auch im Zuge der Entwicklung eines Kollektivs. Grenzen der Einseitigkeit, also des Überhangs von care oder risk sind sowohl beim Einzelnen wie beim Kollektiv die autonome Funktionsfähigkeit und die Freiheit der andern, anders zu sein. Wer mit der ihm gemässen Balance autonom funktioniert, darf nicht von andern zu einer ihm nicht gemässen Balance gezwungen werden.
Konkretes Beispiel: Europa funktioniert im Bereich der Verteidigungsbereitschaft seit langer Zeit nicht mehr autonom, ist abhängig von der Unterstützung der USA, die m.E. zu Recht verlangen, dass Europa bzw. die Nato-Staaten ihre Care-Risk-Balance ändern, d.h. vermehrt in ihre Verteidigungsbereitschaft investieren.
Das Ringen um Gemässheit und Situationsadäquanz im Verlauf dieser Prozesse klappt selbstverständlich nie völlig konfliktfrei – im Gegenteil: Völlige Abwesenheit von Auseinandersetzung, Debatte, Konflikt wäre ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Involvierten die Balance bereits verloren haben, dass eine Gleichschaltung der divergierenden 'Gemässheiten' erzwungen wurde. Die Konflikte werden aber nur im äussersten Notfall mit Waffengewalt ausgetragen. Dazu zählen Notwehrsituationen für den Einzelnen und der Verteidigungsfall für ein Kollektiv. Gute Beispiele für die Verwirklichung dieser Balance finden wir im Sport, wo die taking-risk-Werte durch die Spielregeln, sehr oft auch durch einen räumlich klar abgetrennten Sport- oder Spielplatz, eine Arena, eine Rennbahn etc. vom Alltagsbereich gesondert ist.
Der Schweizer Tennis-Star Roger Federer scheint diese Balance auf sehr hohem Level verwirklicht zu haben: ein gnadenloser Kämpfer, der alle männlichen 'taking-risk'-Werte in seinem Sport maximal und mit entsprechendem Erfolg auslebt – und neben dem Platz ein feinfühliger, sympathischer Zeitgenosse voller Empathie, Teamfähigkeit und Einfühlungsvermögen, ein liebenswerter Ehemann und Vater – einer, der offenbar auch alle weiblichen 'taking-care'-Werte entwickelt und realisiert hat, zudem gesegnet mit viel Humor, der jegliches Abheben in die Selbstüberschätzung verhindert. Es wäre spannend, von ihm zu erfahren, ob diese beiden bei ihm so prägnant entwickelten Persönlichkeitsanteile nie in Konflikt kommen miteinander. Es macht zumindest den Anschein, dass er stets weiss, wann welche Seite Priorität hat, welche Rolle situationsadäquat ist. Und es scheint auch, dass er genau weiss, wann wieviel 'taking-risk' seinem Körper zumutbar, also seinem Status quo angemessen ist.
Eine Gesellschaft aus solchen ausbalancierten Wesen würde – so meine These – auch auf Kollektiv-Ebene permanent um diese Balance ringen, um die Gemässheit und Situationsadäquanz der beiden so gegensätzlichen Rollen. Es gibt unzählige Kleinkollektive, die zumindest im Ansatz diese Balance leben. Ich kenne vor allem Musik-Kollektive wie Bands, Chöre und Orchester, bei denen der Rollenwechsel von durchaus heftiger Debatte im Rahmen der Erarbeitungsphase und der Probenarbeit zu grösstmöglicher Harmonie und ausgewogenem Einklang ausgezeichnet funktioniert. Das Bild des Orchesters passt auch gut als Argument gegen Gleichheitswahn und Regulierungszwang von Ultralinks: der wunderschöne Orchesterklang entsteht nicht dadurch, dass alle plötzlich dasselbe Instrument spielen, sondern in der Verbindung all der verschiedenen, einzigartigen Instrumente. Und diese Verbindung muss freiwillig entstehen, sonst entstehen Misstöne. Denn weder Einklang noch Harmonie noch Solidarität noch Mitgefühl noch Liebe lassen sich m.E. nachhaltig verordnen und erzwingen.

 

Fazit aus den Utopieskizzen

Effizienz der Macht

Es liessen sich natürlich unzählige weitere Utopien skizzieren. Und wenn wir die tasächlich existierenden Kollektive anschauen, so finden wir viele Mischformen der Austarierung von Macht zwischen Individuum und Kollektiv. Wenn das Ziel eines Kollektivs Effizienz der Machtausübung ist, drängen sich auf den ersten Blick etatistische, diktatorische Konzepte auf wie die oben beschriebenen ultrarechten und ultralinken Entwürfe: möglichst konzentrierte Macht in der Hand eines Einzelnen oder einer kleinen, agilen 'Elite', die über ein möglichst willenloses, entmündigtes Heer von gehorsamen Idioten verfügt. Die Mittel, um die Massen, das 'Volk', die Insassen in diesen Zustand der Willenlosigkeit zu bringen, sind altbewährt seit Urzeiten: möglichst pfannenfertiges Futter für Körper und Geist. Wer sein Volk physisch und mental 'ernähren' kann, hat schon halb gewonnen.

 

Ideologischer Überbau

Unaushaltbarkeit des 'Nichts-Wissens'

Die zweite Hälfte besteht in einer Religion, einer Ideologie, einem geistigen Konzept, das auf alle grossen Fragen eine Antwort bereithält, die möglichst alle Zweifel beseitigt und die Insassen davon befreit, sich selber verantwortlich zu fühlen, sich selbst Gedanken zu machen und lebenslänglich nach Antworten zu suchen. Nüchtern betrachtet wissen wir sehr wenig, fast nichts. Aber man muss offenbar Sokrates heissen, um dieses 'scio me nihil scire' auszuhalten. Auch die modernste Wissenschaft hat keine Antworten auf die Frage, was Leben überhaupt ist, wie und vor allem warum es entstanden ist, was geschieht, wenn das Leben aus einer körperlichen Entität entschwindet, was Bewusstsein, was Intelligenz ist und welche Entitäten darüber verfügen, ob wir die Welt durch unsere Wahrnehmung erst entstehen lassen oder ob sie auch unabhängig von unserer Wahrnehmung da ist, ob es vielleicht eine Wirklichkeit gibt, von der wir aber nur einen Teil wahrnehmen – das, was wir Materie nennen – , wobei uns die Antimaterie und die Schwarzen Löcher verborgen bleiben? Wir wissen nicht einmal, was der Urbaustein des von uns wahrgenommenen Universums ist, ja, wir können nicht einmal schlüssig beweisen, ob wir die wahrgenommene Welt nur träumen.
Wir haben auch keine Ahnung, was es mit der Liebe, der Sehnsucht nach Nähe, nach Vereinigung isolierter Entitäten genau auf sich hat. Witzigerweise steht gerade die zurzeit am meisten in Mode stehende Ideologie, die Naturwissenschaft, diesem zentralen Phänomen völlig ratlos gegenüber.
All diesem verunsichernden Unwissen, dieser Ratlosigkeit des Individuums versuchen kollektive, auf Macht ausgerichtete Ansätze Paroli zu bieten, indem sie künstliche, theoretische, erfundene, selbst fabrizierte Orientierung und Sicherheit anbieten. Aus etwas Distanz betrachtet, ist es höchst erstaunlich, was für hanebüchener Unsinn von den sicherheitshungrigen Individuen geglaubt wurde und wird, wie gern sich viele Menschen der Kantischen Aufforderung entziehen, sich durch die Benutzung ihres Verstandes aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit zu befreien. Der Preis der Unmündigkeit und des Verzichts auf die Freiheit ist vielen nicht zu hoch für das Manna der Sicherheit, der Orientierung, der Antworten auf die Grundfragen.

 

Verhinderung der Mängelrüge

Der genialste Schachzug in allen Religionen und Ideologien ist immer die Verschiebung der Erfüllung aller vollmundigen Versprechen an einen Ort und in eine Zeit, die von den zu verführenden Massen garantiert nicht erlebt wird. So sehen sich die Erfinder der Ideologie nie mit Mängelrügen oder Klagen konfrontiert. Kein Gefängnis, keine Folterkammer hatte je einen vergleichbaren, generalpräventiven Effekt wie die Erfindung der Hölle, des Tartaros, der ewigen Verdammnis. Und umgekehrt hat kein Luxusangebot hienieden je die Attraktivität des Himmels, des Paradieses, des Nirwana, der 72 Jungfrauen, des dereinst – als Belohnung für ein aus Sicht der Kollektivführer 'richtiges' Leben – zur Seite Gottes, Allahs Sitzens oder der Befreiung aus dem Rad der Wiedergeburten.
Aber auch eine Ideologie wie der Marxismus transportiert die Erfüllung der Versprechen in ferne Zeiten: der ewige Frieden der klassenlosen Gesellschaft kommt dereinst in ferner Zukunft: nach der Überwindung des bösen Kapitalismus. So lächerlich und weltfremd die Versprechen einer Ideologie auch sein mögen, es finden sich immer Idioten, die sich an sie klammern.

 

Surrogate für die Sinne

Aber die Erfüllung der Versprechen in ferner Zukunft reichen nicht aus. Den Massen muss auch konkrete, sinnliche Befriedigung im Jetzt, über die Entlastung von der Verantwortung des eigenen Denkens hinaus geboten werden, wenn eine Ideologie nachhaltigen Erfolg haben will. Brillant gelang dies der katholischen Kirche, die zwar die Sexualität stark kontrollierte und auf die Erzeugung von möglichst vielen Mitgliedern zu konzentrieren versuchte, daneben aber viele sinnliche Bedürfnisse abdeckte mit wunderschönen Gebäuden, faszinierender Musik, ja sogar mit betörenden Düften und dem Angebot, Maria, die Gottesmutter (und gleichzeitig Jungfrau, auch das eine zwar verquere, aber im Effekt geniale Idee!) verehren, anbeten und wenigstens virtuell lieben zu dürfen.
Genial diesbezüglich auch das Konzept des Gurus Bhagwan mit dem Angebot der freien Liebe zwischen seinen Sannyasin. Wie ein guter Unternehmer entdeckte er die grosse Lücke in all den die Sexualität verteufelnden monotheistischen Religionen und bot den Anhängern genau das an, was sie andernorts nicht kriegten. Auch im Dunstkreis von Philosophie und Wissenschaft gab und gibt es beeindruckende Erfindungen, die erstaunlich nachhaltig geglaubt wurden und werden: Aristoteles mit seinem Gesetz des 'tertium non datur' und der Behauptung, es gebe sowas wie Identität. Dann der logische Salto von Descartes, der beim Meditieren am Feuer auf die selbstreferentielle Idee kam, sich seiner Existenz zu vergewissern, weil er ja 'denke': 'cogito, ergo sum'. Und niemand lachte ihn aus dafür und rieb ihm unter die Nase, dass wir im Traum – oder in einer ähnlich unperfekten Meditation wie der seinigen – durchaus auch 'denken' können und dies nicht den geringsten Hinweis auf unsere materielle Existenz gebe. Dass er aus seiner verqueren Meditations-Erkenntnis dann auch gleich noch auf die Furzidee der totalen Trennung von Leib und Seele kam und allen Tieren eine Seele absprach, verhinderte nicht, dass er bis heute treue Jünger hat. Dass es auch der Quantenphysik in den letzten hundert Jahren nicht gelungen ist, die hartgesottenen Materialisten von der Schippe in den Schlamm fallen zu lassen, kann so gesehen nicht weiter erstaunen.

 

'License to kill'

Zu den erfolgreichen Erfindungen zur Gängelung des Volkes gehört meines Erachtens auch die Verleihung der James Bondschen 'license to kill' an die Massen. Diese primitivste Form des Machtgefühls, Herr über Leben und Tod anderer Entitäten zu sein, wird beim Töten von Fliegen und in all den Myriaden von Kriegs-Computerspielen auch vom letzten Weichei gefahrlos erlebt und zur Routine. In den Spielen stehen die Erschossenen ja immer gleich wieder auf, man kann neu beginnen und es fliesst kein Blut. Und doch hat der Spieler den geilen Kick des Auslöschens, des zum Verschwindenbringens dessen, was im Spiel gerade den Feind darstellte. Gekrönt wird die Beliebigkeit von Freund und Feind und die Lust am Mitbestimmen über Wohl und Wehe der Protagonisten durch die Reality Shows, die den faulfetten Couch-Potato noch etwas näher an die echte Macht dessen heranführt, der psychische oder physische Niederlagen bereiten, quälen oder töten kann. Für das Weichei an der Glotze bleibt es virtuell und damit sicher, für die Betroffenen hingegen hat sein Abstimmungsverhalten hingegen reale Konsequenzen. Wenn man diese Art des Lustgewinns vergleicht mit dem Abenteuer des mittelalterlichen Ritters, der auszieht, um Kämpfe zu bestehen, die gerade deshalb abenteuerlich sind, weil ihr Ausgang unsicher ist, so wird die oberflächliche Genialität deutlich, die sich im riesigen Erfolg dieser unsäglich primitiven Angebote zeigt, die ähnlich funktionieren wie Cyber-Sex: Lustbefriedigung ohne das geringste Eigenrisiko. Die Schattenseite – der Grund, warum ich die Genialität auf den wirtschaftlichen Erfolg einschränke – zeigt sich erst viel später. Die Lustbefriedigung hält nicht lange an, weil sie nur auf Voyeurismus und nicht auf eigener Kompetenz beruht. Wer ein echtes Abenteuer besteht wie der besagte Ritter, muss über Kompetenzen als Reiter, Schwertkämpfer und vieles mehr verfügen. Wer das Abenteuer eines Matches gegen Nadal nicht nur überleben, sondern als Sieger beenden möchte, muss verdammt gut Tennis spielen. Unser Reality-Show beglarendes Weichei muss über rein gar nichts verfügen ausser über ein Gerät, das ihm diesen Unsinn frei Haus liefert. Und da eine Glotze zum Existenzminimum gehört, muss er sich dafür kaum anstrengen. Aber bereits beim Töten der lästigen Mücke müsste er entsprechend schnell zuschlagen können, also über eine bescheidene Mini-Kompetenz verfügen, die seine 'license to kill' wenigstens dafür berechtigt erscheinen lassen würde.
Diese Einsicht in die Gier nach der Macht über Leben und Tod wird von Kriegsherren, Terroristen- und Mafiabossen geschickt eingesetzt. Töten der Feinde der eigenen Weltsicht mutiert so zur Pflicht, zur Heldentat, zur Aufopferung für das Kollektiv, was den archaischen Genuss am Morden moralisch schön übertüncht. Plakativ demonstrierte dies Hitler: die Vernichtung alles Nicht-Germanischen wurde zur heiligen Pflicht und legitimierte damit aus germanischer Sicht das Amburksen von Millionen. Je geschickter die machtgeile Elite eines Kollektivs den Massen suggeriert, über die 'richtigen' Antworten zu verfügen, desto leichter folgt das sicherheitsbedürftige und denkfaule Volk.

 

Weniger geil, aber nachhaltig

Nun könnte man einwenden, dass es doch völlig wurst sei, wie sich der Einzelne seine Welt erklärt oder erklären lässt, solange er allen anderen ihre eigene Weltsicht lässt. Dies entspricht der Grundhaltung des Ultraliberalen. Aber mit einem Kollektiv aus Ultraliberalen kann man nur beschränkt effizient Macht ausüben, in der Regel nur dort, wo alle aus freiem Willen damit einverstanden sind, also höchstens bei ganz wenigen Aufgaben, die der Ultraliberale nicht allein bewältigen kann wie die Verteidigung des Kollektivs nach aussen, die Herstellung und Erhaltung der Ernährungsautonomie und vielleicht noch beim Bau und Betrieb der wichtigsten Infrastrukturen wie Wasser, Transportwege und Energie. Dieser oben beschriebene 'Nachwächterstaat'(2.6.5.) befriedigt aber weder die Machtgelüste der 'Eliten' noch das Orientierungs- und Sicherheitsbedürfnis der verantwortungsscheuen Massen. Denn der Ultraliberale muss sich alle wichtigen Fragen selbst stellen und – meist vergeblich – nach stringenten Antworten suchen.
Dies mag anstrengend sein, aber es lohnt sich nicht nur für den Einzelnen, der zu einem echten, mündigen, eigenverantwortlichen Erwachsenen wird, sondern auch für das Kollektiv und den Traum vom Weltfrieden. Denn jeder Konflikt, bei dem es zu Gewaltanwendung kommt, die über den sportlichen Wettstreit hinausgeht, beruht auf fundamentalistischen Absolutheitsansprüchen auf die 'richtige', die 'einzig richtige' Weltsicht, seien es die Wahrnehmungsinterpretationen einzelner Machtträger, seien es die auf Religionen oder Ideologien beruhenden Weltsichten. Aktuell ist es der unsägliche Stumpfsinn, jeglichen Terror als Willen Allahs zu legitimieren, vor nicht allzulanger Zeit machten die Christen dasselbe mit Inquisition und Kreuzzügen. Auch im Namen des Marxismus und vieler anderer Ideologien, Religionen, Sekten und sonstigen Fürzen wurden und werden die Morde an Millionen von Menschen gerechtfertigt. Und es gibt bis heute haufenweise Dummies, die weiterhin auf jeden noch so hirnrissigen Quatsch hereinfallen. Aus meiner Sicht ist jeglicher Anspruch auf Absolutheit einer eigenen oder übernommenen Wahrnehmungsinterpretation ein Zeichen für die grandiose Dummheit und den tiefen Entwicklungsstand dessen, der ihn stellt. Das gilt selbstverständlich auch für diese Aussage, die ich deshalb mit 'aus meiner Sicht' einleitete.

 

Langfristig ist Optimismus angesagt

Letztlich sind aber m.E. alle Konzepte, die die Massen entmündigen, nicht nachhaltig erfolgreich. Wie die Kriege der letzten hundert Jahre zeigen, ist ein Kollektiv aus freiwillig und motiviert mitdenkenden und im Auftragssystem geführten Kämpfern einer nur im Befehlssystem über Kadavergehorsam geführten Masse klar überlegen. Und spätestens wenn das Futter knapp wird, regt sich auch im dümmsten Entmündigten der Widerstand.
Meine optimistische Prognose geht also dahin, dass sich langfristig Massen weder völlig entmündigen noch zu willenlosen Schlächtern machen lassen, dass der Drang nach an Verantwortung gekoppelte Freiheit letztlich immer stärker ist als das angstgesteuerte Bedürfnis nach Sicherheit und Gewissheit und dass mithin liberale und ausbalancierte Utopien grössere Chancen auf Bestand haben als etatistische Konzepte.

Auf Feedback, auch entrüstetes von ultralinks oder -rechts freut sich  info@marpa.ch.


 

Denk-Aufgaben 2018

1806 Gesellschaftsutopien

1805 Der Marpa-IQ-Test

1804 Untergang

1803 Der Radfahrer

1802 Joggerin und Wildsau

1801 Katastrophitis

 

Denk-Aufgaben 2017

1713 Feliz Naivdad

1712 Samichlaus

1711 Bist du auch traumatisiert?

1710 Taking Risk vs Taking Care

1709 Gretchenfragen

1708 Dein Kampf

1707 ...und führe uns nicht in Versuchung...

1706 13 Tipps für Männer

1705 Der Fundamentalist in uns

1704 Helvetien - eine Gesellschaft von Softies?

1703 marpa-philosophy

1702 Software

1701 Eigentherapie

 

Denk-Aufgaben 2016

1605 Globalisierung

1604 Opti und Pessi

1603 Endlich Opfer!

1602 Echt?

1601 Angst und Vorsicht

 

Denk-Aufgaben 2015

1506 Glaube nichts

1505 Erfinde Dein Kollektiv

1504 Selbstvergewisserung

1503 Housi Moser: "Zum Wohl"

1502 Religiöse Gefühle

1501 Murmur

 

Denk-Aufgaben 2014

1405 Linkes Denken - ein Grundlagenirrtum

1404 Die Verwechslung von 'Wahrheit' und 'Aufrichtigkeit'

1403 Die 11 Marpa-Gebote

1402 Gleichheit

1401 Geschlossene, offene oder semipermeable Beziehungen?

 

Denk-Aufgaben 2013

1308 Die Hausmaus Mauro

1307 Unterscheidbarkeit und Sinuskurve

1306 Die Crux mit dem Primat der Naturwissenschaften

1305 Unterdrückung des Denkens

1304 Machtmissbrauch

1303 Identität

1302 Beamtenträume

1301 Der Osterhasen-Sprung

 

Denk-Aufgaben 2012

1207 Olympische Tricks

1206 Whistleblowing

1205 Staat und Wissenschaft - die Götter der Neuzeit

1204 Ehrenamtlichkeit

1203 Heiterkeit

1202 Promethea

1201 Erleuchtung zum Schnaeppchenpreis

 

Denk-Aufgaben 2011

1104 Wenn Glück weh tut

11/03 Therapiespiel: Meine Lieblings-A-Loecher

11/02 Demokratie und Mündigkeit

11/01 Exclusive Adventure

 

Denk-Aufgaben 2010

10/12 Merlins Freundin

10/11 Der Spaziergang

10/10 Roswitha das Wiesel

10/09 Endlösung

10/08 Liebe, Lust und Ehe

1007 Freude an der Gewalt

10/06 Dialog

10/05 Dekadenz als Chance

10/04 Erziehung - ein fundamentalistisches Konzept?

10/03 Betrugsberater

10/02 Prostitution

10/01 Glauben oder Wissen?

10/00 Projekte

 

Denk-Aufgaben 2009

9/12 Vom Christentum und anderen Mythen

9/11 Sarah

9/10 Anerkennung

9/09 Sicherheit und Freiheit

9/08 Achtsamkeit

9/07 Der ewige Wandel im Jetzt

9/06 E-V-E

9/05 Mogelpackung

9/04 Wohlfahrtsstaat

9/03 Ungehorsam

9/02 Soihundswaetter

9/01 Bastelnachmittag

 

Denk-Aufgaben 2008

8/15 Housi Moser: Jage

8/14 Und sie bewegt sich doch...

8/13 Dümmste Sätze II

8/12 Weglassen

8/11 Die Legende vom wilden Baum

8/10 Reisen

8/09 Der Trauma-Trend

8/08 Lob der Dummheit

8/07 Was denkt ein Bär?

8/06 Sicherheit - um welchen Preis?

8/05 Schöpfung - Ent-Schöpfung

8/04 Freundestreue

8/03 Fundament A List

8/02 Weltenretter Rilf

8/01 Marpa-Aphorismen

 

Denk-Aufgaben 2007

7/13 Flynn und Emma

7/12 "Mach etwas aus deinem Hass!"

7/11 Schule als Spiegel der Gemeinschaft

7/10 Housi Moser: Teiche

7/09 Schöpfung und Entschöpfung

7/08 Freund oder Feind?

7/07 Housi Moser: Liebi

7/06 Dilemmakompetenz

7/05 Frau und Macht

7/04 Fallender Schnee

7/03 Der Trick mit dem Einverstandensein

7/02 Die Welt als Selbst-Bedienungsladen

7/01 Housi Moser: Talänt

 

Denk-Aufgaben 2006

6/12 Das Perpetuum Mobile

6/11 Wie hast Du's mit dem Glück?

6/10 Absolutheitsansprüche

6/09 Housi Moser: "Im Anfang war das Wort"

6/08 Gesucht: die folgenschwersten Sätze des Abendlandes

6/07 Housi Moser: Abschied

6/06 Religionen - Angst-Narkotikum oder Angst-Überwindungsmodelle?

6/05 Weiter Denken

604 Wenn Liebe trennt

6/03 Demenz

6/02 Ambivalenz von Wissen und Können

6/01 Housi Moser: Boue

 

Denk-Aufgaben 2005

5/12 Das Weihnachtslagerfeuer

5/11 Rotkäppchens Coming-out

5/10 Housi Moser: Froue

5/09 Geburt

5/08 Sprache und Selbstreflexion - for humans only?

5/07 Quelle statt Causa

5/06 Lieben heisst, die Welt durch die Augen des andern zu sehen

5/05 Kunst und Jetzt

5/04 Schönheit?

5/03 Lust auf ein Umstürzchen?

5/02 Wahrheit auf Berndeutsch

5/01 Elefantenblau

 

Denk-Aufgaben 2004:

4/12 Alternative Wahrheitsmodelle

4/11 Das Zuwendungspronomen MEIN

4/10 Gibt es ein Leben nach der Geburt?

4/09 Gefahr und Klarheit

4/08 Gibt es Gott?

4/07 Kausalität und Wirklichkeit

4/06 WEIL

4/05 Lust auf Intimität?

4/04 Modell-Theorie

4/03 Objektivität

4/02 Humor

4/01 Gwunderfitzli

 

Denk-Aufgaben 2003:

3/13 Staunen

3/12 Weltverbesserungsfalle

3/11 Arbeit

3/10 Housi Moser: Für e Momänt

3/09 Autonomie

3/08 Ich befürchte, dass...

3/07 Das Königskuchenmodell

3/06 Die neue Triathlon-Formel: Körper-Seele-Geist

3/05 Richtig leben mit Wunibald

3/04 Jenseits von Gier und Schmerz

3/03 Der Trick mit dem Glück

3/02 Achtsam managen

3/01 Religio

Denk-Aufgaben 2002

2/06 Form und Inhalt

2/05 Konfliktkultur

2/04 Ganzheitliche Bildung

2/03 "Das Beste im Leben sind die Katastrophen"

2/02 Herzöffner zum Du

2/01 "...denn der Mensch ist nur ein Märchen"

 

Denk-Aufgaben 2001

1/05 Hug

1/04 Die Weisheit des Ostens

1/03 Angst und Liebe

1/02 Nichts ist nur richtig - nichts nur falsch

1/01 "Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis"

 

Archiv