Zu den Denk-Aufgaben 101 - 1909

 

Denk-Aufgabe 1910 vom 4.11.2019

 

An die Putin- & Greta-Bewunderer

 

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Zu den banalsten politischen Erkenntnissen gehört, dass

Für die verbliebenen Exemplare der bei 'Pro Specie Rara' auf der roten Liste stehenden 'Mehr-als-Twitterer' etwas vertiefter:

ad 1) Der Reiz diktatorischer Machtfülle
Nun, wenn Diktaturen so effizient sind, um unsere private Weltsicht durchzusetzen: Wie macht man eine Diktatur? Wie wird man Diktator? Als Beispiele für zwei verschiedene Wege möchte ich kurz die Methode Putins und die Gretas skizzieren:

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Putin war KGB-Offizier in der alten Sowjetunion und lernte dort das Handwerk des Diktators von der Pike auf: Daten sammeln, alles Störende effizient und nachhaltig beseitigen. Er zeigte Talent in diesen Bereichen und manövrierte sich geschickt an die Spitze Russlands, an der er sich nun schon immerhin 20 Jahre hält (ich rechne die Zeit, in der er 'nur' Ministerpräsident war, also 99-00 und dann von 08-12, als er aus dieser Position an den Fäden der Marionette Medwedew zog, mit ein). Was ihn über den durchschnittlichen KGB-Offizier hinaushebt ist das Geschick, sich seinen Landsleuten gegenüber als Held und sorgender Vater zu inszenieren und die Staffage einer Demokratie vorzuspielen. Im Gegensatz zu dümmeren Diktatoren wie Hitler, Stalin, Pol Pot, Mao oder Kim, die einfach nur im Rausch ihrer Macht zu töten badeten und schon gar nie versuchten, so zu tun, als habe eine andere als ihre eigene Meinung auch nur die geringste Chance, nur schon gehört zu werden, taktiert Putin viel cleverer.

Seine Ziele sind nüchtern, klar und simpel und weitgehend ideologiefrei: Macht, Geld, Anerkennung – so viel davon wie irgend möglich. Er erkannte frühzeitig, wie diese drei Ziele verknüpft sind, verstand, dass Macht nur nachhaltig ist, wenn zumindest ein Teil der Beherrschten ihm Anerkennung zollen und wenn die Macht von entsprechenden Geldressourcen genährt wird, mit denen man möglichst alles Erstrebte kaufen, aber auch politische Gegner erpressen oder korrumpieren kann. Bilanz und Handelszeitung schätzen Putins Vermögen auf rund 200 Milliarden Dollar. Geradezu ein Lehrstück war sein Schachzug mit Chodorkowski, einem geschickten Unternehmer, der schon kurz nach dem Untergang des Sowjetkommunismus zu einem ansehnlichen Vermögen gekommen war. Er lochte ihn ein wegen irgendwelcher erfundener Steuervergehen, verstaatlichte seine Bude, schnappte sich das ganz Geld – und nach ein paar Jahren liess er den mittellosen Strafgefangenen wieder frei, mit grosser PR-Wirkung nach innen und aussen. Im Unterschied zu den obenerwähnten und den meisten anderen Diktatoren ist er weder dumm, noch fanatisch. Klar will er die Machtsphäre Russlands ausdehnen, am liebsten über die Grenzen der alten Sowjetunion hinaus, aber nicht mit einer hirnrissigen ideologischen Verblendung wie der kambodschanische Schlächter Pol Pot, der mit Brachialgewalt einen Bauernstaat aus dem Boden stampfen wollte und dabei Millionen verhungern liess oder umbrachte,
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Stalin, Hitler, Pol Pot
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Mao Zedong
nicht so dumpfbackig wie Hitler mit seinem Rassewahn, wie der stinkeitle pädophile Mao mit seiner Furzidee der Kulturrevolution, aber auch nicht wie Stalin mit der noch grösseren Furzidee des totalen Kommunismus. Putin ist auch kein religiöser Fanatiker, wie all die Deppen, die sich im Namen Allahs durch die Welt morden. Religionen sind für ihn als PR-Werkzeug relevant, aber er wäre nie so dumm, sich von irgendeiner Religion vereinnahmen zu lassen. Er strebt kühl, geschickt, rücksichtslos, aber dabei immer sehr rational und nachhaltig nach Macht, Geld und Anerkennung – und das mit beeindruckendem Erfolg. Er macht es zur Zeit gerade wieder einmal vor. Er wird bewundert für den ausgekochten Machtpoker in Syrien, wo er mit wenig Mitteln und ziemlich blutfrei einen maximalen Return on Investment einfuhr. Dann hat er natürlich – wie seine Diktatorenkollegen in China – längst erkannt, wie wichtig es ist, die Informationsströme zu kontrollieren, und zensiert gerade das Internet. So wie ich ihn einschätze, wird ihm dies auch gelingen. Klar werden clevere Hacker trotzdem von Aussen, vom bösen Westen etwas Unzensiertes erfahren. Aber wenn man die ersten paar Erwischten spektakulär hinrichtet, wird dieses Datenleck marginal und ohne politische Wirkung bleiben.

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Das alles heisst aber auch, dass Putin viel gefährlicher ist für alle Menschen, die keine Lust verspüren, in seinen Herrschaftsbereich zu geraten. Man kann es machen wie Schröder, der mit seinem Schmusekurs mit Putin vor allem zu Geld kam und kommt und damit ahnen lässt, dass das Kanzleramt wohl eher nur ein Job, eine Leitersprosse war und nichts mit irgendwelcher Solidarität zur Heimat zu tun hatte. Aber für die paar verbliebenen, trutzigen Eidgenossen, die ihre Selbstbestimmung à tout prix erhalten wollen, ist ein intelligenter Diktator natürlich eine viel grössere Gefahr als ein emotionalisiertes Ideologie-Huhn wie Greta und ihr Klima-Hype, der - meine spekulative Prognose – längst wieder aus dem medialen Fokus weggeschwappt ist, wenn Putin noch immer seine Macht konsolidiert.

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Als spekulatives Geschichtsklitterungs-Denkspiel möge man sich vorstellen, was aus Europa, vielleicht aus der ganzen westlichen Welt wohl geworden wäre, wenn Hitler nicht ein strohbohnenblöder, wahngezeichneter, komplexbehafteter Flachmaler-Gefreiter, sondern auch nur annähernd so cool und clever wie Putin gewesen wäre? Wenn er nur schon die militärische Intelligenz eines Rommel gehabt hätte – nicht auszudenken. Klar hat auch Putin Schwachstellen, vielleicht seine Eitelkeit, aber die könnte auch nur gespielt sein. Das Brandgefährliche an ihm ist, dass er zwar selbst völlig emotionsfrei zu sein scheint, es aber meisterhaft versteht, mit den Emotionen anderer zu spielen.

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Freude an Diktatoren haben natürlich auch viele westliche Unternehmer und Veranstalter. Alt-Fifa-Boss Sepp Blatter dealte am liebsten mit Diktatoren für seine Fussball-Meisterschaften. Auch das SOC hat es nirgends so leicht, Olympische Spiele zu platzieren, wie wenn ein Mann gegenüber sitzt, der sofort und ohne irgend jemanden zu fragen entscheiden kann und sich nirgendwo rechtfertigen muss – und dessen Entscheidungen dann auch zuverlässig und rücksichtslos durchgeführt werden. In einer Demokratie wie der Schweiz braucht jedes grössere Grümpelturnier und jedes mickrige Sportstadion unendlich viel Zeit und Streit und Abstimmungen – und alles, was auch nur minimal nach Grössenwahn riecht oder die vielleicht biedere, aber in toto letztlich heilsame helvetische Buchhalterseele bei der Kosten-Nutzen-Analyse nicht überzeugt, scheitert in aller Regel. Tja –niemand hat gesagt, die Freiheit des Einzelnen hätte nicht ihren Preis. Diesen manchmal nicht zahlen zu wollen, sondern zu liebäugeln mit dem Reiz der diktatorischen Machtfülle – das kennt jeder, der einigermassen ehrlich ist und die Windeln abgelegt hat. Immer dann, wenn wir ein Vorurteil für absolute Wahrheit halten, wenn irgendeine unserer Überzeugungen zur Ideologie kondensiert, wünschen wir uns diktatorische Macht in unseren Händen zur Durchsetzung unserer Ziele, die wir für unhinterfragbar richtig und wichtig halten.


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Bei mir ist es die nahe am Abgrund des Parareligiösen taumelnde Tierliebe, die meinen nüchternen Verstand immer wieder zu trüben imstande ist. Mein Vorurteil, dass ein Leben ohne Tiere zwar möglich, aber völlig sinnlos ist, gerinnt dabei rasch zu einer absoluten Wahrheit, die doch gefälligst für alle zu gelten hat. Erst wenn dann eine befreundete Musikerin kommt und sagt, die ganze Menschheit müsste nur mehr Musik machen, dann käme alles gut, kann ich wieder lachen über mich – und meine Vernarrtheit in die Tiere etwas relativieren. Trotzdem träume ich manchmal davon, wie ich als Diktator Helvetiens als erste Amtshandlung durchsetzen würde, dass in allen Heimen und Spitälern Tiere gehalten werden müssten und jedem Patienten, auch und gerade denen, die ganz kurz vor dem Tod stehen, Kontakt zu Tieren ermöglicht werden müsste.

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Dann würde ich die industrielle Massentierhaltung per Dekret ohne Übergangsfrist abschaffen, nie mehr würden Küken geschreddert, Schweine seelenlos eingepfercht;

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ich würde das nationale Tierschutzgesetz und alle kantonalen Hundegesetze tierfreundlicher gestalten, die Jagd massiv einschränken, wider all die lächerlich-dekadenten Hygienevorschriften die Lebensmittelabfälle der Restaurants wieder den in Freilandhaltung lebenden Schweinen zukommen lassen und noch vieles mehr. Dabei wäre es mir piepegal, wenn es weniger Fleisch gäbe, wenn ein Teil der verfetteten Helvetier etwas Gewicht verlieren würde. Man könnte ja beginnen, tote Menschen zu essen, wenn es denn unbedingt Fleisch sein muss. Wieso so ein Theater machen daraus? Viel mehr Medis und Doping als in den Tieren hat's im Menschenfleisch doch auch nicht drin? Und wieso soll das würdeloser sein, als wenn die Würmer dasselbe mit uns tun oder die Krematorien tonnenweise CO2 ausstossen beim Leichen grillieren? - Ihr seht, ihr dürft mich keinesfalls ans Ruder lassen :-).

Damit will ich nur illustrieren, dass es zwar verständlich ist, wenn man dem Reiz diktatorischer Macht erliegt – aber deswegen noch lange nicht anstrebenswert oder entschuldbar, da alle Vorteile der Diktatur zumindest in meinem Weltbild am viel höheren Rechtsgut der individuellen Freiheit und Selbstbestimmung scheitern. Es ist bedeutend mühsamer, wenn ich auf demokratischem Weg versuchen muss, nur einen winzigen Teil der oben skizzierten Ziele zu erreichen, aber es ist m.E. zutiefst richtig, dass jeder in diesem Land anderer Ansicht sein darf als ich – und dass er diese Ansicht auch äussern und politisch durchzusetzen versuchen darf.

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Greta ist ein gutes Beispiel für den Weg, an dessen Anfang weder Geld, noch Macht, noch Anerkennung steht. Auch kein Know-how oder Talent, wie Putin es bereits als KGB-ler mitbrachte. Ein wenig attraktiver Teenager mit Aspergersyndrom aus bescheidenen Verhältnissen, auch schulisch nicht auffällig. Ob sie selbst erkannte, dass genau dies sie zu Macht, Geld und Ruhm führen könnte – oder ob das von zugegeben brillanten PR-Leuten ausgeheckt wurde, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Wie auch immer, die Idee war und ist simpel, aber genial, die Schüler zu motivieren, die Schule zu schwänzen, sich die unter Teenagern seit Tausenden von Jahren völlig normale, zur Pubertät gehörende Ablehnung all dessen, was die Elterngeneration gerade ausmacht, zunutze zu machen, um für irgendeine nebulöse 'bessere Welt' zu protestieren, die lauschenden Teenies selbstverständlich mit den neusten Nike-Sneakers an den Füssen und dem iPhone 11 in der Hand. Ganz klug auch, dass sie eben gerade nicht hübsch ist, kein Starlet, sondern ein 'hässliches Entlein', das mit seinem Äusseren sofort Mitleid erregt und den Opferbonus kriegt. Ihr versteinertes Gesicht und ihre völlige Humorlosigkeit suggerieren der Welt, dass sie eben gezeichnet ist von den Sünden der Elterngeneration. Sie symbolisiert sowas ein wandelndes CO2-Opfer, das uns suggeriert: so sehen wir alle mal aus, wenn wir nicht 'umkehren'! – Diese Suggestion hätte mit einer Beauty, einer Strahlefrau nie funktioniert. Ein Gesicht wie Greta – passend natürlich auch der unweibliche Körper – löst sofort schlechtes Gewissen und Mitleid aus: "Um Gottes Willen, Kind, was können wir für dich tun?" – Ebenfalls psychologisch und PR-mässig lehrbuchhaft, dass sie von Anfang an nur auf der emotionalen Schiene fuhr und sich nie auf rationale, nüchterne oder gar wissenschaftliche Debatten einliess. Wenn sie ihre unschönes Antlitz weinerlich zur Fratze verzieht und vorwurfsvoll in die Kamera plärrt: "How dare you?", dann muss ich neidlos zugeben: da hätte sich auch Goebbels noch eine Scheibe abschneiden können in punkto Aufwiegelung der Massen (siehe ad 2). Grenzwertig ihr m.E. allzu offenes Spiel mit der Angst. Von Anfang an deklarierte sie, dass sie Panik erzeugen wolle. Natürlich arbeiten alle, die irgendetwas verkaufen wollen, mit der Angst (siehe ad 3). Aber die meisten verbrämen, verpacken es, versprechen Sicherheit, ohne das Wort 'Angst' zu erwähnen. Doch der Erfolg scheint ihr auch in diesem Punkt Recht zu geben. Sie –oder ihr PR-Team – scheinen den Zeitgeist der Generation Weichei-Windelträger richtig eingeschätzt zu haben. Die feminisierte Gesellschaft, der neue Softy-Mann, sie alle haben die Angst salonfähig gemacht. Man(n) spricht jetzt auch darüber, ab 3-jährig ist man(n) in Traumatherapie... Auch der reichlich panische Ausstieg aus der Atomenergie zeigte, dass nicht nur die lower class, sondern auch die vermeintliche 'Elite' empfänglich geworden ist für Angst und Panik. So gesehen muss ich wohl auch hier ein 1:0 für Greta und ihr Team einstecken, was mich allerdings nie und nimmer dazu bringen wird, die gleiche Karte auszuspielen, im Gegenteil.

ad 2) Massen lenken
Wie kriege ich einen Haufen Flöhe dazu, in die gleiche Richtung zu hüpfen? Jeder, der schon einmal eine Bande von Kindern, Schülern, Rekruten, aber auch eine Meute von Hunden oder eine Herde von Pferden zu irgendeinem Tun oder Lassen motivieren wollte oder musste, kann ein Lied von den Schwierigkeiten singen und – wenn er kein verlogener Heuchler ist – gibt zu, dass er oder sie sich manchmal wünschte, über irgendwelche Machtmittel zu verfügen, um das erstrebte Ziel rasch, effizient und nachhaltig zu erreichen. Das wohl älteste Hilfsmittel ist 'Zuckerbrot und Peitsche' bzw. Belohnung und Strafe. Wer glaubt, Zuckerbrot reiche, wird schnell eines Besseren belehrt, völlig egal, ob es sich wirklich um Flöhe, andere Tiere oder Menschen jedweder Couleur handelt.

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Das Spezielle am Menschen, der im Vergleich zu anderen Säugetieren als extreme Frühgeburt geboren wird, ist allerdings, dass er sich im Anfangsstadium seiner Bewusstwerdung zuerst einmal nicht mag und vor allem seine Winzigkeit, Hilflosigkeit, Nacktheit, Bedeutungslosigkeit und Unselbständigkeit erfährt. Die meisten Eltern geben intuitiv Gegensteuer und vermitteln dem anfangs meist recht hässlich-schleimig-zerknautschten Frischling ab der ersten Minute das Gefühl, etwas ganz Grossartiges, Bedeutendes und Weltbewegendes zu sein. Spätestens in der Pubertät kommt es in der Regel zur Krise. Das heranwachsende Menschlein erkennt, dass das anfängliche Geklatsche nur Theater war und dass es tatsächlich ziemlich winzig, ziemlich bedeutungslos und – Tragik der Überbevölkerung und des übersteigerten Sozialstaats – auch ziemlich überflüssig ist, nicht gebraucht wird, geradesogut auch nicht sein oder wieder verschwinden könnte. Zwei junge Deutsche, die sich gemeinsam das Leben nahmen, brachten dies erschütternd zynisch auf den Punkt in ihrem lakonischen Abschiedsbrief:"Es sind wieder zwei Parkplätze frei."
Wer Massen lenken will, muss also zuallererst diesen Massen irgendwie glaubhaft suggerieren, sie seien etwas Besonderes, sie seien wichtig, bedeutend, würden gebraucht. Und hier geschieht nun das Unglaubliche. Es ist fast wie mit den Komplimenten, die man Frauen macht, wenn man sie rumkriegen will: sie glauben alles, weil sie es glauben wollen, weil es ihnen ein besseres Selbstgefühl gibt, auch wenn sie wissen oder zumindest ahnen, dass alles geheuchelt und gelogen ist. Genauso funktioniert es mit den Massen. Ich gehe jede Wette ein, dass kein Tier auf all den hirnrissigen Quatsch reinfallen würde, mit dem man jederzeit willfährige Massen gängeln kann. So unbedarft und inkompetent Hitler militärisch war, die Rolle des Volksverführers hat er sehr erfolgreich gespielt. Unabdingbar ist ein Feindbild, das er in den Juden und den Kommunisten fand. Noch simpler die Islamisten, für die einfach der Rest der Welt zum Feind stilisiert wird: die 'Ungläubigen' müssen ganz dringend vom Planeten entfernt werden. Bei der Begründung, warum die angesprochene Masse eben etwas Besonderes, etwas Besseres sei und deshalb sowohl Lebensanspruch habe wie Tötungsbefugnis, wird regelmässig die religiöse-mythische Karte gespielt. Mir ist allerdings schleierhaft, wieso sie bis heute immer noch sticht, auch in sich aufgeklärt wähnenden Gesellschaften. Der Furz mit der Suprematie der arischen Rasse, der Blond-Blauäugigen, verkauft von einer ganzen Nomenklatura von keineswegs arisch aussehenden Oberpopen wie Hitler, Goebbels, Göring, Heydrich, Hess – man kann es sowenig fassen wie den unsäglichen Bullshit, mit dem die IS-Fritzen Frischmuslime aus dem Westen dazu bringen, sich freiwillig die netten Sprengstoffwestchen umzubinden: 79 Jungfrauen dürft ihr vögeln im Jenseits – und ihr kriegt einen Fensterplatz bei Allah. Tja und dann sprengen sie sich ihre Pimmelchen weg und überlegen keine Sekunde, dass a) Jungfrauen keineswegs jung sein müssen und b) falls doch, 79 Stück vielleicht doch ein weiteres Martyrium darstellen könnten. Aber die religiös-ideologisch-kulturelle Karte sticht auch bei Themen wie der Klitorisbeschneidung oder dem Ausblutenlassen von Tieren, den Hygiene- und Essensvorschriften von vor mehreren tausend Jahren. Auch aufgeklärte Menschen und Staaten erschauern sofort, wenn irgendein Blödsinn religiös oder kulturell begründet wird. Wieso denn das? Wenn du, lieber Leser, dir immer bei Vollmond mitternachts eine Nacktschnecke über den Rücken kriechen lässt und dazu Hosianna oder sonstwas singst, so ist mir das piepegal, solange du mich nicht zwingst, den Schabernack mitzumachen. Aber mit seinen eigenen Fürzen zum Nachbarn oder – schlimmer – ins Nachbarland oder in die ganze Welt rauszurennen und alle zu zwingen, den eigenen Furz mitzumachen, ansonsten man die Köpfe leiderleider in den Sand purzeln lassen müsse, ist doch Kinderkram, der spätestens im Chinzgi ausgelacht und abgeschafft gehört? – Na ja, zumindest funktioniert es seit es den komischen nackten Zweibeiner gibt. Beruhigend für alle, die Massen lenken wollen. Und wie ihr seht, klappte es gerade aktuell auch mit dem Klima-Wahn. Sobald die Stimmung entsprechend aufgeheizt ist, macht immer auch ein beträchtlicher Teil der Wissenschaftler mit. Man denke an den keineswegs dummen Rechtswissenschaftler Carl Schmitt, der jeden Furz Hitlers, all die hanebüchenen Unrechtsgesetze legitimierte und theoretisch beeindruckend unterfütterte. Man denke auch an all die Wissenschaftler, die auf der technikfeindlichen Panikwelle mitsurften vor der ersten Eisenbahn, dem ersten bemannten Weltraumflug etc. Man denke an den angebräunten Philosophen Heidegger, an den Schriftsteller Günter Grass, der bei der Waffen-SS war. Die Beispiele zeigen, dass das Reinfallen auf religiös-ideologisch-mythischen Kram, dessen Hauptmerkmal der absolute Wahrheitsanspruch ist, also die Nichthinterfragbarkeit und damit die Unwissenschaftlichkeit, in keiner Weise mit dem Bildungsstand oder dem IQ der Verführten korrespondiert. Ganz Deutschland klebte am Triefmaul dieses unintellektuellen Trottels, weil er ihnen versprach, Deutschland 'great again' zu machen, weil er ihnen erhöhte Selbstachtung in Aussicht stellte und ihnen die Möglichkeit gab, ihre Minderwertigkeitskomplexe nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg direkt am 'Feind' auszuleben. Die Juden waren ja da und hatten Geschäfte, die man zerstören konnte. Dies ist ein wichtiges Element bei der Lenkung der Massen: Brot und Spiele, wussten schon die alten Römer.
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Bei den Nazis begann das Spiel mit der Reichskristallnacht, die im Kleinen bei jeder Demo kopiert wird, beim IS das Köpfen vor laufender Kamera – zerstören und töten sind die sichersten und kürzesten Hilfsmittel, wenn man das Selbstbewusstsein minderwertiger Unterklässler aufmöbeln will. Gretas Klima-Panik-Bewegung steht diesbezüglich noch am Anfang, aber immerhin wurden in Berlin schon Verkehrsknotenpunkte lahmgelegt. Aber solange der politische Erfolg derart gross ist und es gelingt, mit Regeln und Verboten und Brandmarkung des Gegners die angestrebten Ziele zu erreichen, muss man sie auch noch nicht in Lager sperren und vergasen. Aber was der Davidsstern war, den die Juden im Nazireich tragen mussten, könnte im digitalen Zeitalter das Etikett des 'Klimafeinds' sein, das der Mainstream allen anhängt, die an der Art und Weise der Massenbewegung und an ihrem geradezu kindischen Geschäft mit der Angst Kritik zu üben wagen. Wenn du also Massen lenken willst, brandmarke den Gegner als Aussätzigen, lasse dich keinesfalls auf nüchterne Debatten ein, fördere Klugscheisser in den eigenen Reihen, die deine wildesten Behauptungen so einpacken und mit Zahlen versehen, dass sie wenigstens nach Wissenschaft riechen – und kümmere dich um das Selbstwertgefühl deiner Zielgruppe. Die darf nicht zu gross sein, sonst verflacht das Gefühl, etwas Auserwähltes, Besonderes oder noch besser 'Heiliges' zu sein. Schau dir den Gebrauch des Wortstamms 'Heil' genau an. Es ist ein geniales Element, das religiös-mythisch klingt, ohne sich einer speziellen Religion zuordnen zu lassen, und wurde entsprechend oft eingesetzt zur Lenkung der Massen: das 'heilige Volk', das 'heilige Land' – und natürlich der 'Deutsche Gruss' während der Nazizeit: 'Heil Hitler.' Figuren wie Erdogan oder Kim Jong Un träumen bestimmt davon, wie es wäre, wenn sie auf der Strasse mit strammem Hochschnellen des Arms und 'Heil Erdogan', 'Heil Kim' begrüsst würden. Der zentrale Schweizer Mythos 'Wilhelm Tell' besteht ganz wesentlich darin, solcher Art Gruss zu verweigern. Anstatt den blöden Gesslerhut auf der Stange zu grüssen, hat Tell den missliebigen fremden Vogt erschossen. All die Euro-Turbos, denen es nicht schnell genug gehen kann, fremde Vögte ins Land zu holen und den Hofknicks vor Brüsseler Hüten zu machen, scheinen dies längst verdrängt und vergessen zu haben und brennen wahrscheinlich darauf, 'Heil von der Leyen' zu leiern.

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Die Popstars liefern gutes Anschauungsmaterial zum Thema Massenlenkung: Das Auserwähltsein wird schon suggeriert, wenn man zur besonderen Gruppe der Ticketbesitzer, der Konzertteilnehmer gehört, dann die Emotionalisierung über Vorgruppen und langes Warten, dann eeeendlich das Idol, das mit simplen, aber musikalisch und vor allem rhythmisch gut eingepackten Botschaften die Massen zum Nicken und Mitschwingen einlädt. Eine musikalisch 'geeinte' Masse kann fast überallhin gelenkt und zu fast jeder Tat motiviert werden. Goebbels erkannte zwar bereits die Macht des Radios, aber heute würde er wahrscheinlich mit gefügig gemachten Popstars arbeiten.
Du musst den Massen aber nicht nur Feinde geben, bei denen sie handgreiflich werden können, sondern auch Symbole, die sie verbinden und mit denen sie sich als dazugehörig kennzeichnen, sich gegenseitig identifizieren können.

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Es kann auch nur ein Buchstabenkürzel sein wie SPQR für 'Senatus Populusque Romanus', das nun doch gut 2000 Jahre überdauert hat und bis heute auf jedem römischen Gullideckel steht – im Unterschied zum vergleichsweise kurzlebigen Hakenkreuz, das es gerade mal auf gut 12 Jahre brachte im Dienste des 'tausendjährigen Reichs.' Dann natürlich Fahnen, Flaggen und eine heroische Geschichte. Die Masse soll sich wiederfinden in den Helden dieser Geschichte und sich damit selbst erhöhen: jeder Helvetier ein kleiner Tell oder Winkelried, jede Französin eine kleine Jeanne d'Arc. So banal es ist, es funktioniert: suggeriere einer Null, sie sei Teil von etwas Grösserem – und sie erhält Bedeutung. Das stimmt auch beim Kontostand: sobald eine grössere Zahl als Null VOR der Null steht, die der Einzelne repräsentiert oder als die er sich fühlt, wird sie wesentlich, verzehnfacht die Null den Betrag – für soviel Aufwertung kann man ja auch ein bisschen mitmachen, mitjohlen, mitlaufen, mitschiesserlen, oder nicht?

ad 3) Angst
Es gibt nichts, wovor alle Angst haben – und nichts, vor dem niemand Angst hat. Die Relativität, die Freiwilligkeit und oft auch Lächerlichkeit der meisten Ängste illustrieren die mit dem Zaubertrank gesegneten Bewohner des legendären gallischen Dorfes von Asterix und Obelix. Weil sie ja dank der 'potion magique' so stark sind, dass sie auch die übermächtigen Römer regelmässig himmelwärts bengeln, bleibt ihnen eine einzige Restangst, nämlich "que le ciel leur tombe sur la tête."

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Wie erklären sich die supersoften Sozialpsychologen, die Pazifisten und Gewaltpanikerinnen, die Händchenhalter und Windelträger die Tatsache, dass alle grossen, langlebigen Geschichten von Widerstand handeln? Und zwar nicht still im Stübchen ganz nach innen gekehrtem Duckmäuserwiderstand, sondern handfestem, spürbarem Widerstand gegen jeden, der die Freiheit der Protagonisten schmälern will? Warum sind die gewaltbereiten Helden von Zorro über Batman, Superman, Spiderman, Asterix & Obelix, Terence Hill & Bud Spencer, Harry Potter, Lara Croft, Wonder Woman und wie sie alle heissen so nachhaltig beliebt, scheinen geradezu unsterblich zu sein? Warum sind Actionfilme, Thriller und Abenteuerromane so attraktiv? Könnte es nicht sein, dass wir alle ganz tief in uns ahnen, dass Ängste zum Überwinden da sind? Dass wir uns nie besser fühlen, als wenn wir etwas, vor dem wir die Hosen voll hatten, konfrontiert, angepackt, durchleuchtet und schliesslich überwunden haben? Ich wurde schon mehrfach gefragt, wie man eigentlich so bescheuert sein könne, sich für teures Geld ein tolles Pferd zu kaufen, es über Jahre zu einem polyvalenten Superathleten auszubilden und dann weit durch die Lande zu transportieren, um mit ihm über teure, künstliche und völlig unnötige Hindernisse zu hüpfen und dabei Kopf und Kragen zu riskieren?

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Die Leute haben natürlich recht. Wir sind bescheuert. Zumindest wenn man Geld und sich selbst in sicheren Bunkern bunkern und sich möglichst viel Luxus in den Bunker liefern lassen als höchste Lebensziele betrachtet. Wir tun das Gegenteil. Nicht nur, weil es unsäglich Spass macht, mit Tieren zu kommunizieren und zusammen zu arbeiten, sondern auch weil uns jede Geländestrecke tolle Gelegenheiten bietet, Ängste zu überwinden – und wir merken, dass sie mit der Qualität der Vorbereitung und der Quantität unserer Erfahrung immer kleiner werden und zu Herausforderungen mutieren, die wir gerne annehmen, ja, die wir suchen, für die wir massenhaft Zeit und Geld ausgeben, was bei den 'Normalos' ja zu so viel Kopfschütteln über uns führt. – Was uns antreibt ist die Erfahrung, dass wir mit jedem Mü mehr Angstfreiheit auch weniger anfällig werden für die Verführungsversuche von Modezaren, Meinungsvervielfachern und Möchtegerndiktatörlis, die uns zu lenken, ja nur schon in eine Masse zu integrieren versuchen. Ich kenne weltweit keinen Eventrider, den ich mir als IS-Heini, als fanatischen Politheini links-oder rechtsextremer Prägung, als einem Guru hinterher höselenden religiösen Eiferer oder als Klimawahn-Streik-Demo-Paniker vorstellen könnte. Wer sich freiwillig mit Ängsten befasst, sich ihnen stellt und sie zu Challenges mutiert, wird mit der Zeit immun gegen das bei Mullahs, Popen, Politikern, Ideologen und Verkäufern so beliebte Spiel mit der Angst. Es ist nicht Information, nicht Intelligenz, die angstfrei macht, es ist Konfrontation. Der deutsch-österreichische Philosoph Günther Anders war hochintelligent – aber er war zeitlebens gezeichnet von seiner Angst vor einem Atomkrieg. Das ist aus seiner Biographie heraus nachvollziehbar, aber m.E. trotzdem völlig freiwillig. Wer will, findet immer einen Grund, sich lebenslänglich zu ängstigen. Als Liberaler gestehe ich dies auch jedem zu. Man darf vor Spinnen, ja sogar vor Mäusen Angst haben – und natürlich auch vor der Klima-Erwärmung, den Chinesen, dem dritten Weltkrieg oder dem Weltuntergang. Ich werde erst stinkig, wenn jemand von mir verlangt, seine Ängste zu teilen. Ich verlange umgekehrt auch von niemandem, dass er meine teilt, über die ich selbst immer wieder lachen muss. Denn lächerlich sind sie letztlich – aus genügend grosser Distanz betrachtet – allesamt. Als ich vor kurzem einem alten Freund gestand, dass ich Personennamen manchmal schon Sekunden, nachdem mir jemand vorgestellt wurde, bereits wieder vergessen habe und deshalb Angst davor hätte, bald total dement zu werden, lachte der mich laut aus und prustete: "Was heisst da werden? Du bist es längst! Du kamst wahrscheinlich schon dement zur Welt!" Ich brach ihm zwar nicht die Nase, und der Schlag gegen seine Mitte wurde von seinem feisten Wanst abgebremst, aber inzwischen habe ich mir angewöhnt, die Leute nur noch mit lockerem 'Hallo' zu begrüssen und das mit den Namen auf sich beruhen zu lassen. Zumal der Freund noch ergänzte, dass es doch auch sein Schönes habe, Unnötiges nicht vergessen zu müssen, sondern schon gar nicht aufzunehmen. Angst vor der Demenz ist also mal nicht ganz ad acta, aber doch beiseite gelegt dank nicht ganz freiwilliger Konfrontation. Aber es braucht mehr. Richtige, echte, handfeste, praktische Konfrontation. Nicht jahrelanges Gelabber auf der Couch des Psychiaters, zartfühlendes Gequatsche mit Traumatherapeutinnen, auch nicht Verdrängung mit Medikamenten, Alkohol, Drogen oder esoterischem Gesäusel. Es braucht konkrete, reale Konfrontation mit dem, was jeder bei sich persönlich gerade als 'angsteinflössend' erkennt. Der Preis für soviel Fleiss ist dann irgendwann, dass man durch schonungslose Konfrontation und immer wieder trainierte Überwindung die Ängste wirklich los wird.

Wer Schiss hat im Dunkeln und sich dann gerade deshalb raus wagt, ein paar Nächte im Wald verbringt, merkt, wie die andern Sinne geschärft werden, wenn der Sehsinn eingeschränkt ist, entdeckt, wieviel man auch mit ganz wenig Restlicht noch sieht, kommt gestärkt zurück und kann diese Angst ad acta legen. So ist es m.E. mit allen Ängsten, auch der Angst vor dem Alter, vor Sterben und Tod. Und am Schluss bleibt wirklich nur die von Asterix und Obelix übrig.

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Das umschmeissendste Indiz für einen lockeren, spielerischen Umgang mit Angst liefern aber die Kids. Wenn man ihnen das Märchen vom Rotkäppchen erzählt, freuen sie sich am meisten auf den Moment, wo es den in Omas Bett liegenden Wolf fragt, warum er denn ein so grosses Maul habe, worauf er leise antwortet "Damit ich dich besser..." und dann gaaaanz laut:"FRESSEN KANN!!!"", effektvoll mit einer entsprechenden Schnapp-Bewegung zum nächstsitzenden Kind ausgeführt, ein garantierter Erfolg, der mit "Nochmals! Nochmals!"-Rufen quittiert wird. Dasselbe beim alten Schweizer-Versli "Am Fitzestolle Bergli, da wohned 7 Zwergli..." Der Witz ist, dass die Kids zwar haargenau wissen, dass jetzt dann gleich der schrecklich laute Ausbruch kommt – und doch jedesmal wieder erschrecken, aber eben lustvoll erschrecken und den Angstmoment immer nochmals erleben wollen.

Genau so ging es mir, als eine Besucherin in meinem kleinen Hexenhaus eine für hiesige Verhältnisse doch recht grosse Spinne entdeckte, aber nicht loskreischte, sondern das Tierchen in die Hand nahm, es mit der andern Hand überdachte und am Abhauen hinderte, es liebevoll betrachtete, befand, dass es ein besonders hübsches Wesen sei und mir entgegenstreckte. Möchtegernmacho, der ich war, konnte ich mir natürlich keine Blösse geben, tat furchtbar cool und übernahm das achtbeinige Tierchen, wie wenn es ein Marienkäferchen mit Pünktchen auf den Flügeln gewesen wäre. Und genau das war der Schlüssel. Ich wollte dann – wie die Kids beim Wolf – immer wieder eine Spinne in die Hand nehmen, weil es natürlich trotzdem noch etwas Überwindung brauchte. Die Lust an der Angst ist eben genau besehen die Lust an der Angst-Überwindung. Sie ist es, die mit Lust verbunden ist und deshalb nach Wiederholung drängt. Aber um etwas zu überwinden, muss man es sich ja zuerst einmal in den Weg stellen, wie wir das mit unseren Geländesprüngen machen, oder eben konfrontieren, sich darauf einlassen, wie das die Kids tun – und wie es die meisten erwachsenen Taking-Care-Freaks vergessen haben und mit ihrer Sicherheitshysterie die Kids vergessen machen. Aber da die meisten diese Lust an der Angstüberwindung als Kind kannten, lässt sie sich – so meine optimistische These – auch wieder wecken, wenn man genug stark schüttelt.

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Aber don't worry, die paar Angstfreien sind vernachlässigbar, wenn ihr Massen verführen wollt. Versprecht Sicherheit – nicht für die ganze Welt, nur für euer Zielpublikum. Gerade weil alle andern, die Tutsi, die Kroaten, die Ungläubigen, die Schiiten, die Kroaten, die Juden, die Klimafeinde ja ausgelöscht werden, wird euer Zielpublikum, eure Gruppe, euer auserwähltes 'Volk' an Bedeutung, an Grösse, an Sicherheit gewinnen – logisch, wenn die andern alle tot sind, können sie eurem Fähnlein der Aufrechten, der Wahren, der Einzigen auch nichts mehr anhaben. Aber zuerst müsst ihr sie ja dazu bringen, die andern auszulöschen. Da helfen sprachliche Tricks. Scheut nicht vor den simpelsten Slogans zurück: Schreit "Kleingurmels den Kleingurmelsern!" – und keiner lacht. Nein, dieser Ruf wird die Kleingurmelser zu einer kämpferischen Einheit verschmelzen. Sagt euren Patrioten, dass die Zeit der Rache gekommen ist für all die Übergriffe der Grossgurmelser, macht ihnen klar, dass Kleingurmels nun endlich mehr Lebensraum braucht – und dann zieht los mit Schaufeln, Pickeln und Steinschleudern – singt dazu noch das auf Gurmels umgetextete Lied von den Mauern von Jericho, die alle einstürzen und ihr werdet sehen: in Grossgurmels bleibt kein Stein auf dem andern – und ihr werdet erste Präsidentin des vereinigten Ganz-Gurmels, des Reichs der Gurmuleser. Aber dann beginnt die eigentliche Arbeit erst. Nun muss ja die Revolution, der ganze Aufruhr, die Instabilität, die der Krieg gegen Grossgurmels mit sich brachte, wieder in Stabilität, in Ruhe und Ordnung übergeführt werden. Also sofort strenge Regeln erlassen, die von starken Kräften durchgesetzt werden. Nennt sie Revolutionsgarden oder Revolutionswächter, wie die erzkonservativsten, stocksteifsten Mullahs im Nahen Osten sie und sich nennen. Und eurer totalitären, repressiven Diktatur verpasst ihr das Etikett der 'permanente Revolution', im Gedenken an Trotzki und an Fidel Castro, den long-time-Diktator Kubas. Das gibt wenigstens sprachlich dem Erstarrten noch einen touch von Wildheit, von Aufbruch, von Kampf für die Freiheit, auch wenn die längst nachhaltigstens verflogen ist.

Und mit dem Besetzen des Begriffs 'Revolution' sind wir beim anspruchsvollen, aber nicht minder wichtigen Schritt, die Deutungshoheit für zentrale Begriffe an sich zu reissen, wie das Deutschland mit der 'Willkommenskultur' gerade vorgemacht hat, einem wunderschön positiv konnotierenden Term, der alle andern gleich als morallose Bösewichte dastehen lässt. Aktuell in Helvetien wäre es der bereits erwähnte 'Klimafeind', eigentlich ja ein so absurdes Kompositum wie 'Wetterfeind', aber egal, es grenzt alle aus, die nicht dazugehören und stellt sie als Deppen hin – mehr braucht's ja gar nicht.

Dann unbedingt das Schildern von Weltuntergangsszenarien üben! Skizziert mit triefendem Pathos und deklamatorischer Kunst, wie alles vor die Hunde geht, wenn nicht jetzt sofort alles gemacht, geändert, gedreht wird, nicht nur in Gurmels, sondern minimal im Staat, auf dem Kontinent – oder doch besser gleich auf der ganzen Welt. Die Welt 2.0 ist zurzeit bei Greta & Co bereits im Gespräch. Das gibt euch Prophetenstatus, eine visionäre Weite, wenn ihr eben über den Tellerrand von Gurmels hinaus in die Welt schaut und sie gleich mitrettet. Sprecht besorgt vom Weltraum-Müll, dann seid ihr uneinholbar mit eurer Weitsicht, dann könnt ihr den Abstand von kleinen egozentrischen Zielen in Lichtjahren- oder wenigstens in Lichtsekunden messen und niemand – wirklich NIEMAND – kommt auf die geradezu ketzerische Idee, ihr tätet das alles nur für euch, für mehr Geld, mehr Macht, mehr Ruhm.

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Nun: wie macht man die Welt komplett neu? Natürlich mit – ach, keine Bange, nur kurzfristig – etwas schärferen, einschneidenderen Regeln, neuen Freiheitseinschränkungen, neuen Verboten, selbstverständlich nur solange, bis alle Hutus oder alle Ungläubigen tot, alle Terroristen ausgerottet, alle Atomwaffen vernichtet sind oder bis sich die Erde wieder abgekühlt hat. Dann werden all die Verbote aufgehoben und die Zwangsabgaben sistiert, dann, wenn die Ängste gebannt und die Sicherheit wieder hergestellt ist, werden die Freiheiten alle wieder gewährt. Aber – logo – erst dann.

Und wenn ihr das durchhaltet über zwei bis drei Generationen, gewöhnt sich eure Masse an die Unfreiheit. Waren die Russen überhaupt je frei in den letzten zweitausend Jahren? Ich meine 'frei' hier mal ganz simpel politisch, so mit Freiheitsrechten und so. Und die Chinesen? Ich weiss es nicht. Aber ich bin überzeugt, dass die heutigen Russen und Chinesen es einfach gewohnt sind, dass ein allmächtiger Zar, Kaiser oder Präsident das Sagen hat, dass unbequeme Zeitgenossen einfach verschwinden und nie wieder auftauchen. Das Experiment DDR hat gezeigt, wie schnell sich die Bewohner an die Diktatur gewöhnt haben und einige sie bis heute sogar vermissen. Denn das Schöne daran, Untertan in einer Diktatur zu sein, ist, dass man nichts denken, nichts entscheiden und auch keine Verantwortung übernehmen muss. Das machen ja alles 'die da oben'.

Wenn man helvetischen Grünen zuhört kurz nach den im Zeichen der Klima-Panik gewonnenen Parlamentswahlen, so dringt diese Mentalität recht unverblümt durch. Die grünen 'Eliten' wollen das gewöhnliche Volk entlasten, ihnen schwierige Entscheidungen abnehmen, wollen mit Regeln, Verboten und weiser, also linksgrüner Führung das thumbe Volk auf den richtigen Weg bringen, sie zum richtigen Denken und Handeln hinführen... Genau so macht man's! Nix von explizitem 'Freiheitsentzug', nix von 'Entmündigung' – nein, alles nur aus Liebe, aus Empathie, aus Mitleid mit dem einfachen Volk, das doch völlig überfordert wäre mit all den grossen Entscheiden, die an ihrer Statt dann die fachkompetenten Polit-Eliten für sie fällen und das arme Volk damit grosszügig entlasten – reinstes, aufrichtigstes 'taking care'. Man gibt doch den kleinen Kindern auch keine Zündhölzer in die Hand, oder nicht? Das Volk darf sich unbeschwert damit begnügen, die Regeln einzuhalten, die Verbote zu respektieren und die – verständlicherweise etwas angewachsenen – Kosten zu berappen. Wenn ihr es so anpackt, dabei immer lieb und nett seid, damit schon gar kein Verdacht aufkommt, ihr hättet diktatorische Absichten, gelingt's. Denn Diktatoren sind doch erstens Männer und zweitens böse säbelrasselnde Männer, martialische, so mit Schnurr- oder Vollbärten, wohingegen ihr doch lieb, nett, besorgt, fürsorglich, empathisch, immer mit dem Mundschutz und den Windeln im Gepäck für die euch anvertrauten Schäflein, den Weg in die Diktatur auf Samtpfoten geht – Sowjetisierung durch die Hintertür, sozusagen. Und die Kritik allfälliger Frechdachse kontert ihr mit den Ängsten des Volkes, die ihr – im Unterschied zu den Frechdachsen – eben ernst nehmen und euch aufopfern würdet, um diese Ängste zu lindern. Ja, vergesst nie das 'Aufopfern' und übt den dazu passenden Gesichtsausdruck vor dem Spiegel. Vor allem Männer müssen das lange üben, Frauen haben das meist von Geburt an drauf:

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Dieses 'Leiden an der Welt' macht ja die Greta so unwiderstehlich. Man fühlt sich sofort schuldig, vor allem wenn man trotz des nahenden Weltuntergangs noch stinkefröhlich, ja glücklich ist. Man hört sie im Hintergrund "How dare you?" quäken und weiss, wenn sie jetzt - JETZT! - ihrem Magenkrebs erliegt, sind wir, nur wir allein schuld und das Schicksal wird uns einholen, uns strafen, uns im erwärmten Klima auf kleinem Feuer köcherlen, auf dass wir lange leiden und uns der Fluch Gretas doch noch ereilt, der Bannstrahl uns trifft - ihr seht, ich hab das schon ziemlich geübt mit den Horrorszenarien, aber das war mal ein Kinderspiel bei uns zuhause, also nicht weiter verwunderlich.

Und das führt uns zu einem weiteren ganz wichtigen Element, das sich aber eigentlich ganz logisch aus der Angstkultur ergibt: lasst euch nie – NIE! – beim Lachen erwischen. Lachen ist ein Beweis für Morallosigkeit, für Stumpfheit, für Dumpfbacken, die den Ernst der (Welt-)Lage nicht begriffen haben. Wie kann man noch lachen, wenn es nicht fünf, sondern eins vor 12 ist, wenn der Planet mit der ganzen Menschheit draufoben doch drauf und dran ist, kläglich unterzugehen, eine zischende, leblose Kugel, die durchs Universum irrt. – Traut euch, auch die ganz grossen Bilderkarten zu ziehen, kein Pathos ist zu dick aufgetragen, kein Untergangsszenario zu deftig. Nutzt all euer Talent, um eure Knetmasse zum Zittern zu bringen. Denn nichts ist schöner und leichter zu führen als eine Herde Angstgeschüttelter. Während Jahrhunderten führend war diesbezüglich die katholische Kirche mit ihrer Hölle. Mit deftigen Bildern brachte sie auch die mächtigsten Herrscher zum Zittern – und zum Zahlen, was ja immer der beste Beweis dafür ist, dass man die Anbefohlenen im Griff hat.

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ad 4) mit 1-3 im Gepäck kannst du alles – ALLES – durchsetzen
Das sind doch eigentlich rosige Aussichten. Natürlich darfst du noch politische Wissenschaften studieren; auch Wirtschaft und Psychologie wäre hilfreich – und um die Regeln hieb- und stichfest zu machen etwas Jurisprudenz zum Abschmecken. Aber wenn du eher der pragmatische Typ bist, dann schaust du ganz genau hin, wie es Erfolgreiche wie Putin und Greta machen, mischst dir den geeigneten Cocktail zusammen und hältst dich dann schön an meine Tipps: Angst erzeugen, Schuldige und damit Feinde benennen, deine Zielgruppe stärken, das Blaue vom Himmel versprechen, einfache Ziele formulieren, Symbole kreieren, sukzessive deine Macht ausweiten, sie immer mehr auf dich, auf eine einzelne Person konzentrieren – und wenn sie genügend gross ist, deine Macht, dann setze sie gnadenlos durch. Und wenn du mal sicher auf dem Thron sitzt: sei nicht zimperlich mit Oppositionellen, mit allen, die an deinem Stuhl sägen könnten. Wenn es um den Machterhalt geht, ist Härte angezeigt, denn Macht erzeugt Neider – und irgendwann kommt er, der mit dem Dolch im Gewande...

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Alternativen?
Die gibt es natürlich. Du kannst Untertan werden. Oder bleiben. Immer nach oben schauen, kniefällig, oder Couch-Potato, Fan sein, safe vor der Glotze Zuschauer sein, 'Applaudant', Mitläufer in irgendeiner 'Bewegung', Hinterherhöseler und Windelträger. Einfach Finger benetzen, in die Luft halten und dort, wo der Finger schneller kühl wird, kommt der Wind her – du läufst also in dieselbe Richtung, in die der Wind weht, in die der Mainstream fliesst. Da bist du nie allein. Das wäre jetzt gerade Greta. Du kannst dich ja auch ein wenig profilieren innerhalb der Bewegung. Gründe doch die Subgruppe 'Fräidei voor Fjutscher of Niederscherli' und motiviere mutig auch die Grossen, am Freitag zu demonstrieren, statt zur Arbeit zu gehen. Einfach CO2-frei bleiben beim Demonstrieren, also nicht zu arg ausatmen. Du wirst sehen, sowas spült dich sofort nach oben, die Medien drucken zurzeit auf grünes, klimaneutrales Papier. Vielleicht wirst du so sogar die erste grüne Bundesrätin, völlig anstrengungsfrei!

Nutze die Gunst der Stunde: zurzeit reicht es vollkommen als Leistungsausweis, sich grün anzumalen – und schwups, bist du dabei. Das nächste Mal ist es vielleicht wieder irgendein Kreuz mit oder ohne Haken, oder du musst so rote Kleider tragen, auch drunter, oder du musst Ausserkantonale skalpieren. Egal, mach einfach mit, dann fällst du nicht auf und raus. Das sagten sich die meisten damals auch, als der Adolf kam. Sich ducken und mitlaufen ist doch immer noch das einfachste. Und falls es je ein 'Danach' geben sollte,kann man sich immer noch dumm stellen - meist muss man sich dafür ja gar nicht allzusehr verrenken - und sagen, man habe von nichts nichts gewusst. Mitlaufen empfiehlt sich vor allem für Unsichere, Orientierungslose, etwas Stumpfe, die sich gern bei Stärkeren anlehnen, die dann ohne Federlesens vorschlaghammermässig zuschlagen.

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Ein einziger solcher Stumpfstiefel reicht allerdings, und die Leichtigkeit, das Lachen, das Debattieren, das Weiterentwickeln, das Gestalten, das Abenteuer, die Freude – alles verflüchtigt sich in Sekundenschnelle und macht der Intoleranz des Pharisäers, der Rechthaberei des selbstverliebten Wissenschaftlers und der Binarität des Krieges Platz. Erkennen könnt ihr es ganz leicht an der völligen Abwesenheit von Humor. – Ich verstand das lange Zeit nicht, glaube aber heute einen Zipfel des langen Halstuches erhascht zu haben, das zur Erkenntnis führen könnte: Dummheit ist meist mit Unsicherheit gepaart. Der Dumme ahnt es – auch wenn er sich Mühe gibt, es zu verdrängen – dass er dumm ist. Der Unsichere, Orientierungslose sucht also nach Sicherheit und Orientierung. Da reicht ihm ein Spiel mit änderbaren, also instabilen Spielregeln nicht, auch keine Modell, keine Weltsicht, keine Religion, die sich nur als eine Möglichkeit von vielen ausgibt. Diese Freiheit der Wahl überfordert ihn, erschreckt ihn, verunsichert ihn noch mehr. Er braucht unerschütterliche Stützpfähle, Mauern, die weder niedergerissen noch überwunden werden können von bösen Andersdenkenden – er braucht absolute, unumstössliche Wahrheit, und er braucht Rezepte, wie man 100% richtig denkt, fühlt, handelt, lebt. Dafür ist er bereit, auf fast alle Freiheiten zu verzichten. Es beginnt ganz harmlos bei der Bekleidung und Ernährung. Er schaut sich um, was gerade Mode ist, was gerade 'in' und 'Mainstream' ist, was die andern, die Mehrheit, die 'Opinionleader' machen. Also wendet er sich den entsprechenden Anbietern zu: Modepäpsten, selbsternannten Vordenkern, Meinungsmachern, oder auch gleich Diktatoren, Mullahs, Ideologen, Fanatikern, die ihre Weltsichten, ihre Religionen und Ideologien mit Gewalt zu vertreten bereit sind. Diese Gewaltbereitschaft gibt ihm Sicherheit und Orientierung. Da kann er mitmachen, ohne befürchten zu müssen, dass eines Tages plötzlich Hands im Strafraum keinen Penalty mehr gibt, dass man Handball auch mit den Füssen spielen und Schwarze plötzlich gleiche Rechte wie Weisse haben sollten.

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Wenn man mitmachen, mitlaufen und ein bisschen mittöten kann, ohne sich zu erkennen zu geben - dann ist das natürlich der 6-er im Lotto für einen Windelträger.

Beobachtungsposten
Eine weitere Möglichkeit wäre – aber die ist etwas anstrengend, ich warne dich – ein so toller Hund zu werden, soviel Rückgrat zu entwickeln, dass du weder die Machtfülle des Minidiktators noch die Stütze der Mainstreamgruppe brauchst, in der du mit täppelst. Das wäre also sowas wie 'umfeld-unabhängiges Rückgrat'. Erfordert allerdings ein vielleicht bescheidenes, aber doch genügend starkes Selbstbild, das dir ausreicht, um dich in die Richtung zu bewegen, die du für die dir gemässe, die für dich richtige hältst. Und das zu denken, zu sagen und zu tun, was du für gut und richtig hältst, ohne dabei Macht über andere auszuüben. Aus dem schlichten Grund, weil du vollauf damit beschäftigt bist, deine eigenen Fähigkeiten zu verbessern, zu erweitern, Macht über dich selbst zu erlangen, nicht zum Sklaven deiner Bedürfnisse zu werden, sondern im Gegenteil über immer mehr Bedürfnisse und Abhängigkeiten hinauszuwachsen. Wenn dir das einigermassen gelingt, wirst du auch frei vom Bedürfnis, es allen recht zu machen, bei allen beliebt zu sein oder von möglichst vielen gekannt zu werden. Und du erträgst die Konfrontation mit denen, die dich zu irgendetwas zwingen wollen, die Gehorsam von dir verlangen oder dir Nachteile androhen, wenn du nicht mitmachst, mitshitstormst, mitausgrenzt, mitmarschierst, mitstreikst, mitbrüllst oder mittötest.

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Diogenes hat das offenbar geschafft, lebte in einem Fass, ein paar Strassenhunde um sich, völlig frei von Konsumbedürfnissen. Und als Alexander der Grosse, der mächtigste Mann seiner Zeit, vor ihn hintrat und ihm grosszügig einen freien Wunsch gewährte, schaute er nicht einmal auf und murmelte bloss:"Geh mir aus der Sonne." - Cool oder?

Wenn du also all das schmunzelnd überstehst, wächst mit der Zeit eine ganz andere Qualität von Freiheit in dir heran, etwas mehr Inneres als Äusseres. Viele denken bei Freiheit an die Möglichkeit,aus 20 Eissorten auswählen zu können; an die Freiheit, alles zu kaufen, überall hin zu reisen, überall teilzunehmen – also die Art von Freiheit, die Geld und Macht erfordert und Erfolg, Glamour verspricht.

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Die Freiheit, von der ich spreche, ist eine ganz andere. Eher die von Diogenes. Es ist die Freiheit von diesen Bedürfnissen nach Geld, Macht, Erfolg und Glamour. Und diese sogenannte negative Freiheit von etwas schafft Freiraum für die positive Freiheit zu etwas, zu so komischen Dingen wie 'innerem Wachstum' und 'Abstand zum Ego' oder 'Ferien vom Ich'. Etwas krude Bilder, ich weiss, aber stellt euch vor, ihr könnt euch auf eine Beobachterposition begeben, in einen Ausguck, auf einen Hochsitz oder einfach angelehnt an einen Baum – und von dort aus seht ihr nicht nur auf das bunte Treiben der Welt, sondern auch euch selbst, seht euch da rumwuseln, denken, reden, schreiben, arbeiten, reiten, mit den Hunden rumsausen, was auch immer tun – und habt soviel Beobachtungsdistanz, dass ihr schmunzeln könnt über den Rumwuselnden, wie wenn ihr einen Film anschautet oder wie wenn ihr euch das Ganze aus der Perspektive eines Historikers ansehen würdet, der auch noch den ganzen gerade modischen Zeitgeist aus relativierender Distanz betrachten kann. Keine Bange, da braucht ihr nicht gleich zum Seelenklempner zu rennen wegen gespaltener Persönlichkeit. Ihr kommt ja locker jederzeit wieder zurück von eurem Beobachtungsposten. Aber die Identifikation mit dem Körperfahrzeug ist etwas weniger verbohrt, weniger alternativlos, etwas gelassener als bei denen, die diese Freiheit noch nicht kennen.

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Aber das ist eine Alternative, die man auch als letzte probieren kann, nachdem man mit den andern rumgemacht und vielleicht nicht ganz so glücklich geworden ist dabei, wie man sich das erhofft hat. Denn sie ist natürlich nicht ganz ohne. Und ich verstehe jeden Jungspund, der diese komische innere Freiheit, von der ich da schwafle, bedeutend weniger attraktiv findet als einen richtig geilen Sportwagen, der aber verdammt nochmal einen Haufen Geld kostet, das man zuerst zusammenrackern muss, mit dem man dann aber genau bei den richtigen Girls die Glamourkarte spielen kann. Und ich habe auch Verständnis für jede junge Schönheit, die sich zu 100% mit ihrem Körper identifiziert und die Wirkung, die dieses Luxusfahrzeug auf andere hat, in vollen Zügen geniesst. – Aber so gegen Schluss, wenn bei beiden der Lack etwas abgeblättert ist, kommt euch vielleicht die Freiheits-Furzidee mit dem Beobachtungsposten, von dem aus man sich und die andern rumwuseln sieht und sich dabei sogar noch fast futsch lachen kann, wieder in den Sinn?

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Fazit, Summary, Conclusion oder Tipps gefällig?

Wenn ich die obigen Gedanken zu ein paar knackigen Schlüssen zu verdichten versuche, so kann man die natürlich auch als 'Tipps' lesen. Aber eigentlich sind es Verhaltens- oder Handlungsanweisungen an mich selbst, die sich aus den aufgeführten Argumenten für mich ergeben, aber ohne den Anspruch, dass sie auch für dich gelten sollen. Denn der erste Tipp lautet:

1) Glaube niemandem nichts, was du nicht gekostet, probiert, getestet, analysiert, durchleuchtet - und für gut befunden hast.

2) Misstraue auch und besonders deinen eigenen 'Wahrheiten'. Schau genau hin, wem du sie nachplapperst, wer sie dir mit der Muttermilch eingeflösst oder irgendwo auf deinem Weg eingeimpft hat

.

3) Misstraue allen, die auf dem Geld-Macht-Ruhm-Trip sind, auch dir selbst, wenn du diese Gier in dir entdeckst.

4) Bewerte weder dich noch andere aufgrund des äusseren Erfolgs. Respektiere niemanden nur aufgrund seines Vermögens, seiner Machtposition oder seiner Bekanntheit. Respektiere Einsatz, Leistung, die ohne Anerkennungsgeilheit erbracht wird, Commitment, Verlässlichkeit, Freundschaft.

5) Hör nicht auf die, die dir zujubeln, hör auf die, die dich mit nüchternen Argumenten kritisieren. Misstraue geeinten Gruppen, Parteien, Menschenmassen, die alle dasselbe verkünden, dasselbe tun, dasselbe essen, dasselbe konsumieren und dieselben Ansichten äussern. Lerne, den Geruch von Gehirnwäsche, politischer Ideologie, religiösem Wahn so frühzeitig zu erschnuppern wie ein Sprengstoffhund seine Beute.

6) Misstraue allen in Sprache verpackten Emotionen, auch deinen eigenen. Prüfe sie auf Heuchelei, Berechnung, Verführung. Nimm nur Emotionen ernst, die sich in Taten zeigen.

7) Gehorche nie. Wenn du eine Aufforderung befolgst, weil du sie für sinnvoll hältst, ist es nicht Gehorsam, sondern selbstbestimmtes Handeln, das auf berechtigtem Vertrauen in die Kompetenz des dich Auffordernden beruht. Verlange umgekehrt auch von niemandem Gehorsam.

8) Lass dich zu nichts zwingen, von niemandem vereinnahmen. Wenn jemand es gegen deinen Willen trotzdem versucht, wehre dich mit allen Mitteln, auch mit Gewalt.

9) Verlache alle, die dich mit Pathos, Entrüstung und hysterischem Getue in Angst und Panik versetzen wollen. Wenn sie lästig werden, nimm Abstand. Wenn das nicht gelingt, klag sie ein. Hilft auch das nicht, hau ihnen eins in die Fesse, das ist dann Notwehr.

10) Stell dich deinen Ängsten, tu nicht so, als wärst du schon völlig angstfrei, wenn du es noch nicht bist, aber bleib auch nie in einer Angst stecken. Konfrontiere sie, nimm sie als Herausforderung an, als Challenge, als Abenteuer, nimm sie wie Federer ein Spiel gegen Nadal und freu dich drauf, auch und gerade, weil der Ausgang ungewiss ist.

 

Auf euer Feedback freut sich: info@marpa.ch; Christoph A. Meier-Marpa,
Sennhof 1, CH-8594 Güttingen, +41 79 430 57 67

 

 

Denk-Aufgaben von Christoph Meier-Marpa

 

Denk-Aufgaben 2018

1910A Trutztipps

1910 An die Putin- & Greta-Bewunderer

1909 KO-Tropfen für die Meinungsäusserungsfreiheit

1908 Binarität

1907 Rassismus

1906 Angst macht dumm

1905 Tod eines Gedenkenden

1904 Tipps für Kühlschränke, Frauen und Restmänner

1903 Mein Coming out

1902 Bist du kultursensibel?

1901 Rassist, Fundi oder beides?

 

Denk-Aufgaben 2018

1812 Zeus und Gaialina

1811 Gesellschaftsutopien

1810 Kooperation

1809 Aber es sind doch nur Menschen!

1808 Selbstbestimmung

1807 Kantonstierarzt Ulk

1806 Opfer-Taeter

1805 Der Marpa-IQ-Test

1804 Untergang

1803 Der Radfahrer

1802 Joggerin und Wildsau

1801 Katastrophitis

 

Denk-Aufgaben 2017

1713 Feliz Navidad

1712 Samichlaus

1711 Bist du auch traumatisiert?

1710 Taking Risk vs Taking Care

1709 Gretchenfragen

1708 Dein Kampf

1707 ...und führe uns nicht in Versuchung...

1706 13 Tipps für Männer

1705 Thesen-Anschlag

1704 Helvetien - eine Gesellschaft von Softies?

1703 marpa-philosophy

1702 Software

1701 Eigentherapie

 

Denk-Aufgaben 2016

1606 Transition

1605 Globalisierung

1604 Opti und Pessi

1603 Endlich Opfer!

1602 Echt?

1601 Angst und Vorsicht

 

Denk-Aufgaben 2015

1506 Glaube nichts

1505 Erfinde Dein Kollektiv

1504 Selbstvergewisserung

1503 Housi Moser: "Zum Wohl"

1502 Religiöse Gefühle

1501 Murmur

 

Denk-Aufgaben 2014

1405 Linkes Denken - ein Grundlagenirrtum

1404 Die Verwechslung von 'Wahrheit' und 'Aufrichtigkeit'

1403 Die 11 Marpa-Gebote

1402 Gleichheit

1401 Geschlossene, offene oder semipermeable Beziehungen?

 

Denk-Aufgaben 2013

1308 Die Hausmaus Mauro

1307 Unterscheidbarkeit und Sinuskurve

1306 Die Crux mit dem Primat der Naturwissenschaften

1305 Unterdrückung des Denkens

1304 Machtmissbrauch

1303 Identität

1302 Beamtenträume

1301 Der Osterhasen-Sprung

 

Denk-Aufgaben 2012

1207 Olympische Tricks

1206 Whistleblowing

1205 Staat und Wissenschaft - die Götter der Neuzeit

1204 Ehrenamtlichkeit

1203 Heiterkeit

1202 Promethea

1201 Erleuchtung zum Schnaeppchenpreis

 

Denk-Aufgaben 2011

1104 Wenn Glück weh tut

11/03 Therapiespiel: Meine Lieblings-A-Loecher

11/02 Demokratie und Mündigkeit

11/01 Exclusive Adventure

 

Denk-Aufgaben 2010

10/12 Merlins Freundin

10/11 Der Spaziergang

10/10 Roswitha das Wiesel

10/09 Endlösung

10/08 Liebe, Lust und Ehe

1007 Freude an der Gewalt

10/06 Dialog

10/05 Dekadenz als Chance

10/04 Erziehung - ein fundamentalistisches Konzept?

10/03 Betrugsberater

10/02 Prostitution

10/01 Glauben oder Wissen?

10/00 Projekte

 

Denk-Aufgaben 2009

9/12 Vom Christentum und anderen Mythen

9/11 Sarah

9/10 Anerkennung

9/09 Sicherheit und Freiheit

9/08 Achtsamkeit

9/07 Der ewige Wandel im Jetzt

9/06 E-V-E

9/05 Mogelpackung

9/04 Wohlfahrtsstaat

9/03 Ungehorsam

9/02 Soihundswaetter

9/01 Bastelnachmittag

 

Denk-Aufgaben 2008

8/15 Housi Moser: Jage

8/14 Und sie bewegt sich doch...

8/13 Dümmste Sätze II

8/12 Weglassen

8/11 Die Legende vom wilden Baum

8/10 Reisen

8/09 Der Trauma-Trend

8/08 Lob der Dummheit

8/07 Was denkt ein Bär?

8/06 Sicherheit - um welchen Preis?

8/05 Schöpfung - Ent-Schöpfung

8/04 Freundestreue

8/03 Fundament A List

8/02 Weltenretter Rilf

8/01 Marpa-Aphorismen

 

Denk-Aufgaben 2007

7/13 Flynn und Emma

7/12 "Mach etwas aus deinem Hass!"

7/11 Schule als Spiegel der Gemeinschaft

7/10 Housi Moser: Teiche

7/09 Versöhnungsversuch Schöpfung/Entschöpfung

7/08 Freund oder Feind?

7/07 Housi Moser: Liebi

7/06 Dilemmakompetenz

7/05 Frau und Macht

7/04 Fallender Schnee

7/03 Der Trick mit dem Einverstandensein

7/02 Die Welt als Selbst-Bedienungsladen

7/01 Housi Moser: Talänt

 

Denk-Aufgaben 2006

6/12 Das Perpetuum Mobile

6/11 Wie hast Du's mit dem Glück?

6/10 Absolutheitsansprüche

6/09 Housi Moser: "Im Anfang war das Wort"

6/08 Gesucht: die folgenschwersten Sätze des Abendlandes

6/07 Housi Moser: Abschied

6/06 Religionen - Angst-Narkotikum oder Angst-Überwindungsmodelle?

6/05 Weiter Denken

604 Wenn Liebe trennt

6/03 Demenz

6/02 Ambivalenz von Wissen und Können

6/01 Housi Moser: Boue

 

Denk-Aufgaben 2005

5/12 Das Weihnachtslagerfeuer

5/11 Rotkäppchens Coming-out

5/10 Housi Moser: Froue

5/09 Geburt

5/08 Sprache und Selbstreflexion - for humans only?

5/07 Quelle statt Causa

5/06 Lieben heisst, die Welt durch die Augen des andern zu sehen

5/05 Kunst und Jetzt

5/04 Schönheit?

5/03 Lust auf ein Umstürzchen?

5/02 Wahrheit auf Berndeutsch

5/01 Elefantenblau

 

Denk-Aufgaben 2004:

4/12 Alternative Wahrheitsmodelle

4/11 Das Zuwendungspronomen MEIN

4/10 Gibt es ein Leben nach der Geburt?

4/09 Gefahr und Klarheit

4/08 Gibt es Gott?

4/07 Kausalität und Wirklichkeit

4/06 WEIL

4/05 Lust auf Intimität?

4/04 Modell-Theorie

4/03 Objektivität

4/02 Humor

4/01 Gwunderfitzli

 

Denk-Aufgaben 2003:

3/13 Staunen

3/12 Weltverbesserungsfalle

3/11 Arbeit

3/10 Housi Moser: Für e Momänt

3/09 Autonomie

3/08 Ich befürchte, dass...

3/07 Das Königskuchenmodell

3/06 Die neue Triathlon-Formel: Körper-Seele-Geist

3/05 Richtig leben mit Wunibald

3/04 Jenseits von Gier und Schmerz

3/03 Der Trick mit dem Glück

3/02 Achtsam managen

3/01 Religio

Denk-Aufgaben 2002

2/06 Form und Inhalt

2/05 Konfliktkultur

2/04 Ganzheitliche Bildung

2/03 "Das Beste im Leben sind die Katastrophen"

2/02 Herzöffner zum Du

2/01 "...denn der Mensch ist nur ein Märchen"

 

Denk-Aufgaben 2001

1/04 Die Weisheit des Ostens

1/03 Angst und Liebe

1/02 Nichts ist nur richtig - nichts nur falsch

1/01 "Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis"

 

Archiv